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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40 Orstrrrrichischr Wochenschrift. Seite 741 schuldigen Andere gewisser Schlechtigkeiten, um die Aufmerksamkeit von ihren eigenen Sünden abzulenken. Irgend ein Makel, der den Menschen gesellschaftlich unmöglich machen sollte, haftet an jeder antisemitischen Größe, so daß man fast einen Preis ansschreiben könnte sür einen Antisemiten-Häuptling, dem man nichts vorwerfen kann. Wien. (Ein gesprengter Un sch litt ring). Unter dieser Spitzmarke bringt das antisemitische „Deutsche Volksblatt" einen Bericht aus Graz, dahingehend, daß seit Jahren eine große steierische Kerzcnfabrik mit den Grazer Seifensiedern ein Cartell abgeschlossen habe, durch welches die Grazer Fleischhauer in Bezug auf Unschlittlieserung jener Fabrik in einer Weise verbunden waren, daß sie sich ihren Preisdictaten fügen mußten. Nun wäre, so sagt das „Deutsche Volksblatt" weiter, jener Ring gesprengt, indem die Firma Steg er & Comp., Mangerinfabrik in Wien, mit den meisten Grazer Fleischhauer gesonderte Lieferungsverträge schloß, die bereits am 1. Oetober in Kraft getreten seien. Daraufhin, wäre zu bemerken, daß es in dem antisemitisch durchseuchten Steiermark keine jüdischen Kerzenfabrikanten und Seifensieder gibt, daher die betreffenden Geverbeteeibenden, die die kleinen Fleischhauer bei der Verwerthung des Unschlittes ausbeuten, nicht Juden, sondern echte Arier sind. Weiters ist der Chef der Firma Steg er & Comp., die in den Ring der steierischen Seifensieder gegen die Grazer Fleischhauer Bresche legte, ein guter Jude, nämlich der rühmlichst bekannte Hof- und Gerichtsadvokat und Vertheid'ger in Strafsachen -Dr. Steg er in Wien. Ein weiterer Commentar ist wohl überflüssig, nur wollen wir das „D. V.", wenn es wieder einmal ^von Judenausbeutung faseln sollte, an die Grazer Episode erinnern. E. B. Wien. (Maturader Einjährig-Freiwilligen). Die Ende September stattgefundenen Reifeprüfungen der Einjährig-Freiwilligen des letzten Jahrganges sollen mit größerer Strenge vorgenommen worden sein. Wir wissen nicht, was hieran Thatsächliches ist, factisch ist jedoch, daß ein größeres Percent als im Vorjahre reprobirt worden. Und da soll des Umstandes Erwähnung geschehen, daß bei den Kaiserjägern, also einer Elite-Truppe, von den fünf Frequentanten, welche mit Auszeichnung die Prüfungen bestanden haben, drei jüdische Einjährig-Freiwillige sind. Interessant ist auch, daß einem Einjährig-Freiwilligen der Tiroler-Jäger, mii dem aufreizenden Namen Cohn, dem sein Hauptmann bei seiner Einreihung die etwas absonderliche Bemerkung machte, daß es ihm (Cohn) bei seiner (des Hauptmannes) Gesinnung schwer fallen dürfte, zu bestehen, trotz aller Widerwärtigkeiten gelungen ist, der Prüfungscommission aufs glänzendste zu genügen. Schließlich soll noch rühmend hervorgehoben werden, daß die bekannte Firma Karpeles & Hirsch in Wien, ihren, den Einjährig-Freiwilligen-Dienst absolvirendcu Beamten während des Dienstjahres vollen Gehalt gewährt, ein Beispiel, welches Schule zu machen verdient. E. B. Budapest. Der vor Kurzem in Druck erschienene, in der am 28. Mai d. I. abgehaltenen Generalversammlung vorgetragene Jahresbericht der Chewra-Kadischa für das Verwaltungsjahr 1890 liefert ein erfteuliches Zeugniß sür den Fortschritt dieses Vereines in seinen humanen Zielen und dem steten Wachsthume seiner Leistungen, so daß er ein neuer Mittelpunkt der jüdischen Gemeinsamkeit ist, oder mit deiO schönen Worten des Berichterstatters! „Daß einst, wenn etwa die Anhänglichkeit kg egen die in altüberkommenen Formen lebenden Institutionen abnehmen würde, wir im Stande seien, durch die Chewra-Kadischa die auf jeder Stufe der menschlichen Entwickelung als glorreiche Errungenschaft geltende, in unserem Schoße stets sorgsam genährte Wärme der Brüderlichkeit, das Eis der Gleichgiltigkeit zu brechm". Das Jahr 1890 batte sür unsere Chewra-Kadischa die besondere Bedeutimg. daß es das hundertste Jahr ihre? Bestehens war. Aber welche großartige Entwicklung hat sie durchgemacht' Unsere Clewra-Kadischa erhält beute ein Siechenhaus, in welchem im verflossenen Jahre 31 Personen und viele außerhalb de? Jnsiitues Verpflegung gesunden. Die Kosten beliefen sich auf fl. 11.344; ferner wurden im verflossenen Jahre fl. 12.500 als letzte Rate eines Be trages zum neuen israel. Spital, fl. 14.163 50 als den jährlichen Beitrag zur Erhaltung dieses Spitales an die Gemeinde abgeführt, und außerdem noch fl.'20.000 für Armen- und Krankenunterstützung verausgabt, nicht mitgerechnet jene Bert Heilung'n von vielen tausenden Gulden aus den Sammelbüchsen des Vereines und den ihm zu diffem Zwecke vermachten L-guten. Das Beerdigungs vesen erheischt groß' Opfer. Von den 2009 B-erdigungen im verfloss'nen Jahre waren 1086 gratis. Der Bericht stellt jedoch die Anspannung aller Kräfte d's Vereines erst für das laufende Jahr in Aussicht durch den Bau eines neuen Siechenhauses und die Eröffnung eines neun: Friedhofes. Die im Jahre 1890 eingelaufenen Spenden belaufen sich auf fl. 4425 78 die Gesammteinnahmen waren fl. 117.606-23, die Gesamntausgaben fl. 113.765 98. Unsere Chewra-Kadischa ist nicht nur in der Hohe der sich gesteckten Aufgaben und der Hingebung ihres Vorstandes wie aller ihrer Beamten für dieselben, sondern auch in ihrer geregelten Leitung eine Masteeanstalc, wie sie es in der Metropole der ungarischen Geneinden sein soll. Und sie wird a'.tch im zweiten Säculum e'ne starke Veste des jüdischen Glaubens [unb des ihn durchdringenden Humanismus bleiben. - Budapest, 26. September. Der Ung. Jsr. Krankenunterstützung s- und Leichenbestattangsoerein feierte heute Vormittag die Ein veihung einer durch Spenden aufgebrachten neuen Thoralade. Die Festrede hielt Herr Dr. Venezianer, den gesanglichen Theil besorgte Herr Oberkantor Jakob Bach mann und der Chor des Rombachtempels. — Im großen Festsaale der isr. Knabenschule (Pfeifergasse) fand am 21. d. M. Vormittags eine schöne Szechenyi- Feier statt. Um 9 Uhr versammelten sich die Schüler der oberen Classen mit dem Lehrkörper unter Leitung des Directors Szanto und des Präses Herrn Alexander Wahr mann. Rach Absingung einer vom Lehrer Samuel Kohanyi zu dieser Feier componirten stimmungsvollen Festcantate, die von der Schuljugend unter Ocgelbegleitung recht präcis vorgetragen warde, richtete Director Szanto an die Schüler eine Ansprache, worin er die hohe Bedentnng der Feier erklärte und den Kindern das Wirken und Schaffen des größten Ungarn anschaulich vor die Seele führte. Zum Schluffe ermahnte er sie, im Geiste des großen Staatsmannes zu leben und die Arbeit, die stets auch der Grundzug seiner segensvollen Thätigkeit war, zu lieben und zu pflegen. Nach Absingung des Hymnus fand, wie alljährlich die Vertheilung von Schulbüchern statt, welche aus den Zinsen der diesem Zwecke gewidmeten Salomon-Kohn-Stiftung für arme Kinder angeschafft wurden.

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