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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-16 · 41 (16.10.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
41 (16.10.1891)
Date
1891-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Oestrrreichische Wochenschrift. Seite 755 Der jüdische Friedhof an der Kerepescherstraße war vor- ' gestern, am Vorabende des Versöhnunstage der Schauplatz I einer erhebenden, pietätsvollen Feier. Das dem vor einem Jahre verstorbenen Präparandie - Direktor und Rabbiner, Seminar- Prosessor Heinrich Deutsch aus freiwillige» Spenden errichtete würdige Grabdenkmal wurde unter entsprechender Feierlichkeit enthüllt. Die Theilnahme seiner gewesenen Collegen, Schüler, Freunde und Verehrer war eine imposante. Anwesend war der fast vollzählige Pcofessorenkörpec des Rabbiner- und Lehrer- Seminars, das Präsidium und der Ausschuß des Landeslehrervereines und viele Hunderte seiner einstigen Schüler und Freunde. Nach Absingung eines Trauerchorals durch die Zöglinge des israel. Landes-Lehrerseminars, hielt ein i>ceffe des Verblichenen. der hauptstädtische Lehrer Josef Schön, eine passende Rede, worauf der Präses des Landes-Lehrervereines, Sigmund O s e r, das Grabdenkmal unter einigen ergreifenden Worten in Obhut des Vereines stellte. Das Kadischgebet und ein ungarischer Trauergesang beschloß die Feier. Amygdolus. Wien. Die „Arbeiterzeitung" publicirt eine weitere Zuschrift, betreffend die Firma der Gebrüder K l i n k o s ch mit nachstehendem Wortlaut: Geehrte Redaction! Durch den Bericht in der „Arbeiter-,Leitung" Ar. 37 vom 11. September l. I. betreffend die Nichtaufnahme eines jüdischen Arbeiters in der Silberwaarensabrik der Gebrüder Klinkosch wurde eine Erinnerung ähnlicher Natur in mir wachgeruien. Als ich nämlich vor längerer Zeit um meine Aufnahme als Ziseleur bei dieser Fabrik vorsprach, fragte man mich — da me n Name einen jüdischen Klang hat, und ich mein Arbeitsbuch nicht bei der Hand hatte — ob ich nicht etwa jüdis her Confession sei. Da bei der Arbeitsleistung die Art des Glaubens nicht mitarbeitet, fiel mir die Frage als eine wunderliche auf und finde erst in dem erwähnten Berichte eine Erklärung derselben. Ich erlaube mir vorstehenden Fall bei ev ntueller Berichtigung der veröffentlichten Zuschrift des jüdischen Proletariers durch die Gebrüder Klinkosch, der geehrten Redartion zur Verfügung zu stellen und bin jederzeit bereit, den wahren Inhalt zu beeiden." Indem wir diese Zuschrift, deren Schreiber uns Namen und Adresse nennt, veröffentlichen, enthalten wir uns jeden weiteren Eommentars. Ein Arbeiter Namens Ferdinand W e n g r a f schreibt der' Redaction der „Oesterr. Wochenschrift" in Angelegenheit der Berichtigung der Firma I. E. Klinkosch: „Ich wurde von genannter Firma als Ciseleur ausgenommen. .Montag, den 1. Juni kam ich ins Geschäft, am Nachmittage war ich entlassen, nachdem man aus meinem Arbeitsbuche die jüdische Confessio» ersehen hat. Anderen jüdischen Arbeitsgenossen ist es nicht anders ergangen. Wien, 11 Oktober 1891. (Russische Judenfreundlichkeit.) Die ganze zivilisirte Welt widerhallt von den Klagen über die bestialischen Verfolgungen, deren Opfer die russischen Juden sind. Die unglücklichen Menschen werden von den russischen Beamten geplündert, von Haus und Hof gejagt; kein Zug kommt von Rußland, der nicht Schaaren von halbverhungerten Menschen brächte, die in die weite Welt hinaus flüchten auf die ungewisse Kunde davon, daß weit über der See ihnen eine Scholle geboten werden soll, auf der sie durch Arbeit ihr Leben fristen können. Und nun ist das Alles auf einmal nicht wahr! Der offizielle Telegraph bringt die nachstehende Meldung: Odessa, 10. Oktober. Gelegentlich der Eröffnung einer landwirthschaftlichen Farm bei dem jüdischen Waisenhause forderte der Stadthauptmann die jüdische Intelligenz auf, auf die Glaubensgenossen einzuwirken, daß dieselben sin Rußland bleiben und sich mit der Landwirthschaft beschäftigen, nicht aber aufs Ungewisse auswandern sollen. Unter "Anderem traf auch vom Minister des Innern eine Gratulationsdepesche ein. Die Sache ist doch empörend komisch. Nach den im Vorjahre erlassenen Juden-Ukasen wird den Juden verboten, auf dem flachen Land? zu weilen; man weift ihnen Städte zum Aufenthalte an, wo aber im Allgemeinen die Beschäftigung mit der Landwirthschaft, welche der Herr Stadthauptmann von Odessa den Juden väterlich milde empfiehlt, noch immer nicht recht hat „Boden" gewinnen können. Der Herr Sladthctuplrnann Zelenoj von Ooesfa ist derselbe, welcher die Verordnung erlassen hat, daß, kvenn ein Offizier einen Tramwaywagen besteige, die in demselben besindlichen Juden chm Platz zu machen haben. Die Verordnung trat allerdings niemals in Kraft, denn — die Juden von Odessa fuhren einfach nicht mit der Tramway, bis der Befehl wieder zurückgenommen war. Jetzt gibt Herr Zelenoj den Juden wieder den frommen Rach in den Städten Rüben zu bauen. Wenn dieser Rath nun nicht befolgt wird, dann ist's ja klar, wie nicht einmal die Russen es mehr den Juden recht machen können. In der That wir haben unseren Augen nicht getraut, als wir gestern die telegraphische Nachricht aus Odessa zu lesen bekamen, daß der dortige Stadthauptmann, ein bekannter Judenfreund von der Kouleu? Haman, gelegentlich einer jüdischen Feier den Wunsch ausfprach, die jüdische Intelligenz möge die Massen von der Auswanderung abhatten und sie im Lande dem Ackerbau zuwenden. Zuerst treibt man die Juden mit unerbittlicher- Grausanckeit aus und dann geht man ihnen mit der harmlosesten Miene von der Welt um den Bart. Erkläret mir, Graf Oerindur ec. Die Erklärung ist bald gegeben, sie liegt in den zwei Worten: Russische Anleihe. Das Z.rwürfniß mit dem Hause Rothschild kommt der ruffischen Finanzvermaltung theuer' zu stehen. Herr v. Wyschnegradski soll vom französischen Bankenkonsortium thatsächlich nur 76‘/2 Perzent erhalten, das ist um etwa 5'/* Perzent oder rund 26 Mill. Franks weniger, als mit der Rothschild-Gruppe im heurigen Frühjahr vereinbart wurde; ein Fiasko dcr Anleihe würde sich daher für Rußland jcht umso fataler gestalten. Dem mit allen Mitteln vorzubeugen gilt also die russische Liebenswürdigkeit. Wien. (Bon den russischen Plagen.) Die Nachrichten mrs Rußland klingen immer trostloser. In einem vom Finanzminister Wischnegradsky über die Lage im Innern des Reiches eingereichten Bericht wird nicht nur in scharfem Gegensatz zu den Berichten Durnowo's, des Ministers ds Innern, ausgeführt, daß die Noth im Lande weit größer sei, als zugestanden werde, sondern geradezu darauf hingewiesen, daß Tausende im Laufe des Winters dem sicheren Hungertode entgegen sehen. Die Administrativbeamten seien in ihrer ungeheueren Mehrzahl so unzuverlässig, daß die durch ihre Hände gehenden Spenden zum Besten der Nochleidenden nur zunr geringsten Theile in die Dörfer der armen Opfer der Mißernte und der langjährigen Mißwirthschaft gelangen würden. „Hierzu kommt noch" — schreibt man der Münchener „Mg

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