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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-30 · 43 (30.10.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
43 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 798 Orsterreichifchr Wochenschrift. Nr. 43 Ausspruche nichts. Ein freies Quartier in einem gut gebauten Hause ist bei den Londoner Zinsverhältnissen nicht zu verachten", denn darauf würde der Sprecher ungefähr entgegnen: „Sie haben sich durch ihre Erwiderung eines contempt (Mißachtung) des Parlaments, dem sie Ehrfurcht schulden, schuldig gemacht. Ich verurtheile Sie deshalb im Namen des hohen Parlamentshofes kniend vor den Schranken des Hauses Abbitte zu leisten". Würde der Betreffende sich weigern dem Befehle nachzukommen, so hatte er strenge Haft, Entziehung von Tinte, Feder und Papier, eventuell eine Geldstrafe zu gewärtigen. Die Zahlung der durch seine Berurtheilung entstandenen Kosten ist selbstverständlich. Man sicht, das englische Parlament ist Herr in seinem eigenen Hause und hat gesetzliche Mittel den Widerstand widerspänstiger Mitglieder zu brechen, auch wenn dieselben in Ehrensachen nicht die Empsindlichkeit von Gentlemen haben. Allerdings hört die Haft mit der Vertagung des Parlaments auf, doch kann jedes neue Parlament d.m Fall wieder aufnehmen. Spaßen läßt der Engländer nicht mit sich, auf einen groben Klotz gchört ein grober Keil, und da jede große Körperschaft aus verschiedenartigen Elementen zusammengesetzt ist, so hat er auch verschiedenartige nicht allzu zarte Mittel in Bereitschaft sie zu bändigen, wenn es Noth thut. Gesängniß im Tower oder Newgate, auch enge Hast; die Tragung der Kosten derselben inbegriffen; kniend Abbitte leisten vor den Schranken des Hauses, hohe Geldstrafen; das sind Disciplinarmittel, welche auch den stärksten Trotz unbotmäßiger Mitglieder zu brechen geeignet sind, und das freieste Parlament des fteiesten Staates hat eine derselben immer bei Privilegiumsbruch angewendet. „Es ist in hohem Maaße gesetzwidrig und ein Bruch der Privilegien dieses Hauses, den Namen eines Anderen auf eine dem Hause zu überreichende Petition zu setzen." (Resolution des Hauses der Gemeinen vom 2. Juni 1774). Und das ist streng arisches Recht, entstanden in einem rein arischen Land, durch Jahrhundertelange Ausübung sanctionirt zu einer Zeit, wo ein Jude überhaupt nicht Mitglied des Parlaments werden konnte. L. 8. Wien. (Das Heine-Denkmal für Eorfu.) Man schreibt uns aus Rom, 18. d., über das bereits erwähnte Heine- Denkmal für das Schloß der Kaiserin Elisabeth auf Corfu: „Die Kaiserin hatte sich in Neapel und Rom verschiedene Kunstgegenstände, Statuetten, Nymphen und andere mythologische Gestalten darstellend, für dcn Park ihres Schlosses in Corfu bestellt, und unter anderen Künstlern war von der hohen Frau midi der talentvolle Däne Hasselriis mit einem Aufträge beehrt worden. Als Herr Hasselriis sein Werk nach Eorfu absendete, legte er demselben die Photographie eines von ihm vor wenigen Jahren ausgeführten Entwurfes für ein Heine- Denkmal bei, mit der Bitte, das Bild der Kaiserin, welche ja bekanntlich für den Dichter immer große Verehrung gehegt hatte, vorlegen zu wollen. Dem Wunsch: des Künstlers wurde willfahrt, und die Kaiserin fand an dem Bilde ein so großes Wohlgefallen, daß sie Herrn Haselriis den Auftrag zukommen ließ, das Werk unverzüglich in Marmor auszuführen. Der Künstler sprach in seiner Bescheidenheit mit Niemandem über die ihm zu Theil gewordene hohe Ehre, und so blieb das Heine- Denkmal lange ein Geheinmiß. Doch nach und nach drangen aus dem Atelier des Künstlers einige Schilderungen über das schöne, ernste, stimniungsvolle Werk in die Oeffentlichkeit. Das Denkmal ist vollendet und vor zehn Tagen bereits nach Brindisi abgeschickt worden — der gewöhnliche Postdampfer wird cs heute oder morgen bereits nach Corfu hinübergebracht haben. Es ist ein schönes Werk und verräth des Künstlers tiefes Gemüths- und Seelenleben. Der Dichter des Buches der Lieder ist sitzend dargestellt, den Kopf sinnend auf die rechte Hand gestützt, während der auf der Lehne ruhenden Linken ein Blatt Papier entgleitet, darauf die erschütternde Klage zu lesen: Was will die einsame Thräne? Sie trübt mir ja den Blick, Sie blieb aus alten Zeiten In meinen Augen zurück. Sie hatte viel leuchtende Schweslerit, Die alle zerflossen sind. Mit meinen Qualen und Freuden Zerflossen in Nacht und Wind. Wie Nebel sind auch zerflossen, Die blauen Sternelein, Die mir jene Freuden und Qualen Gekachelt ins Herz hinein. Ach, meine Liebe selber Zerfloß wie eitel Hauch! Du alte, einsame Thräne, Zerfließe jetzunder auch. Dies Lied, oder vielmehr diese Klage, ist in den Marmor auf Wunsch der Kaiserin eingemeißelt worden. Wo das Standbild aufgestellt werden soll, ob in einem dunklen Lorbeerhaine des Schloßparkes oder auf hochragender Felskante angesichts des Meeres, das der Dichter so wahr und ergreifend besungen, darüber ist eine Entscheidung noä) nicht getroffen worden." Wien. Wir lffen im Wiener „Baterland"oom 24. d. M. Der Redacteur der bereits früher einige Male genannten ,.Nase zajra“ („Unsere Interessen") Hern- Husek ist seit Jahren bemüht, den Antisemitismus aitdf) in Böhmen in Fluß zu bringen. Aber er fand bisher bei keiner der großen Parteien des czechischen Volkes Unterstützung und wenn auch ab und zu die „Narodny Listn" oder einer ihrer Treuen mit dem Antisemiti mns cokettiren, so treten dod) die jungczechischen Führer demselben immer wieder entgegen. Wenn wir uns recht erinnern, so war es bei einem Meeting in Pischely, wo Dr. Eduard Gregr Herrn Husek eigenhändig an den Rockschößen von der Tribüne herabzog als dieser für den Antisemitismus Propaganda machen wollte. Herr Husek will nun sein Glück in Pilsen probiren. Dort hat nämlich, wie wir der „ Pilsener Reform entnehmen, eine Anzahl Bewohner gemeinschaftlich mit Herrn Husek bei der politisd)en Behörde um Bewilligung einer Volksversammlung am Samstag, 24. d. angesucht, in welck)er Herr Husek einen Vortrag über das Thema: „Wie wäre der herrschenden wirthschaftlichen R ithlage abzuhelfen?" abhalten soll." Gestern Abends fand die czechisch-antisemitische Versammlung statt. Der Mechanicus Schneider fand e folgendes Telegramm: „Mit Freude vernehmen wir die Kunde van dem Stattfinden Ihrer heutigen Ve.samnlung und von dem Auf' raffen der christlichen Beoölkerung Ihrer schönen Stadt. Möge Gottes Segen Sie begleiten und durch die Verständigung der deutschen und slavisd)en Nation die Emanzipation beider von der dritten erfolgen." Die Redaetion der „Neuen Freien Presse" erhalt von dem kaiserlichen Rith Herrn W. Frankl folgende Zuschrift: Als gewesener Testaments-Erecutor der letzlwilligen Anordnung der verstorbene»! Frai» Elise Herz, geborenen v. Lämel, beehre ich mich zur Charakteristik des in Bildung begriffenen Antisemiten-Vereines in Pilsen Ihnen Folgendes mitzutheilen. Laut beiliegender Abschrift des Stiftsbriefes hat die verstorbene Frau Elise Herz eine Stiftung von 40.000 fl. angeordnet. Von den jährlichen Zinsen per 2010 fl. sind alljährlich vier zur Etablirung angehende Gewerbslente, welche in der Stadt Prag oder a»»s dein Pilsener Kreise gebürtig sind, mit je 500 fl. zu betheilen. Diese Stiftung hat seinerzeit eine bedeuleitde Seilsation in Pilsen

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