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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-30 · 43 (30.10.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
43 (30.10.1891)
Date
1891-10-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Oestrrrekhische Wochenschrist. Seite 795 vaterländischen Grenzrn hinaus bekannt und geachtet. So möge er noch einmal von College»- und Freundeshand an den gegenwärtigen Zeitgenossen in seinem eigentlichen Wesen vorübergeführt und ihm ein gebührender Nachruf gewidmet werden. Einer jüdischen unbemittelten Familie in Böhmen (1818) entsprossen, lernte er frühzeitig Darben und Entbehren kennen. Unter dürftigen Verhältnissen vollendete er im Jahre 1851 die medicinischen Studien in Prag und Wien und nahm hierauf einen Rnf der persischen Regierung zur Errichtung einer ärztlichen Schule in Teheran an. Nach einer langen, mühseligen, seine Gesundheit damals schon schädigenden Reise fand er in der persischen Hauptstadt weder entsprechende Räumlichkeiten, noch Lehrmittel zu seiner Wirksamkeit und hatte überdies mit sprachlichen Schwierigkeiten und religiösen Vorurtheilen bei der islamitischen Bevölkerung zu kämpfen. Innerhalb kurzer Zeit eignete er sich die persische Sprache so an, daß er bald in derselben seine Vorträge abhalten konnte. So war er Begründer einer wahren medicinischen Schule in Persien und bildete zahlreiche Aerzte von den Eing'borenen heran. Während der Zeit seiner Lehrlhätigkeit schrieb er in persischer, arabischer, französischer und lateinischer Sprache Lehrbücher über Anatomie und Physiologie, sowie ein medicinisches Wörterbuch, uni die persischen Aerzte mit der Terminologie in der Heilkunde vertraut zu machen. Bei seinen alljährlichen Ferialausflügen durchstreifte er ' das Land nach allen Richtungen und kani selbst in Gegenden, die noch kein Europäer betreten hatte. Seine damaligen Forschungen über Land und Leute, über die Flora, die geographischen und geologischen Verhältnisse und über die alten Culturdenkmäler Persiens veröffentlichte er später in einem umfangreichen Werke: „Ueber Persien, das Land und seine Bewohner". Dasselbe ist gegenwärtig noch ein Schatz und eine Fundgrube, welche kein Persien Bereisender oder Forschender entbehren kann. Bei seinem Rufe als Arzt, namentlich als Chirurg, strömten ihm aus den entlegendsten Gegenden des Landes zahlreiche Kranke zu, denen er immer ein bereitwilliger und uneigennütziger Helfer und Berather war. Nicht minder gefährlich als einträglich war seine ärztliche Praxis, in welcher er mannigfachen Jntriguen und nicht gewöhnlichen Unannehmlichkeiten ausgesetzt war. Mußte er sich doch einmal nach einem unter seiner Behandlung erfolgten Todesfälle wegen ernster Bedrohung seines Lebens durch längere Zeit in Teheran verborgen halten. Im gemeinsamen Verkehre mit seinem Landsmanne Gasteiger Khan hat er manchem strebsamen Oesterreicher zu Erwerb und Stellung in Persien verholfen und unternehmenden Industriellen die Wege zum Absätze ihrer Erzeugnisse dorthin gezeigt und gebahnt. Seine Kränklichkeit in dem ungewohnten Klima und noch mehr die Sehnsucht nach der Heimat bewogen ihn, die so angesehene und glänzende Stellung in Teheran aufzugeben. Mehr mit Pflanzen, Gesteinen, historischen und vorweltlichen Gebilden, als mit gesammelten Schätzen kehrte er Anfangs der Sechziger-Jahre wieder in sein Vaterland zurück. Bis unmittelbar vor seinem Hinscheiden war er rastlos thätig. Nur aus reinem Berufsbedürfnisse übte er zeitweilig die ärztliche Praxis, nahm an allen Vorkommnissen der medicinischen Welt den lebhaftesten Antheil. Er galt auch in derselben als eine Autorität, namentich auf dein Gebiete der Seuchen. Noch im Vorjahre hielt er in der hiesigen Gesellschaft der Aerzte einen höchst interessanten Vortrag über die Cholera in Persien und dessen sanitäre Verhältnisse. Die österreichische Regierung hat ihn auch wiederholt mit diesbezüglichen Missionen bettaut, so 1866 als Delegirten zur internationalen Sanitäts - Conferenz in Constantinopel entsendet. Während des darauffolgenden gleichen Congreises in Wien (1874) fungirte er als Vertteter der persischen Regierung. Zur Zeit der internationalen Weltausstellung in Wien (1873) waren ihm die Anordnungen des orientalischen Antheils der Exposition überttagen. Beim letzten orientalischen Congresse in Wien spielte er eine hervorragende Rolle und hatte hiebei sogar eine Keine Exposition aus seinen persischen Sammlungen veranstaltet. Auch auswärtige Staaten, so Holland, beriefen ihn behufs Ertheilung von Rathschlägen für das Arrangement orientalischer Ausstellungs-Objecte. Als Mitglied der Geographischen Gesellschaft in Wien förderte er eifrigst deren Interessen und veröffentlichte in dem betreffenden Verein:organe zahlreiche Aufsätze und Beschreibungen über Persien und die benachbarten Länder. Während der letzten Jahre lehrte er an der hiesigen Universität die persische Sprache und hatte immer eine außerordentliche Freude, wenn sich Zuhörer hiefür einfanden. Hiebei bestanden seine persönlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zu Persien — seiner zweiten Heimat — fort. Es zog ihn immer wieder mit unwiderstehlicher Macht dorthin, er untermahm auch wirklich eiue solche Reise nach Persien 1883 unter großen Entbehrungen und Gefahren. Als er später Manches bezüglich seiner Forschungen zu ergänzen für nöthig erachtete und selbst nicht mehr reisen konnte, entsendete er ans eigene Kosten jüngere Botaniker und Geologen dahin, um in seinem Sinne die begonnenen Untersuchungen an Ort und Stelle fortzusetzen. Wer auch immer mercantiler oder wissenschaftlicher Interessen wegen nach Persien ging, holte sich bei ihm zuvor Rathschläge und Empfehlungen ein. Bei den wiederholten Besuchen des Schah in Wien war er auf dessen ausdrücklichen Wunsch immer in dessen Umgebung. Mit sehr werthvollen prähistorischen Funden und exotischen Pflanzen bedachte er die verschiedenen Museen und botanischen Gärten, besonders in Wien. Er scheute hiebei keine materiellen Opfer und war immer ganz glücklich, wenn er neue Sammlungen für jene erhielt. Die hagere unansehnliche Gestalt des Dahingeschiedenen, sein Keiner Kopf und der mehr gleichgiltige Gesichtsausdruck ließen auf den ersten Blick gar nicht das Wesen des inneren Menschen erkennen. Bei näherem Umgänge aber offenbarte er sich in seiner ganzen Gutmüthigkeit und seinem vielseitigen Wissen. Durch seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit setzte er sich oft selbst zurück. Er war immer entgegenkommend und zu Hilfe bereit, beleidigte Niemanden und hatte auch keinen Feind. Obgleich er durch zahtteiche Orden ausgezeichnet war, so trug er dieselben doch nicht. Wie sein Gang, so waren auch öfters sein Denken und Sprechen hastig, sich überstürzend, aber hiebei immer gleich belehrend. Er würzte gern seine Rede mit eingestteuten Sarkasmen und orientalischen Sprüchen. Seine Vernrächtniffe an verschiedene Universitäts-Anstalten, gemeinnützige Vereine und anderweitig Bedürftige aus einem gar nicht bedeiüenden Nachlasse sind ein unverkennbarer, offenkundiger 'Ausdruck dessen menschenfteundlicher Gesinnung und edlen Charakters- Die Erde wird ihm leicht sein — er hat sie nie bedrückt! krvkessor D. Oru solle. II. * (Professor Ernst Fleischt v. Marxow.) einer der begabtesten der deutschen Physiologen und eine Zierde

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