Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 41 (16.10.1891)
- Date
- 1891-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M-. 41 Oesterretchrfche Wochrnschcrfi. Seite 759 YbT'' > » iiiihhw iiiinl,»i^ m für Alles, was die musikalische Welt anging; hin und wieder' setzte sie sich sogar noch selbst an das Instrument. Anton Rubi nstein mirb den Verlust seiner alten Mutter ungemein schmer-zlich empfinden. Jassy, 5. October. Am 29., 30. v. M. und am 1. d. M. fand an der hiesigen israelitisch-rumänischen Knabenschule zur „Rothen Brücke" die Iahresprüfung im Hebräischen, Rumänischen und Deutschen statt; die Delegirten waren mit den Leistungen der Lehrer wie mit den Antworten der Schüler höchst zufrieden. Die Prüfungsobjecte im Hebräischen (welches in 4 Elasten unterrichtet wird) waren: Pentateuch nebst Raschi, Bibel, Grammatik, Religion, Geschichte der Juden, Dictando und Aufsätze. Das Lehrpensum im abgelaufenen Schuljahre war: Raschi, je 4—5 Abschnitte wöchentlich; Bibel: Iosua, Richter, Sanmel I und II, Könige 1 lind II, Esra, Nehemia (diese Ordnung mit Rücksicht auf den historischen Stofs), Daniel und die 12 kleinen Propheten; Graminatik: Das Hauptwort, das Fürwort, das Zeitwort in allen 7 Formen (Binjamin), die Verbindung des Zeitwortes mit dem Fürworte im 4. Falle und das Verwandlungs- 1; Religion: Die Feier-, Gedenk- und Fasttage des Jahres und ihre historische Bedeutung; Geschichte der Juden: Bon der Entstehung des jüdischen Volkes bis zur zweiten Zerstörung Jerusalems, möglichst ausführlich; Aufsätze: ein beliebiges Thema aus der bisher erlernten jüdischen Geschichte aus dem Kopfe mit eigenen Worten hebräisch niederzuschreiben. Außerdem: Lecture in geeigneten Büchern der neuhebräischen Literatur u. A. — Da der Unterricht im Rumänischen bis nun in Folge Beschränktheit der Mittel nicht über die drei Primarklassen hinaus gebracht werden konnte, so ist für die Zukunft die nachgerade Erweiterung des hebräischen Lehrmaterials um einige Objekte aus dem Gebiete der profanen Bildung in Aussicht genommen. Für das bevorstehende Schuljahr soll mit allg. Geographie und Einleitung in die Geschichte der Alterthumsvölker begonnen werden. Die dem Hebräischen zugewiesene Unterrichtszeit (4 Stunden täglich) wie auch das Alter d:r diese Schule besuchenden Schüler (bis 14 Jahre und darüber) gestatten eine solche Erweiterung des hebräischen Lehrmaterials und die Zustände der rumänischen Iudenheit (auf die übrigens hier nicht näher eingegangen werden soll) machen es wenigstens an einer Schule des Landes geradezu zur Nothwendigkeit, schon deshalb, da der Mangel würdiger Rabbiner, Schullehrer und Prediger in Rumänien immer schwerer empfunden wird und im ganzen Lande keine Vorbereitungsanstalt zur Heranbildung solcher existirt. — Durch den Zusammenfluß verschiedener Umstände wird das Hebräische in der in Rede stehenden Schule in einem Maßftabe unterrichtet, ivie dies bei Weitem in keiner zweiten Schule des Landes der Fall ist, so daß dieselbe leicht zu einem Proseminarium oder zu einer Vorstufe desselben eingerichtet werden könnte. Leider aber hat diese Schule, welche wahrlich ein besseres Los verdient, um ihre Existenz schwer zu kämpfen, zumal nun die Eultusgemeinde derselben die monatliche Subvention (ü Fr. 125), welche einen wesentlichen Faktor in ihrem Budget bildet, seit 3 Monaten entzogen hat, tvodurch die Zukunft der seit 16 Jahren bestehenden, so segensreich wirkenden und zu eigener Bestimmung berufenen Schule mit einem Male in Frage gestellt wird. 8. VmniMes. Wien. « Warnung vor einem Betrüger.) Ein Jndividium, welches sich „Dr. Blum" unterfertigt und als „Redacteur der Oesterr. Wochenschrift" ausgiebt, versendet an verschiedene Personen Bettelbriefe, bald für „eine verarmte Familie" bald für andere „wohlthätig' Zwecke". Da in unserer Redaction ein Mann solchen Ramens niemals thätig war, so sehen wir uns veranlaßt, öffentlich vor diesem Schwindel zu warnen. Wien. Das parlamentarische Ereigniß der Woche ist Herrn Schneidens neueste Fälschungsafsaire. Un uns keiner Uebert.eibung schuldig zu machen geben wir den Hergang nach den Darstellungen des „Vaterland", welches die Geschehnisse in nachstehender Weise berichtet: „(*5 war befrtuutlid) an 3teile des verstorbenen linken Abgeordneten Baron Laufs et er eine IHsatzwahl in den Weincultnr-Ansichng vorznnchmen. Da die Ansthctlnng der Ausschttstmandare auf die einzelnen l>lnbs zu Beginn der neuen Zession genau geregelt und der vereinbarte Schlüssel von allen i'lnbs acceptirt worden ist, so war in diesem Falle der von der Vint'en bezeichncte Kandidat H ü bner ttnweigerlich von den anderen lAnbs in wählen. Um den Abgeordneten das Schreiben;n ersparen, wird ihnen in der Regel der bereits mit den betreuenden Namen ansgesüllte Stimmzettel anfs Pult gelegt. Die Diener oder Lchriftsührer santmelit dann die Stimmzettel ein. worauf vom Bureau das Scrntininm vorgenoinnten wird. Diese (sepsiogenbeit herrscht im Herrenhause wie im Abgeordnetenhan'e ttnd sind natürlich alle Mitglieder jener tslnbs, welche einmal den Ansschtchschlnfsel acceptirt baden, zur (nubaltung desselben verpslichter. Der Abgeordnete Schneider ist nun hernmgegangen und hat bet vielen lsonservattveit und ^nngczecheu. wäbreitd die betreffenden Abgeordneten in den Korridors sich aufbielten. die auf den Pillen liegenden Stimmzettel in der erwähnten Weise abgeändert. Als es >uv Wahl feint, haben dann die meisten, Abgeordneten die S.immzettel unbesehen in die Urne geworfen und so ist cs gekommen, dap Abgeordneter Mnth 71 Stimmen erhielt und dass der ^'ompromistcanbidat Hübner nur mit 75 Stimmen gewählt wurde. Dieses Borgeben des Abgeordneten Schneider kann natürlich in keiner Weise entschuldigt. geschweige gerechtfertigt werden. Alle Mitglieder des I5lnbs der iSonteioatiocn, denen wir heute begegnet find, haben die Action Schneiders in schärfster Weite verurtheilt und sich peinlichft darüber berührt gezeigt, das; aus sie der Schein geworfen wurde, als hätten sie eine völlig frei eingegangene Bereiubarung plötzlich und ohne jede Beranlajsnng gebrochen. Die c>'e,chästsordnung bietet keine Handhabe, um solche Borgäitge in entsprechender Weise zu rügen." Allmälig wird selbst das „Vaterland" zur Ueberzeugung gelangen, daß das Urtheil, welches Abgeordneter Dr. Bloch über Schneider gesprochen hat, ein zutreffendes war. Im Uebrigen wird das Eapitel Schneider erst bei einer späteren Gelegenheit zum endgittigen Abschlüsse gelangen. Vorläufig hat das Präsidium Herrn Schneider eine scharfe Lection über Sitte und Anstand ertheilt, Ercellenz Graf Hohenwart im Ramen seines Clubs und Ritter von Madejski im Namen des Polenclubs die , Unwahrheit" seiner Entschuldigungen constatirt, das Haus selber ihm eine scharfe Censur ausgesprochen. Das für den Anfang. Bei den Antisemiten heißt es übrigens, die Juden hätten Schneider bestochen, daß er se ne Lumpereien inscenire. In der That, den Juden ist eben Alles zuzutrauen. Präsident Dr. Smolka sagte: Bor Ueüergang zur Tagesordnung habe ich dem hohen Hause folgende