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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-30 · 43 (30.10.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
43 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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©fite 8001 Orstrrrrichifche Wochenschrift Oh'. 43 Einem anderen dem genannten Blatte über die Judenhetzen im Gouvemement Tschernigow zugekommenen Bericht entnehmen wir Nachstehendes: „Die Krawalle, die c>?n rollen Tag währten und eine große Ausdehnung gewannen, erinnern an die blutigen Judenhetzen, welche Rußland in den Jahren 1881/82 erlebt hat. Gegen zweitausend christliche Bewohner der Stadt Starodub hatten sich Sonntag, den 11. October ans dem dortigen Marktplatze angesammelt, um die Juden an der Oeffnung ihrer Laden zu hindern. AE die Letzteren, nichts Schlimmes ahnend, ihre Geschäfte öffneten, ertönte ein greller Pfiff und die angesammelte Menge stürzte sich alsbald auf die jüdischen Häuser und Geschäftslokale. Sämmtliche Hauser in der Tschernigow - straße, der reichsten im Judenviertel der Stadt, wurden ansgeplündert und in Brand gesteckt. Das Bankhaus Eisenstadt, die Etablissements von Jakobsohn und Lipkin wurden total ausgeraubt und ebenfalls den Flammen übergeben. Auch die Mostawajastraße wurde nach vollständiger Ausplünderung der Häuser in einen Trümmerhaufen verwandelt. Die Juden flüchteten aus der Stadt, um ihr Leben zu retten, und versteckten sich in einem benachbarten Walde. Die Polizei war der wüthendcn Menge gegenüber gänzlich machtlos, und sogar die Bitten der Popen, welche mit Heiligenbildern erschienen waren, um die wüthende Menge zu beschwichtigen, blieben erfolglos. Der raublustige, blutdürstige Mob setzte seine Plünderungen und Zerstörungen fort. Dieselben dauerten bis spät nach Mitternacht, wo das inzwischen requirirte Militär — eine Sotnie Kosaken — die Stadt erreichte. Die Bauern aus der Umgebung hatten jedoch Zeit genug, um das geraubte Hab und Gut der Juden auf Wagen zu laden und den Schauplatz ihrer Thaten schleunigst zu verfassen. Erst Montag Früh getrauten sich die Juden in die Stadt zurück." Dem Lemberger „Przeglond" wird aus Kiew berichtet, daß bei den jüngsten Exzessen in zahlreichen Ortschaften des Tschernigower Gouvernenrents dreißig Juden erschlagen nnifb cu und gegen f ü nfhundert Juden mehr oder weniger erhebliche Schußwunden davongetragen haben. Einzelne Polizeiorgaue hätten offen mit den Rädelsführern sympachisirt und erst das requirirte Militär sich bemüht, die Ordnung wenigstens theilweise wieder herzustellen. Bon Anarchisten wäre das Gerücht verbreitet worden, daß die Juden heimlicherweise große Getreidemengen aufgehäust haben, um die Preissteigerung herbeizuführen. Berlin. Die vom deutschen Zentralkomit« einberuseuc Versammlung auswärtiger und deutschen Notabeln zur Be« rathung der Hilfsaktion für die russischen Juden ergab in allen wesentlichen Punkten volle U e b e r e i n st i m m u n g in allen Anschauungen über die Notbwendigkeit und die Mittel der Hilfsaktion. Die Versammlung beschloß die Veröffentlichung eines von Karl Emil Franzos in Berlin entworfenen Aufrufs zu Geldbeiträgen, da die Bedürfnisse steigend seien. Die von Kommcrzienrathe G o l d b c r g e r und Rechtsanwalt Breslauer erstatteten Berichte ergaben, daß e'ne A e n d e r u n g i n d e r Haltung der r u s si s ch c n Regierung nicht zu erwarten und die Fortsetzung der bisherigen Hilfsaltiou für die bedürftigen Opfer der russischen Administrativmaßregeln nothwendig sei. Freiwillige, nicht bedürftige Emigranten werden nicht unterstützt. Deutschland mußte zuletzt etwa 3000 Köpfe wöchentlich befördern Karl Emil Franzos erstattete seinen sehr eingehenden Bericht über den Stand der Kolonisativnsfrage; das deutsche Zentralkomite treffe die Vorarbeiten zunächst bezüglich der Mittel, was die Versammlung einstimmig billigte. Paris. (Die Hochzeit des Grafen Eamondo.) Man schreibt aus Paris: In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der Aristokratie und der diplomatischen Welt fand am Donnerstag, den 15. d. M., um 1 Uhr Mittags, int israelitischen Tempel in der Rue de la Vicloire die Trauung des Grafen Moise de Eamondo mit Eomtesse Irene Eahen-d'Anvers statt. Trauzeuge des Bräutigams war der nctteritannte italienisch: Botschafter in Eonstantinopel, Herr Reßmann, Trauzeuge der Braut deren Onkel Graf Albert Eahen-d'Anvers. Unter den zahlreichen Hochzeitsgästen befanden sich: Prinz und Prinzessin Ferdinand de Lucinge, der türkische Botschafter Essad Pascha, ferner Aristarchi Bcy, Graf und Gräfin von Brevern, Baron Beyens, Missak Effendi, Graf Raphael Eahen-d'Anvers, Graf Riffim Eamondo, Baron Lambert, Maurice Ephrussi, Baron und Baronin Günzburg, Graf und Gräfin Ratisbonne, Gras Florian de Kergorlay, Admiral Layrle, Herr und Madame Joubert. der Leiter der öffentlichen Rettungsanstalten Dr. Nachtel, Herr und Madam Louis Ganderax, General Gallisct, Schriftsteller Paul Hervien und andere. — Die Einsegnung vollzog der neue Groß-Rabbiner von Paris, Dreyfuß, der in einer Ansprache die beiden Familien des Paares feierte. Während der Trauungs-Eeremonie executirten Orgel, Chor und Orchester wirkungsvolle Hymnen, darunter einen arabischen Chor „Die sieben Segenswünsche" und ein „Hallelujah", beides von Baron Erlanger componirt. Nach der Feierlichkeit verfügte sich der Zug unter den Klängen des Hochzeitsmarsches aus „Lohengrin" in den Gratulationssaal, wo die Nettvermählten die Glückwünsche der Gäste cntgegennahmen. Die Hochzeitsfeier schloß mit einem Festmahle im Palais der Eltern der Braut in der Rue Bassano. Rom. Signor Bonghi, der bekannte italienische Staatsmann schließt einen interessanten Artikel. über . die russischen Verfolgungen in der „Nuova Antologia“ wie folgt: „Es ist nur natürlich, daß diese Gräuelscenen in ganz Europa Empörung, bei Jedermann tiefcs Mitleid Hervorrufen müssen, sei er nun Jude oder nicht. Angesichts solcher Ungerechtigkeiten, die ihren Ursprung in dem Eigennutz, der Eitelkeit der Russen haben, bei dem Gedanken, daß Diejenigen, die diese Ungerechtigkeiten begehen, die Macht in Händen haben, erhebt sich mit Recht auf allen Seiten ein Schrei der Entrüstung. Sogar die Antisentiten haben Mitleids mit den Bedrückten. Jetzt ist die Zeit für christliche Barmherzigkeit gekommen, mit den Juden zu harmoniren, sich mit ihnen zu vereinigen in dem Bestreben, den Unglücklichen in Rußland einige Erleichtertmg zu verschaffen. Vcnmsclrtes. Wien, 26. October 1891. (Oesterreichisch-Jsra et f t i) d) e llnt’o n). Die erste Vereinsversammlung in dieser Saison findet Samstag, den 31. d. M. abends präcise 7 Uhr im Restaurant Khuner statt. Tagesordnung: 1. Mitthcilungen des Vorstandes. 2. Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. M. Güdemann: „H. Graetz und seine Geschichte der Juden." 3. Anträge und Interpellationen. Der Eintritt ist nur Vereinsmitgliedern und deren Damen gestattet. Wie«. Ans Preßburg wird uns telegraphisch gemeldet: Herzog Philipp von Orleans ist als Gast

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