Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 39 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 726 Oesterreichische Wochenschrift. Nr. 39 Zeit kenuzeichnete. Herr Dr. Oppenheim ist der einzige Sohn des vor Kurzem verstorbenen Dr. Joachim Oppenheim, gewesenen Rabbiners in Thorn, und ein Enkel des seinerzeit berühmten Eibenschitzer Rabbiners Beer Oppenheim. Beide, Bater und Großvater haben in hiesiger Gegend segensreich gewirkt und unzählige Schüler ausgebildet, die jetzt deni Sohne und Enkel in der freundlichsten Weise entgegenkommen und auch bei oberwähnter Antrittsrede zumeist erschienen waren. BrMapest, a n 21. September 1891. »Trauungen). Gestern vormittags fand im hiesigen israelitischen Eultustempel die Trauung des Hauptnädtischen Advokaten Tr. Simon Messinger mit Frl. Zda göwy, To hter des Grundbesitzers Bernhard Löwy, im Beisein eines Llänzenden Publikums statt, welches den Tempel bis in den letzten Winkel füllte. Die Trauung wurde unter Assistenz des neuen Oberkantors Lazarus durch den Rabbiner Dr. Samuel Kohn vollzogen. — In demselben Tempel führte auch der Oberofficial im Honvedministerimn Desiderius Nemenyi gestern Frl. Olga Go ldberger als Gattin heim. Ein distinguirres Publikum wohnte dem Trauungsakte bei. — Gestern Mittags führte im israel. Tempel Herr Moritz Reich, Secretär der Budapester Generalagentschast der „Fonciere", das Frl. Clara Spitzer, Tochter des hiesigen Hauseigenlhümers S. Spitzer, zum Traualtar Ter Ceremonie wohnte ein zahlreiches Publikum, darunter der Bcamtenkörper der genannten Versicherungs-Gesellschaft mit dem Generaldirector Schön an der Spitze bei. Budapest. (Ein ungarischer Professor in Frankreich.) Dr. I. Ko nt ist, wie wir^in dem Organe des französischen Untenichtsministers lesen, zum ordentlich.n Professor am Lyce zu Havre ernannt worden. Unser vortrefflicher Landsmann, der seine Lehrerlaufbahn in Frankreich an den Lyceen zu Aurerre und Lorient begonnen, befindet sich nun auf seiner letzten Etappe vor seiner Berufung nach der französischen Metropole. Neutra. (Der Obergespan Gevatter bei einem jüdischen Kinde). Obergespan Wilhelm v. Thuröczy stand diesem Tage Gevatter bei dem neugeborenen Kinde des hiesigen Holzhändlers Max Engel. Er dankte in einem freundlichen Schreiben für die ihm erwiesene Ehre und ließ sich bei dem rituellen Fest durch den Großoater des Kindes vertreten. Losoucz. Vorige Woche wurde die Jnflallatiou des neugewählten Rabbiners Dr. Salomon Spira vollzogen. Seiner bei dieser Gelegenheit gehaltenen Antrittsrede wohnte auch Graf Abraham Gyurki bei. Das darauf folgende Festessen gcstaltere sich zu einer Verbrüderung der hiesigen Confessionen und lieferte einen neuen Beweis für die hier herrschende Toleranz. Olmütz, Nach dein definitiven Ergebnisse ddr letzten Volkszählung befindn sich hier 1235 Personen mosaischer Confeffion — Bei der jüngst stattgefundenen Constituirung jenes Comite's welchem die Vorbereitungen betreffend die Umwandlung des Olmützer israelitischen Cultusvereines in eine Cultusgemeinde obliegen, wurde der Großindustrielle Herr Eduard Hamburger zum Obmann gewählt. Breslau. Zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde an Stelle des sel. Dr. Joel ist Rabbiner Dr. G u t t m a n n aus Hildesheim einstimmig gewählt worden. München, 19. September. Es wird Sie freuen, zu erfahren, daß zum ersten Mal vor dem Kaiser deutsche akrive Offiziere jüdischer Confession den Parademarsch ausgeführt haben — bei den bayerischen Manövern nämlich, welche bekanntlich zur größten Zufriedenheit des obersten Kriegsherrn verliefen. Ein jüdischer Hauptmann, der seine Kompagnie dem Kaiser vorführt, wie es diesmals im 12. Infanterie-Regiment der Fall war — ist das nicht ein Schauspiel, zu dem man Herrn Stöcker hätte eigens einlade» sollen? Paris. Der durch die Entzifferung der Keilinschriften in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannte Professor Oppert wurde vor einiger Zeit zum Präsidenten der Akademie der Wissenschaften ernannt. Als er hierauf den üblichen Besuch bei dem Minister abstattete, begrüßte ihn der Letztere mit den Worten: „Herr Professor, Sie sind doch gewiß getauft?" Darauf erwiederte Oppert: „Ich bin nicht nur nicht getauft, sondern ich hänge mit aller Liebe und Treue, deren meine Seele fähig ist, an der Religion meiner Bäter." Der Minister bemerkte hieraus, daß er seine Gesinnung hochachte und daß es ihn innig freue, wenn die Männer der Wissenschaften zugleich „Männer" seien. Amsterdam. In den letzten Tagen wurden zwei jüdische Professoren zu Universitätsrectorcn bestellt. Es sind dies Professor Dr. B. I. Stokvis an der Universität zu Amsterdam und Professor Dr. B. Simons an der Universität Groningen. London. Mr. Alfred L. Cohen, welcher anläßlich de*' Jnstallirlmg des neuen Oberrabbiners Dr. Hermann Adler ein' Subscription unter dessen Freunden und Verehrern veranstaltete um für denselben in Form einer Ehrengabe die Kosten der Einrichtung des Amtssitzes in Finsburg Square zu bestreiten hat dieser Tage das Ergebniß der Subscription in Form eines Checks über 2545 L. St. 16 sh. 10 d. (circa 30.000 fl. ö. W.,) dem Oberrabbiner überschickt. Der Check lag in einer reich verzierten Silbercassette und wurde mit einem für Dr. Adleräußerst schmeichelhaften Begleitschreiben an denselben übermittelt. Gothenburg. Durch die Munificenz zweier Bürger dieser Stadt, der Herren Lundgrcn und Magnus wurde ein Fond zur Errichtung einer freien Universität in Gothenburg gebildet. Im Jahre 1878 subscribirten die Genannten den Betrag von 600.000 Kronen behufs Gründung einer Hochschule; im Jahre 1885 vermehrte ein wohlhabender Bauer diese Summe um eine halbe Million, und als im November 1887 die Subscription die Summe von 1,750.000 Kronen erreicht hatte, beschloß der Stadtrath eine Universität zu errichten an welche nunmehr eine große Zahl gelehrter Professoren aus Upsala und Lund berufen wurde. Ein Staatsbeittag wurde für diese Universität nicht geleistet. St, Petersburg. Aus St. Petersburg ist jüngst ein jüdischer Buchhalter ausgewiesen worden, der die Schlacht bei Plewna als Soldat mitgekämpft und das Ehrenzeichen erhalten hatte. Vor seiner Ausweisung mußte er einen Revers auf Ehrenwort unterschreiben, daß er im Falle eines Krieges sich wieder zur Armee stellen werde. Unglaublich, aber durchaus wahr! Rumänien. Auf der Rückkehr vom Dorfe Berleschti nach Peatra wurde ein Jude namens Maier Nachmans Bers auf offener Landstraße ermordet, ein trauriger Fall, der um so bemerkenswerther erscheint, als der Verbrecher ein großer Gutsbesitzer namens Jon Ungureanu ist, der schon öfters Bürgermeister im Dorfe war. -— In einer andern Stadt Rumäniens, in Hangu, weigerte sich der jüdische Kaufmann Israel Kramer, dem Steuereineh er Frumuschanu ein Geschenk von einigen Pfund Zucker und Kaffee zu machen. Dieser rächte sich, indem er den Kaufmann mit Hilfe von drei Polizeimännein überfiel. Daran nicht genug, drohte er Kramer veranlassen zu wollen, daß dieser vom Platze vertrieben werde. Coustautiuopel, Der Sultan hat Fräulein Hirsch Tochter des Gesandten der Vereinigten Staaten am türkischen