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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-23 · 42 (23.10.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
42 (23.10.1891)
Date
1891-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42 hatte. Er sagte mir, cs könne möglich sein, das; diese Erinnerungen ihm aus seiner Kindheit im Gedächtnis gelegen hätten, aber in feinem ,volle wären sie nur Phrasen. Ich erwiderte, daß ich weit davon entfernt das zu tadeln, im Gegentheil stolz daraus sei, und daß es mein einsiger Wunsch sei,;u seinem Rllhm bcizntragen. Bon dieser Zeit an datirt unsere Freundschaft. — Pierzehn Lage vor seinem Lode sagte ich eines Morgens nach einem Balle, den ich ihm zn Ehren gegeben, zu ihm: Warum haben Sie nicht, wie Ihr Freund Halcvy, Synagogeurnusik komponirt?" Seine Antwort ist bemerkenswerth: „Sie berühren da eine empfindliche Leite. Sie wissen allch, daß ich zwei Söhne verlor. Gnt, ich will Ihnen ein Geständniß machen; wenn die Bergangenheit zurnckgerusen werden könnte, würde ta^ nich: noch einmal geschehen. Es sollte Kindern nie erlaubt sein, eine von den Eltern verschiedene Religion zu haben. Ich sühle das ties im Hinblick ans meine Enkel, von meiner ältesten verheirateten Lachter gar nicht zu sprechen, der ich absolute Freiheit in der Wahl ihres Gatten ließ, und die hiebei sehlgrisf. Las schmerzt mich am nessten. Was Ihren Borwurs, daß ich nichts für die Synagoge gethan habe, betrifft, so ist keineswegs meine Unwissenheit des Hebräischen daran schuld. Ich erinnere mich wohl der hebräischen Gebete von meiner Kindheit her. Der Grund ist eher in meiner Gleichgiltigkeit gegen das Indenthnm zu erblicken, welches ich in unfruchtbaren innerem Kampfe finde. Ich bin ein Leist. In diesem Sinne bin ich ein Inie, uns werde ein Jude bleiben aber weder gottesdienstliche Handlungen noch Streitigkeiten oder Reformen im Iudenthumc werden an meine Pernnnfr und an mein Herz appeltiren Seitdem Sie mir Moses und seine Thora vom rabbinischen Standpunkt, ans erklärten und feit ich Heines Artikel über Moses las, fing ich an wieder daran zit denken. Bergessen Sie nicht, daß ein Theil meines „Prophet" für einen „Moses' bestimmt war. den ich, als ich noch sehr jluig war, in meinem Geiste fertig hatte, und nur nach dem „Moses" incines Freundes Rossini, dem ich oft von meiner Idee sprach nird weil ich nicht dasselbe Thema behandeln wollte, bar ich Scribe inir ein Libretto für einen „Prophet" zu schreiben und er schuf für mich den „Johann von Leyden". Der berühmte Triumpfgesang des Propheten am Ende des zweiten Aktes war in meiner Jugend für Moses bestimmt. Ich verspreche Ihnen, daß ich daran denken werde, etwas für die Synagoge zu schreiben". Picrzchn Tage später war Meycrbeer todt." ^olTesponämLen. Wien. (Der antisemitisch gemachte Körner.) Der Antisemitismus treibt immer neue und immer wunderlichere Blüthen und jede Ausschreitung dieser Bewegung aus politischem Gebiete sollte von der Publicistik festgenagelt werden. Neuerdings ist es Jung-Antisemitismus in dem hundertthürmigen Prag, närnlich die ganz im Fahrwasser Schönerer's segelnde deutschnationale Studentenschaft, die einen eigentlich mehr an's Komische grenzenden Gewaltstreich nusübt. Der Dichter' von „Leyer und Schwert", Theodor Körner, wird mit Gewalt von den Prager Burschenschaften ä tout prix in die antisemitische Sache hineingezerrt, was umso leichter ist, als er sich dagegen nicht wehren kann. Die Biographien Körners erzählen uns zwar, daß der junge Dichterseinerzeit in Wien bei Frau von Pereira die größte Förderung gefunden habe und Körner er-zählt in seinen Briefen an den Vater in lebhafter Weise von der Theihnahme dieser Frau, der er auch noch als schwarzer Jager eingehend, über seine Erlebnisse und Gefühle berichtet. Und diese Frau, welcherder Dichter mit aller Danbarkeit einerjungen Seele ergeben war, hatte nicht das Glück zu den unverfälschten zu zählen. Was wohl der Held zu solcher Verwendung seines strahlenden Namens gesagt hätte? Er hätte wohl nur Seite 779 ironisch den Kopf ge'chüttelt über die neuen Freunde, die ihn ftir sich retten wollen. Dem Körner-Eommers, welchen die Prager Knappen Schönerer's veranstalteten, blieben samintliche Professoren der Un vecsität und der Technik fern, um bei dem jungen Leuten, welche Zwietracht in die Reihen ihrer Eommilitonen zu tr-agen suchen, keinen Zweifel darüber aufkommen zu lassen, w.e sie über ihr Treiben denken. Selbst ein Universitätsdocent, welcher — wahrscheinlich aus Unkenntnis; der Gesell schaft — dm jungen Leuten die Zusage gemacht hatte, die F'strebe zu halten, scheint sich nach eingeholten Jnsorniationen eines Besseren besonnen zu haben und sagte ab. So blieb der Gesellschaft nichts anderes übrig, als sich den bekannten Sancho Pansa des Don Ouirote Schönerer, Herrn Earl Herrinan Wolf aus Wien zu verschreiben, der denn auch in seiner allzu stürmischen Festrede vom Regierungscommissär wiederholt unterbrochen werden mußte. Der Toast auf die Universität und die Professoren entfiel denn auch, da die Proie'soren nicht vertreten waren; auch einem Festredner, dem der Toast auf das deutsche Volk zugedacht war, schien der Muth zu fehlen — und der Toast blieb ungesprochen. Der unter die Gesellschaft gerathene Abg. Dr. Bareuther war Gegenstand lebhafter Ovationen Proßnitz. (Austritt aus d e m I u d e n t h n m. > Man schreibt uns aus Proßnitz „der Bericht ihres geschälten Blattes über die Jnterconfessionserklarung des hiesigen Kaufmanne Jonas Fleischer ist wohl den Thatsachen entsprechend, allein der Berichterstatter hat die Affaire, die hi r allerdings „böses Blut' gemacht hat, zu tr-agisch aufgefaßt, genannter beabsichtigt, wie hier allgemein bekannt, mit seinem Schrit.'e nur eine Etappe zur „Convertirung" zu machen, angeblich zum besseren Frrtkommcn feiner Kinder, von welchen eines das keine Aspecten ze'gt, den civilen Doctorhllt jemals zu erringen, sich beiin Militär den Marschallstab erobern soll, wobei das Judenthum hinder'nd im Wege steht. Die Zeiten sind wohl vorüber, wo der er'stbeste Thunichtgut fü.s Militär „gut genug" ist, ob man nun dieser oder jener Eonfeision angehört. Und daß man es auch als Jude, notabene wenn man die erforderliche Befähigung besitzt, beim Militär zu hervorragenden Stellungen bringen kann, beweist der Umstand, daß gerade aus der Proßnitzer Fudengemeinde Oberste und Linienschiffscapitäne hervorgegangen sind (Oberst Beer, Capitän Funk und Lang mit Oberstenrang). Ein alter Erfahrungssatz ist es, daß es besser ist, wenn die zweifelhaften Elemente aus der Gemeinsibaft der Juden je eher je lieber scheiden. Die Bahn ist für den Helden der Tragicomödie frei, und ist es seine Sache, sich nur seinem Gewissen abzufinden. Zu erwähnen wäre nur der Umstand, daß die erwähnte Enunciation unseres verdienstvollen Rabbiners, Dr. Hoff von derartiger Wirkung begleitet war, daß Herr Fleischer, wenn er seine eigenen Interessen in dieser Affaire sprechen läßt, weise handeln würde, keinen Schritt zu thun, der ihn: die Sympathien seiner Commitenten abwendig machen müßte. Wie sagte nur Krösus auf seinem letzten Gange: O Solon, Solon' u. s. w. Berlin, 13. October. Die ernste Frage, wo unsere flüchtenden russischen Brüder eine neue Heimat finden können, steht im Vordergründe des öffentlichen Interesses, und jede Meinungsäußerung berufener Beurtheiler, welche zur Lösung dieser Frage beitragen kann, verdient aufmerksame Beachtung und gewissenhafte Prüfung. Es erscheint uns deshalb geboten, aus einem Briefe, den Dr. F. Dernburg, der ehemalige Orsterrrichrfchr Wochenschrift.

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