Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020888--00771-3024777
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 746 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Ne 40 ganz unbecheiligt daran seien. Die Excesse gegen dieselben sind durch Concurrenzneid einiger christl. Kaufleute veranlaßt worden. New-Hork. Einer der amerikanischen Ausstellungskommissare hat, der „Allg. Korr." zufolge, ein charakteristisches Abenteuer in Rußland erlebt. Der Herr ist Major Moses P- Handy. Die Kommissäre benachrichtigten, als sie von Moskau abreisen wollten, wie es sich gehörte, die Behörden und baten um ihre Pässe. Eine Stunde verrann nach der anderen, die Pässe kamen nicht. Die Dinge nahmen ein ernstes Aussehen an, und man mußte zu nachdrücklichen Maßnahmen greisen. Endlich stellte es sich heraus, daß ein übereifriger russisch, r Polizeiinquisitor Anstoß an dem ersten Vornamen des Majors Handy, Moses, genommen hatte und ihn für einen Juden hielt. Die Polizei beschloß darauf, keinem der Kommissare seinen Paß auszuhändigen, bis die Angelegenheit untersucht wäre. Es dauerte mchrere Stnnden, bis der Major der Polizei bewiesen hatte, daß er Christ sei. Ottawa, 20. September. Das in voriger Woche berichtete Verbot der Einwanderung russischer Juden scheint die Folge eines Vorfalls zu sein, der hier viel Lärm erregt. Siebzehn völlig mittellose Auswanderer kamen hier in einem bejammernswerthen Zustande an und machten folgende Angaben: Sie wären einige Wochen vorher in St. John, New-Braunschweig in trostlosem Zustande angelangt, aber die Regierung hatte sich geweigert, dieselben unterzubringen. Nachdem die Unglücklicheu aus Rußland vertrieben worden, hatten sie sich nach Buenos- Aires begeben, von wo sie dem „Standard" zufolge angeblich zu Fuß unter fürchterlichen Leiden „durch die Wälder" nach Britisch Guinea gezogen seien. Man habe ihnen aber auch dort nicht zu bleiben gestattet und so seien sie zuerst „ach Barnados und von dort nach Canada geschickt worden. Feuilleton. Der Hohepriester. Novelle von Jacob Frankfurter. «Fortsetzung.) Das gottgefällige Werk war vollbracht, freudig kehrte ein j{fccr in sein Z-!t zurück. Seine Opfergabcn waren wohlgefällig ausgenommen worden, der Segen Gottes ruhte auf dem Werk seiner .Hände, war mit ihm und den Seinigen, schützte seine Heerden und Ländereien vor allen Unbilden und Gefahren. Freude und Jubel herrschte in allen Theilen des Lagers; wohin man blickte, festliche Gelage, Gesang und Reigentänze. Schlecht paßte zu dieser Fröhlichkeit die zwar freundliche, aber ernste Mieire eines stattlichen Mannes, welcher langsam die Reihen der Zelte durchschritt. Die ihm Begegnenden verneigten sich ehrerbietig, denn der noch ziemlich junge Mann trug das Ehrenkleid des Priesters es war Eleasar, des greisen Hohepriesters einzigel Sohn. Neugierig blickte man ihm nach, er schien kein bestimmtes Ziel zu haben, bald hierhin, bald dorthin lenkte er seine Schritte. Endlich blieb er vor einem Zelte stehen aus dessen Innern lauter Gesang erschallte, dessen anmut hige Klänge ihn fesselten. Es war das Zelt Joch an ans des Ephraimiten der, als er den Horcher erblickte, hinausging und ihn bat einzutretcn, um ein wenig bei ihm auszuruhen. Der Priester leistete F llge und noch mehr als di- Gesänge gefiel ihm jetzt die Sängerin, die schöne Le ah. Die köstlichen Speisen und G-tränke, die ihin vo.gesetzt wurden berührte er gar nicht; in stummer Bewunderung hefteten sich seine Auge» auf Leah, zum großen Aerger Simons, der dem Gaste aufwarten mußte, in dem er bald einen Nebenbuhler erblickte. Umso glücklicher fühlt, sich Jochanan durch die Ehre des Besuches. Er versuchte, wenn auch vergeblich, mit dem Priester ein Gespräch anzukni'ipfen und beinerkte es gar nicht, daß dieser seine Aufmerksamkeit fast nur auf seine Tochter richtete, die schüchtern seinen Blicken auswich. Endlich verabschiedete sich der junge Mann, ihn rief sein Amt, die Sonne nahte dem Untergange, es mußten Vorbereitungen zum Abendopfer getroffen werden. Die Nacht war herein gebrochen. Friede lag über den Lager der Wallfahrer, in den Straßen und Häusern Jerusalems herrschte Ruhe, in den Höfen des Heiligthums hielten die Leviten Wache, im Hause des Hohepriesters schlief alles, nur Eleasar nicht, der auf dem flachen Dache sitzend in der kühlenden, fxisch-n Luft ausrrrhte von den Anstrengungen des Tages. Er gedachte der schönen Ephraimitin für die sein reines Herz mächtig entbrannt war in Liebe. Der Morgen begann bereits zu grauen als er endlich hinabstieg seine Lagerstätte aufznsuchen und in ruhigen Schlummer zeigte ihm noch der Traum die engelsgleiche Gestalt der schönen Leah. m. Verrauscht und verklungen waren Freude und Jubel, vorüber der festliche Glan; und die festliche Pracht, die sich am Wochenfeste entfaltet hatten; die frommen Pilger waren wieder zurnckgekehrt zu ihren Beschäftigungen, die Priester verrichteten die täglichen Opfer, doch fehlte ihr Oberhaupt, der hohe Priester in ihrer Mitte. Aüi Sabbath nach dem Wochenfeste hatte er zum letztenmale seines heiligen Amtes gewaltet. Als er an diesem Tage das Gotteshaus verließ war er ohnmächtig zusammengebrochen, man hatte ihm in sein Haus gebracht, doch von dem Bette auf das man ihn gelegt hatte erhob er sich nicht mehr; ruhig und sanft war er hinübergeschlummert in die Ewigkeit. Groß war die Trauer im ganzen Lande; jedermann, ohne Unterschiede vom König bis zum letzten Sklaven hatte ihn geliebt und geehrt. Als die ersten Tage der Trauer vorüber waren, da wurde seine.» einzigen Sohne Eleasar die Würde des Hohepriesters übertragen. Es war Sitte, daß diese vom Vater auf den Sohn überging, und wenn dies auch nicht der Fall gewesen wäre, einen Geeigneteren hätte man wohl schwerlich unter den Priestern gefunden. Eleasar war einer der größten und schönsten Männer in ganz Juda, doch die Vorzüge mit denen die Natur seinen Körper ausgcstattet hatte, waren nur ein schwaches Abbild, von den Vorzügen seines Geistes Trotz seiner Jugend, er stand erst im achtundzwanzigsten Lebensjahre, überragte er an Wissen und Bildung viele seiner älteren Landsleute von denen so mancher zu ihm kam, um sich seinen Rathe oder seinen Beistand zu erbitten. Jeder, der ihn verließ, rühmte die edlen Eigenschaften, die ihn zierten; die Männer, die in schwierigen Fällen seine Meinung sich erbeten hatten, priesen seine Weisheit und sein verständiges Wesen, die Armen, von denen keiner ungetröstet von ihm ging lobten seine Herzensgüte, mit der er überall bereit war zu helfen wo Hilfe nöthig war. Er war das Neuster eines vollkommenen Menschen, eines glaubensstarken Juden, eines wahren Priesters. Seine männlich schöne Gestalt erregte allgemeines Wohlgefallen im zahlreich versammelten Volke als er zum erstenmal, angethan mit den prächtigen Amtskleidern seinen Dienst verrichtet. Sein schweres mit goldenen Schellen besetztes Oberkleid aus blauem Purpur wurde von einem aus kostbaren Stoffen und Goldfäden kunstvoll gewebten Leibrock bedeckt, den ein Gürtel zusammenhielt. Von den Schultern hing an goldener Kette der Brustschild hernieder geschmückt mit zwölf glänzenden Edelsteinen auf denen die Namen der zwölf Söhne Jakobs eingegraben waren. Sein Haupt trug ein Kopfbund an dessen Vorderseite ein goldenes Diadem befestigt war auf dem die Worte standen: „Heilig dem Heran" Heilig dem Herrn war der Mann, den diese Gewänder zierten, heilig wie fehl Amt war all' sein Denken und Thun, frei von den Schwäche» und Fehlern seiner Mitmenschen. Nun sollte Eleasar eine Lebensgefährtin wählen und alles war erwartungsvoll gespannt, welcher von den Töchtern des Landes das Glück wiederfahren werde als Gattin des Hohepriesters heimgeführt zu werden, des ersten und angesehensten Mannes in Juda und Israel nach dem Könige. Eleasar hatte bereits gewählt. Seine Liebe zu Leah, der Tochter Jochanans, war seine erste gewesen und wurzelte tief in seinem Herzen, es war keine leichte Neigung des Augenblicks sie wollte er zum Weibe nehmen, von ihren trefflichen Eigenschaften hatte er Kunde erhalten, und war überzeugt, daß sie würdig sei als Gattin des Hohepriesters seinem Hause vorzustehen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.