Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 39 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 tausendjährigen Geschichte ihres Volkes ausgeprägten Zügen zu zeichnen. Am gelungensten ist diese Zeichnung in einem Buche das soeben die Presse verläßt und sich „Das jüdische Weib" betitelt?) Die Verfasserin, Na hi da Remy ist Christin, also nicht voreingenommen, aber eine Christin, die in der jüdischen L.teratur und Geschichte bewandert ist, sogar das Alte Testament im Ult >'te zu lesen versteht und begeistert für die Größe des jüdischen Volkes den Muth besitzt, die Wahrheit zu sagen, die Wahrheit gegen die Voruriheile ihrer eigenen Glaubensgenossen, und auch die Wahrheit gegen die abtrünnigen Jüdinnen und gegen diemodcrnenFortschrittlerinnen,welche die Hoheit des jüdischen Weibes verleugnen und aufgehen wollen in der Gesellschaft, schneller noch als die Männer. Die ersten vier der achtzehn Kapitel des Buches handeln von der Stellung des Weibes bei den wilden und „klassischen^ Völkern, von der christlichen Auffassung von Weib und Ehe, in» der Auffassung dieser beiden im alten Testamente und wie sie im Talmud aufgefaßt werden. Alles belegt mit reichlichen Zitaten aus griechischen und römischen Schriften, aus dei Bibel, den Kirchenvätern und dem Talmud, so daß der veistockteste Judenfeind, wenn er nicht gewaltsam die Augen vor diesen Zitaten verschließen will, gerade wie die christliche Verfasserin dieses Buches der Auffassung von Weib und Ehe, wie sie das alte Testament und der Talmud zeichnen, den Vorzug geben und anerkennen muß, daß in dem jüdischen Schriftlhume, wie sonst nirgend>, der siuliche We ll) des Weibe) und ihre hohe Mission im Gesellschaftsleben die vollste Würdigung gefunden hat. Selbstverständlich, daß sich das jüdische Weib auch aus dieser volksthümlichen und von dem Gesetze und der Lehre sanktionirten hohen Auffassung ihres Daseinsziveckes herausgebildet hat, und es ist gar kein Wunder, wenn die jüdische Geschichte so viel hervorragende Frauen aufweist. Die Be - fasserin zeichnet die Bilder der Frauen des alten Testamentes Je weniger neu diese Stoffe sind, desto mehr Kraft entwickelt sie auf die künstlerische Darstellung dieser Porträts. In dem Kapitel: Jüdische Königinnen, geht die Verfasserin in der jüdischen Geschichte weiter und bereichert ihre Galerien mit den lebensvolle» Bildern der Hasmonäerinnen und Herodianerinnen und endlich noch, wenn auch nur mit einigen Strichen, jene Königin eines jüdischen Barbarcskenstannnes, Au res Damia, mit dem ehrenden Beinamen Eahena, die lange an der afrikanischen Küste an der Spitze eines jüdischen Heeres tapfer und todesmuthig gegen feindliche Uebermacht kämpfte, und die Fellah Königin Judith, welche in Abyssinken das Judenthum zur Staatsreligion erhob und deren Dynastie bis zum Ende des zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, bis die Verfolgungen auch die Fellahs trafen, regierte. Das Kapitel, in welchem die Verfasserin das jüdische Weib im Mittelalter schildert, enthält zwar bekannte Thatsachen, aber sie, die Christin, hat nicht Ausdrücke der Bewunderung genug für den Heldenmuts) der jüdischen Frauen im Martyrium, die ihre Männer baten, sie zu tobten, oder mit Steinen beschwert sich in die Flüsse stürzten, um der Schändung zu entgehen, oder, w nu man ihnen von frommer Seile die Wahl anheimstellte zwischen Tod und Taufe, sich mit ihren Kindern *) Das jüdische Weib von Nahida Remy. Mit einer Vorrede von Prof. Dr. M. Lazarus. Leipzig, Verlag von G. Laudion, 1892. Seite 717 unter dem Rufe: „Gott Israels ist einzig!" in die Flammen stürzten. So zahllos aber die Gestalten jüdischer Märtyrerinnen sind, so ungeinein gering ist, die Anzahl jüdischer Favoritinnen, daß nur sagenhaft der Name der Esterka, der Geliebten des edlen Polenkönigs KasimirdesGroßen auftauchte. Wohl aber gab es auch Frauen, welche durch Klugheit und Eue gie ihrem Hause Ehre und ihrem Volke Voi'theile errangen. Das achte Kapitel des Buches zählt deren mehrere ans, so Donna G ra z ia N a s i und ihre Tochter Donna R e yn a N asi, Herzogin von Naros, die beiden Gattinnen Mohameds: Zaynab und Casya, Donna Bienvenida Abravanela, Freundin der Gemahlin E o s in o s von Medici, Ch aw ah und E st h e r Fischet, Gesellschafterinnen der Prinzessin Bona Sforza von Mailand, Ester C Hiera, die unter den Sultanen Mur ad III. und Mohamed IV. großen Einfluß bei der Pforte besaßen und Esperanza Malchi, die zur selben Zeit Verwalterin der Sultanin Mutter war und Andere mehrere. Ein Capitel bespricht die praktische Kulturarbeit der jüdischen Frauen im Mittelalter, von denen viele Buchdruckerinnen und Aerzllnncn waren, wie fast alle jüdischen Frauen bi) herab auf unsere Mütter sich an dem Erwerb für die Familie betheilig! haben. Zahlreich waren die jüdischen Dichterinnen und die Verfasserin widme, der berühmtesten unter ihnen S ar a E o v i a S u l l a m, ein ganzes Kapitel. In einem Capitel mit der Ueberschrift: die hebräische Sprache, beklagt sie, die Christin, daß die Töchter des Volke) Israel, das unter den Dichtern und Denkern der Welt die cinzigaul.ren und erhabenen Profeten hervorgebracht hat, die Sprache, welche diese Profeten al> heiliges Erbe hinterlaffen haben, nicht mehr hegen und pflegen. Aber ztlin Tröste zählt sie noch einige glühende Verehrerinnen der heiligen Sprache ans, unter Anderem keine geringeren, als Frauen aus dem Hanse Rothschild Und wie ein Proset des alten Testamentes trauert sie, die Christin, in dem Eapitel „die Abtrünnigen" über den Au tritt so vieler hochgestellter jüdischer Frauen ans dem Judenthum in der Mendelssohn'fcheu Epoche, besonders der eigenen Töchter des Philosophen, sowie der Rahel Lewi" und der Henriette Herz. „Was Hütten diese Frauen für einen unermeßlichen Einfluß haben können zu Gunsten reli giöser Toleranz und zur Bekämpfung mittelalterlicher Vorurtheile gegen die Genossen ihres väterlichen Glaubens?" Im Gegensätze zu diesem führt die Verfasserin als schönes Beispiel der Anhänglichkeit an dem Judenthume trotz ihrer hohen Stellungen in der Gesellschaft, die Töchter des Bankiers Daniel Jtzig vor, unter denen Fan ui Arnstein besonders hervorragte. Mit Bewunderung steht die Verfasserin noch vor der Erscheinung, tvie der von allen Künsten ausgeschlossene jüdische Geist, der anderthalb Jahrtausend hindurch in der Zwangsjacke versolgungssüchtiger Tyrannei geschmachtet hatte, — die er kaum seiner Fesseln entledigt, Talente und Fähigkeiten zeitigte, als hätte er diese anderthalbtausend Jahre hindurch Alles gethan, zur Hebung dieser Talente — statt sie völlig verkümmern lassen zu müssen. Auf allen Gebieten traten auch die Namen jüdischer Künstlerinnen auf. Die Zahl derselben ist unendlich. Ebenso merkwürdig ist das Talent jüdischer Frauen für die Schriststellerei und nachdem die Verfasserinnen eine lange Reihe jüdischer Schriftstellerinnen aufzählt, beklagt sie nur die wenigsten nennen zu können, weil die meisten nicht im jüdischen Geiste schreiben. Die „Jüdinnen als Wohlthäterinnen" Oesterreirhifrtzr Wochenschrift.