Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 42 (23.10.1891)
- Date
- 1891-10-23
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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peile 794 Vellerr^ichischr Wochenschrift auf die rabicatc Arbeiterpartei ausgebracht, in welches die Anwesenden begeistert einstimmteu." Wenn Sie das übrige lesen wollen, ich kann Ihnen den Brief übergeben, er ist unterzeichnet: „Ernst Schneider", geschrieben auf Ernst Schneidens Papier. Ich bin bereit, ihn dem hohen Hanse vorzulegen, um seine Echtheit prüfen zu lassen. Im intimen Kreise hat man also nicht mehr von Chriftenthum und Socialismus, sondern von der radicalen Arbeiterpartei gesprochen. In einem zweiten Briefe, meine Herren, fordert er den Adressaten auf (liest,): „Bitte, bringen Sie nur recht viele rot he Freunde mit, die Wahrheitler sind für die K atz'!" Die „Wahrheitler" si:d die gemäßigten Socialisten. Aber die rothen Freunde, das sind die Leute nach seinem Herzen, das sind Männer seiner Farbe. (Abgeordneter Hauck: Woher sind die Briefe in Ihre Hand gekommen? — Abgeordneter Dr. Lu eg er: Die sind gestohlen worden!) Ich versichere Sie, auf die redliche Weise! (Heiter keil. — Abgeordneter Dr. Foregger: Ohne Fälschung! — Abgeordneter Hauck: Talmudreden!) Meine Herren! Da habe ich einen dritten Brief. Dieser berichtet zunächst (liest): „Wegen der Protokolle schreibe ich heute noch an Schönerer." Das Datum dieses Briefes trifft merkwürdig zusammen mit einer Nummer des Organs des Herrn Georg Schönerer's „Unverfälschte deutsche Worte." Da hieß es in Nummer 21 vom 1. Nov.mber 1885 (liest:) „So wird die Armee des Unfehlbaren geschult im Kampfe gegen das Licht. Ihre sogenannte Wissenschaft ist nichts als Paganismus; denn rrur die unwissende Menge läßt sich noch gängeln durch abergläubische Märchen; der Gebildete dagegen wird solches Zeug nicht einmal in der Ammenstube dulden wollen." Das schreibt Herr Schönerer und zu derselben Zeit steht er in Verbindung mit jenen Leuten, die äußerlich „christlichsocial" sich nennen. Der Brief berichtet aber weiterhin von den Agitationen eines sichern Motz: „Motz ist für mich nach Böhmen, Mähren und vielleicht auch Schlesien gereist." Da heißt cs ferner (liest): „Motz kommt vielleicht erst in acht Tagen zurück; dann, wenn es mir die Mittel erlauben, schicke ich ihn nach Steiermark." Wer aber ist Motz? Eben ein Agitator der gepriesenen radicalen Arbeiterpartei. Er wurde während des Ausnahmezustandes als Anarchist von der Polizei ausgewiesen. Ja, wird man fragen, woher kommt es denn, daß die Herren äußerlich als Antisemiten sich stellen. Das werde ich Ihnen auch sagen. Erstens sind die Juden nämlich Gegner der radicalen Arbeiterpartei, und zweitens ist auch die christliche Bevölkerung für die wirklichen Parteiziete noch nicht reif. Ja, sie ist eb n nicht reis. Die Bevölkerung ist zum Plündern oder Morden nicht so leicht zu haben, sie muß erst geschult, erzogen werden, an den Juden soll sie es lernen. In dem Briefe heißt es wörtlich: „Ich sage Ihnen, es ist unmöglich etwas zu machen, wenn die Inden nicht mitthun. Dazu gehört eine enorme Aclion der Betheiligten. Zum Socialismus sind unsere Leute und speciell Ihre Leser- Heute noch nicht reif; Verfälschungen suche ich." Sehen Sie Nr. 42 das ist das Programm, Verfälschungen! (Heiterkeit — Abgeordneter Dr. Popper: Er hat sie gefunden!) In einem zweiten Briefe wird dasselbe mit anderen Worten gesagt: „Eine Action ist nur möglich, wenn man eine große Agitation gegen Rothschild und seine Helfershelfer einleitet. Den Pack schlägt man und den Esel meint man." Wer war der Pack? Das waren die Juden. Und wer war der Esel? (Lebhafte Heiterkeit. — Redner verbeugt sich vor Lueger), hier haben Sie es schriftlich. (Lebhafte Heiterkeit). Ich resumire. Sie nennen sich christlich-social und sind antichristlich, antisocial. Diese Briese sind auf rechtmäßige Weise in meinem Besitz gelangt, man hat sie mir ins Haus gebracht und wer? Ein Parteigenosse dieser Herrn. (Abgeordneter Dr. Lueger: 0 nein, wir wissen schon, wie Sie sie bekommen haben!) Und warum hab.m Sie gefragt? (Lebhafte Heiterkeit:) (Abgeordneter Dr. Lueger: Damit wir es von ihnen erfahren, ob Sie die Wahrheit sagen!) Ich erinnere Sie;um Schluffe an die gerichtlich und amtlich festgestellte Thatsache. daß die beiden Kaisermörder Hödel und Nobiling aus der Stöckerpartei hervorgegangen si ib, (Abgeordneter Dr. Lueger: Das ist ja nicht wahr!) Möge dasjenige, was ich vorgebracht habe, eine dringende Mahnung sein, an alle patriotischen, wohlgesinnten Männer in Oesterreich, von Elementen sich loszulösen, die in der Mitte einer anständigen Gesellschaft nimmermehr geduldet werden dürfen. (Beifall.) Abgeordneter Dr. Bloch: Hohes Haus! Gegenüber den Ausführungen des Herrn Abgeordneten Dr. Earl Lueger erlaube ich mir, einige vorgebrachte Thatsachen richtig zu stellen Zunächst constatire ich, daß meine Erzählung von dem jüdischen Candidaten, der einen evangelischen Pastor zu retten suchte und dabei den Tod fand und von dem entgegengesetzen Ereignisse, welches sich in Oesterreich zutrug, nicht einem jüdischen Blatte entnommen ist, sondern der Monatsschrift des evangelischen Pastors Wilhelm Becker aus Breslau in den Nummern 9 des 46. Jahrganges 1889. Ich glaube, dies ist ein Gewährsmann, welchem ein Jude unbedingt vertrauen darf. Zweitens hat der Abgeordnete Dr. Earl Lueger es mir als eine jüdische, und wie er meinte, als nicht ehrenhafte Handlung angerechnet, daß ich Privatbriese eines Abgeordneten hier vorgelesen habe. Ich erinnere an die Thatsache, daß der Herr Abgeordnete Dr. Steinwender, Obmann der National- Par.'ei, hier in diescm Hause Prioatbriefe allerpersönlichstec Natur, Seiner Ercellenz des gewesenen Ministers Pino vorgelesen hat, ohne daß dagegen jemand etrvas eingewendet hätte,, und ich glaube, daß die Lehrsätze der Moral und Ehrenhaftigkeit für Juden und Christen gleich sind. Was der Christ thun darf, ohne daß man an seiner Ehrenhaftigkeit zweifelt, dies ist dem Juden in diesem hohen Hanse auch erlaubt. Drittens hat der Herr Abgeordnete Dr. Lueger gesagt: Ja, die Juden waren Aerzte, aber wie! Ich erinnere an die Thatsache, daß der Abgeordnete Türk hier seinem jüdischen Arzte das glänzendste Zeugniß ausgestellt hat. Jetzt appellire ich an die Gerechtigkeit des Herrn Gegners in Bezug darauf, daß er behauptete, die Juden seien die meisten