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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-30 · 43 (30.10.1891) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
43 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 43 OeAerreichische Wochenschrift. Seite 803 jüdische Ackerbauschule „Mikrve - Israel" mit ihren weißen, schmucken Häusern, welche durch die grünenden Zitronen-, Maulbeer- und Pfirsichhaine schimmerten — fürwahr, ein entzückendes Landschaftsbild, auf dem mein Auge minutenlang in trunkener Lust ruhte. Je mehr ich mich der Anstalt näherte, desto größer wurde mein Erstaunen über die langen Getreidefelder, sowie die ausgedehnten und wchlgepslegten Obst- und Gemüse-Anpflanzungen ivelche ich erblickte. Allerdings hatte ich schon früher einrnal, mit) zwar Anfangs der Achtziger Jahre, als der Begründer der Anstalt, Herr Netter, noch lebte, „Mikwe" besucht. Aber inzwischen hatte die ganze Anlage so bedeutende Fortschritte gemacht und waren besonders die Anpflanzungen so üppig und kräftig emporgewachsen, daß sie ein weit anmuthigeres Bild darboten als ehedem. Aus gut bewässertem Baden heraus erhoben sich Orangen-, Cedrate- und Nußbäume. Dann folgten sorgsam kultivirte und mit allerhand Gemüse bebaute Flächen, aromatische Erbeerronden u. s. w., bis ich schließlich meinen Rappen unter schattigen Terebinthen ein wenig verschnaufen ließ. Nach kurzer Rast bog ich von dem Hauptwege ab und in eine Ouerallee ein. Hier hatte ich zu beiden Seiten stattliche Akazien und hinter diesen in bunter Abwechslung sowohl kleine Fruchtgärten als Bohnen- und Spargelbeete, letztere zuweilen in einer Länge von sechzig bis ach zig Metern. Dazwischen spendeten zahlreiche mit Steinen eingefaßte Brunnen die erforderlichen Wasser- > mengen in reinlichen Gräben. Ueberall wehte Kühlung und herrschte eine angenehme Frische. Kerngesunde, lebensfrohe Knaben tummelten sich mit Spaten, Haue und anderen Geräthen in diesen Plantagen. Lehrer und Aufseher gaben ihre Anordnungen und dies Alles auf einem Terrain, das wenig mehr denn zwanzig Jahre zuvor noch eine steinige, mit Unkraut bewachsene Wüste geivesen, durch welche kein Pfad hindurchführte, auf der kein Baum seine Aeste ausbreitete und kein Ouell plätscherte. Es ist geradezu erstaunlich, was hier in verhältnißmäßig wenig Jahren geleistet wurde. Wie einst Moses dem Kiesel Wasserströme entrang, so schufen hier nimmer müde Hände in einer tristen Einöde die herrlichste und lieblichste Oase. — Am Wohnhause angelangt, stieg ich vom Pferde herab und betrat alsdann unter freundlicher Führung das Innere des Hauptgebäudes, das gewißermaßen auf einem breiten Erdwall inmitten der ganzen Anlage ausgeführt worden ist. Der größere Theil der Aecker und Plantagen liegt an einem nur allmälig aufsteigenden Höhenrücken, während die Gebäude selber auf einer etwa zwanzig Meter hohen und ziemlich breiten Anhöhe stehen. Hinter letzteren, und zwar in einer Entfernung von dreihundert Schritten zieht sich eine Reihe Hügel bis zu einer Höhe von vierzig Metern hin. In den niedrig gelegenen Theilen ist der Boden fast überall ziemlich gut, mit Ausnahme einiger schmalm Sandflächen, die zumeist mit Fichtengestrüpp bedeckt und mit Gerste beflanzt sind. Die stellenweise felsigen Hügel tragen vorzügliche Weinreben und sind gegewärtig etwa sechs Hektare mit Wein bepflanzt. Die Weinproduktion im Jahre 1890 ergab annäherend 15,000 Francs Reingewinn. Zur Zeit meiner Anwesenheit, Ende April, war die Gerste nahezu reif und stand der Weizen in Blüthe. Doch ist gerade in den letzten Jahren in Folge klimatischer Einflüsse die Gerstenernte wiederholt sehr schlecht und die Weizenernte auch nicht befriedigend ausgefallen. Dazu kommt, daß der Dünger in Palästina sehr rar in Folge dessen sehr theuer ist. Immerhin wurden im Jahre 1890 auf „Mikwe Israel" beim Ackerbau über 7000 Fcases Reingewinn erzielt. Zwischen den Gebäuden und der Hauptstraße liegt eine große Fläche, an der ich vorübergeritten war, und die als Gemüse- und Obstgarten einen sehr werthvollen Theil der Besitzung bildet. Orangen, Bananen, Limonien u. s. w. gedeihen hier in großen Mengen. Durch die Orangegarten ziehen sich mit Wasser ge üllte und cheilweise ausgemauerte Kanüle dahin. Auch beim Gemüsebau wurden 1890 annähernd 1800 Francs Reingewinn erzielt. Sobald erst die Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem fertiggestellt ist, wird man von „Mikwe Israel" große Mengen Gemüse und Obst, vor Allem Spargel, Artisch 'cken, Erdbeeren u. s. w. billig und schnell nach Jerusalem befördern können, wo dieselben fortwährend gutzahlende Käufer finden. Die Kultur von Kirschen und Birnen ist auf „Mikwe Israel" nicht geglückt, während die Apfelbäume leidlich' Erträge geben. Die Cedratkultur, welche früher bedeutend war und von denen Anfangs der achtziger Jahre einige Male 10.000 Stück bei einer Ernte nach Odessa und Trieft versandt werden konnten, hat sehr nachgelassen und ist neuerdings wesentlich eingeschränkt worden. Angebaut werden nun auf „Mikwe Israel", das etwa 300 Hektare umfaßt, Weizen, Gerste, Sorgho, Sesame, türkischer Weizen, Runkeln, rothe Rüben, weiter, wie gesagt, Wein, zahlreiche Obst- und Gemüsesorten u. s. w. Auch finden sich auf der Ackerbauschule Milchkühe und Schafheerden. Die Molkerei und Schäferei bringt gleichfalls einen entsprechenden Reingewinn. Als ich die Räume, des Wohnhauses die Schule, die Küche, die Ställe u. s. w. in Augenschein nahm, traf ich überall die größte Ordnung und Sauberkeit an. Obschon die innere I Einrichtung einfach und schmucklos ist, so sind die Lokalitäten doch wohnlich und behaglich. Das Hauptgebäude bietet für einige dreißig junge Leute Wohnung mit allem für eine solche Anstalt nöthigen Zubehör. Außerdem sind neben diesem zweistöckigen Hauptgebäude noch vier einstöckige Häuser vorhanden, von denen das eine zu Werkstätten, das andere zu Bureaux, das dritte zu Gesindewohnungen und das letzte zu einem Magazin eingerichtet ist. Schließlich gewahrte ich noch ein kleines Haus mit mehreren Wohnzimmern, das über den Hauptbrunnen erbaut war. Die beiden Werkstätten sind Tischlerei und Schmiede. Bon den Hügeln links der Gebäude genießt das Auge eine schöne Rund- und Fernsicht. Da weideten Heerden fetter Schafe und zwischen den niederen Hecken flatterten Dutzende europäischer Hühner. Der Gesundheitszustand ist auf „Mikwe Israel" durchwegs befriedigend. Wechselfieber und die epidemischen Augenkraukheiten, welche in Palästina überall verbreitet sind, kommen auf „Mikwe Israel" weniger vor oder treten wenigstens nicht so heftig auf. Uebrigens sind auch auf „Mikwe Israel" überall australische Fieberheilbäume angepflanzt. Selbstverständlich fehlt es auf der Ackerbauschule an einer kleinen, aber guten Apotheke nicht. Viele von den Knaben, welche bei ihrer Aufnahme zart und schwächlich waren, sind gewöhnlich schon nach kurzer Zeit kräftige Bursche geworden, welchen die G rten- und Feldarbeit sehr gut bekomn t. Die Zahl der Schüler beträgt gegenwärtig über 50 und dauert der Kursus in der Ackerbauschule sieben Jahre. Die jüngeren Zöglinge haben täglich fünf Klafsenlectionen und müssen ebensoviel Stunden in den Gärten, Plantagen, auf den Feldern u. s. w. arbeiten. Die kleineren werden natürlich zunächst nur mit Arbeiten beschäftigt, welche ihrem Alter und ihren Kräften

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