Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 39 (2.10.1891)
- Date
- 1891-10-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 716 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 39 der Vorgesetzten, vom Gefreite« angefangen, viele Chicanen zu erdulden, welche bereits zu tragischen Conflicten führten. Gelegentlich der Budget-Debatten im vorigen Jahre, fragte Delegirter Wahr mann ob die Gründe des außerordentlichen Anwachsens der Zahl der Selbstmorde in der Armee nicht aufgchellt werden können, und ob unter den Gründen nicht auch den Geist der Armee berührende Momente, namentlich religiöse und sociale Reibungen dabei eine Rolle spielen? Se. Excellenz der Herr Kriegs-Minister beantwortete diese Interpellation dahin, daß der Selbstmordfall den Gegenstand einer eingehenden detaillirten Untersuchung bilde. Der größere Theil der Selbstmorde könne auf Abneigung gegen den Dienst, auf Krankheit, auf die Furcht vor Strafe zurückgeführt werden. Sekaturen kommen selten vor, und wo dieselben nach gewiesen werden, werden sie strenge bestraft und immer der Betreffende einer gerichtlichen Untersuchung unterzogen, mag er nun in einem niedrigen oder höheren Range stehen. Die diesbezüglichen Anordnungen der obersten Heeresleilung sind gewiß die löblichsten. — Wie aber diese Untersuchungen im Allgemeinen, uud insbesondere wo essichblosum einen Juden handelt, durchgesührt werden — das ist eine andere Sache.- Hat doch erst kürzlich der k. u. k. Rittmeister Baron von W. im öffentüchen Locale des Herrn Kwiatkowski in Stanislau die Behauptung aufgestellt: Was ein Jud, ist ein Mistvieh und was ein Pole, ist ein Schwein. — (KÜRJER STANISLAWOWSKI vom 27. September 1891) ohne von den zahlreich anwesenden Gästen (darunter einige Stabsofficiere) zur Verantwortung gezogen, oder mindestens zurecht gewiesen zu werden Ein anderer Cavallerieofficier apostrophirte unter „Fuchteln" mit der Reitgerte die Zuschauer beim „Armee - Steeple - chase" in Stanislau mit den Worten: „Jeder Jud, der mir auf 5 Schritte nahe kommt, wird durchgepeitscht" und ließ auch den Worten die That ungestraft folgen. Wer würde es noch bestretten wollen, daß jüdische Soldaten, die unter Officieren solcher Gesinnung dienen müssen, mögen diese vielleicht gering an Zahl sein, nicht auf Rosen gebettet find? Ware es nicht angezeigt, daß die oberste Heeresleitung schon jetzt beim Beginne der Abrichtung, der für den Recruten bittersten Periode des Präsenzdienftes, die strengsten Maßregeln ergreife, um Selbstmorde in der Armee hintanzuhalten, bevor der ominöse Ruf aus den Reihen unserer tapferen und glorreichen Armee ertönt: „Zu spät.'" vuiuedalsLi. Das jüdische Weib. Gezeichnet und beurtheilt von einer Christin. Der Judenhaß war fünfzehnhundert Jahre erfinderisch im Erdichten von Lügen über das Judenthum; allein das jüdische Familienleben stand so heilig und rein vor Aller Augen da, daß selbst der glimmendste Haß es nicht wagen durfte, eine Lüge darüber auszuhecken, daher er aus der Roth eine Tugend machte und mtt in das Lob des jüdischen Familienlebens, welches auch von den Feinden Israels als mustergilüg dargestellt wurde, einstimmte. Sie vermochten jedoch nicht, es über sich zu bringen, die Repräsentantin dieses musterhaften Familienlebens, das jüdische Weib, zu preisen. Ja, für die Schönheit der Jüdinnen hatten sie Augen, Dichter besangen sie, und selbst frommen Männern, wenn sie sich um Jüdinnen kümmerten, war dabei weniger um deren Seelenheil als um deren körperliche Reize zu thun. Allein das jüdische Weib will nicht um des ewig-weiblichen willen gelobt, sondern wegen ihres sittlichen Werthes gewürdigt sein. Doch der sittliche Werth eines Weibes! wie hätte man den bei den Jüdinnen anerkennen sollen, wenn er überhaupt nicht anerkannt wurde. Von den alten Völkern weiß man, daß sie das Weib als Sache, bestenfalls als Sklavin betrachteten und nichts mehr von ihm forderten als Willfährigkeit aus Furcht und Gehorsam. Selbst die Griechen und Römer waren hierin nicht viel besser. Verständniß für Sinnenreiz ist All.s, was sich in den süßen Versen eines Anakreon oder Ovid zum Preise der Frauen ausspricht. Der Hetäre huldigt man, das Weib das Eheweib, war verachtet, wie bei den Wilden. Das Christenthum, heißt es, hat das Weib befreit, die Ehe veredelt u. s. w. Die Liberalität gegen die in flagranti ertappte Ehebrecherin, daß „auf sie kein Stein zu werfen sei", zeigt aber doch Geringschätzung des weiblichen Geschlechtes, das gleichsain wegen seiner Schwäche für alle seine Sünden zu entschuldigen sei. Und das Cölibat wird offen gegen die Ehe bevorzugt, die von den Aposteln nur als nothwendiges Nebel zugelassen wurde. Der h. Paulus geht in dieser Anschauung am weitesten und die Kirchenväter sind ihm gefolgt. Tertullian nennt das Weib direct einen Dämon. Allerdings hat die Kirche später den inzwischen erblühten ritterlichen Frauenkultus in ihren Dienst genommen und durch den Marientültus die Minne gleichsam geweiht, aber auf die Minnehöfe folgte wieder die philosophische Aera der Verachtung der Frauen. Der Sünder Voltaire goß nur in Verse um, was der heil. Paulus in Prosa sagte, und Oken brachte es über sich zu schreiben: „Der Mann steht um so viel höher als das Weib, als die Geschlechtspflanze höhersteht als die Geschlechtslose, als der Baum über dem Moose .... In der Idee sollte jedes Kind Knabe sein. Wenn weibliche Kinder entstehen, so geschieht es durch ein Mißlingen des göttlichen Planes. Die Natur will stets das Höchste, also den Mann erreichen." Der jüngste, der modernste Philosoph der Deutschen, Arthur Schopenhauer, meint: „Daß das Weib, seiner Natur nach, zum Gehorsam bestimmt ist, gibt sich daran zu erkennen, daß eine Jed', welche in die ihr natur-widrige Lage gänzlicher Unabhängigkeit versetzt wird, alsbald sich irgend einem Manne anschließt, von dem sie sich lenken und beherrschen läßt, weil sie eines Herrn bedarf. Ist sie jung, so ist es ein Liebhaber-, ist sie alt, ein Beichtvater." Und Balzak, Fichte, Proudhon scheinen im Grunde dasselbe gedacht zu haben. Von wem hätte man also die Würdigung des sittlichen Werthes des jüdischen Weibes erwarten sollen? Es wurde zwar oft das jüdische Weib zur Darstellung auf der Bühne und im Romane gebracht, aber immer falsch. Shakespeare, der „große Menschenkenner" hat mit der Figur des Shylok den Juden verkannt, mehr aber noch verkannte er die Jüdin mit dessen Tochter Jessika. Den entsetzlichen Frevel der schönen Jessika, die gemeinschaftliche Sache mit der, Feinden ihres Vaters machte, hat sich keine Jüdin von ehemals zu Schulden kommen lassen. Dieser Frevel ist erst ein Auswuchs der moderner, Zeit. Und vielleicht angeregt durch diese Wandlurrg im jüdischen Volksleben haben es einige Gelehrte der jüngsten Zeit unternommen, das Charakterbild der jüdischen Frau, nach ihren in der drei-