Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 42 (23.10.1891)
- Date
- 1891-10-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 42 Orstrrrrichifrtzr Wochenschrift. 'öcitc 783 Sammlung für die durch die jüngsten Elementarereigmße in > Spanien Betroffenen ergriffen und die Collecte mit einer namhaften Spende eröffnet hat. Unterkr alowitz. (Belobende Anerke nnung,) Der k. k. Bezirksfchulrath in Ledee hat in der am 29. September l. I. abgehalten.m Sitzung über Antrag des k. k. Bezirksschulnspectors dem Herrn Löwy Kleinzeller, Oberlehrer der isr. deutschen Volksschule mit Oesfentlichkeitsrecht in Unterkralowitz für seine durch viele Jahre anhaltende, erfolgreiche Thatigkeit und ersprießliches Wirken im Schuldienste, sowie in der Erziehung der seiner Leitung anvertrauten Jugend die belobende Anerkennung ausgesprochen. Herr Oberlehrer Klein zeller entfaltet sein im Schuldienste ersprießliches, segensreiches Wirken seit 1872 in unserer Gemeinde, weshalb wir diese Gelegenheit gern ergreifen, ihm zu dieser Belobung seitens der k. k. Vorgesetzten Schulbehörde zu gratuliren. 21. P. EB. Switawka bei Boskowitz. In der Familie Löw Beer sind wahre Gottesverehrung, Wohlthätigkeit und Humanität traditionell, diese immer seltener anzutreffenden Eigenschaften vererben sich von Vater aus den Sohn und werden mit rührender Pietät gefördert. Zu den Familien - Ueberlieferungen gehört auch die Heilighaltung der hohen Feiertage, welche auch fcvit von einer größeren Cultusgemeinde mit den herkömmlichen Zeremoni.'ll begangen werden. Die weltbekannte Großindustricsirma Mos. Löw Beer besitzt hier ein Fabriksetablissement, in welchem über tausend Arbeiter beschäftigt sind. An den hohen Festtagen versammelt sich der ganze Fabriks- Beamtenstand zur feierlichen Begehung des Gottesdienstes in einem eigens zu diesem Zwecke adaptirten Saale unter Leitung eines geschulten Vorbeters, das Sanetuarium birgt zwei Thorarollen mit kostbaren, von Angehörigen der Familie Löw Beer gewidmeten Geräthen, dem feierlichen Gottesdienste wohnen auch Glaubensgenossen der nächsten Umgebung bei, von welchen die Unbemittelten gastlich ocwirthet und reichlich beschen kt werden. Es ist he.zerhebend anzusehen, wie all dies zum „Eiäusall beiträgt und es wäre lebhaft zu wünschen, daß diese zu Befestigung des Gottesglaubens dienenden religiösen Acte auch anderweitig Nachahmung finden möchten. Prag. Der bekannte neue Professor und Director der Landes'-Irrenanstalt, Dr. Jakob Fischet, feierte vor einigen Tagen sein 50 jähriges Doctorenjubiläum. Unter den Gratulanten befanden sich: der' Rector der deutschen Universität, Pro'. Kelle, der Dekan und Prodekan der medicinischen Facultät Dr. Pick und Pros. Rabl, Oberstabsarzt Rex der Director der Landesirrenanstalt Eumpelik. Eine Anzahl von Zuschriften bewiesen weiters die Beliebtheit, deren sich der Jubilar in weitesten Kreisen erfreute. Elberfeld, 7. Oktober. E. Seitz, der Haupt-Agitator und Führer der hiesigen Antisemiten, wurde dieser Tage von der Strafkammer des Landgerichts wegen Veruntreuung zu einer Gefängnißstrase von vier Wochen verurtheilt. S. hatte Geld, welches er einer Witwe K. abzuliefern hatte, zu seinem eigenen Vermögensvortheil verwendet. Ofsenbach, 6. October. In einer wegen Erpressung anhängigen Untersuchungssache, die einen antisemitischen Hintergrund hat, war kürzlich der' Darmstädter Untersuchungsrichter hier anwesend. Der Beschuldigte, der hier wohnende Sohn eines einer nahen Ortschaft seßhaft gewesenen Oekonoms, verfolg nlich schon geraume Zeit in dem Wahne, er sei an seinem Vermögen geschädigt worden, einen hiesigen israelitischen Handelsmann und dessen Söhne und verlangt unter der Drohung mit Bocket und „Reichsherold" die Auszahlung einer bestimmten Summe. Als dem Handelsmann die Sache zu bunt wurde, beschwerte er sich bei der Staatsanwaltschaft, die denn auch das Str'afverfahren einleitete. Alzey, 10. October. Herr Dr. Lewy, Rabbiner in Freudenthal (Württemberg), ist zum Rabbiner hiesiger Gemeinde gewählt worden, nachdem er am Rosch-Haschana einen sehr beifällig aufgenommenen Probevortrag gehalten. Nürnberg, 8. October.Unterden 18 Einjahrig-Freiwilligen des hier garnisonirenden Kavallerie-Regiments wurden fünf zu R eserve-Ossizierenbesördert,darunter drei Israeli ten Karlsruhe, 12. October, Herr Rentier G. Ro senberg ist vom Großherzoge mit dem Ritterkreuz I. Klasse des Ordens vom Zäh ringer Löwen ausgezeichnet worden. Homburg, 18. September. Bei den nach der neuen Städteordnung für den Regierungs-Bezirk Wiesbaden hier stattgehabten Wahlen von 24 Stadtverordneten sind auch zwei Juden — die Herren W. Ackermann und Ed. Emmerich, beide zugleich Mitglieder unseres Cultusvorstandes — mit diesem Ehrenamte betraut worden. Hätte das Bürgercomitee nicht nachträglich den Fehler eingesehen, den schon seit 27 Jahren dem hiesigen Stadtrathe angehörenden, sehr verdienstvollen Herrn Ackermann weggelassen zu haben, und ihn daher noch nachträglich seiner Liste einverleibt, dann wäre auch Herr Julius Braunschweig, dem nur wenige Stimmen mangelten, gewählt worden. Breslau, 12. October. Wie verlautet, ist Herr Dr. M. Braun, Rabbiner in Pleß als Nachfolger des Herrn Pros. Grätz zum Docenten der Geschichte des hiesigem Rabbiner- Seminar berufen worden. Rom, 11. October. Der Großmeister der italienischen Freimaurerlogen hat dieser Tage an sämmtliche Großmeister aller europäischen Logen ein Rundschreiben gesendet, in welchem er sie zu thätigem Interesse für die russischen Juden ausfordert. Feuilleton Ein Märtyrer. Bon Luise Freyhan in Breslau. I. Cin hübscher Wagen rollte die etwas schmutzige Dorfstraße von Pullitz herunter. Der Kutscher knallte mit der Peitsche, nicht eigentlich um die muthigen Pferde, die ibrc Schuldigkeit thaten, anzuspornen, sondern wohl um die Ausmerksamkeil der Dorfbewohner und vor Allem der Dorfjugend auf sich zu lenken. Der Mann mußte mir dem Wege recht vertraut sein, denn schon war der Abend hereingebrochen, einer jener schönen, kühlen Dcwberabende, wo die '.)iatur, wie ein Mensch nach wohlgethaner Arbeit, sich langsam und behaglich zum Schlummer streckt. Die Straße von Pullitz war sehr dunkel; harre doch ain lmde des vorigen Jahrhunderts selbst die Segnung einer bescheidenen Dellampe diesen kleinen mährischen Ort noch nicht erreicht. Aber sobald sie das Knallen der Peitsche hörten, huschten doch hie und da neugierige Leutchen, und es waren nicht blos Kinder, aus den Häusern heraus und manch' freund-