Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 40 (9.10.1891)
- Date
- 1891-10-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 744 Oesterrelchifthe Wochenschrift. Nr. 40 Sambor. Am 15. October beginnt der Unterricht an drr von der k. k. Statthalterei bewilligten priv. commerciell n Fachschule der Osias Gotthelf'schen Stiftung in Sambor. Die Fachschule umfaßt a einen cinj ihrigen kaufmännischen Tageskurs, b einen- 6 monatlichen Winterabendcuvs. Unterrichtsgegenftände sind: 1. einfache und doppelte Buchhaltung, 2. Correspondenz, 3. kaufm. Rechnen, 4. Handels- und Wechselrecht, 5. Kalligraphie, 6. Hebräisch, 7. fremde Sprachen. Das Kuratorium hat sich bestrebt, entsprechende Lehrkräfte für jede) Fach zu gewinnen. Einschreibungen finden bis zum 14. Octob r statt. Auskünfte ertheilt die Leitung in Sambor. Budapest. Während des Festtagsgottesdienstes am 2. Neujahrstag in der Synagoge der aut. o rth. i sr. G cmeinde im OcczPschen Hause, erwähnte Oirerrabbiner K. Reich in seiner Rede des Eisenbahnftevcls bei Rosenthal. „Der Gedanke sträubt sich gegen die Annahme der furchtbaren Möglichkeit — sagte der Rabbiner — daß es sich um einen absichtlich n Anschlag gegen das Leben des weisesten und besten der Könige handelte. Wie dem aber immer sei, sprechen wir ein heißes Dankgebet dafür, daß das kostbare Leben dieses leuchtenden Vorbildes der menschlichen und Regententugenden der Gefahr entronnen. Derjenige, der alle Menschen, alle Bürger dieses weiten Reiches ohne Unterschied der Nationalität und Konfession liebt, ihre Rechte und ihre Freiheit schützt, wird auch von Gott geliebt und besonders geschützt." Endlich forderte Rabbi Reich seine Zuhörer aus, in jene Gebete, die sie für ihr Theuerstes zum Himmel emporsenden, das unschätzbare Leben des geliebten Königs einzuschließen. Die Rede machte auf b:e, bas Gotteshaus bis auf den letzten Winkel füllende andächtige Gemeinde tiefen Eindruck. Mährisch-Ostrau. Zufolge des Gesetzes vom 2 L. März 1891, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religionsgenossenschaft, sah sich d'e israel. Cultusgemeinde M. - Ostrau gedrängt, für ihre religiösen Bedürfniffe einen eigmen Rabbiner zu bestellen, während früher der Teschner Kreisrabbiner Herr Dr S. Friedmann durch drei Decennien hiedurch das Amt leitete. In Anerkennung der Verdienste, die sich nun der Teschner Kreisrabbiner um die Bildung und gedeihliche Entwicklung der M.-Ostrauer Gemeinde erworben, wurde demselben am 28. Septemb r eine kalligraphisch prachtvoll ausgeführte Adresse in einer rcichgezierten Enveloppe überreicht. Kein Umstand vermag die ersprießliche Wirksamk.it des Herrn Kreisrabbiners besser ins Licht zu setzen, als besagte Adresse, die wir deswegen im vollen Wortlaut? folgen lassen: Euer Ehrwürden! Hochverehrter Herr Kreisrabbiner! Der unerbittliche Zwang staatlicher Gesetzgebung führt Euer Ehrwürden aus unserer Mitte und heischt von uns, daß wir Verzicht leisten auf das innige Verhältniß, das uns nun seit drei Jahrzehnten mit Ihnen fest verbunden. Wir sollen fortan nicht mehr Ihrem erbauenden Worte lauschen, nicht mehr Ihre väterlichr Stimme hören, die uns in Stunden des Leides Trost gesprochen, im Freudenräusche uns weise zur weisen Mäßigung gemahnt, und wahre Betrübniß erg. , ft darob unser ganzes Fühlen. Wir fasten es nicht, daß wir, die so treu durch Jahrzehnte an Ihnen, wie Kinder an ihrem Vater hingen, nunmehr Ihrer trefflichen Führung beraubt sein sollen, und fragen uns, ob nicht der schöne Bau unseres Eultus wanken wird, wenn eine Tragsäule ihn genommen wird Sie aus unserer Mitte, scheiden, dein wir in so reichem Maße das Ansehen und das Gedeihen unseres Gemeindewesens zu danken haben! Doch das liegt in Gottes Hand! Uns aber soll nur ein Gedanke beseelen! Wir wollen fortschreiten auf dem Wege, den Sie uns gewiesen; wir wollen eingedenk Ihres trefflichen Wirkens, das Panier Hochhalten, das Sie aufgerollt! Stets wird Ihr edler Geist uns vorschweben, und wenn wir auf Erfolge zurückblicken, wir werden dann nie vergessen, daß Sie es gewesen sind, der den geistigen Grundstein zu unserem aufblühenden Gcmeindewesen gelegt, der das Zelt Jakobs so herrlich schön geweitet, unsere jüdische Heimstätte so wohnlich ausgestattet hat. Unbegrenzt bleibt unsere Liebe und Verehrung für Sie, und unser inbrünstiges Gebet senden wir empor, daß Sie der himmlische Vater reichlich belohne, das Füllhorn seiner Huld über Sie ausschütte für Ihr edles, segenreiches Wirken! Sie aber, ehrwürdiger Herr, bitten wir: Behalten Sie uns in treuem Angedenken, und so oft Ihr Auge auf dieses Zeichen unserer Verehrung blickt, denken auch Sie mit ungetheilter Empfindung Ihrer, Sie über alles hochschätzenden und dankbaren I s v. Cultusgemeinde Mährisch - Ostra u. Der Präses: Der Präses-Stellvertreter: M. Straßmann. Dr. Josef Wechsberg. Die V o r st a n d s m i t g l i e d e r: Hermann Fried Länder. F. Groß. Dr. Alois Hilf. M. K ras ui. Adolf Krieger. Gustav Lederer. Nathan Lichtenstern. Prof. Al. Schwarz. Berlin. Als Nachfolger von Prof. Rubner (jetzt in Berlin) ist Dr. Carl Frankel, Professor der Hygiene in Königsberg, nach Marburg berufen worden. Berlin, 27. September, Soeben ist bei R. Voll, hier, eine Broschüre erschienen: Arba Kanfos. ein Sendschreiben an Bischof Dr. Kor um über den heiligen Rock von Trier, von Di'. Paulus Cassel, lieber die Polemik gegen Reliquien fällen wir kein Urtheil, da es Einrichtungen einer fremden Kirche betrifft. Der Verfasser hat sich aber damit nicht begnügt. Durch gelehrte originale Forschung über die evangelische Stelle des Johannes — über die Sage von Oreudel — über eine Parallele mit Buddha und seine Reliquien erhebt sich die Schrift zu einer nicht blos für den Augenblick, sondern überhaupt für die Wissenschaft bedeutungsvollen Arbeit. Cassel sucht nachzuweisen aus Bibel, Talmud und Midrasch, daß das einzigz Gewand, das Christus getragen haben könne, ein Arba Kanfos gewesen sein müsse, und daß also der Rock von Trier nicht echt sein könne. Berlin, 29. September. Die neue russische Anleihe sollte in Deutschland von den Bankhäusern Mendelsohn und Warschauer übernommen werden. Wir halten es für nützlich, zu bemerken, daß die Chefs dieser Firmen geborene Christen sind. Aber ohne uns in sentimentalen Klagen zu ergehen, möchten wir nur noch die Bemerkung uns verstatten, daß wohl kein deutscher Jude so ehrlos und unpatriotisch sein wird, sich an dieser Anleihe zu betheiligen. — Schon werden Lockvögel ausgeschickt, um für die Betheiligung zu gewinnen. Ein Ballon d’essai wurde aus St. Petersburg in dieser Woche ausgeschickt: Der Zar werde dieser Tage Herrn Arnold White, den Vertreter des Baron Hirsch, in Angelegenheit der Auswanderung der Juden, empfangen. So lange die Nachricht von Mr. White nicht ausdrücklich bestätigt ist, gestatten wir uns, dieselbe zu bezweifeln Möge sich aber Niemand von solchen falschen Meldungen, die in nächster Zeit zum Zwecke des Gimpelfangs häufiger auftreten dürften, beeinflussen lassen! Ulm, 28. September. Der antisemitischen „Schnellpost" hier ging seitens des hicfigeit Gemeinderalhs der Beschluß .JjlyU