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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-23 · 42 (23.10.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
42 (23.10.1891)
Date
1891-10-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 782 Oestrrrrichifrhe Wochenschrift. Nr. 42 Petersburg. Wie man dem „Przeglond"aus Petersburg berichtet, soll der erste Gegenstand, mit dem sich der demnächst zusarmnentretende russische Reichsrath befassen wird, ein die Verhältnisse der ruffischen Juden regelndes Gesetz sein. An die Mitglieder des Reiäisrathcs wurden bereits vertheilt: der Bericht der früheren, für die Judensrage eingesetzten Kommission, we.che von 1883 bis 1888 unter dem Vorsitze des mitilerweie verstorbenen Juslizministers Grafen Pah len ragte, und der Bericht der neueren Kommission, deren Vorsitzender der seinerzeitige Minister-Gehilfe v. Plehwe war. Als Beilagen zu diesen Berichten wurden versendet: ein Gutachten ’joit Staatsmännern über die Inden und deren Charakter-Eigenschaften: Uebersetzungen der in anderen Staaten geltenden anti-jüdischen Gesetze und von den russischen Gouvernements - Chefs ausgefüllte Fragebogen, in denen fast alle Gouverneure Spezialgesetze für die Juden und eine Beschränkung der Rechte der jüdischen Bevölkerung empfohlen haben. Unter den Beilagen befinden sich auch Referate über Gutachten, welche verschiedene jüdische Vereine und Korporationen über die gegen die Juden gerichteten russischen Gesetze abgegeben haben. Diese Vereine forderten ausnahmslos die Aufhebung der für die Juden auf allen Gebieten, insbesondere aber im ö fentlichen Unterrichtswefen bestehenden Beschränkungen. Das von der Kommission nunmehr vollständig ausgearbeitete Judengesetz wird im Falle der Annahme durch den Reichsrath dem Czaren zur Genehmigung vorgelegt werden. Wien. (Zum „rituellen Mord" auf Corfu.) Wie man uns aus Corfu meldet, sind die T h ä t e r bereits ermittelt. Es sind deren sieben, sammtlich C h r i st e n, deren einer, Johann K a r i d i s, bereits einmal unter gleichem Verdacht in Haft war lind später freigelassen wurde. Es wurde ferner durch christliche Zeugen festgestellt, das; die getödtete Rubina Sarda im Jahre 1883 zu Corfu selbst von jüdischen Eltern geboren wurde und bis zu ihrem Tode ununterbrochen dort lebte. Im Uebrigen werden die weiteren Ergebnisse der Untersuchung und die Rainen der muthmaßlichen Thäter noch verschwiegen. Wie«. (Zur Statistik jüdischer Ehen.) Auf dem internationalen statistischen Congreß, der jüngst in Wim abgehalten wurde, hat Direktor K ö r ö si aus Budapest über seine neuen Beobachtungen betreffs der Fruchtbarkeit der Ehen einen interessanten Vortrag gehalten. Die allgemeinen Züge des Schicksalslauscs hundert dreißigjähriger Ehen faßt Direktor K ö r ö si dahin zusammen, daß diese hundert Ehepaare 539 Kindern das Leben gegeben, aber hiervon 241 begraben haben! Wenn also eine solche Familie nur Ein Kind zu beweinen hat, muß sich dieselbe als vom Schicksal begünstigt betrachten. Körösi wird ähnllche Beobachtungen für zwanzig Hauptberufsarten und für die drei Hauptkonfessionen geben! Bezüglich der letztere»! konnte er mittheilen, daß die Anzahl der Geburten bei den Juden nicht größer als bei den Katholiken ist, daß also die Behauptung von einer großen Fruchtbarkeit des Mischen Stainmes durch diese Daten nicht bestätigt werde, wohl aber sei bei den Juden die Kraft der Kinder-Erh.a l t u n g eine größere; es starben nämlich in den erw.hnten dreißigjährigen Ehen in katholischen Fainilien 47 Prozent, in evangelischen 42 Prozent, in jüdischen aber blos 38 Prozent Kinder. Sehr interessant waren auch die Mittheilungen über den Einfluß des elterlichen Alters auf die Vitalität der Kinderindem sich hierbei herausstMe, daß Mädche», nicht unter 19 — bei den früher reifenden Juden nicht unter 18 — junge Leute nicht vor dem 24. Jahre Heimchen sollten, in welcher Beziehung übrigens noch weitere Beobachtungen angestellt werden müßten. Wien, 21. October 1891. Löbliche Redaction! Erlaube mir, Sie aufmerksam zu machen, daß Herr Michael Hauser, Spenglergehilfe, welcher lt. „Wiener Zeitung" vom 20. d. von Sr. Majestät für die Errettung zweier Menschen vom Ertrinkungstode, mit dem silbernen Verdicnstkreuz ausgezeichnet wurde, Jude ist und zwar aus Trebitsch in Mähren geboren, er ist auch Reservist des 61. Jnfanterie-Regimente?. Wien. (Prediger Mannheimerverein.) Der Vorstand dieses Vereines war Heuer bei Gelegenheit des Geburtstages des edlen Gründers in der Lage, fl. 1700 an 50 Petenten (6 Rabbiner, 10 Rabbinerswitwen, 16 Lehrer uud 18 Lehrerswitwen) 'zu vertheilen. Eine erhielt fl. 200, Eine fl. 100, 8 a fl. 50 und 40 a fl. 25. Wien. (Zur Bevölkerungsbewegung in der Wiener israelitischen Cultusgemeinde) vom 27. September bis 3. Oc.ober 1891. — In dieser Zeit fanden 19 Trauungen statt. Geburten »varen 49 zu verzeichnen, und zwar: 30 Knaben, 19 Mädchen. Gestorben find 34 Personen u. zw.: 15 erwachsene männliche, 6 erwachsene weibliche, 5 Knaben, und 8 Mädchen, Todtgeboren wurden 2 Knaben und 1 Mädchen. Am 26. October findet im Tempel der Seitenstettcngasse, die Trauung statt des Herrn Moritz Beinhacker mit Frl- Eugenie Dann haus er. Wien. Herr Dr. Julius Hirsch aus Hamburg, Sohn des Oberrabbiners M. Hirsch, hat am Neujahrsfeste und am Versöhnungstage in der neuen Synagoge in» IX. Bezirk und am Hütteufeste Herr De. Taglicht, Rabbiner in Ung. Ostrau ebenfalls ein sehr begabter Redner daselbst mit großem Beifall gepredigt. Wieu.tEingeskndett Wohltöbliche Rcdaction! Die Ankündigung der von mir gegründeten Eamorcnschule in Wien, hat Herr Josef Singer Dbcr-tzantor der israelitischen Enltnsgemeine veranlass eine sogenannte „Erklärung" i» Ihrem wcrlhen Blatte vom 16. d. M.;n verösscntlichcn, in welcher derselbe meine Gründung von verschiedenen Gesichtspunkten angreist. Ich ersuche Sie daher geehrter Herr Redaclenr meinen folgenden Zeiten in Ihrem geschabten Blatte Nanm geben. Ich must vor Allem hervorheben, dast ich keine „sogenannte Schule" und keine „Winkelschntc" in Auen errichtet habe, sondern eine von der hohen Untcrrichtsbchörde genehmigte Anstalt. Die zur Prüfung der rchrqualisication allein berufene Behörde hat meine ausgezeichnete Adsolvirung des Wiener Konservatoriums in Anbetracht gezogen und durch sonstige -Aachweise belegte Lehrfähigkeit iil musikalischer und theoretischer Beziehung geprüft tlnd mir als Resultat dieser Untersuchung die staatliche Eoncession erthcilt. Was nun das jüdischtheologische Seminar anbelangt, dessen Zustandekommen und wahr chcinlich auch dessen (tristen; Herr Singer durch meine Schule gefährdet glaubt, so must ich bemerken, dast neben öffentlichen Schuten auch Privatschulen bestehen können, durch welche die Erstcren in keiner Weise gefährdet werden. Ich schliestc mir^dem Bemerken, dast es mein Bestreben bei Leitung meiner staatlich genehmigten Eantorenbilduugs-Anftalt sein wird, nicht nur Eantorcn yeran;nbilden, sondern auch snngircnde Eautorcn denen sachliches Wissen »nangelt auch weiter ansnibilden und ihnen jene Routine bcimbringen. die ein eracter Eantoralgefang erfordert. Genehmigen Sie Herr Redactcnr die Bersicheruug meiner Hoch achrnng und Bcrehrnng 'Wien, den 19. Dctobcr 1891. Philipp Kläger Dbercantor und Dircctor der ('aiitoicubildungsanstalt im IX. Bezirk. E. B. Brünn, (Ordc nsdecorir itng.) Dem hiesigen Großindustriellen, Herr Hermann Spitz spanischer Vice-Consul, wurde von der Königin-Regentin von Spanien der spanische Jsabellen-Ritter Orden verliehen. Herrn Spitz wurde diese hohe Auszeichnung zweifelsohne »vegen seiner V:rdienste als Vice-Consul zutheil, weiters auch wegen seiner Bemühungen zur Förderung österreichisch-spanischer Eiportbeziehung n. Anläßlich deiser Auszeichnung sind Herrn Spitz seitens der spanischen Gesandffchaft und von dm weitesten Bevölkerungskreisen Glückwünsche zugekoinmen, was auf die Sympathien, die derselbe genießt, schließen läßt. Einen voctheilhafien Eindruck hat es auch gemacht, daß Herr S p i tz die Initiative zu einer

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