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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 40 Orstrrreichifttzr Wochenschrift. Seüe 745 desselben zu: Angesichts des Programms der ULmer Schnellpost verträgt es sich mit der Ehre und dem Frieden der Gemeinde nicht, die Schnellpost als Amtsblatt zu belassen, es wird deshalb beschlossen: der Schnellpost den Charakter eines Amtsblattes der städtischen Behörden zu entziehen. — Dieser Beschluß veranlaßt natürlich das edle Organ, nur desto ärger zu Hetzen und die gräßlichsten Lügen über das Iudenthum zu verbreiten. Auch gegen christliche Mitglieder der Collegien bringt es die stärksten Verleumdungen, sie wirft ihnen sogar Verletzung ihres Amtscides vor. Der Obmann Dr. Sch esse ld, hat deshalb bei dem Staatsanwalt Strafantrag gestellt, und letzterer hat gemäß §. 116 St.-G.-B. die öffentliche Verfolgung der Angelegenheit zu übernehmen beschlossen. Sternberg, 24 September. Wegen Beleidigung de) Kaufmanns Mendel Schwarz ist der hiesige Pastor Weichmann zu einer Geldstrafe von 6 Mark verurtheilt ivorden. Der wackere Herr Seelsorger hatte ein Dienstmädchen, welches von seinem Hause in das des Henn Schwarz ziehen wollte, davon zurückzuhalten versucht mit dem Hinweise, daß sie aus einem „anständigen evangelischen Pfarrhause doch nicht in ein Judenhaus ziehen" werde. Außerdem hat der Herr Pastor auch noch zwei Briefe an das Mädchen gerichtet, in denen er demselben mitth ilte, sich so lange vom Abendmahl fernzuhalten,bis es sich mit dem Pastor über die Angelegenheit ausgesprochen habe, und ivorin er dasselbe aufforderte, auf die Theilnahrne als Pathe bei einer Taufe zu verzichten. Der Herr Pastor hatte Revision beim Kammergericht eingelegt, das letztere aber hatte dieselbe verworfen. (Die ungewöhnliche Höhe der Strafe wird nicht nicht verfehlen, allgemeines Aufsehen zu erregen. Red.) München, 5. September. Die „Historische Commission" hat den Prof. Dr. Ernst Landsberg in Bonn mit der Herausgabe und Fortsetzung der von dem verstorbenen Prof. S t i nzing begonnenen „Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft" für das große Sammelwerk der Commission „Geschichte der Wissenschaft in Deutschland" beauftragt. Oldenburg, 27. September. Die hiesige Oberpostdirection hat ihren Beamten untersagt, Freiexemplare des „Volk" anzunehmen. Man wird dieses Vorgehen der Behörde gegen den Versuch die antisemitische Bewegung in unser Land, wofür dieselbe durchaus kein Boden ist, zu verpflanzen, nur mit aufrichtiger Freude begrüßen können. Paris. Oberstlieutenant Isaak (Marx), welcher vormals in der Artillerie diente und nach seinem Abschiede Director des Asyls für arme indische Knaben in Plessis-Piquet wurde, starb daselbst am 24. September. Der Verstorbene war am 15. Februar 1829 zu Metz geboren, trat schon frühzeitig als Freiwilliger in die französische Armee ein und machte unter dem Kaiserreiche mehrere Expeditionen in Nord-Afrika mit. Im Jahre 1870 wurde er DivisionZchef und betheiligte sich an der Campagne der Loire-Armee. Im Jahre 1887 nahm er seinen Abschied, indem er zuletzt den Posten eines Artillerie-Cormnandanten in BalencienneS versehen hatte. Das Leichenbegangniß fand am 26. September unter militärischen Ehren am Friedhofe von Montparnasse statt. Am Grabe wurden vier Reden gehalten: vom Oberrabbiner Frankreichs, M. Zadoc-Kahn, von M. Hirsch, Oberingenieur im Departement für Brücken- und Straßenbauten, von M. Worms, Professor an der Rechtsschule zu Rennes, und vom Rabbiner Sylvain Benedict, Religionslehrer im Asyle zu Plessis-Piquet. Bordeaux. Das israelitische Consistorium zu Bordeaux hat von der Regierung die Ermächtigung erhalten, die Schenkung des bekannten Philantropen M. Daniel Osiris, welche in einer Synagoge und Adnexen in Arcachon besteht, anzunehmen. Der Spender hat die Bedingung gestellt, daß alle Ueberschüsse, welche sich bei Verwaltung der Synagoge ergeben, an Arme der Gemeinde Arcachon ohne Unterschied vertheilt werden sollen. Haag. Der bekannte Maler David Bles feierte am 19. September seinen 70. Geburtstag. Zur Feier dieses Ereignisses hatte sich ein Comits gebildet, welches Herrn B l e s seine Portraitbüfte, welche von eine.» der hervorragendsten niederländischen Bildhauer angefertigt worden war, überreichte. Unter den Mitgliedern dieses Comitos befanden sich die Königin- Regentin von Holland, die Großherzogin von Sachsen-Weimar, Schwester des verstorbenen Königs, und die Prinzessin von Wied (Prinzessin Marie von Holland). London. Der Oberrabbiner hat ein Gebet für die russischen Juden vorbereitet, welches in allen Synagogen am Versöhnungstage vorgetragen werden soll. Gleichzeitig hat derselbe an alle Gemeinden des vereinigten Königreiches ein Rundschreiben erlassen, in welchem die Prediger aufgefordert werden, am Versöhnungsfeste ihre Gemeindemitglieder aufzufordern, zu dem Fonde für die Unterstützung der Opfer der Verfolgungen beizutragen, in Entsprechung des Aufrufes, welchen das russischjüdische Comits demnächst erlassen wird. London. In der Sitzung des russisch-jüdischen Comitös, welche letzten Montag abgehalten wurde, zeigte der Schatzmeister an, daß der „Mansion-House-Fond" vom Jahre 1893 fast erschöpft sei; es wurde deshalb beschlossen, sofort einen neuen Ausruf zu erlassen. Bei der weiteren Sitzung des Comitss, in welcher die Organist ung der neuen Sammlung bcrathe» wurde, wurde angezeigt, daß die Herren N. M. Rothschild & Söhne sich an die Spitze der Subscriptionslifte mit der munificenten Summe von 10.000 L eingezeichnet haben. Petersburg, 24. September. Die „Nowoje Wrcmja" meldet, dem Reichs rat he werde demnächst eine Vorlage des Ministers des Innern über die Judenfrage zugehen, welche auf dem Materiale beruht, das auf der unter dem Vorsitze des Adjuncten des Ministers des Innern, ftattgefundenen Conferenz der Generalgouverneure von Wilna Warschau und Kiew zusammengestellt wurde. — Demnächst wird der Bevollmächtigte des Baron Hirsch, Herr Arnold White aus London, hier erwartet, um mit der Negierung über die Colonisation Palästinas durch russische Juden Unterhandlungen zu pflegen. Poritz. In Poritz, nahe von Bobruisk in Rußlands wo sich eine große jüdische Gemeinde befindet, brach ein schreckliches Feuer aus. Von den Hunderten von Häusern in der Stadt stehen kaum zwanzig, 7 Bet-ha-Midrasch, enthaltend viele hundert werthvolle Bücher, sind niedergebrannt, desgleichen mehrere Gesetzesrollen. 2000 Personen wurden brodlos. Schnelle Hilfe wurde von Bobruisk und den benachbarten Städten gesandt, wo das Unglück sofort bekannt wurde. Sofia. Die hier erscheinende Zeitung „Swoboda" vom 18. Sept. bringt eine amtliche Darstellung über die Ermordung des christlichen Mädchens in Wratza. Nach dem ärztlichen Gutachten ist festgestellt, daß der Tod des Mädchens durch einen unbekannten Wüstling erfolgt ist und daß die Juden

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