Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 39 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Orstrrrrichischr Wochenschrift. Seite 723 Nr 39 welcher zum Commandatore des St. Mauritius- und Lazarusordeus ernannt wurde, ferner die Professoren Alessandro D'Ancona und Elia Lattes, welche zu Officieren, und oie Grafen Isaac de Camondo und Moise de Camondo in Paris und Sgr- Giacomo Arbib, Departementsches im Kriegsministerium, welche zu Rittern desselben Ordens ernannt wurden. Der Orden der Krone Italiens wurde verliehen dein Sgr. Salomon Allatini, Präsidenten des italienischen Unterstützungsvereines in Marseilles, welcher Commandatore wurde, ferner dem Sgr. Jacob de Bcnedetti, Departementschef im Ministerium für öffentliche Arbeiten den Professoren Camillo Montalcini, Secretär des Abgeordnetenhauses, Salvator Pinchcrle, Albert des Vecchio und dein Baron Dr. Castelnuovo als Rittern dieses Ordens. Paris. (Hundertster Jahrestag der Judenemanzipation in Frankreich.) Sonntag den 27. September war der hundertste Jahrestag der Judenemanzipatioii in- Frankreich. Au diesem Anlässe schrieben die Akademiker Barth St. Hilaire, Jules Simon und Me zier es an eine dortige Zeitung Folgendes: „Die Emanzipation der Juden im Jahre 1791 ist eine der ehrenvollsten und klügsten Akte der Constituante von 1789. Die Reparation war verspätet, aber vollständig. Man kann sie mit dem Geist der Toleranz in Zusammenhang bringen, welchen Voltaire verbreitete, ohne daß er selbst sehr tolerant gewesen wäre k. Bart h elem y St. Hilaire (ehemaliger Minister des Aeußern). Was die Constituante am 27. September 1791 that, ist weniger die Emanzipation einer Classe von Bürgern als eine Proclamirung, eine neue Bethätigung des Prinz'ps der Gewissensfreiheit. Wir Katholiken schulden diesem großen Akte dieselbe Dankbarkeit wie die Juden, weil er den Juden die Eigenschaft der Verfolgten und uns die viel abscheulichere Rolle des Verfolgers benimmt. Die antisemitischen Verbindungen schaden vor Allem den Christen, weil sie dieselben entehren und sie schaden den Philosophen, weil dargcthan ist, wie wenig Einfluß diese haben. Ich erröthc, sehe ich sie in einem Lande um sich greisen, das einerseits St. Vincent de Paul gebar und anderseits die Enyclopädie veröffentlichte. Jules Simon. . . . Mirabeau, dieser große und generöse Geist, beantragte die Juden-Emanzipation . . . Nichts ehrt sein Andenken so sehr, als dieser Antrag . . . Frankreich hat oft die Freiheit verloren, wir haben nicht immer die Brüderlichkeit geübt; aber kerne Regierung wagte und wird es wagen, die Gleichheit anzutasten. Mezieres. Das „Journal des Debats", eines, der ältesten politischen Blätter Frankreichs: „Frankreich war das erste raub in Europa, weiches vie Ghre hatte, diesen Act der Gerechtigkeit zu erfüllen und für alte Kinder der französischen Familie die Gewissensfreiheit zu proclamiren. Seitdem haben auch andere Nationen den liberalen Weg betreten, aber man kann sagen, das Decret vom 27. September 1789 war vas Signal zur Befreiung der jüdischen Race. Wir tonnen uns auch das Zeugniß geben, daß die Juden in Frankreich die vollständigste Sicherheit und eine absolute Gleichstellung gesunden haben. Ihrerseits haben die Juden die Hofs, nungen gerechtfertigt, welche die große Assembler in ihrer Generosität aus sie gesetzt. Behandelt wie die anderen Franzosen und die gleichen Rechte genießend, haben sie sich keiner Pflicht entzogen, die ihnen diese Eigenschaft auferlegr und sie haben ihre Thätigkeit, ihre Intelligenz und ihre Vaterlandsliebe 0em Lande gewidmet." Paris. Das Centralconsistorinm erhielt von dem Kriegsminister Abschrift der Ordre, welches der Kriegsminister und Ministerpräsident an die Generalcommando's und an die Gouverneure von Paris und Lyon in Betreff der jüdischen Herbstseiertage gerichtet hat: „Mein lieber General! Sie Herbstfeierrage des jüdischen Kultus fallen in diesem Jahre I. vom 2. Oc ober früh bis 5. October früh. 2. vom 11. Sctober, früh bis 13. Sctober früh — Ich ersuche Sie bei dieser Gelegenheit auf die Ausführung der Vorschriften meines Rundschreibens vom 10. December 1888 über den Urlaub bei gesetzlichen Feiertagen Bedacht zu nehmen. 15. de Frey einet." — Dank der Anregung des Oberrabbiners Zadoc Kahn ist die Anwendung der portugiesischen Aussprache, die nirgends in den hiesigen Gotteshäusern angcwendet wurde, in der rue de la Victoire abgeschafft worden. Gelegentlich der Ernennung Dreysuß zum Oberrabbiner von Paris zählen die „Archivedie Vorgänger im Amte aus: Michel Seligmann 1809—R82R Ennery Marchand 1830—1846, Isidore Lazare 1847—1866, Kohn Zadoc 18148—1889. Mit Ausnahme Seligmanns sind sämmkliche zu Oberrabbincrn von Frankreich vorgerückt. Ausgenommen Ennery, der Lothringer war, waren sämmtliche Oberrabbiner, einschließlich Dreysuß, Elsäßer. — Herr Joses Reinach. der bekannte Politiker und Herausgeber der „Republique Francaise' ist Jägerosffcier in der Tercitorial'Axmee und dem Stab des Generals Marquis de Gallisel, welcher ein Armeecorps bei den Herbstmanövern commandirt, attachirt. London, 10. September. Ein sehr trauriges Stimmungs bild, das aber in seinen Hauptzügen die Situation nur allzutreffend lviederspiegett, entrollt in seinec letzten stummer das angesehendste hiesige jüdische Blatt, der „Jewisli World“. Es schreibt: Die Aussichten der russischen Juden werd.n von Tag zu Tag düsterer und trüber. Während einerseits die Verfolgung in Rußland nichl nachläßt, schwindet anderse ts die Hoffnung allmälig dahin, ihnen durch die Auswanderung nach fremden Landein helfen;u können. Die Nachrichten dieser Woche sind ganz besonders beunruhigend. Es heißt, daß die Agitation in Victoria gegen die Ansiedlung von Juden iin Wachsen begriffen sei und daß sie in der Argent nischen Republik, wo Baron Hirsch seine erste Colon ie in's Leben zu rufen gedenkt, ein Echo finöet. Zudem hat auch die Regierung der Vereinigten Staaten sich unnörhige Besorgnisse einstößen lassen, und es darf schon heule als sicher angesehen werden, daß die nach Europa zu entsendende Commission zur Untersuchung der Ursache der Auswanderung dem Zulaß der Opfer russischer Verfolgung noch weitere Schwierigkeiten in den Weg legen wird. Angesichts dieser 7Hatsachen sieht man, wie Recht jener Franzose hatte, der ausries „Die Welt ist so klein". So klein sie jedoch sein mag, so ist sie doch immerhin nicht so zahlreich bewohnt, wie die Gegner der jüdischen Einwanderung uns gern glauben machen möchten. Man hat berechnet, daß die Bevölkerung der Erde 1167,000.000 Menschen beträgt, während sie Platz für 5994,000.000 hat. Und es soll unmöglich sein 4 Millionen armen Juden eine Zuflucht zu verschaffen? — Folgenden Brief hat der Herzog von Argvll an ein Mitglied des ruffisch-jüdischen Eomite's gerichtet: 3. September 1891, Jnverary, Argyllshire. Geehrter Herr! Ich hatte mich der Hoffnung Angegeben, daß die russische» Behörden die wider sie erhobenen furchtbaren Anklagen