Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 39 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3020847-3020887--00749-3024754- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 39 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Seite 735 scheu Werke gehört in die Culturgeschichte und in'ö Raritätencabinet, nicht in das Magazin der klassischen Dichtung unseres Volkes." Diese Kritik , ist jedenfalls nicht in Friedrichsruh entstanden und die „Hamburger Nachrichten" haben jedenfalls vergessen, daß ihr Protector ein großer Verehrer Heines ist. Aber als Symptom, wohin diese thörichte Herabsetzung unserer besten und freiesten Geister führt, die das Ausland verehrt, während unsere Teutonen sie mit Steinen werfen, verdient dieser Satz jedenfalls beachtet und niedriger gehängt zu werden Brünn. Am 24. September fand auf dem Brunner israelitischen Friedhose das Begräbniß eines Mannes in aller Stille statt, der zahlreichen Briinneru und namentlich dem Theaterpublikum noch in gutem Gedächtnisse lein dürfte. Der dramatische Lehrer Maximilian Streben (recte Scutetzky) ist am 22. d. im 51. Lebensjahre in einer Privatanstalt nächst Wien gestorben und hier bestattet worden. Geboren am 12. Juni 1841 zu Hodonin in Mähren, trat er 1868 zum erstenmale im Brünn er Stadttheater auf. Ju Wien wurde inan auf ihn aufmerksam, als er in einer Stildentcnvorstellung itii Stadttheater in Wien als „Franz Moor"' mitwirkte. Er war daurals unter allen Darstellern der einzige Schauspieler von Prosession. Sein schauspielerisches Wesen erinnerte in merkwürdiger Weise an sein Vorbild Lewinsky, schloß man die Augen, so glaubte man damals, das Vorbild selber zu hören. Vor etwa fünfzehn Jahr.n zog er sich von der schauspielerischen Thätigkeit zurück und wurde als Lehrer an das Wiener Eonservatorium berufen. Seit 1881 führte er die Direction des fürstlich Sulkowsti'schen Theaters in der MatzleinSdorferstraße in Wien, welches er als Uebungsbühne für seine Schüler benützte. In früheren Jahren trat Streben in Wien und in anderen Städten als Recitator auf und verblüffte seine Zuhörer vornehmlich durch sein phänomenales Gedächtniß. Er recitirte ganze Dramen, sowie große epische Gedichte aus dem Gedächtniß und niemals widerfuhr es ihm, daß sein Erinnerungsvermögen versagt hätte. Vor Kurzem von einer Geistesstörung befallen, fand er nun plötzlich den Tod. Sonderlich hold ist ihm der Erfolg nie gewesen. Sein Pseudonym war bezeichnend für seine Laufbahn: er kam über das „Streben" nicht hinaus. Eine Witwe und zwei Kinder betrauern den Dahingegangenen. Troppan. Man schreibt uns: In das Eapitel antisemitische Rohheit und Sittenvenvilderung, welche in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" an leitender Stelle so wuchtig und treffend gegeißelt worden, gehört auch nachstehender Vorfall. In geschäftlichen Angelegenheiten befand sich ein Wiener vorige Woche in Troppau, wo die Ergreifung der beiden Mörder des Cantineurs Isidor Oppenheim das Stadtgespräch bildete. Auch in G.'s Gasthaus in der Eentralbahnstraße sprach man davon und da äußerte sich ein Herr mehreren ausgesprochenen Meinungen gegenüber, wonach an den ruchlosen Mördern unbedingt die Todesstrafe vollzogen werden müsse, wörtlich folgendermaßen: „Ich würde für Milderungsumstände plaidiren, Sie wissen schon warum!" Darob peinliches Schrveigen in der Tafelrunde. Dieser seines Genossen Vergani würdige Herr plaidirte natürlich für mildernde Umstände, weil der ermordete Oppenheim Jude war. Wahrlich diese Antisemiten, welche sich an die Seite von Raubmördern stellen, sind eine herzliche Sippe! Linz. Der Kaiser hat den Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Linz-Urfahr, Moriz F r i e d m a n n, zmn Mitgliede des Landesschulrath?s für Oberösterreich für die nächste dreijährige Functionsperiode ernannt. Battelau. Zu den alten Gemeinden Mährens gehört unsere im äußersten Weüen dieses Kronlandes, im Jglaurr Kreise gelegene Gemeinde. Am 17. d. M. fand in unserem Gotteshause eine sehr erhebende Trauerfeier für den k. k. Kämmerer Carl Grasen von Bla n ken'stein, unseren langjährigen — durch mehr als 30 Jahre — Bärgenneister statt, der im 77. Lebensjahre am 11. September in Döbling verschied und in Battelau bestattet wurde.^ Gras Blankenstein, ein biederer, charaktervoller Mann, war ungemein beliebt und geschätzt und zeigte sich den israelitischen Mitbürgern gegenüber sehr freundlich und entgegenkommend, cs herrschte bei uns durch sein Beispiel stets das allerbeste Einvernehmen Zwischen der jüdischen und christlichen Drtsbevötkernng. Sr. Ehrwürden Herr Nabbiner M. L. Stern ans Driesch, hie t die Trauerrede in der entspechend dekorirten Synagoge und wohnten außer der gräflichen Familie, der politische Gemeindevorstand und die gesammte isr. Einwohnerschaft der Trauerieier foc\ Der verstorbene Gras nannte vor einigen Jahren in einer von ihm selbst in unserem Tempel^gehaltenen Ansprache die isr. Gemeindemitglieder seine „lieben und guten Freunde" und diese gaben ihrer Iraner dnrch'die besonders erhebenden Worte des in unserer ganzen Gegend hochgeachteten und sehr beliebten Kanzelredners beredten Ausdruck. Herr Kantor S. Lew in trug durch seinen erheNnden kunstvollen Gesang, im Chore von den Gemeindemitgliedern begleitet auch wesentlich zum Gelingen dieser Trauer frier bei, die als der schönste Fmmortellenkranz bezeichnet werden darf, die den zu früh dahingeschiedenen wahren Cavalier und Menschenfreund zieren konnte. Besondere Anerkennung bringen wir auch unseremßverdiens> vollen Gemeindevorsteher Herrn Leopold Mautner entgegen der sich ein be sonderes Verdienst um würdevolle Trauerkundgebung erwarb. * — * Prag. Der langjährige Secretär des Deutschen Landestheaters und des Directors Angelo Neumann in Prag, Herr Carl Rosenheim, ist von der Königin-Regentin in Spanien mit dem Ritterkreuz des Ordens Karl III. ausgezeichnet worden. Herr Rosenheim weilte im Vorjahre in Madrid, erwarb sich daselbst bedeutende Verdienste um die N eu mann'sche Waznertournee und lernte dortselbst auch den Componisten Thomas Breton kennen, dessen Oper, „Die Liebenden von Tcrnel" hier mit so colossalem Erfolge in Scene ging. Prag. Russisch-jüdische Arbeiter. In der P rager Ausstellung, Abtheilung für Erdwachs, Naphta und verwandte Materialien, sah ich, so erzählt Porzo im „Pester Lloyd", mit Betroffenheit eine Photographie. Sic stellt russisch - jüdische Arbeiter vor. So schmierig, wie sie aus den in die Erde gegrabenen Schachten Petroleum schöpften, hatten sie sich vor die Lichtbildmaschine gesetzt. Stämmige Männer stimmt und sonders, Typen der Kraft. Bisher arbeiteten sie in Bastysbay. Seither messen sie die lange russische Landstraße, ansgeplündert, herabgekommen, mit ihren greisen Eltern, weinenden Weibern und hungernden Kindern. Bis die Hand Mosis fl. sich ihnen entgegengestreckt, geht wohl die Hälfte zu Grund. Mißlitz. Am 1. September hielt Herr Rabbiner Dr. Berthold Oppenheim hier seinen Einzug und wurde von dem Gesammtvorstande, den Präsidentinnen des Frauenvereines und vielen Honoratioren der Gemeinde empfangen und in seine Amtswohnung geleitet. Am darauffolgenden Sabbathe hielt er unter allgemeinem Beifalle feine Antritts rede, in welcher er mit oratorischer Meisterschaft den Wirkungskreis eines jüdischen Seelsorgers in gegenwärtiger