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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-02 · 39 (2.10.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
39 (2.10.1891)
Date
1891-10-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3Z Oesterreichische Wochenschrift. Seite 727 Hofe, den Schefakatorden 2. Classe verliehen. — Laut einer Meldung aus Si. Petersburg untersagte die Censur den Druck des Werkes des Historikers Bloch über die Judenfrage. Das Werk stellte eiuen Vergleich der moralischen Eigenschaften der Juden und der Russen an und zwar fällt das Urtheil zu Gunsten der ersteren aus. — In Chicago feierte Frau Sarah Rothschild, rüstig an Körper und Geist, den 103jährigen Geburtstag. _ Feuilleton. Der Hohepriester. Novelle von Jakob Frankfurter. I. „Ich höre meinen Freund, und nach mir ist sein Verlangen! Komm, mein Freund, laß uns gehen in's Feld, in den Dörfern übernachten und mit dem frühen Morgen nach dem Weinberg schauen, ob wohl die Rebe blühet, ob wohl die Knospen der Blumen sich brechen, ob wohl die Apfelbäume blühen; da will ich dir meine riebe geben." Tiefe Verse ans dem „Lied der Lieder", dem Hohelied der Liebe sang mit heller, jugendlich frischer Stimme ein Mädchen und unterbrach bannt'die lautlose Stille und sabbathliche Ruhe, welche über den Fluren, Hügeln und Thälern lag. welche sch vom (Gebirge Ephraim bis;um Jordan erstreckten. Tie aumuthigen Züge der Sängerin veränderten sich rasch und verriethen plötzliches Erschrecken, als einem Echo gleich dE letzten Worte von einer tieferen, kräftigen, doch nicht minder melodischen Stimme wiederholt wurden. Toch nicht lange dauerte es, da klärten sie sich wieder zu einem Lächeln, als eine schmucke Jünglingsgestalt sichtbar wurde. „Simeon, du hier?' redete das Mädchen den Kommenden an, ,,wie freut es mich, den ersten Spaziergang nach so langer Zeit vereint mit dir, du Lieber machen zu können! Komm laß uns diesen Hügel hinansteigen, da können wir die Natur in ihrer ganzen Schönheit ungestört bewundern, dahin wird uns doch wohl der Vater nicht folgen, der, wie du zur Genüge weißt, es nicht duldet, daß wir zusammen ans den Wiesen uns ergehen; da werden wir wohl sicher sein vor den Augen deiner vielen Feinde, die ja auch meine Feinde sind. Toch warum bist du so traurig und läßt das Haupt sinken? Blick um dich und sieh wie hell und klar die Sonne nun wieder scheint, wie alles grünt und blüht! Freust du dich nicht unseres Zusammenseins?" „Leah, wüßtest du wie glücklich ich mich in deiner Nähe fühle, wie ich so mancherlei Qualen und Mühen willig ertrage, die schweren und harten Arbeiten der Werktage willig verrichte, wenn ich nur am Sabbath dich sehen, dich sprechen kann; dein Anblick gibt mir Kraft, geduldig auszuharren, du bist es, die mich nicht verzagen läßt- Gedenke ich deiner, so vergesse ich, daß böses Verhängniß sich unserem Glücke entgegenstellt, daß widriges Geschick, einem gewaltigen Berge gleich sich zwischen uns schiebt. Und doch ist es thöricht von mir zu glauben, daß all' das sich noch;um Guten wenden könne, daß der niedrige Sklave Simeon die einzige Tochter des reichen, stolzen Jochanan jemals erlangen werde. Schwer lastet auf mir der Zorn deines Vaters, ewig bleibt mir sein Haß." „Ewig bleibt unsere Liebe", entgegnete ihm Leah, „glaube mir, der Vater, wenn er dir auch feindlich entgegentritt, im Innern seines Herzens meint er es nicht so; gewiß, er wird milder werden und allmählig von seinem Haß ablassen. Vertraue auf Gott! Er der Bileams Fluch verwandelte in Segen, wird meines Vater Haß verwandeln in Liebe. Was ist denn sein Haß? Stetigen irdischen Dingen entstammt er, nichtig wie alles Irdische wird er auch wieder vergehen. Doch ewig währt die Liebe, sie ist göttlichen Ursprunges, hoch erhaben über das Kleinliche in unserem Dasein." Die trostreichen Worte aus schönem Munde verfehlten ihre Wirkung nicht, bald waren die trüben Gedanken verscheucht, die sich des Jünglings bemächtigt, das Paar schritt gemeinsam den immer steiler steigenden Pfad aufwärts und befand sich endlich auf der Spitze eines rasenbedeckten Hügels, von welchem alls ein weiter Ausblick sich darbot. Sah man nach Norden, so konnte man in weiter Ferne di^ schneebedeckten Häupter des Hermon und Libanon erblicken, die mit ihrem blinkenden Weiß sich prächtig abhoben von dem reinen Blau des Himmels. Stolz schauten sie hinab in's Thal: keines Menschen Fuß hatte noch ihre Gipfel betreten, kein Thier wagte sich in die unwirthlichen, von ewigem Winter beherrschten Höhen, nicht das kleinste Pflänzchen vermochte hier Wurzel zu fassen. Stolz schauten sie hinab auf das Meer, das sich kühne Männer längst unterthan gemacht hatten und mit mächtigen Schiffen durchfuhren. Diele herrliche Bilder zeigten sich auch in der Nähe. Die lange, rauhe Winterszeit mir ihren Regen, güfsen hatte aufgehört, die Wasser hatten die Gefilde gestärkt und gesättigt, auf allen Seiten begann es zu keimen und zu sprossen, reichlich gab der Boden das ihm anvertraute Saatgut dem fleißigen Landmann zurück. Wie ein schmaler Silberstreifen zeigte sich hie und da der majestätische Jordan, hochangeschwollen durch die zahlreichen Gewässer, die ihin von den Bergen herab zuströmten. Die Wärme, welche die Sonne herniedersandte, wurde wohlthuend gemindert durch den frischen, kühlenden Hauch, der vom Meere herwehte, so daß der volle Genuß der Natur in ihrer Frühlingspracht den Liebenden nicht gestört wurde. Nun machten sie sich auf den Heimweg, die schöne Leah und der Sklave Simeon. Ihm sah Niemand den Sklaven an, edet und vornehm war seine Haltung, regelmäßig seine Gesichtszüge, ebenmäßig gebaut seine hohe Gestalt. Er hätte wohl ein besseres Los verdient, als das ihm beschieden. Er hatte Sinn für alles Edle und Schöne; für die Schönheiten der Natur und auch der Poesie. Er verstand es wohl in den heiligen Schriften zn lesen und beschäftigt sich öfters mit ihnen: er hatte eine schöne, klangvolle Stimme und betheiligre sich, wenn beim Gottesdienste Psalmgesänge im Chorgefang vorgetragen wurden. Er war etwas anderes, höheres als seine Mitsklaven, die ihn darum auch haßten und ihm in jeder nur möglichen Weise Kränkungen zufügten, ebenso wie sein D^ustherr Jochanan. Bei diesem war die Ursache eine andere. Fast in gleichem Alter mit Simeon stand des reichen Jochanan einziger Sohn Gerson, doch welch' ein Unterschied zwischen ihm und dem Sklaven! Gerson war in der körperlichen und geistigen Entwicklung verkümmert, war zu keinerlei Arbeit zu gebrauchen und konnte sich nur mühsam forlbewegen. Wenn nun Jochanan sah wie herrlich dagegen der Sklave Simeon heranwuchs, so schmerzte ihn umsomehr das Unglück seines Sohnes, der in den ersten Jugendjahren Simeons Spielgenosfe gewesen war. Von daher rührte der Haß gegen den Sklaven, der sich noch steigerte als nach dem Brande eiues Kornspeichers Simeon von einem seiner Widersacher in verleumderischer Weise beschuldigt wurde, den Brand darch seine Unachtsamkeit verursacht zu haben, noch mehr aber als Jochanan von der gegenseitigen Liebe seines Knechtes und seiner Tochter Kenntniß erhielt. Diese war ihm eine treue Stütze im Aller, seine Gattin hatte er schon vor vielen Jahren, bald nach der Geburt des Sohnes verloren. Leah ersetzte vollkommen die Hausfrau; sie war stets in emsiger Thäligkeit. edle Gaben des Geistes und des Herzens zierten sie, wie nicht minder körperliche Schöirheit und Anmnth, und so fühlte sie sich schon in früher Jugend hingezogen zu dem Sklaven, der ihr trotz seines niederen Standes vollkommen ebenbürtig war. Langsam schritten sie dahin auf blumigem Pfade, dachten an nichts als an ihre Liebe, als plötzlich die rauhe Stimme JochananS ertönte, der den Sklaven anfuhr: „Dir Tagedieb, siehst du denn nicht, daß der Sabbath zur Neige geht, da gibt es doch gewiß noch manches zu schaffen im Hause und im Hofe! Wie oft verbat ich dir schon meine Tochter auszusuchen, laß dich nie wieder mit ihr erblicken, sie ist nun einmal nicht deinesgleichen." Schnellen Schrittes ging Simeon voran drin Hause zu und hörte noch wie der Alte laut und heftig mit seiner Tochter sprach. Als die Sterne zu funkeln begannen, da mußte er wieder arbeiten, Kummer und Gram, welche die Geliebte ihm verscheucht hatte, hatten sich seiner wieder bemächtigt, sechs Tage harter Arbeit lagen vor ihm. Wird es ihm wohl vergönnt sein am siebenten wieder Leah zu sehen, mit ihr sprechen zu können? Leah, deren holde Gestalt stets vor seine Seele trat, wenn sein jammervolles Dasein ihm zur Last wurde und sein Mißgeschick ihn zu zermalmen drohte. II. Einer der schönsten und erhabendsten Tage des Jahres ist der sechste im Monate Siwan, der Tag des Wochenfestes. Unseren Vorfahren war er von hoher Bedeutung, denn als großer nationaler Festtag vereinigte er alle Männer von Juda und Israel in feierlicher Versammlung

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