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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-02 · 39 (2.10.1891) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
39 (2.10.1891)
Date
1891-10-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 726 Oesterrerchifche Wochenschrift. Nr 39 um für die glücklich vollendete Ernte zu danken, mit Worten und Geschenken, mit Gebeten und Opserspenden von den Erstlingen der neu eingebrachten Feldfrüchte. Bon noch weit höherer Bedeutung ist der Tag für die Juden aller Zeiten durch die Erinnerung an die Offenbarung der zehn Gebote von Sinai die an ihm geschah. Die zehn Gebote gaben Israel seine «rast und Festigkeit, die es befähigten anszuharren im harten Kamps gegen seine zahlreichen Feinde, sie bilden den Grundstein zu dem gewaltigen Bau, der hineinragt aus dem grauen Alterthum in die neueste Zeit, allen Stürmen Trotz bot und Zeuge war vom (Entstehen und Vergehen vieler mächtiger Bölkerstäinme. Assyrier und Syrier, Babylonier und Römer, sie alle überdauerte das kleine Volk der Ebräer, über das sie triumphirt hatten, das sic mit ihren Heeren zertrümmert zck haben glaubten. Gesetz und Recht, sie waren stärker als Feuer und Schwert, und wie oft auch Juda und Israel von ihren Rachbarstämmen, niedergeworsen wurden, wie oft seine Heiligthümer zerstört, seine Ländereien venvästet, seine Bewohner in die Knechtschaft geführt wurden nichts konnte ihnen die zehn Gebote rauben, welche sie aus eine hohe Kulturstufe stellten, schon zu einer Zeit, als alle anderen Böller der Erde nach in der Nacht roher Barbarei lebten. Lebhafte Bewegung herrschte im ganzen Lande in den Tagen, die dem Wochenseste vorangingen. In all' seinen Theilen,- von Tan bis Berfeba, vom Gestade des Meeres bis zum Gebiete von Gilead und Moab rüsteten sich die Bewohner zur Wallfahrt, um dem Gesetze gemäß vor dem Hmm zu erscheinen und die Erstlinge der Weizenernte an der Stätte des Heiligthumes darzubringen. Zu den Männern seines Stammes gesellte sich auch Jochanan der Ephraimite. Ihn begleitete seine liebliche Tod^c Leah, die sich längst darnach gesehnt hatte, die heilige Stadt kennK^u lernen, welchem Wunsche nun willfahrt wurde. Ihm folgten mit Opsergeben, deren bedeutender Werth seinem großen Vermögen angemessen war, seine Sklaven. Einige von ihnen trieben vor sich her die größten und stärksten Stiere und Widder, auserlesen aus seinen zahlreichen Herden, prächtige blumengeschmückte Thiere. Andere trugen grosse bis an den Rand gefüllte Teltrüge, wieder Andere Säcke feinsten Mehles, das erst vor wenigen Tagen gemahlen war. So mancher.'unter seinen Stammesgenosfen beneidet ihn ob seines Reichthumes, manchen Anverwandten, manchen Freund begrüßte er unter ihnen und stimmte mit ein in die Wallsahrtslieder, welche von den frommen Pilze! n gesungen wurden. Sie baten Gott um glückliches Erreichen ihres Reisezieles und empfahlen seinem Schutze die Angehörigen, die sie zurückgelassen batten, Hab und Gut. Mehrere Tage dauerte die Wanderung, bald führte die 'Straße bergauf und zu den Beschwerlichkeiten des Hinanstcigens gesellte sich noch Hitze und Staub, bald wieder ging es hinab durch dichte Wälder, deren hohe Bäume Schatten und Kühlung brachten. Endlich erblickte man die Zinnen der Zionsbuig, bald darauf auch Theile des Tempels, nur kurze Zeit noch und man war am Ziele. Jubelnd begrüßten die Wanderer die Stadt Davids mit dem .Liede: „Ich freue mich, wenn man zu mir spricht: „Laß uns eingehen in's Haus Gottes!" In deinen Thoren standen einst unsere Füße, Jerusalem! Jerusalem, du wohlgebaute Stadt, wo alles einig sich hin. drängt! Wohin die Männer Gottes wallen zu Israels Zeugniß, zu preise» den Namen des Herrn; denn dort stehen Richterstühle, Sitze für Davids Herrscherhaus. Oh! wünschet Glück Jerusalem; wohl gehe es deinen Freunden, in deinen Mauern wohne Frieden, in deinen Schlössern Sicherh.it. Um meiner Freunde und Brüder willen verkünde ich dir Glückseligkeit, um unseres Gottes Tenipel willen, strebe ich nach Heil für dich." Nun war der geräumige Vorhof des Gotteshauses erreicht, eben als die Priester nach vollbrachtem Abendopfer die heilige Stätte verließen. Ehrerbietig wurden sie begrüßt mit den Worten: „Lobet Gott, all' ihr Diener des Herrn die ihr des Nachts in seinem Hause Wache haltet! Erhebet eure Hände in Heiligkeit und preiset den Herrn!" Als Gegengruß sprechen die Priester den Segenspruch: „Der Herr segne euch von Zorn aus, der Schöpfer des Himmels und der Erde" Die Pilger schlugen ihr Lager auf, die Ruhe that ihnen wohl nach den Mühen und Anstrengungen der letzten Tage. Am nächsten Morgen legten sie ihre Festgewander an, versammelten sich im Tempel und brachten dorthin ihre Opfergaben. Auf dem großen Altäre wurde das Festopfer dargebracht, zwei Stiere, ein Widder, sieben Lämmer, die I chönsten Thiere, u elche sich in Juda auftreiben ließen, dazu das Mahl- und Trankopser und die übrigen für den Tag vorgeschriebenen. Auf den Seitenaltären wurden die Spenden der zur Feier erschienenen Männer geopfert. In hohen senkrechten Säulen qualmte der Ranch zum Himmel empor, zum Zeichen der wohlgefälligen Aufnahme. Nun ließen die Ehöre der Leviten liebliche Psalmgesänge ertönen, daun beugte das gesummte Volk die Knie tlnd neigte das Hanpt zur Erde. Die Priester hüllten sich in ihre mit binnen Schanfäden geschmückten Oberkleider und segneten die Versammelten mit dem Spruche ihres Ahnherrn Aron: , Der Herr segne dich und behüte dich! Der Herr lasse leuchien sein Angesicht zu dir ilnd sei dir gnädig! Der Herr wende sein Antlitz dix zn und verleihe dir den Frieden." (Fortsetzung in nächster Nummer). Neue Bücher Die Nominalbildungen in der Mischnah. Von Dr.. F. Hillel, Frankfurt a. M. 1891. Verlag von I. Kaufmann. Schiddach und Schiddnchim. Humoresken von E. Rossi, Hamburg 1891. G. Fritz'sche Verlags-Buchhandlung. Briefkasten. Sigmund Braun, Wien: Wir haben Ihren beachtenswerthen Vorschlag den competenten Behörden überwiesen. Simon Hosmann, Pilsen: Sie haben leider recht! Doch ist es nicht opportun, die Angelegenheit ausführlicher zu behandeln. A. G. in T. Für diese Woche zu spät. Wochenkalender. Wochen- Octobcr 1891 ElnlTischr 5651 Kalender! Freitag 2 29 Vorabend d. 'Neujahr-Festes. Samstag 3 1 1 Tag „ Sonntag 4 2 2. Montag 5 3 Hasten Gedalja. Dienstag 6 4 Mittwoch 7 5 Donnerstag 8 6 Freitag 9 7 Kundmachung, Bei dem Comite zur Heranbildung israelitischer Krankenpflegerinnen (VII. Section) des „Centralvereines jüdischer Angelegenheiten“ in Prag, sind mehrere Posten für Krankenpflegerinnen zubesetzen; Mädchen und kinderlose Krauen jüdischer Confession, welche sich diesem Berufe widmen wollen, werden hiemit aufgefordert, bei der gefertigten Sectionsleitung ihre Gesuche, belegt mit ihrem Geburts- und Wohlverhaltungs-Zeugnisse, sowie einem ärztlichen Zeugnisse über ihren Gesundheitszustand zu überreichen. Die aufgenommenen Krankenpflegerinnen werden von der Section verpflegt und erhalten überdies freie Wohnung und Kleidung und sobald sie in die praktische Ausübung ihres Berufes treten auch einen monatlichen Lohn, der nach der Dienstdauer bemessen wird. Die Instruction und die Geschäftsordnung für die Krankenpflegerinnen kann Jedermann bei der gefertigten Sectionsleitung gratis erhalten. Für das Comite zur Heranbildung Israel. Krankenpflegerinnen die Vorsitzende: Julie Leipen, Prag, Langegasse Nr. 29 nen.

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