Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020888--00764-3024770
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 40 Orstrrrrichifche Wochenschrift. Gcheimrath v. Fuchs, der die Sache in der Hand hatte, und schickte endlich einen gewissen Schmidt als Verttauensperson nach Berlin, um den Kurfürsten durch Aussichten aus materielle Vortheile kirre zu machen. Er liest ihm eröffnen, daß bei der Consiscation des O ppenheimerschen Vermögens der dritte Theil Brandenburg zukommen werde. Ganz wie H am an oder seine modernen Nachtreter. Der Kurfürst schwankte. Endlich richtete er am 22. Januar 1698 an den Kaiser die Bitte, Edelack zur Consrontation mit G o mperz nach Berlin zu senden. Das war ein schwerer Schlag für K o l l o n i t s ch. Er ließ Schauermären über Oppenheimer nach Berlin berichten. Wie viel davon zu hallen sei,! erfuhr der Kurfürst aus einen: Schreiben des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden vom 9. März. Der ruhmgekrönte Feldherr, der Commandant der Reichsarmee, tritt mit j seinem Zeugnisse und warmer Fürbitte für den aus so viel! Kriegsschauplätzen bewährten Oppenheimer und den so un- | schuldig in Haft gehaltenen G o m p e r; ein. Aber K o l l o n i t s ch j ließ nicht nach, er machte neue Versprechungen, die fast an j Hochverrath grenzten und gab deutlich zu verstehen, daß mai: von Gomp erz ein Geständniß durch die Tortur erpressen solle. Dem protestantischen Kurfürsten wässerte schon der Mund nach den Verheißungen des katholischen Bischofs und er beehrte diesen sogar mit einem Handschreiben, aber in der kaiserlichen Hofburg wehte inzwischen ein anderer Wind. Arn 25. April wird nicht nur der Prozeß gegen Oppenheim in Wien niedergeschlagen, sondern ihm anch die Caution zurückgegeben, was nichts anderes bedeutete, als daß er allen Verfolgungen Kollonitschens zum Trotz in Gnaden vom Kaiser wieder ausgenommen war. Dennoch wollte der Kurfürst Gomperz noch nicht frei lassen, selbst auf die Bitte der Cleoischen Regierung und Stünde nicht, bis endlich der Kaiser in einem! Schreiben vom 27. Juli an den Kurfürsten die Haft Gom- I per z' für gegenstandlos erklärt. Auch dieser wurde wie ' Oppenheimer wieder in alle seine Ehren und Würden eingesetzt. Pros. Kaufmann beschränkt sich nicht daraus die von ihm enthüllten Dokrunente blos aneinander zu reihen, sondern er verbindet dieselben mit genialer Gestaltungskraft zu einem lebendigen Bilde, in welchen: er Zeit und Personen in vollster Anschaulichkeit hervortreten läßt. Der Leser fühlt deutlich den Flügelschlag der, wenn auch noch anderthalb Jahrhunderte fernen, Neuzeit, die die Emancipation brachte. Die Fürsten lind nicht mehr so grausam gegen die Juden wie in früheren Jahrhunderten, die Juden haben schon unter den Großen offene Freunde, und der Jude hat bereits den Muth, sein Recht zu fordern. Aber es wird auch der ewige Feind des Judenthums, der religiöse Wahn, in der Person des Bischofs Kollonit sch in seiner ganzen Scheußlichkeit vorgeführt. Wir lesen, wie der Jude trotz des auf ihm noch lastenden Fluches der Verachtung und Jsolirung eine einflußreiche Aristokratie besitzt, die in die Staatsaktionen eingreift und mit in die internationalen Beziehungen der Staaten verwickelt ist, so daß man aus der Geschichte der Juden jener Periode die gleiche Periode der allgemeinen Staatengeschichte lernen könnte, wie aus der Bibel die allgemeine Geschichte der alten Völker. Leite 739 Publicalioiien der Wiener israelitischen Cultusgeineinde. Stiftung der aufgelösten Abendbörse für Lehramts-Candidaten. Der Vorstand der hies. israel. Cnltnsgemeinrte bringt hiemit zur Kenutuiss, dass die Zinsen ans der vom t ’otnite der aufgelösten Abendbörse begründeten Lehramts-«’andidaten-Stittuug im Betrage von 34 fl. an einen Lehramts-Candidaten Israel. Confessio n zu verleihen sind. Die Bewerber haben ihre mit einem Geburts-, Moralitäts¬ und Arm u tszeu gn i sse, ferner mit Schulzeugnissen versehenen Gesuche in der Kanzlei der israel. Cultnsgemeinde, Stadt, Seitenstettengasse 4, ü. Stock, bis 30. Oetober 1891 zu überreichen In dem Gesuche ist anzugehen, oh der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Rosalia Mintz’sche Witwen-Stiftung. Bei der hiesigen israel. Cultnsgemeinde wtrden die jährlichen Zinsen der obigen Stiftung, an vier arme Witwen jüdischer Religion zur VertheiInng gelangen. Die Bewerberinnen haben ihre diesfälligen, mit dem Nachweise ihrer Armuth und des Witwenstandes versehenen Gesuche bis 30. Oetober 1891 im Secretariate der israelitischen Cnltusgemeinde, I. Seitcustettengasse 4, 2 Stock, zu überreichen. Jonas Freiherr von Königswarter’sche Stipendien für Theologen. Der Vorstand der israel. Cultnsgemeinde in Wien bringt hie mit zur Kenutuiss, dass zwei Jonas Freiherr von Königswarter’sch Stipendien ä 407 fi. für Hörer jüdischer Theologie, welche österr. Ungar. Staatsangehörige sind, für das Schuljahr 1891 92 zur Verleihung kommen. Die diesfälligen Gesuche, samrnt nachstehenden Beilagen.- 1. Geburtsschein, 2. Maturitätszeugniss, 3. Immatriculationssehein, 4. Colloquienzeugnisse und 5. Zeugnisse über den dermaligen Betrieb theoligischer Studien sind in der Canzlei der israel. Cnltnsgemeinde. Stadt Seitenstettengasse 4, 2. Stock, von 9 bis 2 Uhr bis] Bl. Oct. d. j! zu überreichen. ln dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Dr. Ignaz Lemberger’sche Heirats-Aus< stattungs-Stiftung für ein armes verwaistes Mädchen. Der Vorstand der hiesigen israel. Cultnsgemeinde bringt zur Keuntniss, dass die Zinsen der genannten Stiftung ä 148 fl. an ein armes verwaistes Mädchen der Wiener israeltischen Cultnsgemeinde, das sich zu verehelichen im Begriffe ist, als Ansstartnngsbeitrag zu verleihen sind. Die Bewerberinnen haben ihre mit einem Geburts-, einem Armnths-, einem Sit r en-Zengnisse. dem Nachweise ihrer Zuständigkeit nach Wien und dass sie sieh im Brautstände befinden, versehenen Gesuche bis 30. Oetober 1891 in der Canzlei der israel. Cultnsgemeinde, I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock, einzureicheu. Diejenigen Bewerberinnen, welche eine Verwandtschaft oder Schwägerschaft mit dem seligen Herrn Dr. Ignaz Lemberger naehznweisen im Stande sind, gemessen den Vorzug. M. L. Biedermann’sche Waisenstiftung. Auf Grund des hohen Orts genehmigten Stiftsbriefes ergeht hiemit an die znm Genüsse der M. L. Biedermann’sehen Waisenstiftung statutenmässig Berechtigten und deren legale Vertreter die Auffoiderung, ihre gehörig belegten Ansprüche an Sustentationen aus dieser Stiftung, bei dem unterfertigten Curatorium schriftlich anznmelden. Zur Betheilung sind berufen: hilfsbedürftige Waisen, welche [ Descendenten der ursprünglichen Stifter i im Jahre 1840 der Herren:! M. L. Biedermann, Simon Biedermann, Josef Biedermann jr., Hermann Biedermann, Anton Biedermann, [Josef Biedermann sen., Samuel Biedermann, J. Goldschmidt, 8. J. N. Goldschmidt, J. L. Hofinanu Edler von Hofmannsthal, Aron Hermann, R. M. Kaulla, Jacob Löwy, J. N. Mannheimer, M. Strass, H. Edler von Wertheimstein und Fran Amalia Lang, sind. Die mit den Geburts-, Verwandtsehalts, Armut*- und Sittenzeugnissen, sowie mit dem Nachweise der dermaligen Beschäftigung der Petenten belegten Gesuche sind im Secretariate der hiesigen israel. Cultusgemeinde (I. Seitenstettengasse 4, 2. Stock) spätestens bis zum 81. Oetober 1891 von 9 bis 12 Uhr zn überreichen oder zn übersenden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.