Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 41 (16.10.1891)
- Date
- 1891-10-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 758 Oesterrrichtfche Wochenschrist. Nr. 41 Wo man in Delttschland jetzt hinsieht, erblickt man hiernach heutigen Tages nichts mehr als Juden, selbst unter den höchsten bürgerlichen und militärischen Würdenträgern. Daß Bismarck mütterücherseits von Juden abstammen soll, scheint dem betreffenden Herrn Korrespondenten zwar nicht absolut glaubwürdig zu sein, dagegen ist es sicher, daß der frühere Reichskanzler sich die größte Mühe gegeben hat, mn nur jüdische Minister und andere Beamten jüdischer Abstammung anzustellen# Unter diesen jüdischen Ministern werden von dem Gewährsmanne des „Patriote" genannt: Friedberg, Fri:denthal, Bitter, Achenbach, Falk, Delbrück, von Lucius, von Maybach und von Goßler, welche alle d'e eifrigen und gehorsamen Mitarbeiter Bismarck's gewesen sind, „und deren sem'tische Abstammung man bei den sechs erstm schon an dem Namen sofort erkennen kann." Juden sind ferner von Berchem, von Kusserow, Lothar Buches Schwenninger, Miguel u. s. w., und auch wenn man in der Arme:-Raugliste blättert, findet man dort fast nichts mehr als jüdische Namen. Früher bestand auch ein geheimes jüdisches Korps von Spionen, welches den auswärtigen deutschen Gesandtschaften attachirt war; da diese jüdischen Spione jedoch das Ansehen der Gesandtschaften beeinträchtigten, so wurde schüeßlich vor anderthalb Jahren diese verderbliche Einrichtung aufgehoben. Der originelle Berichterstatter des „Patriote" hat für demnächst weitere interessante Enthüllungen über dieses gottlob nunmehr aus der Welt geschaffte Institut in Aussicht gestellt, die jedenfalls den Schauder von der juiverie en Allemagne bei den frommen Lesern des „Patriote" noch vermehren werden. Wir unsererseits wollen uns darauf beschränken, dem letzteren zu seinem Berliner Korrespondenten, welcher kürzlich auch Theodor Körner den Dsroulsde Deutschlands nannte, herzlichst zu gratuliren; das Blatt hätte nicht leicht einen anderen Berichterstatter finden können, der in so unübertrefflicher Weise den wunderbarsten Blödsinn im Geschmacke des „Patriote" zu schreiben im Staude gewesen wäre. Stockholm. (Leonard Labatt gestorben.) Der Tenorist Leonard Labatt ist in seinem Vaterlande Schweden gestorben. Der Künstler erlitt, wie wir dies bereits am 22. v. M. meldet.'n, in einer Soiree bei Frau Baronin Bekstrem, gerade als er mit der Frau des Hauses das Duett des vierten Actes aus dcu „Hugenotten" sang, einen Schlaganfall und war seitdem gelähmt. Der Lebenslauf dieses Künstlers ist von seiner Wirksamkett an der Miner Hofoper bekannt. Director Dingelstedt zog Labatt, als sich dieser gerade auf einer Reise durch Wien bei uns aushielt, an die Hofoper und in diesem Engagement verblieb der uun verstorbene Sänger bis zum Jahre 1883. Labatt hatte neben seinen künstlerischen auch ausgesprochene nrercantile Neigungen und war lange Zeit hindurch mit seinen Brüdern an einer größeren Webefabrik in Schweden betheiligt. Die letzten Winter verbrachte Labatt in Nizza; im vergangenen Frühjahr stattete er auch noch Wien einen Besuch ab. Seine relativ bedeutendsten Leistungen waren der Eleazar in der ,,-xöüdtn und Basco de Gama in der „Afrikanerin". Den seiner angelegten Bühnengestalten kam s-in etwas robust angelegtes Naturell nicht nahe genug. Für das Repertoire im Allgemeinen entwickelte er allezeit eine gefügige Nützlichkeit und nur einmal war es, daß er — es war dies im April 1880 — strikte und den Tannhäuser nicht singen wollte, weil cs hieß, Her-rn Jäger sei in der bevorstehenden Aufführung der „Walküre" der Sigmund Vorbehalten. Generalintendant Baron Hofmann war damals kurz entschlossen, er machte den strikenden Sänger für den Ausfall der abgesagten „Tannhäuser "-Vorstellung verantwortlich und übergab den Fall der — Finanzprocuratur. Petersburg. In Folge der Allstreibung lassen sich viele russische Juden taufen. Ein Jude aus Odessa, Namens Gerson, hat eine einzige Tochter, Schauspielerin am hiesigen Hoftheater. Da es den Ettern nur unter der Bedingung gestattet ist, zum Besuche ihrer Tochter Hierselbst verweilen zu dürfen, daß sie sich zur orthodoxen Kirche bekehren, willigen sie endlich in diesen Glaubenswechsel. Sie wenden sich an einen Geistlichen ihres Ortes, welcher für seine Bemühungen 200 Rubel fordert, schließlich aber nach langem Feilschen die Taufhandlnng ür 100 Rubel vollzieht. Am folgenden Tage erhielten die Bekehrten das Bürgerrecht. Ein jüdischer Arbeiter aus Odessa, welcher den Ausweisuilgsbesehl erhalten hatte, wendete nch zum Zweck der Tau e an einen Geisllichen. Dieser forderte für die Taufhandlung 50 Rubel. Da aber der arme Jude kein Geld hatte, interessirte sich eine Dame der orthodoxen Kirche für ihn und bezahlte die Taufgebühren. Als nun die Frau des Eonvettiten in Folge dessen die Ehescheidung beantragte, drohete man ihr, ihre Kinder wegzunehmen, worauf sie mit denselben entstoh und nun von der Polizei verfolgt wird. Falls sie eingeholt wird, werden die Kinder zwangsweise getauft werden. Manche dieser Schnellbekehrten sind nicht im Stande, die an sie gestellten Bedingungen und Anforderungen auszuführen, theils, weil sie dieselben nicht verstehen, und theils, weil sie durch Gewissensscrupel daran gehindert werden. Sie suchen daher nach Oesterreich zu entkommen, um sich wieder in die Gemeinschaft Israels aufnehmen zu Lassen. Warschau. (Die Mutter R ubinstein's.) Am 15. (27.) September starb zu Odessa im Alter von 84 Jahren Frau Kaleria Christoforowna Ru bin stein, die Mutter Anton Rubinstein's. Die Verstorbene, eine geborene Löwenstein, stammte aus Preußisch-Schlesien, woselbst sie 1807 in Lissa geboren wurde Im Hause ihrer Eltern hatte sie eine sehr gute musikalische Bildung genossen, di? später ihrem Sohne zugute kommen sollte, denn sie war es, welche dem kleinen sechsjährigen Anton in Moskau den ersten Musikunterricht ertheille und ihm dann den vorzüglichen Lehrer Alexander Dilloing verschaffte. Die energische Frau griff auch fernerhin, als ihr Sohn sich bereitdie ersten Lorbeeren errungen, in den weiteren Bilbungsgaug desselben mit ein. So geschah das 1843, nachdem Anton Rubinstein zum ersten Male vor Kaiser Nikolaus gespielt und Gnade vor dessen Augen gefunden hatte. Damals reiste Frau Rubinstein persönlich mit ihren Söhnen Nikolaus und Anton nach Berlin, woselbst dann der Letztere bis 1846 von Dehn unterrichtet wurde. Jedenfalls hat der so berühmt gewordene Sohn der einstigen Energie seiner Mutter vi l zu verdanken und hing an derselben auch stets mit zärtlicher Liebe, wie wiederum die alle Dame ganz und gar in ihre.n Sohne aufging. In den letzten Jahren lebte sie mit ihren Töchtern sehr zurückgezogen in einem bescheidenen Quartier in Odessa, interessirte sich aber — trotz ihres hohen Atters noch immer mit einem vorttefflichen musikalischen Gedächtniß ausgerüstet — bis in die neueste Zeit