Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-16 · 41 (16.10.1891) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
41 (16.10.1891)
Date
1891-10-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020889--00786-3024793
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 760 Oesterreichischr Wochenschrift. Nr. 41 Mittheilung zu machen: Bekanntlich bestehr zwischen den -parlamentarischen Verbänden, denen die überwiegende Mehrzahl der Abgeordneten des Hauses angehört, eine Vereinbarung über die Vertheilung der Ausschußmandate, so daß die von jeder einzelnen Gruppen gegen Einhaltung der Reziprozität geivählt werden. . Die diesen Gruppen nicht angehörigcn Abgeordneten sind an derartige Wahlvorschläge allerdings nicht gebunden, und ist ihnen daher unbenommen, ihr Botuin nach Belieben auszuüben und in einer — wie selbstverständlich — durch Sitte und Anstand zulässigen Weise (Hört! Hört! — Sehr richtig!j für ihre Kandidaten bei anderen Abgeoidnetcn sich zu bewerben. In de-- letzten Sitzung des hohen Hauses ist jedoch dem Präsidium durch einer: S a a l d i c n e r zur K e n n tn i ß gebracht w o r d e n, das ein Abgeor dn c t c r auf den verthcilten Stimmzetteln den Namen des sür die Wahl in den Weinculturausschuß vor geschlagenen Abgeordneten streiche und durch einen anderen Namen ersetze. Nachdem vom Präpdialtische aus Maniprrlationen wahrgenommen wurden (Hört! Hört!), welche die Richtigkeit dieser Anzeige bestätigten und dies bei Stimmzetteln geschah, die aus den Bänken solcher Abgeordneten austagen, welche Mitglieder der oberwähnten Gruppen sind, jedoch im kritischen Momente im Sitzungssaale abwesend waren (Hört! Hört!), so wurde jener Abgeordnete vor das Präsidium berufen, und demselben das völlig Unzulässige eines solchen Vorganges in entschiedenster Weise vorgehalten. Die Stinunzettel sind vorhanden, sie sind gesammelt worden und unter Anderem will ich bei dieser Gelegenheit nur anführen, daß vier Stimmzettel corrigirt wurden von Herren, die gar nicht im Hause anwesend waren (Lebhafte Ruse der Entrüstung), es sind das die Stimmzettel der Abgeordneten Weng er, Oberndorfer, Rogl und Baron Hayden. (Hört! Hört! Ruse: Scandal!) Zu einem weiteren Einschreiten findet sich das Präsidium nicht veranlaßt, da die Geschäftsordnung sür einen derartigen Vorgang, der begreifticheriveise unmöglich voraus gesehen werden konnte (Lebhafte Zustimmung) mrd seit 30 Jahren, b. i. seit dem Bestände des Parlaments in Oesterreich, sich nie zugetrageu hat, keine Bestimmung enthält. (Sehr richtig!) Ich muß über diesen Vorgang, der sich eigentlich von selbst richtet lebhafte Zustimmung), ganz entschieden meine Mißbilligung aussprechen und daran das lebhafte Bedauern knüpfen, daß die geltende Geschäftsordnung leider keine Handhabe bietet, jene Censur zu verfüge::, die eine solche Unzukönnulichkeit erheischen würde, durch welche viele Abgeordnete nicht nur in ihrem freien Wahlrechte beeinträchtigt, sondern auch überdies dem Verdachte ausgesetzt werden, ein geschlossenes Compromiß nicht eingehalten zu haben. (Lebha ter Beifall und Händeklatschen im ganzen Hause.) Graf Hohenwart erklärt, daß sein Club stets die über die Wahl der Ausschüsse getroffenen Vereinbarungen hält und daß er es als ein Gebot der Loyalität halte, solchen Vereinbarungen treu zu bleiben. Die Kandidatenliste der übrigen Parteiei: begegnen bei uns derselben Loyalität, welche wir auch für unsere Kandidaten in Anspruch nehmen und auch gesunden haben. (Lebhafter Beifall links.) Was den vorliegenden speziellen Fall anbelangt, so will ich aus Einzelnheiten nicht eingehen. Ich bin jedoch von meinem Klub zu der Erklärung ermächtigt, daß die Behauptung des Vorredners, daß er die Stimmzettel nur mit Zustimmung der betreffenden Abgeordneten verändert habe, soweit diese Erklärung Mitglieder unseres Klubs betrifft, vollkommen unwahr ist. (Stürmischer, minutenlanger Beifall und demonstratives Händeklatschen links. Große Bewegung unter den Antisemiten. Zischen bei den Antisemiten. Geßmann schreit laut: „Das ist unerhört! Das ist nicht wahr!" Erneuerter stürmischer Beifall links, anhaltendes Händeklatschen links.) Abgeordneter Madejski schließt sich namens der Polen der Erklärung des Grasen Hohenwart vollständig an. Es ist zwar selbstverständlich in anständiger Gesellschaft, Derartiges zu mißbilligen, allein weil das Schweigen in diesem Falle möglicherweise einer falschen Auslegung begegnen könnte, so constatirte er ausdrücklich, daß. soweit cs sich uu: seinen Club handle, eine Zustiminung zur Acuderung der Stimmzettel nicht erfolgt ist, daß die diesbezüglichen B ehaup tun gen Sch ne rders soweit sie etwa seinen Club betreffen, einfach unwahr sind. Dem Anträge Plencr, erklärt Redner, schließen sich die Polen mit ganzen Herzen und voller Ueberzeugung an. (Allgemeine Zustiminung ) Unter dem Schlagwort „Zeitgedicht" veröffentlicht die „Neue Freie Presse" das nachstehende artige Gedichtchen, das den: genannten Blatt von einen: Leser zugesandt worden ist: Gefunden. (Gcfälschl nach Götlic.) Ich flim] im Hauff Ich wolt es zerreißen, Zo für mich hin, I'u lach es fein: tnwos fälschen, 3oll ich;n nichts Bcff rem Tos war mein Sinn. (geschrieben sein? Ans Pulten sah ich t*m Blau Papier, Mit Aaincn beschrieben (Erschien es mir. Ha strich ich den Namen, Heu feindlichen aus Und machte in 6ile (nnen anderst d l ans. Und U'flic es wieder An seinen 3n, So fälscht immer, 3o fälsche ich fori. Wien, 11. Oktober 1891. In: Hotel Z i l l i n g c r fand gesteri: eine Versammlung des Schöuerer'schen Deutschen Volksvereines statt. S ch ö n e r c r ergriff, wahrscheinlich in Folge des schwachen Besuches, gar nicht das Wort; sein Redacteur F r o erstattete den Bericht über die Thätigkcit des Vereines im abgelaufene,: Jahre, dcmzttfolge nicht weniger als 16 Versammlungen verboten wurden. In: Laufe seiner Rede wandte sich Jro gegen den sogenannten Wiener Antisemitismus, der an lächerliche Blutmärchen glaube und nur aus Neid und Scheelsucht bestehe, sowie gegen die Haltung beö „Deutschen Volksblatt", das Geschäfts-Antisemitismus treibe und Corruption mit Corruption bekämpfe. Das war Alles, was Neues gebracht wurde. Die deutschnatioualei: Antisemiten sind, wie der Besuch der Versammlung bewies, vollständig im Niedergang. Wien. * irr. Jakob 6duard Polak.) Der ehemalige LeibarU des Schah Naffr ed bin von Persien Tr. Polak ist hier im Alter von 71 Jahren gestorben. Hr. Polak folgte im Jahre 1851 von Asien ans einer Berufung nun Lehrer der ^triegschirurgic an der damals neu crrichttlen Militärfchnlc in Teheran. Seine Leistungen als Aru und Lehrer erwarben ihm die tgunst des Schah in so hohem Plaste, dast Aassr cd bin den fremden 6'elehrren seinem LcibarU ernannte. Tr. Polak bennstle seinen Aufenthalt in Persien auch;u Iorschungs-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.