Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 42 (23.10.1891)
- Date
- 1891-10-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 42 Oestrrreichifrtze Wochxnschrifr. Seite 791 dort referirt über die Aerzrekaivmern und wer hat eigentlich für die Aerzteknmmeru das Recht der Tisciplinargewalt verlangt? Ein Jude Dr. Karl Kohn. Lesen Sie den Bericht des sechsten Aerztetaoes in Brünn vom 9. und 10. September 1884, da mar wiederum ein Jude Referent über die Aerztekammerfrage. Er sagte: Gebt uns eine Aerztekammer, damit wir unseren Stand purisiciren. Lesen Sie den Bericht des siebenten Aerztevereinstagcs in Innsbruck vom 6. und 7. September 1886, lesen Sie den Beucht des Aerztevereinstagcs vom Jahre 1888 Ueberall mar ein Jude der Referent. Rein, meine Herren, glauben Sie nicht, daß mir die unlauteren Elemente nicht aus unserer Mitte ausscheiden wollen. Man stellt an uns größere Ansprüche, man legt an uns den strengsten Maßstab in sittlicher Beziehung, aber darüber beklagen mir uns nicht, sondern mir müssen uns bestreben, diesem strengeren Maßstabe zu entsprechen. Ich habe hier den Bericht über die Verhandlungen des Aerztevcreinstages in Wiener-Neustadt, da waren 5000 Aerzte vertreten; der Referent über die Aerztekammer ivar Dr. Karl Kohn. Lesen Sie, meine Herren, mit welcher Verehrung, mit welcher Anerkennung der Ausschuß dieser 5000 Aerzte von diesem kleinen Jaden gesprochen hat. Ich werde mir erlauben, Ihnen die betreffende Stelle vorzulesen, damit Sie sehen, des; die Juden selbst es sind, welche die schlechten Elemente aus ihrer Mitte ausscheiden wollen. Am Schlüsse der Verhandlung sagt der Vorsitzende ('liest :) „Meine Herren, ich habe im Austrage des Geschäftsausschusses zwei Anträge vorzubringen. Der eine besteht darin, daß der bisherige Geschüftsausschuß dem Herrn Eollegen Dr. Hock die Anerkennung ausspreche. Zweitens fühlt sich der Geschäftsausschuß zu dem Anträge verpflichtet, der außerordentlichen Verdienste, welche der langjährige Schriftführer des Vereinsverbandes Dr. Karl Kohn nicht blos durch das Zustandekommen der Associationen der Aerztevereine Oesterreich3 und des Verbandes derselben, ferner um die Hebung des ärztlichen Standes durch Anstrebung der Errichtung von Aerztekammern, um Organisirung des öffentlichen Sanitätsdienstes und um das Gedeihen der Unterstützungsinstitute sich erworben hat, in anerkennendster Weise zu gedenken. Es sind das Verdienste, welche er sich durch Zeit, Mühe und materielle Opfer erworben, und indem ich Ihnen die Verdienste dieses Mannes in Erinnerung bringe, bin ich der Ueberzeugung, daß man ihm den Dank der Versammlung aussprechen müsse, ihm, dessen unermüdlichem Fleiße es zu danken ist, daß unsere Verbindung ein so reges Leben entfaltet und daß in dem Verkehre unter uns nie ein Stocken eingetreten ist." (Lebhafter Beifall.) Und wissen Sie, wer so sprach? Der Regierungsrath Dr. Gauster; die ärztlichen Delegirten sprachen — es ist zu viel, als daß ich Ihnen das alles vorlesen könnte — nach einander dem Juden die Anerkennung dafür aus, daß er bestrebt ist, den Aerztestand ztl organ siren blos zu dem Zwecke, damit derselbe in der Lage sei, alle jene Elemente, welche ihm nicht zur Ehre gereichen, aus seiner Mitte auszuscheiden. Und wenn Herr Dr. Karl Lueger mir die Annonceure vorgehalten hat, so möchte ich ihn fragen, ob er einmal die Annoneeure auf ihre Confession geprüft hat. (Abgeordneter Dr. Lueger: Dem Namen nach!) Ich kann Ihnen sagen, daß sehr gute Katholiken darunter sind. Ich werde jedoch die Herren hier nicht denunciren. Reden mir einmal offen und ehrlich'. Meine Herren» Wie ist es eigentlich? Die Herren Antisemiten schimpfen hier bei uns über die jüdischen Aerzte und nicht hier allein, sie gehen auch in Volksversammlungen, reizen das Volk gegen die jüdischen Aerzte auf, aber wenn sie selbst krank werden, dann rufen sie nicht dcir antisemitischen Bader, sondern den jüdischen Arzt. (Heiterkeit.) Ich glaube sogar, daß dort auf der äußersten Linken, in der nächsten Nähe des Herrn Dr. Lueger- Leute sitzen, d e sich von jüdischen Aerzten behandeln lassen. (Abgeordneter Dr. Lueger: Mag sein!) Ich weiß cs. (Abgeordneter Dr. Lueger: Ja,!8ie wissen gar viel, was ich nicht weiss.) Aber eines sollten Sie wissen, nachdem Sie Mitglied des Parlamentes und, die Protokolle sollten Sie kennen. In der Sitzung vom 10. Februar 1887 ist ein Antisemit aufgetreten und hat Gift und (Lalle gegen die jüdischen Aerzte gespien, dann aber erzählte er, als er krank war, da ist er zum jüdischen Arzte gegangen und nicht nur er, auch seine Familie verhaute er dem jüdischen Arzte an. Ich werde Ihnen die Worte des damaligen Redners, des früheren Herrn Abgeordneten Türk vorlesen (liest): „Ich will gerecht sein. In Jägerrdorf selbst ist ein jüdischer Mediciner, ist bcrt sogar Bezirksarzt, dem ich nur Gutes nachsagen kann, der persönlich an mir Wohlthaten ausgeübt hat, daß er mich in einer schweren Erkrankung unentgeltlich besuchte und dasselbe bet meinen Familienangehörigen gethan hat." (Abgeordneter Bauch: Ist das ein Verdienst? Das ist ja Pflicht!j Ter Antisemit war ja nicht verpflichtet, zum Juden zu gehen. So sind Sie also. Sie trinken heimlich Wein und predigen öffentlich Wasser. Dem Volke empfehlen S'e allerdings der: antisemitischen Bader, selber gehen Sie aber zum jüdischen Arzte. Die Hetz: gegen die jüdischen Aerzte ivird nicht hier allein betrieben. Die Hetze wird im ganzen Lande derart betrieben, daß Sie davon kaum eine Vorstellung haben. Selbst die jugendlichen Gemüther sucht man mit Mißtrauen zu vergiften. Ich habe hier ein Kinderspiel, welches um 30 kr. feilgeboten wird, ein antisemitisches Frage- und Antwortspiel für die Jugend. Tie Frage 8 lautet (liest): „Wie kommt es, daß eine so große Anzahl Juden Medicin studirt?" (Heiterkeit.) Antwort: „Wir haben die Anmort einem antisemitischen Aufklärungsschriftchen entnommen. Bekanntlich waren die Aknen der Juden Kannibalen. (Lebhafte Heiterkeit.) Tie Mordlust ist noch heute im Juden vorhanden. Um das Gesetz schlau zu umgehen, wählt der Jude einfach den ärztlichen Beruf (Lebhafte Heiterkeit.) Wir wollen damit natürlich nichts gesagt haben. (Erneuerte Heiterkeit.) Derartiges wird feilgeboten an die Jugend, die Kinder sollen sich oas einprägen. Sie meinen, daß Sie uns damit schaden? Da täuschen Sie sich. Durch diese Verrohung der Jugend schaden Sie der christlichen Bevölkerung. Wie weit das gekommen, ersehen Sie aus den Thatsachen, daß hier einmal in Wien eine christliche Dame, bloß weil sie an einem jüdischen Feiertage ein neues Kleid an hatte, auf der Straße von einem Buben mit Tinte begossen wurde. (Abgeordneter H a u c k: Geschieht einer Christin auch \) Das war ja eine Ehristin. Aber diese Christen