Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-02 · 39 (2.10.1891) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
39 (2.10.1891)
Date
1891-10-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3020847-3020887--00746-3024751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 718 Oesterreichischr Wochenschrift. Nr. 39 ist aber ihr letzter Lichtblick auf die Wirksamkeit deZ jüdischen Weibes, dann hüllt sie sich in Trauer über „die Jüdin der Gegenwart", der mit der Uebertretung der Form auch ^das religiöse Gefühl geschwunden ist, daß Hohlheit und Gedankenlosigkeit über das Heiligste Platz gegriffen hat, wo einst der Glaubensmuch gewohnt und das jüdische Weib zur Priesterin des Hauses, zur einfachen, kräftigen, strebsamen Gehilfin ihres Mannes, zu dem leuchtenden Stern an dein Himmel ihrer Kinder zu werden befähigte. Schmerzlich ruft die Verfasserin aus: „Die Geschichte des Judenthums, welche das glühende Interesse der Nichtjüdin zu erregen vermag, sollte nicht die Theilnahme der Jüdin erwecken?" Daß doch die heutigen Jüdinnen den Mahnruf dieser Stinune hören wollten! Es ist daher diesem Buche vor Allem jüdische Leserinnen zu wünschen, damit es ihnen zum Spiegel stolzer Selbsterkenntniß und zum Sporn selbstbewußter Läuterung und Veredlung werde. Antisemitische Wucherer. Das „Deutsche Voltsblatt" vom 26. September bringt nachstehende Mittheilung über das wucherische Treiben eines angeblichen Juden, welcher aber in der That ein Arier von wasserreiner Abstammung ist und obendrein ein eifriger Verehrer des Herrn Vergani, dem er nicht blos die politischen sondern auch die geschäftlichen Grundsätze abgelernt hat. Es handelt sich um die Pfandleihanstalt eines sicheren Vollblutariers und Anüsemiten Namens Engelhart, der im Vereine mit seiner Geliebten, einer von chrem Gatten getrennten Antisemitin, Namens Schirl ein „Geschäft" betreibt, welches eben nur bei Anüsemiten gebilligt werden kann. Welche Medertracht aber gehört dazu, die ausbeuterischen und wucherischen Heldenthaten der eigenen Parteigenossen den Juden zur Last zu legen? Indem wir nochmals betonen, daß der hier „Gezeichnete" nicht ein Jude, sondern ein Arier und Antisemit ist, überlassen wir dm nachstehenden Artikel des „Deutschen Volksblatt" der Bcurtheilung unserer Leser: ^Vereheliche Redaction des „Deutschen Volksblattes" aus Furcht vor der Polizei?», gleichzeitig wird aber gesagt «dort hat sich ein Neuer etablirt". obschon man dann immer wieder das alte Personal, auch fesche Damen dabei, nach und nach vorsindet — immer aber den graumelirt kurzgeschorenen Juden, den Geldgeber und Chef der Bande! Zu den Verfallsterminen wurden bisher die fälligen Scheine nur immer gegen entsprechende Baareinlage zum Umsetzen herausgeliehen, „bis er das Geschäft wieder abwickelte" — da heißt es Alles auslösen. Abgesehen der Schwierigkeit der armen Leute, sich immer beim Wechsel den Betrag zu schaffen, verlieren sie dadurch, wollen sie fällige Scheine nicht verfallen lassen, natürlich auch an Zinsen, da man ja rund rechnet! Der letzte Strohmann Schneider liquidirte nun vor circa zwei Monaten und verwies die „guten Leute" auf ein „gutes" Geschäft, Wildpretmarkt Nr. 11. Dort strömen natürlich alle die Armen wieder hin. Nebst einer schönen Dame aus dem Kreise der Geldjuden sitzt dort ein neuer Strohmann — diesmal auch ein Jude, das Bild eines abgelebten Geizhalses und Wucherers — übernimmt die Scheine und zahlt Tausende dafür aus (!), gibt aber, wie die armen Leute zu ihrem Entsetzen bei der letzten Licitation, d. h. vor derselben, vernommen, die fälligen Scheine nicht mehr zum Umsetzen gegen Einlage heraus, sondern fordert ganze Zahlung des Darlehens und volle Zinsen. L-o habe ich z. B. am 15. August 18 Scheine gegen 15 sl. eingelegt, am 4. September war am "Neubau Licitation, meine drei Scheine waren zu prolongiren; mußte, ich um letztere nicht verfallen zu lassen, am 3. September rasch 15 fl. und für die 17 Tage einen Monat Zinsen 75 kr. Zinsen — ausborgen, umsetzen und wieder hintragen. Der Schwindel ist um noch mehr Zinsen zu erhalten. Das wurde aber den Leuten bei Einlage nicht früher bedeutet! Jetzt nehmen sie so viele Tausend Arme, die wohl die Prolongationsgebühr — und die schon schwer — hcrbeischaffen können, den ganzen Darlehensbetrag, Zinsen und Prolongationszinsen im Amte aber nicht erschwingen können, die verlieren ihre letzten Sachen, vielleicht theure Andenken durch den neuen Kniff! Vielleicht ermahnen Sie, geehrte Redaction, in Ihrem vielverbreiteten Blatte den Waaren- und CommissionsgeschäftsInhaber und Strohmann I., Wildpretmarkt Nr. 11, sich damit zu begnügen, wie seit Jahren in gewohnter Weise den Leuten die Haut abzuziehen und zukünftig die fälligen Scheine den armen Leuten wieder gegen Einlage zur Prolortgirung zu leihen und dadurch an Tausenden Gutes zu thun. Ihr unterthänigster M. E. K. A nmer k ung der Schris tleitun g. Wir haben, um uns von der Wahrheit der Angabe zu überzetigen, uns einen Pfandschein verschafft und denselben bei de:n Juden, Wildpretmarkt Nr- 11, versetzen lassen. Wir erhielten nachstehende ungestempelte Bestätigung hierüber: Wasrerr- 1ZZ05 ü. W. fl. 3.— Lommrssunis-SrsrhLfl, Wien, 1. Wildpretmarkt 11. W i e n. Seit vielleicht schon zehn Jahren betreibt eiuJude (!!) den höchsten Wucher mit Belehnung von Pfandscheinen der verschiedenen Pfandlcihanstalten ganz öffentlich und beutet die ärmste Classe geradezu empörend aus. Ich selbst bin ein Opfer durch Jahre, habe aber so viel Tausend arme Leute nicht unglücklich machen wollen, die dort die Scheine ihrer letzten Habe versetzt haben und bisher eine Veröffentlichung oder Anzeige deshalb unterlassen. Run nimmt die Ausbeutung aber einen derartigen Grad an, daß jeder Arme, der dort hängt, ohnehin verloren ist! Ein Biedermann, wie der Jude eigentlich heißt, weiß ich nicht, da das Commissions- und Jncasso-Geschäft von Viertelzu Vierteljahr unter anderem Namen auf anderem Ort geführt wird, miethet seit Jahren — ich weiß es seit 1881 — in der Stadt eine kleine Wohnung so war's unter den Namen: Busch in der Naglcrgasse, Schirl in der Himmelpfortgasse, Schneider am Tiefen Graben rc. :c. und belehn. Pfandscheine gegen gedruckte Bestätigungen: „Darlehen über fl. . . auf . . . Stück Pfandscheine zum Verkaufe übernonnnen" und rechnet 5 kr. per fl. 1 und Monat. Nun gilt natürlich ein Tag über Verfall auch einen Monat; dies aber wäre Alles doch armen Bedrängten bei den Schandschätzungen der Pfandleihanstalten noch Hilfe, der vierteljährige schlaue Wechsel aber, denn „das alte Geschäft wird aufgelöst" — heißt es — t vielleicht Rechnung über den an Herrn Adle r gegebenen Vorschuß von Drei Gulden — Kreuzer auf nachfolgende zum commissiousweisen Verkauf übernommenen Gegenstände, Pf. 110894/12. Juli 1692. Wien, 24. September 1891. Am anderen Tage, am 25. d. M. lösten wir den Schein durch zwei Zeugen aus und mußten 15 kr. als Zinsen von 3 fl. für einen Tagzahlen. 5 kr. von 1 fl. per Monat sind 60 Percent Wucherzinsen. In dem „Bureau", eigentlich in der Wucherspelunke, waren anwesend eine Jüdin, welche die Manipulation der Scheine vorgenommen hat, weiter ein alter Jude, der die Schreibarbeit besorgt, und ein 40jähriger Jude als Chef der die Ausräubung der armen Leute überwacht. Der Alaun soll Engelhardt heißen und ist Aftermiether bei dem im Hause befindlichen Selcher. Ist die Bande bei der Polizei angemeldet?" Wir können nur hinzufügen, daß die „Bande" zu den Agitatoren der antisemitischen Sache zählt und wie der Wucherer P i ck en b a ch ein antisemitisches Reichsraths Mandat verdient. Wie viele aber solcher antisemitischer Wucherer figuriren beim „Deutschen Lügenblatt" als Juden?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.