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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-09 · 40 (9.10.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
40 (9.10.1891)
Date
1891-10-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 40 Oesterrrichischr Wochenschrift. Seite 737 — aus einem Lande ausgewiesen wird, wo es durch Generationen hindurch gelebt hat und das Recht genoß, in Frieden zu verbleiben, haben bei allen rechtlich denkenden Menschen Sympathie für die Opfer erweckt. ... Es ist dies keine Sache, die das Volk ihrer Rasse allein angeht, dieselbe betrifft jeden Menschen, der ein Herz in seiner Brust trägt. Es gibt gegenwärtig keinen Raum mehr für Vorurtheile oder Eigennutz. Es ist berichtet worden, daß einige jüdische Flüchtlinge schon wieder von hier zurückgesandt worden sind, weil man fürchtete, daß sie eine öffentliche Last werden möchten. Dies darf nicht sein, wir können nicht ohne Scham lässige und kalte Zuschauer bleiben und sehen, wie dies unter unseren eigenen Augen geschieht. Immer seit der Gründung unseres Staates ist es dessen gerechter Stolz gewesen, daß er das Asyl der verfolgten und unterdrückten Völker aller anderen Länder war, welche unsere Küsten vertrauensvoll aufsachten mit der Absicht, beständige Bewohner und Bürger zu werden. Ich kritisire nicht nothwendige oder vorsorgliche, defensive Aenderungen dieser Politik, aber diese haben keine berechtigte Anwendung auf Ihr flüchtendes Volk, welches in seiner Roth vorzugsweise in dieses freie Land kommt, um hier eine Hesiuat zit finden und sich hier heimisch zu machen. Ich würde ebenso wenig mein Hans gegen einen von der Nacht überraschten Wanderer, der Zuflucht gegen den unbarmherzigen Blizzard sucht, schließen, wie ich unsere nationalen Häfen gegen Diejenigen Ihres Volkes verschließen möchte, welche wie wilde Thiere verfolgt, durch die Gewalt des wüthenden Sturmes, der sie mit Vernichtung bedroht, hieher verschlagen worden sind. Wir wollen sie willkommen heißen und gastfreundlich aufnchmcn. Lassen Sie uns der Welt zeigen, daß es wenigstens einen Fleck auf Gottes Erde gibt, wo diese unglücklichen Ausgewiesencn ihre müden Glieder ausruhen lassen können, wo sie wieder ihre heimischen Penaten aufrichten, ihre zerstörte Heimat neu gründen und den Gott ihrer Väter in Frieden verehren können. Ich sehe aus dem erwähnten Artikel, daß vorgeschlagen worden ist, „die Juden der Vereinigten Staaten aufzusordcrn, sich zu einem gemeinschaftlichen Plan zu vereinigen, um Heimstätten llnd Beschäftigung für die russisch-jüdischen Emigranten zil finden." Ich möchte doch bemerken, daß dies nicht Ihr Volk allein angeht, es geht ebenso nahe dem guten Namen des amerikanischen Volkes, dafür zu sorgen, daß kein Flüchtling wegen Armuth oder wegen irgend einer anderen Ursache, Verbrechen ausgenommen, zurückgesandt wird, oder daß Jemand Noth leidet, bis er Arbeit finden kann. Diese Gefühle beruhen nicht auf der ungehenchelten Achtung, die ich für die unsterblichen Traditionen und die ruhmreiche Geschichte Ihres Volkes hege, welches in Theologie, Ethik, Philosophie, Literatur, Jurisprudenz und Gesetzgebung entweder die Gedanken der Welt geleitet oder völlig auf der Höhe derselben geblieben ist. Ich ziehe vielmehr vor, dieselben auf den breiteren, höheren und wahreren Grund zu stellen, daß diese Ausgewiesenen Menschen sind mit allen den unverjährbaren Rechten, die ihnen zustehen, weil sie eben Menschen sind, ohne Rücksicht auf Religion, Rasse oder Nationalität, mit den Rechten, welche da sie nicht von Rlegierungen geschaffen oder gegeben sind, auch nicht in rechtmäßiger Weise verweigert oder abgeschafft werden können. Ich füge meine» Beitrag für den guten Zweck bei (ich wünschte es wäre mehr) und indem ich dies thue, kann ich mich nicht enthalten, ehe ich mein Haupt niederlege, die Gründe anzugeben, warum ich es thue. Hochachtungsvollst verbleibe ich Ihr sehr ergebener John F. Dillon." Diese freimüthigen Worte siitd um so anerkennenswerther, als Dillon zur Zeit selbst die Gastfreundschaft des amerikanischen Volkes genießt, welches ihm eine Zuflucht vor den Nachsuchungen der englischen Gerichte gewährt. Aus New-Jork wird vom 23. September gemeldet: Gestern fand hier die Versammlung statt, welche über Maßregeln zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden berathen sollte. Es waren 75 hervorragende Israeliten aus allen Theilen des Landes anwesend. Zunächst wurden gewählt zum Präsidenten Lewis Seasongood von Cincinnati, Ohio; zum Vicepräsidenten L. Silvermann von Chicago und Josef For von New-Jork; zum Schatzmeister Jacob H. Schiff von New-Aork; zu Secrelären A. S. Salomon von Washington und Bernhard Harris von Philadelphia. Dann entschied man sich für Ernennung eines General-Erecutiv- Ausschusses, der den Operationsplan der Organisation, deren Gesetze u. s. w. entwerfen und darüber der Versammlung berichten sollte. Während die letztere eine Pause machte, trat das Executiv-Comitö in Sitzung und brach e später eine Reihe von Beschlüssen, welche einstimmig angenommen wurden. Die Organisation heißt: „Comite behufs Verbesserung der Verhältnisse der russischen Flüchtlinge." Dasselbe besteht aus den Präsidenten der verschiedenen israelitischen Organisationen, welche bei dieser Conferenz vertreten sind. Der Zweck des Comites ist, den russischen Flüchtlingen Heimstätten und Beschäftigung zu verschaffen, ihnen Unterricht in der englischen Sprache ertheilen zu lassen und sie zum Acke bau und zu industriellen Beschäftigungen zu ermuntern. Um diesen Zweck zu erreichen, soll das Comite mit allen schon bestehenden jüdischen Vereinigungen Hand in Hand gehen und weitere Gesellschaften in allen Städten und Ortschaften der Vereinigten Staaten gründen. Wie mitgetheilt wurde, und seit September vorigen Jahres bis August dieffs Jahres 56.727 Flüchtlinge hier angekommen. Aus dem Leben Samuel Oppenheimers. Trotz aller Ausschließung und allen Druckes hat das Judenthum im Mittelalter und bis auf die neueste Zeitverhältnißmäßig ein eb nso großes Contingent an Männern für die Staacengeschichte wie die anderen Völker gestellt. Wenn die Juden nichts mehr geleistet hätten, als daß sie die Bauquiers der Fürsten und die Verproviantirer der He re waren, so Hütten sie schon, im Sinne damaliger Verdienste, genug geleistet, um in der Staatengeschichte einen Platz zu finden, wie tausende Andere, die als Staatsmänner verewigt worden find. Denn nachdem der Kriegsgedanke das ganze öffentl che Leben ausfüllte, zum Kriege aber nach Montecuculi vor Allem Geld, Geld und wieder Geld gehört, so diente der Geldgeber wenigstens so viel als der Geheimrath und der Feldherr dem Staate. Aller Wahrscheinlichkeit nach mußte aber der „Hofjud" allch in der Kriegs frage zu Rathe gezogen worden sein, denn wenn ihm der Krieg nicht conveilabel war, wird er nicht sein Geld riskirt haben wollen. Die Dienste rmd Verdienste des Juden wurden jedoch todtgeschwiegen, jüdische Staatsmänner durste es nicht geben. Man gestand dem Judenthum, wenn man ihm schon gerecht sein wollte, nur eine religiöse Mission, höchstens noch eine industrielle Mission zu, aber für die „staatengründende und ftaatenerhattende Kraft ' als Politiker galt einzig und allein das Arierthum. Und wie die Sage von jenem Zerstörer Jerusalems erzählt, daß er, um nach dem Tode nicht gerichtet werden zu können, seine Asche in alle Welt zu zerstreuen befahl, so meinte man für alle Unbill an den Juden dem Weltgerichte der Weltgeschichte entgehen zu können, wenn man die Acte über die Verbrechen in die verschiedensten Archive vergrub, daß sie nie sollten zu einem einheitlichen Bilde zusammengestellt werden können. Der Forschergeist jüdischer Gelehrten der Neuzeit stöbert jedoch die in allen Winkeln vergrabenen Actenstücke aus, sammelt sie und stellt sie zu einem Ganzen zusammen, wie es das jüngste Gericht mit den zerstreuten Atomen der Tobten machen wird. So haben I o st und G r ä tz ihre Geschichts-

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