Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 43 (30.10.1891)
- Date
- 1891-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 43 Orstrrrrichifchr Wochenfchrist. Sette 791 Es sei mir gestattet, zur Illustration dieser huldvollen Bemerkung einen Fall, der sich zu Anfang dieses Jahrhunderts ereignete anzuführen. Im Jahre 1804 war eine Mißernte durch welche Böhmen insbesondere hart heim gesucht wurde, und hatte Prag schwer zu leiden. Das böhmische Gubernium sah sich in Folge dessen veranlaßt eine Präsidialaufsorderung an die Dominien zu richten, etwaige Ueberschüsse nach Prag, selbstverständlich gegen Bezahlung, zu senden. Ueberdies aber wurde von den ärarischen Magazinen monatlich 1110 Metzen Korn nach Prag gebracht. Im Monat Jänner 3805 betrug die Körncreinsuhr in Prag: an Waizen 15.244 Metzen „ Korn 10.990 „ „ Gerste 17.237 „ „ Hafer 16.979 „ Darunter waren die von mehreren Dominien in Folge der an sie erlassenen Präsidialaufforderung ein gebrach!en Körner, sowie 1130 Metzen Magazins-Körner schon begriffen. Da der monatliche Kornbedarf der Stadt Prag jedoch 17.049 Metzen betrug und blos 30.990 cingeführt wurden; so zeigte sich ein Abgang vou 6059 Metzen, zu dessen Deckung in besagtem Monate nur 2927 Metzen Mehl zu Markte gebracht wurden. Die obenangeführten 1110 Metzen wurden verkauft und man erhielt dafür, die, man kann sagen, exorbitante Summe von 9483 fl. 24 kr. Zur Erzeugung der täglich für die Armen bewilligten 6000 Laib Commißbrod wurden insbesondere 3677 Metzen verwendet, so daß das im Monate Jänner verbrauchte Magazinskorn 4787 Metzen betrug. Unter diesen Verhältnissen erbot sich die Prager Judenschaft sofort 42.600 fl. ohne Zinsen bis zur nächsten Ernte zum Getreideankauf für Prag unter der Bedingung herzugeben, daß auf ihre dürftigsten Individuen mit etwas Aushilfsbrod zu 6 kr. Bedacht genommen werde, in welchem Falle sie auch überdies auf die diesfälligen Erzeugungskosten 4030 fl. Zu Händen der städtischen Renten beizutragen bereit wären. Das Gubernium nahm diesen patriotischen Antrag an und gab den Juden die Zufriedenheit zu erkennen. Der' Hofkanzlei genügte dies jedoch nicht und b fürwortete sie, 21. Februar 1805 daß der Kaiser selbst seine allerhöchste Zufriedenheit über diesen patriotischen Akt ausspreche, was um so mehr geschehen kann, da die Juden diesen Vorschuß ohne Hoffnung eines Gewinnes angeboten haben. Der Kaiser genehmigte diesen Antrag und die Juden in Prag wurden im Namen des Kaisers belobt. Drumont und die Sköckerpreffe. Aus den Mittheilungen des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin. Des bekannten französischen Antisemiten Eduard Drumont neuestes Werk „Le testament (Tun Antisemite“ ist in der „Kreuzzeitung" und im „Volk" einer überaus wohlwollenden Kritik unterzogen worden. In einer aus derselben Feder stammenden Serie von nicht weniger als neun Artikeln werden die Vorziige des Buches, das unter den Drumont'schen Büchern in gewissem Sinne das meiste Interesse biete, gerühmt, Die Schilderung der zeitgenössischen Zustände Frankreichs, insbesondere. des verderblichen Einflusses des Judenthums wird als eine sehr zutreffende charakteristrt. „Nur wo der Verfasser, wie im Cap. 4 (La question juive ä l’etranger) das Ausland schildern möchte, verliert er den Boden unter den Füßen und geräth ins Leere. Ueberdies aber reißt ihn sein blinder Deutschenhaß zu Aeußerungen fort, die wir aus das Schärfste verdammen und zurückweisen müßen." Diese Bemerkung läßt vermuthen, daß lediglich chauvinistische, gegen das Deuffchthum im Allgemeinen gerichtete Aeußerungen in Frage kommen. In Wirklichkeit liegt die Sache aber anders. Bei der Lectüre des vierten Eapitels gewinnt man die Ueberzeugung, daß der von den beiden christlich-conservativen Blättern in den Himmel gehobene Drumont bei seiner Darstellung deutscher Verhältniffe nicht blos von einem übertriebenen Deutschenhaß sich leiten läßt. Das könnte man dem Franzosen zu gute Hallen. Nein, wir haben es hier mit einem Pamphletisten schlimmster Art zu thun. Daß er Lessing und (nach dem „Univers") Hanscmann zu Juden stempelt, kann nicht weiter auffallen; die Gewohnheit, mißliebige Personen christlicher Conseffion in Juden umznwandeln, ist auch unseren Antisemiten eigenthümlich. Auch darüber, daß Drumont den Finanzminister M i q u e l, über welchen er die albernsten Räubergeschichten erzählt, als einen „Flibustier de haut vol“ titulirt, brauchen wir uns nicht zu wundem. Kommt dcch Herr Miquel bei den deutschen Gesinnungsgenossen Drumont's nicht vie> besser fort. Aber — und das erscheint uns als die Hauptfach' — die Auslassungen Drumont's über die „Berjudung" der Zustände in Deutschland bestehen fast ausschließlich in einer unglaublichen Beschimpfung des regierenden deutschen Kaisers, welche (bei der Schttdemng der Ursachen der Entlassung Stöckers) in dem Satze gipfelt- „Bleichroeder deposa l’argent snr la tadle et le pacte fut conclu.“ — Die Rohheiten und Unfläthigkeiten im Einzelnen, wie sie auf Seite 140—148 gegen d'e Person Kaiser Wilhelm's II. geschleudert werden, sind auch nicht andeutungsweise wiederzu geben. Und Angesichts solcher Dinge glauben Blätter, welche bei jeder Gelegenheit ihre monarchische Gesinnung, ihre Königstreue zur Schau tragen, mit der obigen einschränkenden Bemerkung ihr Gewissen salv'rt zu Hab n. Sie nehmen keinen Anstand einer Schrift, welche von dm schwersten Beleidigungen gegen den deutsch n Kaiser strotzt, den Weg in's deutscheBolk u bahnen. Und Alles das zum höheren Ruhm des Antisemitismus.' Von Mitternacht bis zur Morgendämmerung. Was ist eine Polarnacht, selbst unter den höchsten Breitegraden, gegen die Nacht nachdem die letzten Reste des Staatswesens der Juden vernichtet waren. Sie ist noch einmal so lang als ein Tag Gottes, der bekanntlich ein Jahrtausend umfaßt. Aus der zweiten Hälfte dieser Nacht, aus einem Zeiträume von acht Jahrhunderten stammen die Quellenschriften, welche uns in rimm Buche drs Herm Dr. M. Güdemann vorliegen. Vor einigen Wochen hat bereits die „Qesterreichische Wochenschrift" die Aufmerksamkeit auf dieses Buch gelenkt; es wurde damals der ausführliche Titel mitgetheilt, arch sind in der erwähnten Besprechung einige Auszüge aus den Quellen-