Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 42 (23.10.1891)
- Date
- 1891-10-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 774 Oestrrrrichischr Wochenschrift. Nr. 42 erkennt und dessen Schöpfungen man zu würdigen vermag. Man heuchelt wie ein ungerechter Richter, der die Aufrichtigkeit mißbraucht, um einen falschen Schi'.ldbeweis herzustellen und der behauptet, daß Objektivität seine Richtschnur sei, wahrend in jedem seiner Worte sich das Vorurtheil verräth. Heinrich Heine war ein deutscher Dichter; Keiner ist tiefer in die deutsche Volksseele eingcdrungen und Keiner hat die Gedanken und Gefühle dieser Volksseele herrlicher und wunderbarer wiedergegeben. Die Schatze der deutschen Sprache hatten sich ihm aufgeschlossen bis zu den tiefsten Schachten. Er bleibt Deutscher, selbst dort, wo er das Judenthum berührt. Er war national, es sei denn, daß man unter Bekenntniß der Nationalität den engherzigen Dogmatismus verstände. Die echten Orientalen, wie Koranleser und Anbeter des Dschaggernauth, das sind die Fanatiker, welche gleichzeitig gegen Deutsche und deutsche Wissenschaft nur immer das Racenbckenntniß Herunterleiern und welche es nicht dulden können, daß ein Vogel etwas Anderes pfeife, als die Melodie, an der sie Gefallen finden. Die Capitalsünde Heinrich Heines bestand in der Aufrichtigkeit, die man sonst als deutsche Tugend bbrachtet; er verschmähte cs dem „lieben Leser" die voraus-- gesetzten Zugeständnisse zu machen. Man verbannt einen Dichter, man verbannt ihn nach seinem Tode, und man weiß, daß jede Nation diesen Dichter mit Stolz als den Ihrigen betrachten würde. Dem Genius entzieht man das Heimatsrecht und man ist undankbar für die unvergänglichen Gaben, die der-Dichter zurückgelassen, die als Ganzes genommen auf dem Gebiete der modernen Liter-atur nicht ihres Gleichen haben. Heinrich Heine, einer der größten Dichter deutsch'!' Nation, wird als ein Heimatsloser behandelt; denn sein Großvater war ein kleiner Jude mit einem großen Bart. Die Kaiserin von Oesterreich war bereit mit kaiserlicher Freigebigkeit das Denkmal zu ermöglichen, das dem Dichter aus deutschen Boden errichtet werden sollte. Wäre das vollbracht worden, dann hätte man sagen müßen, daß die deutsche Frau nur von dem Streben er üllt war, dem deutschen Dichter einen Ehrenplatz innerhalb der Grenzen Deutschlands zu stiften. Man würde ein Unrecht begehen, wenn man von der Kaisenn von Oesterreich die Unabhängigkeit der Gesinnung und den Muth rühmen wollte, sich dem Hasse und dem Vorurtheile der Gegenwart entzogen zu haben. Viel zu hoch steht die Kaiserin als daß solches Lob an sie hinan reichen würde. Das Denkmal auf Corfu aber hat mit alttn diesen Dingen nichts zu schaffen. Der deutschen Nation bleibt die Freiheit, ob sie den Dichter ehren will od.r nicht, bleibt die Wahl zwischen Anerkennung und Verkennen und nichts berechtigt zu der Anschauung, daß das Denkmal auf Corfu als Ersatz für das dem Dichter auf deutschem Boden verweigerte Denkmal anzusehen wäre. Auf fremder Erde wird dem verbannten Dichter ein Denkmal errichtet und Niemand hat das Recht dreinzureden, wenn fern von der Zudringlichkeit der Welt innerhalb des eigenen Burgfriedens eine Kaiserin ih en Empfindungen Genugthuung gewährt. Das Eine aber zeichnet dieses Denkmal aus, daß echte und wahre Empfindungen es ins Dasein gerufen haben. Das träumte der Dicht, r nicht, daß eine Kaiserin seinem Namen Ersatz bieten werde für alle Unbill, für alle Angriffe und Verfolgungen. Das ist ja nicht ein Denkmal, zu welchem die Menge gedankenlos ihren Obolus beisteuert oder für das einige Wohlhabende Beiträge leisten, weil die herrschenden Strömungen, die gesellschaftlichen Gewohnheiten es so bedingen. Den höheren Werth des Denkmals, welches die heute noch lebendige Zauberkraft des Dichters bezeugt, wird Jeder begreifen und wohl würde das Denkmal die Inschrift verdienen die von einem Zeitgenossen Shakesspear's für dessen Grab bestimmt war: ",Du liegst in Purpur und Könige mögen wünschen so zu liegen wie Du ruhst." Noch ist Heinrich Heine nicht ganz verstanden, noch ist das Wunderbare seines Wesens nicht definirt, die Kaiserin Elisabeth allein hat ihn verstanden; sie ist ihm gerecht geworden. Würdig schmückt der Purpur diese Frau, welche durch ihre hohe Gesinnung den Platz verdient, den ihr das Geschick eingeräumt hat. Sie steht hoch über dem Niveau der Zeit; sie ist die Kaiserin unter den Frauen der Gegenwart. Andachtsvoll wird man vor dem Deukmalauf Corfu vcr we len und dein Herzen werden Huldigungen entströmen für die Herrin des Gartens für die Kaiserin Elisabeth. Das kroatische Amtsblatt „Narodne Novine“ in Agram als antisemitisches Hetzblatt. Kroatien hat unseres Wissens nicht mehr als drei jüdische Gemeinden von je einigen hundert Seelen und dazu noch bei hundert jüdische Familien, die vereinzelt auf den Dörfern leben und wie die autochtonen Bauern Landwirthschaft betreiben. Ein großer Theil des Landes ist gebirgig, wie z. B. das Stück Zagorien, wo ein Bauerngehöfte vom anderen eine halbe Stunde weit entfernt liegt, daß der Hausirer noch eine Nothwendigkeit des Verkehrs ist. Das Land hat auch noch zu wenig Eisenbahnen, als daß der Zwischenhandel zwischen den Produzenten und den Zentren überstüssig wäre. Von den drei, vier jüdischerr Großgrundbesitzern und ebensovielen Großpächtern hat gewiß jeder dem Lande mehr genützt, als der nationale Heros, der bischöfliche Walddcvastator Stroßmeyer, indem sie landwirthschaftliche Industrien schufen, die der armen Bevölkerung Arbeit und Verdienst sichern, und ohne die paar jüdischen Großhändler wären bis heut? noch nicht die Produkte des Landes auf den Weltnrarkt gekommen. An Patriotismus steht aber keiner der Juden Kroatiens den andern Landeskindcrn nach, wenn dieser ihr Patriotismus auch nicht Starcsevics'scher Couleur ist und auch von dein Patriotismus der Diakovaer Eminenz abmeicht. Der Antisemitisnlus hat also in Kroatien nicht einmal den losen Anhaltspunkt, auf den er anderswo seine Anklagen gegen das Judenthum gründet. Und doch soll ailch Kroatien nicht, vom Antisemitismus verschont bl iben! Das Sonderbarste dabei ist, daß der Träger des Antisemitismus dahin kein Private ist, der diesen Modeartikel auch an ben weltentlegenen Ufern der Save einführen will, sondern die „Narodne novine“, das Amtsblatt der Regierung des Banus Grafen Khuen-Hedervür', des Stellvertreters des Kaiser- Königs, der bei jeder Gelegenheit die Loyalität der Juden anerkennt und sie seiner Gnade und seines Schutzes versichert! Und es sind nicht politische Gründe, von denen dieser Regierungs-Antisemitismus in Kr-oatien ausgeht, wie etwa anderswo z. B. um die Opposition, die man zuerst 31t diesem Zwecke mit den Juden identisizirt, damit zu demiithigen, sondern rein persönliche, materielle Ursachen, wie sie auch Gevatter- Schneider und Schuster zu Antisemiten machen. Wie erinnerlich ging vor einigen Wochen eine Notiz d?:rch die Blätter, daß die von Baron Hirsch gegründete jüdische Kolonisationsgesellschaft mit der Regierung in Kroatien wegen Ankaufs von Land zu Kolonisationszwecken unterhandle. Nun mußte sich dieses Geschäft zerschlagen haben, wahrscheinlich, weil man dem Baron Hirsch die Ehre, Juden in dem so hoch zivilisirten Kroatien ansiedeln zu dürfen, etwas zu theuer anrechnete. Und aus Rancune wird jetzt von dem Rcgierungsblatte der Anttsemitismus an die Wand gemalt. Es geschah dies im Leitartikel der „Narodne Novine“ vom 7. Oktober,