Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 41 (16.10.1891)
- Date
- 1891-10-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr 41 Oesterreichische reisen, deren Ergebnisse er, 1860 nach Vien zurückgekehrt, wissenschaftlich verwerthete. Dr. Polak, sowohl von unserem Kaiser wie vom Schah vielfach ausgezeichnet, wirkte seither in Vien und während des Sommers in Ischl als Arzt, erfreute sich in allen Kreisen großen Ansehens und förderte wissenschaftliche Unternehmungen in hochherzigster Weise. LetzlwiUig hat Dr. Polak verfügt, daß ihm das einfachste Leichenbegängniß bereitet werde: man möge ihm keine Blumen oder kostbare Pflanzen, welche nur der Lust und der Freude dienen sollen, auf das ('na6 legen und die dadurch ersparte Summe Armen ohne Unterschied der Eonsession zukommen lassen. Für seinen Grabstein hat er als legende folgende Berse des persischen Dichters Haffs bestimmt: „Der Gütige schließt kein Thor, Gr öffnet denn ein anderes zuvor." In seinen Vorgefundenen lctztwilligen Berfügungen hat er nebst Bermächtnissen und Legaten an Verwandte näheren und ferneren Grades die Pertheilung folgender Spenden in nachstehender Veise geordnet: Für den Armenfonds der Stadt Vien 300 sl.; für den israelitischen Armenfonds 250 fl.: an die armen Miethcr meines Hauses in Sechshaus, die Familien haben und keine Säufer find, 150 fl.; an die Armen von Teplitz l Böhmen», zur Hälfte an christliche, zur Hälfte an jüdische Arme, 100 fl.; an die meines Geburtsortes Groß-Morzin ohne Unterschied der Religion 100 fl.; zur Grhaltuug des israel tischen Friedhofes in Groß- Morzin, wo meiner Gltern Grab, 100 fl.; für den Asylvercin in Vielt 200 fl.; dem Bercin zur Unterstützung israelitischer Handwerksgesellen, dessen Mitglied ich war, 2)0 fl.; dem Spiral der barmherzigen Brüder in Vien 200 sl.; dem christlichen Fraucnerwerb-Pereine in Vien 100 fl.; dem israelitischeit Franenerwerb-Percine in Vien 100 sl.; für brave Sichcrhcitsmäniler in Vien 100 fl.; dem Wiener Doctoren-Gollegium zur Unterstützung von Mitgliedern, die nicht dem Pensiousfonds angehören, 100 sl. Beim Leichenbegängiiiß sah man die Professoren David Heinrich Müller, Gomperz, Schnitzler, Oberstabsarzt Bruck, Landesschulrarh Baumgarten, die Gemeinderäthe Simon und Baurath Stiaßny, kaiserl. Rath Dr. Kann u. n. A. Dem Vunsche des Berftorbenel, Vohlthäkers gemäß war das Leichenbegängniß sehr einfach. Gantor Schiller vollzog die rituellen Zeremonien, woraus der Sarg nach dem Eeutralsriedhose gebracht wurde. Dr. Polak hatte sich letztwillig Kränze verbeten, doch errvies ihm Hosrath Professor Kerner vom botanischen Garten eine sinnige Ghruug, indem er dem Todteil ein Blumenbouquet sandte, gebllnden ails Prachlpslanzen des Orients, die der Forscher aus Persien mitgebracht und dem botanischen Garten zu weiterer Eulmr gependet hatte. E. B. Wien. (Tod esfall.) Namenloses Leid ist der Familie des Großindustriellen und bekannten Wohlthäters, Herrn Moritz Hirsch, öffentlicher Gesellschafter der Wiener Firma Karpeles & Hirsch widerfahren. Herrn Hirsch starb seine Tochter Josefine im fünfzehnten Jahre ihres hoffnungsvollen Lebens nach langer Krankheit. Den gramgebeugten Eltern sind von den weitesten Bevölkerungskreisen Beileidskundgebungen zugekommen und die Sympathien, der sich die Familie Hirsch aller warts erfreut, sind in der außerordentlich starken Betheitigung an dem Leichenbegängnisse der leider allzufrüh Dahingeschiedenen zum vollen Ausdruck gelangt. Wien, IX. Bezirk. 14. O.ct. (Ein gesendet.) Bis nun besitzen wir in tlnserer Monarchie keine Schule für Eantoren und die Herren, die sich diesem Berufe widmen wollen, sind auf sich selbst angewiesen, müssen selber Mittel und Vege zu sinden wissen, um sich die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen, Nun hat der Obercantor unseres Bezirkes, Herr Philipp Klag er, von der n.-ö. Statthalterei die Eoncession einer. Eantorenschule erhalten. Herr Obercantor Kläger ha^ das Viener Eonservatorium mit vorzüglichem Erfolg absolvirt. besitzt allgemeine Bildung und ist insbesondere mit der hebr. Literatur, die er mit Borliebe pflegt, innig vertraut. Wien. (Ei n g e s e n d et.) Die Türk. seph. Gemeinde hat zur Heranbilduirg vorr Ehasinim (Eantoren > nach sephardischem Ritus, eine solche Anstalt errichtet und zum Leiter'und Lehrer derselben ihren Obercantor Herrn Jacob Bauer ernannt. Obercantor Bauer hat nun auch die Eoncession für die Wochenschrift. __Seite 7«1 „Ehafanimschule" von der hohen k. k. n.-ö. Statthalterei erhalten. Die 23 jährige öffentliche Virksamkeit als Ehasan, sowie die vielen Schüler welche Obercantor Bauer bereits zu geschulten, nichtigen Ehasanim herangebildet, bieten genug Zeugniß, um die P. T. Eltern, welche ihre <whiix diesem heiligen Berufe Zufuhren wollen, auf dieses neue Institut aufmerksam zu machen. Die Schullokalitäten besinden sich II. Novaragasse 27 I Türk. seph. Schule.) Der Unterricht beginnt am 1. November. Wien. Wohllöbliche Redactton! Der ergebenst Gefertigte ersucht, nachfolgender Erklärung in Ihrem geschätzten Blatte Aufnahme gestatten zu wollen. Es verbreitet sich das Gerücht, daß mehrere jüdische Eantoren Viens und der Provinz, sogenannte Schulen für jüdische Eantoren in s Leben zu rufen gedenken. Mag nun die Intention dieser Herren egoistischen oder idealen Ursprungs sein, eine evenmelle Ausftihrung eines solchen Planes aus eigener Machtvollkommenheit involvirt eine Gefahr für das jüdische Eantorat, auf welches hinzuweisen ich mir hiemit erlaube. Fürs Erste müßten die Leiter derartiger Unternehmungen ihre musikalischtheoretische, wie namentlich ihre Lehrbefähigung dem Staate gegenüber docunientiren, wenn ihre Schule nicht zur Bedeumngslosigkeit einer Vinkelschule herabsinken soll; hauptsächlich jedoch aber wäre es ein arger Mißgriff, wenn mau in diesem Momente, wo die Gründung eines jüdischlheologischen Seminars und mit demselben eine Bildungsstätte für Eantoren in Aussicht stchl, dieses allein bedeutungsvolle Unternehmen durch vielleicht unüberlegte Gründungen von Vinkelschulen in Frage zu stellen. Ich erkläre, meine ganze Kraft eiusetzen zu wollen, um diesem Plane enlgegenzutreten und ihn zu bekämpfen. Mit höflichem Dank für freundliche Aufnahme zeichne ich hochachtungsvoll Josef Singer Obercantor d. isr. Eulmsgemeindc Präses des österr.-ungar. Eantorenvereines. Wie». (Doctor-Jubiläu m.) Der verdienstvolle Arzt Herr D. L. Gottlieb Kraus, ein Schüler des Professors Oppolzer, der auch als Verfasser mehrerer medizinischer Werke irnd Spezialarzt für Reroenkrankheiten, insbesondere Epilepsie, in weiten Kreisen sich des besten Rufes erfreut, beging am 13. d. im engsten Fam'lienkreise sein vierzigjähriges Doctor- Jubiläum. Jbbs, 7. Oktober 1891. Unter zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern der Bezirksgemeinde Amstetten—Scheibbs und Waidhofen a. d. Ibbs, und von distinguirteu Bürgern der Stad gemeinde Jbbs, fand heute die feierliche Einweihung des neuen israelitischen Friedhofes in Jbbs statt. Nach Absingen der der Feier angemeffenen Psalmen von Herrn Simon Deutsch in ergreifender Weise, hielt Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Adolf Löwy eine gehaltvolle Rede, welche bei den Anwesenden einen tiefen Eindrtlck machte. Kimpolung. Von hier gelangen an die „Oesterreichische Wochenschrift" Mittheilung n, welche recht bettübend und beschämend für die jüdischen Bewohner von Kimpolung sind. Bor sechs Monaten wurde dort ein Mann jüdischer Confession, wegen Ermanglung eines Reisepaffes verhaftet und da er nichtrituelle Kost verschmähte, so ließ man ihn Hungers sterben. Weder die dortigen jüdischen Bewohner noch die Vorsteher der jüdischen Wohlthätigkeits-Vereine in Kimpolung ließen sich herbei, den Unglücklichen vor dem Tode zu retten. Ein Commentar zrlm Verhalten der dortigen „jüdischen" Gemeinde ist wohl übersiüßig. Prag, 11. Ocwber. Die „Oesterr. Wochenschrift" hat darüber berichtet, daß bei dem feierlichen Empfange, der sofort nach der Ankunft unseres Kaisers in Prag stattsand, auch mit der Abordnung des O ssiciercorps unter Führung des Eommandirenden des 8. Eorps, Grasen Grünue, Herr Rabbiner Dr. Kisch in seiner Eigenschaft als Feldrabbiner der Landwehr vor Sr. Majestät im hiesigen Schlosse erschien. Daß Herrn Dr. Kisch diese Auszeichnung zu theil wurde, ist ein eminenter Beweis der vollkommenen Gleichstellung aller Bekenntnisse in unserem Heere. Der betreffende Eorpsbesehl an Herrn Dr. Kisch har daher eine gewisse historische Bedeutung und wird das Interesse ihrer Leser verdienen. Derselbe lauter: