Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 40 (9.10.1891)
- Date
- 1891-10-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 740 Oesterreilhifchr Wochenschrift. Nr. 40 Dr. Max Friedlätider’sche lleirats-Ausstattungs-Stiftungfur ein armes Waisenmälehen. Der Vorstand der hiesigen israel. Cultusgemeinde bringt zur Kenntniss, dass die Zinsea der genannten Stiftung h 59 fl. an ein armes Waisenmädchen indischer Contessiou, das sich zu vereheliehen im Begriffe ist, als Ausstattungsbeitrag zu verleiben sind. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Geb.irts-, einem Armnths- und einem Sitten-Zeuguisse, ferner den Nachweise, dass sie verwaist sind und sich im Brautstaude befinden, verseheneu Gesuche bis HO. October 1891 in der Cauzlei der israel. Cultusgemeinie (I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock) za überreich?u. Dr. David Goldenthal’sche Stiftung. Der Vorstand der hiesigen israel. Cultnsgemeinle bringt zur Keantniss, dass das Dr. .Jacob G oldeuthal’sche Stipendium ä 46 fl. für einen Studireudeu israel. Confession, der die k. k. philosophische Facultät in Wien besucht und sich dem Rabbiuats- oder Lehrfache widmet, für das laufende S‘haljahr zu veileihen ist. Bedingungen: l. Der Caniiiat muss österr.-ungar. Staatsangehöriger sein; 2. Zeuguisse hailiegen über: a) Moralität, b) Mittellosigkeit, ci seine Immatriculation au der k. k. Universität in Wien, d) seinen fleisigeu, von drei Herren Professoren bestätigten Besuch der Vorlesungen, e> Kenntnisse über hebräische und rabbinische Literatur. In dem Gemche ist auzugebeü, oh der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell iu welchem Betrage Die diesfälligen Gesuche sind iu der Cauzlei (l. Seitenstettengasse 4, 2. Stock) von 9—2 Uhr bis 31. October 1891 zu überreichen. Lina Mosenthal’sche Stiftung für arme Wöchnerinnen. Vom Vorstands der hiesigen israel C iltusgemeinde Wird zur Keantniss gebracht, dass die Zinsen der obigen Stiftung für vier arme Wöchnerinnen der Wiener israel. Cnltusgemeinde im Betrage vo i je 17 fl. zur Verleihung kommen. Bedingungen: 1) Dis Kind muss ein ehelich erzeugtes, lebensfähiges Mädchen sein, 2) Die Eltern desselben sind verpflichtet, nach der bei dem sogenannten „Vorgänge“ der Wöchnerinnen üblichen Weise, an einem Sabbathtage im Bethause der Cnltusgemeinde den Namen „Lina“ unter Hinzufüguug der Worte: „Zum Andenken au die verewigte Frau Lina Mosenthal“ ertheilen zu lassen. Die Bewerber haben ihre Gesuche in der Gameindecanzlei I Seitenstettengasse 4, 2. Stock) einzureichen u. zw. bis 31. Oct. 1891. Wien, 1. October 1891. Der Vorstand der israel. Cultusgameinde. Der Vorstand der israel. Cnltusgemeinde! dfiirmpudettzm. Wien. (Zur äaiferrcife nach Pra g und Reichend erg.) Die jüngste Ataifemije nach Prag und Rüchenderg Hat wieder die Hocherfreuliche THatfache bekräftigt, daß unserem geliebten Monarchen jeder seiner Unterthanen gleichwerthig ist, daß Kaiser Franz Josef I. allen im Staate recipirten Confessionen seinen kaiserlichen Schutz und Schirm angedeihen laßt und daß er alle Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubens mit gleicher väterlicher Fürsorge und Liebe bedenkt. Bei allen officiellcn- Empfängen wahrend der Kaiserreise waren gleich allen anderen Korporationen auch die israelitischen Cultusgemeinden mit ihren Seelsorgern zur Aufwartung beschieden und wurden nüt huldvollen Ansprachen Sr. Majestät ausgezeichnet. Stets hatte der Herrscher gnädigste Worte der Erwiederung auf die Begrüßungsansprachen der jüdischen Cultusgemeindevorsteher und ihrer Rabbiner und öfters war es der Fall, daß der Monarch Letztere in besonders leutseliger Weise auszeichnete. Allein auch einzelne Juden hatten das Glück, von Sr. Majestät in gnädigster Weise ausgezeichnet zu werden. Um nur einzelne von vielen Fällen heroorzuheben, sei erwähnt, daß der kaiserliche Rath und gewesener Prager Handelskammerpräsident Bondy in Prag und der Vicepräsident der Reichenberger Handelskammer Herr Neu mann zur kaiserlichen Hostasel zugezog.n worden waren. Die Großindustriellen M. Zweig in Wien und Doctor in Nachod wurden mit kaiserlichen Ansprachen beehrt u. s. w. Wahrlich, insolange das Judenthum und die Staatsbürger jüdischer Confession an ihrem vielgeliebten Kaiser Schutz und Hort finden, braucht ihnen nicht bange zu sein und man darf wohl der zuversichtlichen Erwartung Raum geben, daß die von Sr. Majestät dem Kaiser sanctionirten Staatsgrundgesetze, welche allen Staatsbürgern ohne Unterschied der Confession gleiche Rechte gewähren, endlich einmal zur vollen Durchführung, gelangen werden, und daß die gegenwärtig bestehenden Anomalien, demzufolge den jüdischen Staatsbürgern die Erlangung öffentlicher Aemter verwehrt, resp. erschwert ist, behoben werden wird. Nicht minder darf man sich mit der Hoffnung tragen, daß die berufenen Factoren endlich gegen die systematische Hetze, Beschimpfungen und Verlästerungen, der die Juden schon mehr als ein Lustrum ausgesetzt sind, endlich mit allem Nachdruck Front machen werden. Die Intentionen des Kaisers, wie sie in der jüngsten Reise nach Böhmen zum Ausdrucke gelangt sind, gehen dahin, daß alle Volksstämme, Nationalitäten und Confessionen in gegenseitiger Duldung und Eintracht der Fortentwicklung ihrer Cigenthümlichkeiten und Besonderheiten sich hin zu geben vermögen und alle Staatsbürger an der Continuität der Erschließung der reichen Hilfsquellen der Monarchie theilhaftig werden können, damit der habsburgische Kaiserstiat im Volkerkonzerte den ihm von Natur aus angewiesenen Rang und die ihm zukommende Machtstellung einzunehmen im Stande sei. Die Juden besitzen das befriedigende Bewußtsein, daß sie in dieser Richtung stets nach Kräften zur Erreichung des schönen Zieles beigetragen haben und sie dürfen wohl deshalb mit Recht beanspruchen, als gleichwerthig und gleichberechtigt mit den Staatsbürgern anderen Glaubens behandelt zu werden. E. B. Wien. Unter dem Schlagwort „der Herrgottsvfänder Nr. 2" wird gemeldet: Die Lorbeeren, welche sich Herr Dr. Lueger als Schützer und Schätzer des „kleinen Mannes" geholt, ließen den Mechaniker Wilhelm Philipp Hauck nicht ruhen und er beeilte sich deshalb, ebenfalls in der durch seinen Freund und College» volksthümlich gewordenen Rolle des „Herrgottpfanders" zu debutiren. Ort der Handlung: der „Rothe Hof" im X. Bezirke, welche Realität Herr Hauck, wie uns vor einiger Zeit nachgewiesen wurde, auf dem bei Antisemiten nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Wuchers vor mehreren Jahren an sich gebracht hat. In diesem „Rothen Hof" wohnte eine arme Witwe Namens Anna Klaus, welche, während sie krank im Spitale darniederlag, wegen eines geringfügigen Zinsrückstandes von dem reichen Hausbesitzer Hauck vollständig gepfändet und executirt wurde. Das armselige Mobilar der bedauernswerthen Frau — darunter ein auf neunzig Kreuzer geschätzter Christus unter Glassturz — wurde auf den Dachboden des Hauses Nr. 64 in der Himbergerstraße, ebenfalls Eigenthum Hau ck's, gebracht. So zu lesen sud Z. 571/Hl. ex 1891 in der Registratur des Bezirksgerichtes Favoriten. Herr Hauck ist bekanntlich einer der eifrigsten Vorkämpfer gegen die ausbeuterische Macht des Capitals und die Bedrückung der ärmeren Volksclassen. Nun, wir glauben, daß die Verkünder einer bestimmten Lehre in allererster Linie verpflichtet wären, derselben entsprechend zu handeln und. zu leben. Herr Hauck aber denkt anders, er macht es seinem Vorbilde Lueger nach, er predigt, daß man der Ausbeutung der Armen und der Vernichtung zahlreicher Existenzen durch das mobile Capital entgegenwirken soll, geht aber selbst hin und nimmt einer armen kranken Witwe das letzte Stück ihrer kärglichen Habe weg. Und wie der Schüler gar oft den Meister übertrifft, so auch Hauck, der nicht einmal als Anwalt eines Anderen, sondern für seine eigene werthe Person dem edlen Gewerbe des „Herrgottpfandens" obliegt. Doch, so sind sie Alle, die antisemitischen Wortführer, sie be-