Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 43 (30.10.1891)
- Date
- 1891-10-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 43 Orsterreichifchr Wochenschrist. Sette 801 des Baron Hirsch auf dessen - Besitzung St. Johanu eingetroffen und verbleibt daselbst bis 5. November. Der Herzog nimmt an den großen Jagden bei Baron Hirsch theil. Wien. Der ärztliche Verein des II. Bezirkes in Wien hat in seiner Sitzung vom 37. d. M. folgende Resolution beschlossen: Der ärztliche Verein des II. Bezirkes spricht den Abgeordneten Dr. Bloch, Dworak, Fuß, Roser und WLeders b erg, welche gelegentlich der Bcrathung über den Gesetz- Entwurf der Aerztekammern in aufopfenlngsvoller und mannhafter Weise das Interesse^ der Aerzte vertraten den wärmsten Dank und Anerkennung aus. Das Präsidium der isr. Cultus- Repräsentanz in Prag hat dem Abgeordneten Dr. Bloch anläßlich seiner jüngsten Rede telegrafisch Anerkennung und Vertrauen ausgesprochen. Der Vorstand der Chewra Kadischa dortselbst hat den genannten Abgeordneten zum Ehrenmitglieds ernannt. Die Vorstände der isr. Cultusgemeinden Brüx, Belovar, Planau uud Gr. Meseritsch haben dem genannten Abgeordneten Glückwünsche und Anerkennung zugemittelt. Ferner haben das Wahlcomite in Kolomea sowie zahlreiche angesehene Gemeindemitglieder in Czernowitz und Sereth (Bukowina) in Colleetivtelegrammen Herrn Dr. Bloch die Anerkennung ausgesprochen. Die Repräsentanz der isr. Cultusgemeinde Kuttenplan, welche anläßlich der Jubiläumsfeier des Vorstehers Wilhelm Löwen stein versammelt war, hat in gleicher Weise beglückwünscht. Wien. (Die antisemitschen „Fliegenden") Die „Frankfurt r Zeitung" enthielt vor einigen Tagen eine Notiz, welche sich mit der humoristischen Tagesliteratur Deutschlands befaßte und speciell die „Fliegenden Blätter", in deren Spalten bekanntlich auch seit neuester Zeit der Judenhaß in Wort und Bild seinen Einzug gehalten hat, treffend und wohlverdient, abfertigt Das Blatt schreibt: Di' nu entstandene Eoncurrentin der „Fliegenden Blätter", Meggendor er's „Humoristische Blätter" überläßt diesen die unerschöpflichen Kasernhofwitze, ihre ebenso reactionären, wie kindischen Verspottungen der künstlerischen uud reformatorischen Bestrebungen der Gegenwart, v o r A l l e m a b e r j e n e b e d a u e r l i ch e n „j ü d i s ch e n W i tz e", mit denen die „Fliegenden Blätter" sehr viel zur Herabwürdigung des Judenth ums und zur Salonfähigmachung des Antisemitismus beigetragen Hab en."—Wir können diesem Urtheile der„F. Z." nur beistimmen. Wien, 27. Oktober. (Ein neues Bet Haus.) Der Kranken - Unterstützungsverein „Liwias Chen" hat ein neues Bethaus eingerichtet, welches vorgestern feierlich eingeweiht wurde. Der Rabbinatsassesor Fried mann hielt die Festpredigt, hierauf wurden von den Andächtigen, unter welchen sich auch Rlchsraths-Abgeordneter Dr. Bloch befand, mehrere Psalmen gesungen und zum Schluffe erhob sich die ganze Versammlung, um die Volkshymne anzustimmen. Wien. Eine kleine Gruppe von Schul- und Kinderfreunden im III. Bezirke haben unter Führung der Herren Dr. H. Elias und Taubstummenlehrer Jos. F r i e d l im Februar d. I., als Tischgesellschaft Humanitas einen Festabend zu Gunsten eines Fondes siir Bekleidung armer jüdischer Schulkinder im HI. Bezirk veranstaltet und hatte die Bitte an ihre jüdischen Glaubensgenossen einen so glänzenden Erfolg, daß sie in der Lage sind, 51 Schulkinder mit vollkommener ausgezeichneter Winterkleidung zu versehen. Die feierliche Betheiligung findet am 35. October d. I. 7 Uhr Abends in der Restauration Weiß, UI., Hauptstraße 153 statt und sind die geehrten Spender, wie alle Schul- und Menschenfreunde als Gäste willkommen. Wien. Unser Glaubensgenosse Herr Leon Cohn» Militär-Ober-Rechnungsrath I. El. der Fachrechnungsabtheilung des Reichs-Kriegs Ministerium wurde auf sein Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und geruhten Se. Majestät der Kaiser ihm bei diesem Anlasse für seine vieljährige pflichttreue vorzügliche Dienstleistung das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens zu verleihen. Herr L on Cohn diente 41 Jahre und erhielt schon früher das goldene Verdienfikreuz mit der Krone. Wien, den 16. October. Der Prediger und Religionslehrer Herr D. Löwy feierte am 23. d. M. seinen siebzigsten Geburtstag und war aus diesem Anlasse Gegenstand zahlreicher überaus herzlicher Dvationen. Schon in den Vormittagsstunden erschienen in der Dohnung des Jubilars, welche liebende Hände mit Blumen geschmückt hatten, Deputationen des Bethausvereines von Mariahilf, des israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsvereines in Mariahilf, des von dem Jubilar ins i't'beii gerufenen Wohllhätigkeitsvereines „Nachlat jesehnrnn“ und überbrachten Gratulationsadressen. Auch der Prediger des Tempelvereines im 9. Bezirk, Herr Dr. Scharr, erschien persönlich, um dem Amtscollegen zu gratuliren. Ueberdies waren mehr als hundert Telegramme und zahlreiche Gratulationsbriefc von Porständen jüdischer Gemeinden Rabbiner und Prediger und ehemaligen Schülern des rüstigen Greises eingelangt. In überaus herzlicher Weise gramlirte auch Prediger Herr Dr. Jellinek. — Samsrag fand im Bethause zu Favoriten ein Festgotlesdienst statt, bei dem Herr L ö w y als tchassan-lhora aufgerufen wurde llild, an dieses Geschehniß anknüpfend, seine Festrede hielt. Wien. (Da s Kolonifationsproj ekt des Baron Hirsch.) Der riesenhafte Plan des Baron Hirsch zur organisirten Allswanderung der russischen Juden nähert sich immer mehr seiner praktischen Durchführung. Wie dem „Bradford Observer" mitgetheilt wird, sind schon Direktorien in Berlin, Paris und London ernannt worden, welche den Strom der Auswanderung und die geschäftlichen Angelegenheiten der gebildeten Gesellschaft zu leiten haben. Jeder dieser Direktoren erhält einen Jahresgehalt von 1000 Pfg. St. (13,000 fl.) Wien. In welchem Maße eine kleine Gemeinde Großes zu leisten vermag, wenn die Mitglieder opferwillig ihrer Pflicht genügen, ihr Wohl dem des Ganzen unterordnen, hatte der Gefertigte Gelegenheit beim Besuche des isr. scph. Tempels an den hohen Feiertagen zu beobachten. Was die hiesige sephardische Gemeinde unter dem Präsidium des mit allen persönlichen Vorzügen sowohl in der Geschäftswelt, als auch der besten Gesellschaft, ausgestatteten Herrn Markus Russo und dem ebenso mit allen Vorzügen des Geistes ausgestatteten Vorsteher Herrn Lico H. Adutt nur mit dem Baue des Tempels, der eine Zierde und eine Sehenswürdigkeit der Großstadt ist, geleistet, wird auch in späteren Tagen Zeugniß ablegen und ist ein Moment dauerhafter als Erz. Die Funktionäre der Gemeinde, vor Allem der ehrwürdige Chacham Papo, der in seiner Predigt am I. Neujahrstage warm für die bedrängten russischen Juden eintrat, und zur Mildthätigkeit aufforderte steht hochaufragend als Gelehrter unter seinen Zeügenoffen. Der Herr Oberkantor Bauer exekutirte mit seiner klangvollen Tenorstimme die heiligen Gebete. Recht wirksam unterstützte ihn dabei der gut eingeschulte Chor unter Leitung des Chordirigenten Herrn