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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 738 Oesterreichifche Wochenschrift. Nr. 40 werke erstehen lassen. Allein noch vieler solcher Acten sind aus ihren Gräbern nicht erweckt, und die jüdische Geschichtsschreibung hat noch ein großes Arbeitsfeld vor sich. Der gelehrte Professor an der Landes-Rabbinerschule zu Budapest, Dr. David Kaufmann, mtwickelt eine eifrige Thätigkeit auf diesem Gebiete. Der jüngst erschienene „Jahresbericht der Landes- Rabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1890—91" enthält von ihm eine wissenschaftliche Arbeit: „Urkundliches aus dem Leben Samson Wertheimers und im Abschnitt: „der angebliche Mordanschlag auf Wertheimer, eine Episode aus der Geschichte Oesterreichs und Brandenburgs", lesen wir die Urkunden von folgender hochinteressanter Begebenheit. Kaum ein halbes Menschenalter, nachdem Kaiser Leopold rutter der geistlichen Assistenz des Cardinals Kollonitsch die Juden aus Wien vertrieben hatte, waren sie, zuvörderst eine kleine Colonie aus Worms, durch Samuel Oppenheimer dahin zurückgeführt worden. Auf dem heißen und wankenden Boden entfaltete der rührige und zäh ausdauernde Mann im Dienste des Kaisers und seiner Armen eine Thatigkeit, die Aller Augen auf sich lenken und den Neid herausfordern mußte. Auf allen Straßen in Ungarn und im Reich, gegen Türken und Franzosen, sah man seine Wagen den Kaiserlichen den Proviant zuführen; daß Oesterreichs glorreichen Feldherren, Ludwig von Baden und Eugen von Savoyen der zum Siegen ausgehobene Arm nicht entsank, das war sein Werk, denn was alle Verschreibungen des Staates nicht vermochten, das wirkte seine Unterschrift, alle Handelsplätze, alle Börsen Europas standen seinen Wechseln offen; der Credit und mit diesem die Kriegführung und das Waffenglück Oesterreichs ruhten zum großen Theile auf dem Vertrauen, das der Name Samuel Oppenheimer genoß. In den zwei Jahren, von Ende 1692 bis Anfangs 1694, betrug die Schuldenlast, die Oppenheimer, um den Staat aus seiner Nothlage zu retten, auf sich lud, viele Millionen, die zahlreichen Gnadenbezeigungen des Kaisers für seine Thätigkeit gaben dem im Stillen lodernden Judenhaß neue Nahrung. Es bildete sich eine ganze Partei gegen Oppenheimer, an deren Spitze Cardinal Kolon itsch stand. Als es sich 1697 darum handelte, die Verproviantirungsverträge für die Kriegsschauplätze in Ungarn und am Rhein mit Oppenheimer abzuschließen, bildete Kollonitsch ein geistliches Consortium, um chm die Lieferungen aus den Händen zu spielen; aber schon nach kurzer Zeit nahm dieses Consortium ein klägl'ches Ende, gerade wie die diversen „kath, Banken" in der Neuzeit. Von einem Monopol Oppenheimers war jedoch keine Rede. Denn abgesehen von den geistlichen und weltlichen Ständen, den Städten und Körperschaften, die alle Gläubiger Oesterreichs waren, hatte Oppenheimer auch jüdische Concurrenten. Zum höchsten Ansehen unter diesen war der an Oppenheimers Seite zur Selbständigkeit gediehene Samson Wertheimer emporgestiegen, dessen in Reichthum und Gelehrsamkeit gleich tiefgewurzelte Autorität in seiner Glaubensgemeinschaft durch die Gnade seines Kaisers noch erhöht wurde. Nachdem die judenfeindliche Hofpartei es einsah, daß sie diese beide zugleich unmöglich vernichten könne, wollte sie es mit einem nach deur anderen versuchen, und zwar mittels des teuftischen Planes, Oppenheimer ein Verbrechen aus das Lebm Wertheimers, seines Verwandten, anzudichten, um zu zeigen, wessen die Juden um des Geldes willen fähig seien, von denen „viel tausendt Sündt und Laster auch heimbliche Morttaten und Vertuschung deren Christenkinder impune verübt werden", wie Cardinal Kollonitsch, der diesem Plane zu Gevatter stand, sich in einem Briese ausdrückte, um neuerdings die Austreibung der Juden aus Wien zu veranlassen. Wie sich die heutigen Clericalen mit einem Ernst Schneider verbinden, so verband sich der fromme Bischof Kollonitsch mit einem gewissen Peter Edelack, einem abgefeimten Schurken, der, nachdem er auf so vielen Schauplätzen sich der WrchselfälschunGen, Betrügereien und Erpressungen schuldig gemacht hatte, Wesel zu seinem Hauptquartier ausersehen. Hier lebte Raben Elias Gomperz, der durch Reichthum und die Gunst des großen Kurfürsten in hohem Ansehen stand. Die Judenfeinde in Wien wußten von den Geschäftsverbindungen Gomperz' mit Oppenheimer und auf diesen Umstand gründete K ollonitsch seinen Plan zum Verderben Oppenheimers. Der Bravo E d e l a ck sollte Gomperz als denjenigen bezeichnen, der im Aufträge Oppenheimers ihn dazu gedungen habe, nach Wien zu gehen und W e r t h e i m e r zu ermorden. Selbstverständlich konnte der Schurke seine „Anzeige" nicht bei den preußischen Gerichten machen, weil man ihn da zu gut kannte, er machte sie in Wien, wo der fromme Bischof Himmel und Erde in Bewegung setzte, seinem Verbündeten Glauben zu verschaffen. Der nach eigener Angabe zum Meuchelmörder verdungene Edelack erfuhr die Auszeichnung, des engeren Verkehrs mit Kardinal Kollonitsch gewürdigt und zu dessen Tafel beigezogen zu werden. Eine einzige Schwierigkeit stellte sich aber dem Gange der Untersuchung entgegen, nnd das war die preußische Unterthanenschaft des Hauptbeschuldigten, des Rüben Elias Gomperz, auf dessen Geständniß oder zum mindesten ordentliches Verhör nicht verzichtet werden konnte. Die Auslieferung konnte nach staatsrechtlichen Begriffen nicht gefordert werden, eine Untersuchung durch die preußischen Gerichte verhieß nicht das erwünschte Resultat. So begnügte man sich vorläufig damit, die Festnehmung Gomperz' in Wesel durchzusetzeu, die am 1. August 1697 erfolgte. Und nun wird ein Jahr hindurch in dieser Angelegenheit brieflich verhandelt. Am 1. September erging an den Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg ein Schreiben von seinem Schwiegervater Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, worin sich dieser mit warmer Theilnahme für die Freilassung Gomperz' verwendet . .. Dieses Schreiben wurde am 8. September dahin beantwortet, daß Gomperz auder Haft nicht entlassen werden könne, bis vom Hofe zu Wien die Aktion gegen ihn eingeleitet würde. Am 19. September wurden Samuel Oppenheimer und sein Sohn E m a n u e l mit den Buchhaltern des Hauses in Wien gefangen genommen. Der Jubel K oll on itsch' hatte keine Grenzen. Bereits am 21. September, wie um das glücklich Begonnene schleunigst zu einem glorreichen Abschlüsse zu bringen, erging ein kaiserliches Schreiben an den Brandenburgischen Fürsten, worin um die Ueberführung Gomperz' nach Wien ersucht wird. Allein die Dinge nahmen nicht den stürmischen Verlauf, den Kollonitsch triumphirend erwartet hatte. Die Oppen h eimer wurden schon am 5. October gegen Caution enthaftet und der Kurfürst von Brandenburg schrieb am 8. October an den Kaiser, daß er zuvor Aufschluß über das Gomperz zur Last gelegte Verbrechen verlangen müsse. Kollonitsch schrieb Brief um Brief an den preußischen

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