Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 40 (9.10.1891)
- Date
- 1891-10-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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$r. 40 Äestrrreichifchr Wochenschrist. &tüi 747 ('r sandte seinen nächsten Anverwandten, Elram, den Bruder seiner verstorbenen Mutter mit reichen Geschenken zu Joch an an um für ihn um Leah zu werben. Gastfreundlich wurde Elram ausgenommen Nicht so von Leah. Sie liebte Simeon mit ganzem Herzen und ihre Liebe blieb unerschütterlich und fest auch jetzt noch wo dem niedrigen Sklaven der Hohepriester als Nebenbuhler entgegentrat. Tie Wahl, die sie zu treffen hatte mochte niemanden aus ihrer Umgebung schwierig erscheinen. Hier waren Ehre und Ansehen, Glanz und Pracht ein behagliches Leben an der Seite eines edlen ManneS dort eine ungewisse Zukunft, Zorn und Haß ihres Vaters. Es gab ein arges Zerwürfniß, als Leah sich weigerte dem Brautwerber zu folgen, alle Bitten, alle Drohungen waren vergebens. Tagelang verbrachte sie in Weinen und stummen Nachdenken in ihrem Zimmer. Ein heftiger Kampf durchbebte ihr Inneres. Willfahrte sie dem Wunsche des Vaters nicht, dann bereitete sie ihm ein kummervolles Alter ja verkürzte vielleicht die wenigen Jahre des Lebens die ihm noch beschiedcn waren. Das durfte nicht geschehen, dagegen sträubten sich alle edlen Regungen ihres Herzens. Groß war ihre Liebe zu Simeon, doch größer noch die kindliche Liebe und Pietät, und diese siegten. An einem frühem Morgen trat sie vor den kummervoll dasitzenden Vater und erklärte sie sei bereit mit Elram zu ziehen. Da heiterte sich bald die Miene des alten Mannes auf, freudig nmarmte er seine Tochter und küßte sie. Sein höchster Stolz war befriedigt, sein Kind sollte die vielbeneidete Gattin des Hohepriestrrs werden, des edlen, vielgerühmten Eleasar. Reiches Gefolge sandte er mit und die Tragthiere keuchten unter der Last der kostbaren Schätze, die er zur Aussteuer bestimmt hatte. Schwer war der Abschied der Jungfrau von ihrer Heimat; die Einsamkeit der Gefilde Ephraims sollte sie nun vertauschen mit dem Leben in der großen, geräuschvollen Stadt. Simeon verließ an dcm Tage, an dem er von Leah's Entschluß erfuhr das Haus seines Dienstherrn. Niemand hatte ihn seitdem gesehen, niemand wußte wohin er sich gewerrdet. Er wußte was die von ihm geliebte zu ihrem Verhalten veranlaßt hatte, er sah ein. daß sie als liebende Tochter dem alten Vater gegenüber nicht anders hätte handeln können, doch es litt ihn nicht mehr bei Jochanan, es trieb ihn fort aus dem Hause in dem er geboren war, in dem ec so viele schlimme Tage und so wenige, doch ihn so unendlich beglückende frohe Stunden verlebt hatte. Leah erfuhr nichts von seiner Entfernung. Als sie nach ihm fragte, sagte man ihr der Vater habe ihn mit einer Botschaft zu einen seiner Freunde in's Gebirge geschickt. Mit vieler Pracht ward nun die Hochzeit gefeiert, es war ein Fest für ganz Jerusalem. Ueberall herrschte Freude und Jubel, nur die Braut blieb ernst uno traurig. Sie blieb es auch in den ersten Tage der Ehe, zeigte sich gleichgiltig und liebetos ihrem Manne gegenüber und weinte manche Stunde lang. Eleasar überhäufte sie mit Zärtlichkeiten er hielt ihr bekümmertes unfreundliches Wesen nur für eine Folge der Sehnsucht nach ihrer Heimat und hoffte, daß fich dies bald ändern werde. Er täuschte, sich auch nicht. Jedermann der nur kurze Zeit mit ihm verkehrte hatte ihn lieb gewonnen, warum sollte die herzensgute, gemüthvolle Leah eine Ausnahme bilden? Es dauerte nicht lange, so hatte sie sich die Gedanken an Simeon aus dem Sinn geschlagen, all' ihr Fiihlen und Denken, ihr & ben und Thun gehörte nun ihrem Gatten, dem sie bald in voller Liebe zugethan war. Hatte früher Eleasar seinen Altersgenossen als das Muster eines tugendhaften Jünglings vorangeleuchtet, so bot jetzt umsomehr sein eheliches Leben ein nachahmenswertes Beispiel für seine Mitbürger. Die edlen Vorzüge welche Leah zierten wurden noch vermehrt durch den wohlthuenden Einfluß, den der treffliche Hohepriester auf sie ausübte, in dessen Hans Glück und Segen, Frieden und Zufriedenheit, Gottesfurcht und Wohlthätigkeit eine Stätte hatten. Mancher Familienvater beneidet ihn im stillen als nach einigen Jahren ihm zwei blühende Knaben geboren wurden, die prächtig gediehen und sein Glück vervollkommneten. Doch niemand auf der Erde ist beneidenswerth. Glücklich kann der Mensch erst gepriesen werden, wenn sein Lebenslauf vollendet und er in Frieden cingegangen ist zu seinen Vätern. IV. Schlimme Tage brachen über Juda herein. Ein kriegerisches Volk im Süden des Reiches, dessen Angriffe wiederholt zurückgeschlagen worden waren, hatte sich wieder erhoben und drang zu neuem Kampfe vor um die Schmach der früheren Niederlagen durch entscheidenden Sieg aus znlöschen. Ein zahlreiches Heer von einen tapferen Feldherrn geführt drang in die Gebirgspässe ein, die erschreckten Bewohner flohen und suchten Schutz in den festen Städten. Groß war die Wuth der Feinde. Sie plünderten die verlassenen Dürfer, was sie nicht mitnehmen konnten wurde vernichtet; ihre schwcren Rosse zermalmten die reifen Aehren der Getreideäcker, die vordem so blühenden Fluren glichen bald öden Wüsteneien, die nienschlichen Wohnsitze waren nur noch rauchende Trümmerhaufen. Jammer und Klagen herrschten in der Hauptstadt, als die ersten Flüchtlinge ankamen und von den Gräueln erzählten, welche die beutegierigen Scharen in ihrer Heimat verübt hatten. Schrecken bemächtigte sich aller Bewohner Jerusalems, doch der König verlor keinen Augenblick den Math und ging schnell ans Werk seinem bedrängtem Volke zu helfen. Er bot alle waffenfähigen Männer zum Heerbann auf, und sie strömten von allen Seiten herbei mib sammelten sich unter seinen Fahnen. Der Landmann verließ seine Felder, der Hirte seine Herden, der Handwerker seine Arbeitsstätte und so mancher der noch gestern die Sichel, den Hirtenstab oder den Hammer gehandhabt hatte, umgürtete sich heute mit dem Schwerte und hielt den Spieß in der kraftvollen Rechten. Bald war ein stattliches Kriegsheer aufgebracht und die kamptesmuthigen Männer und Jünglinge zogen aus, dem Feinde kühn die Stirn zu bieten. Sie trafen ihn in einer kleinen Ebene, wo er ein Lager aufgeschlagen hatte. Hier wollte ihm der König eine Schlacht liefern, ordnete die Reihen der Seinigen und forderte sie mit lauter Stimme aus sich muthvoll und tapfer zu erweisen, da von dem Ausgange der Schlacht vielleicht das Schicksal des ganzen Reiches abhänge. NachdeA» im Gebet der Herr der Heerscharen um Sieg angefleht worden war. gaben Hörnersignale das Zeichen zum Angriff. Todesmutig stürzten sich die Krieger Judas auf die Feinde, doch die Gegner, die ihnen heute gegenüberstanden, leisteten mannhaft Gegen wehr. Waren sie auch au einzelnen Stellen durch die Gewalt des Ansturmes znrnckgedrängt worden, immer wieder brachen sie hervor, immer neue Scharen sandten sie in s Feld, um durch gewaltige Uebermacht die Feinde zu erdrücken. Es schien als sollte ihr Vorhaben ihnen gelingen. Vergebens feuerte der König die Seinen an und gab ihnen durch ngene Unerschrockenheit und Tapferkeit ein nachahmenswerthes Beispiel; bald hier bald da war er zu sehen, ennuthigte die Schwachen, lobte die Unverzagten und theilte überall seine Befehle aus. Umsonst versuchten seine Streiter Stand zu halten, sie mußten endlich weichen und begannen auf einzelnen Punkten sich langsam zurückzuziehen. Jetzt sank das mit dem goldgestickten Schilde Davids geschmückte Panier den Händen seines Trägers und fiel zur Erde; bald darauf flatterte es hoch über den Kämpfenden, doch es befand sich in Händen eines Feindes. Es war ihr Heerführer, der das Feldzeichen erobert hatte, ein Mann von riesenhafter Gestalt und tollkühner Tapferkeit. Er hatte unter den Vordersten gefachten, alles war von ihm gewichen und nun hielt er das erbeutete Banner hoch in der starken Faust Und begann zu jubeln, der Sieg schien gewieß. Doch er jubelte zu früh. Ein jüdischer Jüngling sprang plötzlich aus den Reihen der fich Zurückziehenden vor, machte sich mit kräftigen Schwertstreichen Bahn, drang auf ihn ein und während er ihm mit der linken Hand die Fahne entriß, stieß er ihn mit der rechten das blutige Eisen in den Leib. Entsetzt sahen die Feinde den Fall ihres Führers, doch der kühne Jüngling ließ ihnen keine Zeit. Mit ermunternden Zurufe wandte er sich an die Männer seines Volkes, die seine Thal zu erneuerter Anstrengung anspornte. Der gewaltige Heirführer war entseelt zurückgesunken, schnell verbreitete sich die Nachricht von seinen Tode unter den Seinigen und erregte überall Bestürzung und Trauer. Eine Verwirrung entstand in ihren Reihen, welche der König, der alles überschaute, sofort bemerkte und zu seinem Vortheile auszunützen beschloß. Rasch sammelte er eine Reiterfchar an deren Spitze er sich nochmals entgegenwarf, an dem Punkte wo er sein Banner hatte fallen und wieder erheben gesehen. Jetzt begann das Blatt sich bald zu wenden. Der getödete Feldherr war ebenso verständig und geschickt als tapfer gewesen, der Mangel an einer klugen, einheitlicher Führung machte sich bald bemerkbar, unter seinen Hauptleuten herrscht Uneinigkeit und Rathlopgkeit, schrecken hatte sich seiner Krieger bemächtigt, sie ließen den Math finken. Es bedurfte nur noch geringer Anstrengung seitens des jüdischen feeres, um wieder