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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-16 · 41 (16.10.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
41 (16.10.1891)
Date
1891-10-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 41 Orstrrreichifche Wochenschrift. Seüe 757 ten auch den israelitischen Tempel, wo er vom Rabbiner Herrn Moses Schwarz, ferner von der Gemeindevorstehung der israelitischen Gemeinde empfangen wurde. Herr Rabbiner Schwarz kam 'ihm in vollem Ornat mit der Thora entgegen, sprach einen hebräischen Segen und hielt eine kurze aber wohlgelungene deutsche Ansprache. Hierauf empfing Se. Ercellenz Herrn Eoloman Hecht, Gemeinde-Vorsteher und Bice-Bürgermeister der Stadt Pozega namens des Gemeinde-Ausschusses und begrüßte ihn mit einer schwungvolleil croatischen Rede. Se. Ercellenz der Banns, welcher durch den schönen Empfang sichtlich gerührt war, antwortete darauf Folgendes: Ich fühle mich durch den schönen Empfang, welcher mir in Ihren heiligen Räumen zutheil wurde, hochgeehrt und bin umsomehr erfreut, Sie auf das Herzlichste begrüßen zu können, als da ich weiß, daß Ihre Glaubensgenossen stets treue Anhänger der Regierung waren und es auch fernerhin sein werden. Trachten Sie meine Herren sich die Sympathien der Regierung auch weiterhin zu erhalten, wo danll Ihnen dieselbe ihren Schlitz stets in vollstem Maaße spenden wird. Se. Excellenz erkundigte sich sodann noch eingehend über die Verhältnisse der hiesigen israelitischen Gemeinde und verließ sodann befriedigt den Tempel. Die israelitische Gemeinde wurde auch separat in Deputation empfangen und außerdem war Herr Rabbiner S chw a rz beim Bankett, welches zu Ehrelt des Bonus gegeben wurde, geladen. Kolonien, 7. Oktober. Ihren geschätzten Lesern wollte ich einige Dateil über die hiesigeil Wohlthätigkeitsvereine vorführen. Von den erst seit Jahresfrist ins Leben gerufenen und wenn auch mit bescheidenen Mitteln, dennoch viel Gutes leistenden Vereinen seien hier erwähnt: Der Verein zur Bekleiduilg und Beköstigung armer Schulkinder, während der ganzen Winterszeit, an dessen Spitze die ob ihres Edelsinnes geachtete Fabrikantensgattin Frau Josef Salomon Friedmallil nebst den Herren Dr. Trachtenberg, Dr. Rittigstein, Dr. Milgrom, Ephraim Hersch Schreier, Gutsbesitzer Schafe Kohn :c. w. eine rege, hingebende Thätigkeit eiltfaltet, und erst Anfangs dieses Jahres, aus Anregung genannter Frau Friedmann, creirte Verein, der es sich zur Aufgabe gestellt, für lvürdige Arme, denen die Bezahülng der Wohnungsmiethe unerschwinglich, den Miethzins zu bezahlen. Auch Frau Jacob B ü s ch e l verdient anerkennende Erwähnung, daß sie alljährlich aus den bei der Seelenandacht an den hohen Feiertagen gespendeten Betragen, mit Hinzufügung der Ergebnisse, der von ihr persönlich, trotzend allen Witterungsverhältnissen, gemachten Collekten, alljährlich mehr als 500 Hemden zur Bekleidung an entblößte Annen zur Bertheilung bringt. Berlin, 6. October. Ueber eine Aeußerung Sr. Majestät des Kaisers bezüglich der Einweihung der Synagoge in der Lindeilstraße erfahren wir: Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hatte ursprünglich die Absicht, mit der Einweihllng der Synagoge bis zll cincv Zeit zu warten, in tvelcher der Kaiser sich in der Residenz befinden würde, um alsdann Sr. Majestät die Bitte uin Theilnatme an denl Weiheacte zil unterbreiten. Die Unsicherheit, ob die Synagoge vor den hohen Feiertagen fertig gestellt sein werde und die Rücksicht auf das dringerlde religiöse Bedürfniß der Gelneinde in diesen Tagen vereitelte leider jedoch die Ausführung dieser Absicht. Auf das Schreiben, welches den Wunsch der Einladung und die Gründe der Unterlassung in geziemender Weise airseinandersetzte, hat nunmehr der Eultusminister Graf Zedlitz eine Antwort ertheilt, in der es heißt: „Ew. Wohlgeboren theile ich mit Bezug aus die gefällige Zuschrift an mich vom 20. Septemberd. I. ergebenst mit, daß Se. Majestät der Kaiser und König von dem Bau der- Synagoge hierselbft, sowie von der in der Ausführung durch die Umstände verhinderten Absicht, Allerhöchstdenselben um Allergnädigste Theilnahme an der Eröffnungsfeier ehrfurchtsvoll zu biUen, mit Interesse Kenntniß zu nehmen geruht haben." Leipzig, 1. Oktober, l A n t i s e m i t is m u s schützt den Mörder nicht.) Zum zweiten und nunmehr letzten Male kam vorgestern vor dem 4. Strafsenate des Reichsgerichts ein Mordprozeß zur Verhandlung, der in Breslau rmd Umgegend großes Aufsehen erregt hatte. Ein Getreidemakler in Breslau, August Sch effler, der sich eines gewissen Wohlstandes erfreute, und auch in der Politik insofern eme Rolle gespielt hatte, als er sich rühmte, der „erste Antisemit Bres t au's" gewesen zu sein, hatte seine Geliebte ermordet. Die betreffende Frauensperson hatte, wie er sagt, ihm Treue gelobt, ohne daß er jedoch wohl die Absicht gehabt hat, sie zu heirathen. Scheffler konnte sich deshalb wohl sagen, was es bei einer solchen Person mit der Treue auf sich hatte. Dennoch gerieth er in fürchterliche Aufregung, als ihm das Gerücht zugetragen wurde, seine Geliebte habe sich mit dem jüdischen Bankier H. eingelassen. Dies war gegen Ende Oktober vorigen Jahres. Um dieselbe Zeit faßte er den Entschluß, die Sperling zu ermorden. Er ließ sich deshalb sein Taschenmesser auf beiden Seiten schleifen versah es mit einer Scheide und trug es beständig mit sich herum, bis sich endlich am 31. Oktober die Gelegenheit fand, die Blutthal auszuführen. Die Sperling wurde dann, von mehreren Messerstichen durchbohrt, in ihrer Wohnung aufgefunden. Am 15. Januar d. I. fand die Verhandlung vor dem Schwurgerichte in Breslau gegen Scheffler statt und endete mit dessen Verurtheilung zum Tode. Am 10. März wurde auf seine Revision das Urtheil vom Reichsgerichte, einer nicht beobachteten Formalität wegen, aufgehoben. Nun inehr harte am 7. Juli d. I. abermals Verhandlung vor dem Schwurgerichte gegen Scheffler stattgestmden und er war abermals zum Tode verurtheitt worden. Seine neue Revision war außerordentlich umfangreich. Er beschwerte sich u. A. darüber, daß kein Beweis dahingehend zugelassen sei, daß er eifriger Antisemit sei. Würde dieser Beweis, so hieß es in der Revision, erbracht sein, so halten die Geschworenen zu der Ueberzeugung konnnen müssen, daß er nicht die Tödtung mit Ueberlegung ausgesührt habe, da gerade ein Jude seine Geliebte verführt hatte. — Das Reichsgericht konnte jedoch diesmal keinen Verstoß gegen das Gesetz entdecken und verwarf deshalb die Revision als unbegründet, und es bleibt sonach beim Todesurtheil. Antwerpen, 1. Oktober. Der „Patriote", das bedeutendste klerikale Blatt Belgiens, brachte am 28. September in einer Korrespondenz aus Berlin Enthüllungen über die juiverie en AUemagne welche geeignet erscheinen die „Kreuzzeitung" mit einem wahren Entsetzen zu erfüllen

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