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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-02 · 39 (2.10.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
39 (2.10.1891)
Date
1891-10-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 724 Nr. 39 Oesterrrichisrhe Wochenschrift. hinsichtlich der Verfolgung der Juden in Abrede stellen und uns dadurch in die Lrge versetzen würden, mit unserem Urtheil zum Mindesten ein wenig zurückznhalten. Kein solcher Widerspruch ist jedoch bis jetzt erschienen und ich fürchte, wir müssen es als Thatsache annehmen, daß eines der größten Kaiserreiche der Welt, welches sich nicht allein christlich, sondern nachdrücklich . orthodox" nennt, gegen die jüdische Bevölkerung in einem Geiste handelt, welcher der dunkelsten Epochen der dunkelsten Jahrhunderte würdig ist. Ich kenne kein anderes Hilfsmittel, als die öffentliche Meintmg der christlichen Welt. Schli ße sich Niemand davon aus, „Schande!" über solches Verhalten auszurufen. Es ist einfach barbarisch. Argyll. Wien, am 27. September wurden in Wien folgende Paare getraut: Im Tempel der inneren Stadt: Herr Norbert Khuner mit Frl. Helene Goldschmid; Herr Tiegsried Beer mit Frl. (v.fa («rofc; •£frr -fopolb Robicsek mit Frl. (sii|e Rosenthal; Herr Cmaiiiiel 'Winkler mit Frl. Irene Weishut; Herr Ludwig Khuner mit Frl. Sofie Fischer. Im Tempel der Leopoldyadt: Herr Marmilian Weiner mit Frl. Bertha Grünwald; Herr Isat Wolf Keller mit Fr!. Kornelia Wolf. In Perchtoldsdorf: Herr Moritz Müller mit Frl. Bertha Weiß. Berzeichniß der Verstorbenen vom 13. bis 18. September. Braun Leopold, Kaufmann 80 I.; Blum Elsa, Age»teilst. 8 I.; Baumgartner'Franziska, Arzteirswitwe 80 I.; Graf Leopold, Privat. 70 I.; Goldsarb Adolf, Schuhmacherss. 6 I.; Glaser Iosefine 4 M.; Hillel Josef Privatier, 48 I.; Hornstein Ascher Privatier, 60 I.; Höing Siegfried Comptoirist. 17 I.; Halitzka Iosefine, gcb. Funk. Branntweinbrennerswinve 80'/r I-: Knorosovsky Salomou, Kaufmann 57 I.; Kallmanil Helene, geb. Groß 61 I.; Klein Adolf, Privatier 42 I.; König Wilhelm, Branntweinverschleißerss, 2. I.; Lampe! Ludwig, Fleischhauermeister 36 I.; Leichtmann Fintschel, Restaurateur 54 I.; Rainer L., Futterhaudler 49 I.; Rose Stella, Fabrikantenst. 21/i I.: Selber Tavid, Privatier 84 I.; Schlesinger Ludwig, Priratbeamtcr 49 I.': Schenk^Friedrich, Privatier 65 I.; Schalhof Elisabeth, geb. Steiner 84 I.; Weiß Samuel Privatier 76 I.; Welt Isidor Meyer, Schuhwarenh.indlcr 39 I.; Wilden Tyla, geb. Miigro 55 I.; Winker Amalie, geb. Pollai 39 I. Wien. Am letzten Sabbath hat Prediger Dr. Jellenek dem verewigten'Professor Dr. H. Graetz vor einem überaus zahlreichen Publikum e'nen ehrenden Nachruf gcividmeI Wie«. (Zur B erichti gung der Firm a I. C K link o sch.) Gestern erschien ein Herr Ludwig S trau chbaum, II., Rucppgasse 17, der ehemals in deul Bureallx der israel. Allianz thätig war, in unserer Nedaction und erklärte gegenüber dem Dementi der Firma Klinkosch in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift", daß sein Neste Ignaz L i e b g o l d, wohnhaft in Ottakring, Ottakringer Hariptstraße in Folge eines Inserates der Firma K l i n k o s ch , daß sie Arbeiter braucht, im Bureau derselben erschien mtb um Arbeit gebeten hat. Darauf wurde er zunächst gefragt: „Sind Sie ein Jude?" Als er dies bejahte, erhielt er zilr Antwort. „Juden können wir nicht brauchen." Wie«. (Auszeichnung.) Herr Josef Steiner, Eonditor, 2. Bezirk, Stefaniehof, wurde von der europäischen wistenschaftlichen Gesellschaft in Brüssel mit der goldenen Medaille erster Elaste nebst Gesellschaftorden für seine außerordentlich heilwirkenden Pcktoralbonbons gegen Husten und Heiserkeit ausgezeichnet. Wie«. Aus Brüssel melden Drahtnachrichten den Selbstmord des Generals Boulanger. General Boulanger zahlte auch zu den Lieblingshelden des internationalen Antisemitismus und Herr Bergani hat seinerzeit für ihn in die große Reclamctrommel geschlagen. Wien. (Tempeleinweihung in Mariahilf.) In feierlicher und weihevoller Weise wurde Sonntag Nachmittags in Mariahilf ein neues Bethaus eröffnet. Dasselbe wurde in dem Hause des Fabrikanten Marte in der Stumpergasse 42 inftallirt. Der große, geräumige Saal, an dessen Stirnseite das Allerheiligste angebracht ist, präsentirt sich äußerst geschmack- und stylvoll und ist die Ausstattung eine durchaus würdige. Eine weite, im Halbstocke angebrachte Galerie ist den Frauen resero.rt. Im Ganzen faßt der Tempel, durch dessen Errichtung einem Bedürfnisse des volkreichen Bezirkes entsprochen wurde, 280 Sitze. Beleuchtet wird der Tempel, der durch ein Glasdach gedeckt ist, durch eine große Zahl von elektrischen Glühlichtern. Es dürfte dies wohl das erste Gotteshaus in Wien sein, das mit elektrischem Lichte versehen ist. Durch vorzügliche Ventilationsapparate wird ein reger Luftwechsel veranlaßt, so daß selbst bei einem starken Besuche die Temperatur normal bleibt. Der feierlichen Eröffnung des Tempels, wohnten zahlreiche Glaubensgenossen bei. Der Vorstand der Eultusgcmeinde war durch sein Mitglied Architect Max Fleischer vertreten, Herr Rabbiner Dr. Löwy, die meisten Bethausvereine der Residenz hatten Delrgirte entsendet und auch zahlreiche hervorragende Fabrikanten und Industrielle des Bezirkes, darunter die Herren Leopold Löwbeer, Hermann und Franz G e w i t s ch, Sam. Adler, Fabrikant W a r s ch a u e r, der Hausbesitzer Marle, ferner der Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Alfred Sk rein re. re. hatten sich eingefundeu. Nach der Uebertragung der Thora aus dem alten Bethhause wurde die Feier mit der Absingung des Psalmes 24 eröffnet, wobei sich Herr Eantor Schreiber als tüchtig g'schütter Tempelsänger mit hübscher, sympathischer Stimme erwies. Dem Anzünden des ewigen Lichtes folgte eine Ansprache Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners von Sechshaus Dr. Schmiedl. Die zündenden Worte klangen in einem Srgensspruche für den allgeliebten Kaiser aus und machten sichtlich eine tiefe Wirkung auf die Versammlung. Hierauf wurde Mincha gebetet und der Psalm 30 abgesungen. Die vom Herrn Dr. Jacob Weiß gehaltene an patriotischen Momenten reiche Festrede legte die Bedeutung der Feier klar und gedachte ehrend jener Männer, durch deren eifrige Thätigkeit das Zustandekommen des Gotteshauses ermöglicht wurde. Es sind dies die Mitglieder des rührigen Bet Hausvereines des VI. Bezirkes mit den Herren Leopold Löwbeer, Hermann und Sigmund Gewitsch und Samuel Adler an der Spitze, Männer also, welche sich schon wiederholt um ihre jüdischen Mitbürger verdienstlich gemacht haben. Nicht unerwähnt darf bleiben das opferwillige Entgegenkommen des Hausbesitzers Marte, sowie die emsige Thätigkeit, welche dessen Gattin, Frau Carola Marle, eine durch ihren Kunst- und Wohlthätigkeitssinn hervorragende Dame, deren Initiative das neue Gotteshaus eigentlich seine Entstehung verdankt, entwickelt hat. Wien. Die „Hamburger Nachrichten" leisten sich in einer Besprechung der englischen Heine-Ausgabe von Ch. G. Leland den folgenden Satz: „Ob es im Uebrigen gerathen ist, heute noch eine Uebersetzung der sämmtlichen Werke Heine's zu veranstalten, ist eine wohl aufzuwelsende Frage. Es befindet sich darunter außer dem „Buch der Lieder" und einigen epischsatirischen Sachen, doch gar zu Vieles, das nur einen vorübergehenden , wenn auch zur Zeit des Erscheinens noch so hochgepriesenen Werth hat. Der größte Th eil der Hein esi

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