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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Senc 742 Orstrrrrichifchr Wochrnfchrifi. Üiv. 40 Der „Jahresbericht der Landesrabb'merschule in Budapest , für das Schuljahr 1890—91" ist soeben erschienen. Vorsitzender . des Profefforen-Collegiums war wiederum Prof. M. Bloch,! Schriftführer Prof. Bacher, Bibliothekar Prof. K a u f w a n n.! In der leitenden Commission wurde das Collegium durch die Proff. M. Bloch und K. Bein vertreten. Vier Candidaten wurden im Laufe des Jahres mit dem Diplom entlassen und in Rabbiner-, resp. Lehrerstellen berufen. Die Preisfrage, „Die Schrifterklürung Moses Mendelsohns und seiner Schule, der Biuristen. Literaturgeschichtliche Uebersicht der hierher gehörigen Werke, Charakterisirung ihrer Schrifterklürung" wurde von dem Hörer Jacob S p i r a gelöst. — Dem Bericht geht eine wissenschaftliche Abhandlung Prof. Kaufmannes: „Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers" voran, über die an anderer Stelle zu berichten sein wird. Frankfurt am Main, 26. September. Gestern starb hier erst 51 Jahre alt, Dr. med. et phil. Siegmund Theodor Stein, der älteste Sohn des sel. Rabbiners Dr. Leop. Stein, der sich durch medizinische und natuiivissenschaftljche Forschungen einen Namen gemacht, und auch, namentlich im „Jüdischen Volrslehrer", einige interessante Essays aus der Geschichte der Juden im Mittelalter veröffentlicht hatte. 1840 zu Burgkundsbach in Bayern geboren, kam Stein als Kind nach Frankfurt. Dort für die Universität vorgebildet, studirte er erst in Heidelberg und Erlangen Physik und Chemie und später noch dort und in Würzburg, Berlin, Prag und Paris Medizin, 1862 ' promovirte er zum Doctor der Philosophie, zwei Jahre später zum Doctor der Medizin. Die ärztliche Praxis betrieb er ausschließlich in Frankfurt a. M.; zu Anfang beschäftigte er sich mit allen Hauptzweigen der praktischen Medizin; später, in den letzten Jahren, beschränkte er sich auf 4>ie Behandlung von Nervenleiden. Seiner Vorbildung gemäß bevorzugte Stein bei seinen wissenschaftlichen Forschungen diejenigen Gebiete der Medizin, bei denen Physik und Chemie in ihrer praktischen Anwendung vornehmlich Bedeutung haben. So studirte er mit besonderem Fleiße die optische Technik in ihrer Anwendung in der Medizin; sein besonderes Augenmerk richtete er dabei auf die Photographie. Er hat mit Gerlach, Gustav Fritsch und Robert Koch am meisten dafür gethan. die Photographie für die medizinisch wissenschaftliche und praktische Zwecke nutzbar zu machen; im Einzelnen zeigte er, wie Blutphotogramme'in Kriminalfällen verwerthet werden können. Als Stein's Hauptwerk auf diesem Gebiete ist sein zweibändiges Werk „Das Licht im Dienste der wissenschaftlichen Forschung" anzusehen, das aber nicht ausschließlich die Heilkunde berücksichtigt. Von den rein medizinischen Veröffentlichungen Stein's sind eine anatomische über die „Harn- und Blutwege der Säugethiere" und zwei medizinisch-zoologische über die Trichinen und über menschliche Parasüen, im Allgemeinen hervorzuheben. Zur Therapie der Nierenleiden steuerte Stein Untersuchungen über die allgemeine Electrisaüon des menschlichen Körpers bei. Außer den medizinischen Forschungen betrieb Stein aber auch physikalische besonders elektrotechnische. Die wichtigsten Ergebnisse der Arbeiten dieser Gattung veröffentlichte er zumeist in Poggendorffs Annalen und in elektrotechnischen Zeitschriften. Sehr au'giebig bethätigte sich Stein auch als populärer Schriftsteller. Paris, Mittwoch, 30. September. Gestern Nachmittag fand hier unter allgemeiner Betheiligung seitens des Vorstandes des „Consiscoire“ und der Vertreter jämuui..chcr jüdischer Corporationen die Jnftallirung des Grand-Rabbin de Paris, Monsieur Dreyfuss statt. Der Oberrabbiner von Frankreich, Monsieur Zadoc Kahn hielt eine zündende Anrede, in der er die eigenthümlichen Vorgänge bei und nach der Wahl des neuen Grand-Rabbin berührte und die Gründe, weshalb von der Centennarfeier der Emancipation abgesehen wurde, auseinandersetzte. In Vertretung der Regierung wohnte der Director des Kultusministeriums, Herr Dumay, der Feierlichkeit bei. Auch der greise Vater des neuen geistlichen Würdenträgers der Pariser israelitischen Geincinde, der seit mehr als vierzig Jahren in Zabern im Elsaß als Rabbiner wirkt, war nach Paris sum Ehrentage seines Sohnes gekommen. Dr. Dreysuß, der bisher in Brüssel wirkte, wurde den Gästen durch den Grand-Rabbiner von Frankreich, Zadoc-Khan, vorgestellt, worauf derselbe seine Antrittsrede hielt. Die Rede hatte den Jahrestag der Emanzipation der Juden in Frankreich zum Gegenstände. Am Schluffe seiner wirkungsvollen Ansprache sagte Dr. Dreyfuß: „Die französische Nation hat sich langsam aus den hetesrogenen Elementen entwickelt, die dem Lande ursprünglich ebenso fremd waren wie die Juden. Hat der Unterschied der Traditionen, der Gewohnheiten und Idiome seiner Bewohner die Vollendung der französischen Einheit darum etwa aufgehalten? Und doch haben sich gewisse feindselige Stimmungen gegen die Juden erhoben. Allein das moderne Frankreich wird diese Aufreizungen nicht beachten. Frankreich ist das Land, welches immer vorwärts schreitet; es blickt nach rückwärts nur zu dem Zwecke um in seiner Vergangenheit die Traditionen der Erhebung und der Ehre zu suchen und zu finden." — Am Schluffe der Feier empfing der neue Grand-Rabbiner von Paris die Glückwünsche des Regierungsvertreters und der übrigen Honoratioren. Bukarest. Das hiesige „Tageblatt" bringt unterm 20. September folgenden Artikel: „Zu Gunsten der Juden". Unter dem Titel „Envreii la noi“ kommt uns folgendes Circular zu: Angesichts der Agitationen, welche n der letzten Zeit gegen unsere Juden entstanden sind und in Anbetracht dessen, daß wir die Judensrage anders verstehen, als sie in diesen Agitationen gestellt worden ist, d. h. daß es nach 25 Jahren konstitutionellen Lebens heute wenigstens unsere Pflicht wäre, das zu thun was andere civilisirtc Staaten schon viel früher gethan haben, und den Gährungen und vergeblichen und ungesunden Erschütterungen vorzubeugen, — daß wir die rumänischen Juden nach Ablauf eines noch festzustellenden Stadiums zu rumänischen Staatsbürgern machen; daß wir aus dem Congresse von Berlin formell gesprochen haben, diese Pflicht ebenso wie gegenüber den Armeniern und Zigeunern, die wir bereits zu Staatsbürgern gemacht haben, erfüllen werden; daß es keineswegs ein Zeichen der Civilisation ist, gegen ein absolut nothwendiges Element feindselig zu sein, das zum Theil das bei uus fehlende Bürgerthum ersetzt und durch die Concurrenz für uns Arme die Preise in s Gleichgewicht bringt, und mit dem wir seit Jahrzenten in Harmonie und täglichem Verkehre leben; daß dieses Element mit jedem fortschreitenden Tage mit uns assimilirt und gleichmäßig wie alle Bürger die Staats' lasten trägt; daß dieses Element kein anderes Vaterland kennt, als jenes Land, indem es geboren ist und sich täglich sein Brot verdient, und daß die den Juden feindseligen Agitationen im Namen des unwissenden Volkes oder jenes Theiles betrieben werden, der an dem Puppenspiel auf der Weltbühne nicht theilnimmt, haben wir Unter zeichneten beschlossen, aus allen Kräften und aus allenmöglichen Wegen durch Bildung einer Gesellschaft, welche öffentliche Conferenzen abhalten, Broschüren schreiben und wenn möglich auch eine Zeitung herausgeben wird, uns zu bemühen, eine mächtige und der Ertheilung der Staatsbürgerschis l an die rumänischen Juden sympathische Strömung hervorzurufen. Gleich-

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