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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-02 · 39 (2.10.1891) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
39 (2.10.1891)
Date
1891-10-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Orstrrreichische Wochenschrift. Seite 715 Besonneren zu erwecken, die Zurückhaltenden aufzurütteln und wieder einmal den Muth zu entbinden, der heute schon dazu gehörte, sich zu unserem Schutze aufzuraffen und laut als Freund des verfolgten Israel sich zu bekennen. Und so ist es gleichsam der Dank unserer gesammten leidensreien Gemeinschaft, für unsere unglücklichen Brüder, der seinen weltgeschichtlichen Ausdruck in der Liebesthat des einzigen Mannes gesunden hat, von der man noch reden w'rd als von einem Wunder übermenschlicher Wohlthätigkeit, wenn längst die Seufzer verklllngen sein werden, die heute noch den reinen Genuß dieser schönen Menschlichkeit uns verkümmern. Auch in den Schauern werkthäügen Mitleids, die heute durch alle Gemeinden Israels auf dem Erdenrunde gehen, auch in der edlen wie ein Meer von Licht inmitten schwarzer Nacht allerorten für die armen Verscheuchten sich offenbarenden Theilnahme und Liebe liegt eine Wiedergeburt, eine Stimme neuen Werdens, ein Posaunenstoß hoffnungssreudiger Zukunft, eine Botschaft von Zusammenhang und Zusammenhalt, von Selbstbesinnung und Selbstbewußtsein. Achten wir auf diese Offenbarungen alter Treue und junger Liebe, führen wir es uns zu lebendigem Bewußtsein, daß wir unserer Vergangenheit nicht unwürdig geworden sind und daß in der Wetternacht, die so unvermuihet über uns hereingebrochen ist, auch uns noch die alten Sterne leuchten, die tröstenden Zeichen dafür, daß auch wir noch von dem Stamme sind, der auf die Hammerschläge der Geschichte mit Stählung, auf Verfolgungen mit Wiedergeburten geantwortet hat. Erhebung sei unsere Rache, Läuterung unsere Vergeltung, Segen unser Feldgeschrei. Möge die alte treue Stimme des Judenthums, das nur zu Werken des Friedens und der Arbeit mahnt und von allein Umsturz unb aller Zerstörungslust zurückhält, im Herzen aller seiner Kinder sich ankündigen, daß die Lüge sterbe, die wider uns umgeht wie die Pest am Mittag, und der Segen wahr werde, der in der Wiege gleichsam unseres Volksthums uns mitgegeben ward, daß dereinst sich mit uns segnen.werden alle Nationen der Erde. In den Bethäusern Israels wird an unserem Feste Verfolgern und Bedrückern zum Trotz kein Gebet um Rache zum Himmel steigen, sondern das inbrünstige Verlangen nach dem Sieg des Lichtes nnd dem Triumph des Gottesgedankens, so recht im Sinne seiner Lehre, die nicht die Liebe im Munde führt, sondern auf Haß mit Liebe antworten lehrt und ihre Bekenner anweist, nicht die Ausrottung der Sünder, sondern den Tod der Sünde zu erflehen. So möge denn unser Gebet und unsere Verheißung, unsere Tröstung und unsere Zuversicht, in den alten geheiligten Worten, wie Israel am Feste sie beten wird, hinausdringen in alle Lande, ein Zeugniß unseres reinen Verlangens, unser fegenbringenden Ausgaben, daß die Gerechten es sehen und sich freuen, die Redlichen frohlocken und die Frommen in Jauchzen ausjubeln sollen, das Unrecht aber seinen Mund verschließe und alle Ruchlosigkeit ganz wie Rauch verschwinden wird, wenn Du, o! Gott, die Herrschaft des Frevels hinwegtilgen wirst von dieser Erde. Budapest 25. September 1891. Einrücken! Ein bedeutungsvoller Tag ist der 1. October, für alle die im Frühjahre als „tauglich" für den Heeresdienst befurchen wurden. Jeder Rekrut ohne Unterschied der Consession und der sozialen Stellung, eilt in seine „Eintheilung" um für den Waffendienst ausgebildet zu werden. Gehobenen Muthes zieht er „des Kaisers Rock" an, damit er so rasch als möglich der großen Soldatenfamilie einverleibt werde, denn es ist doch ein erhebendes Gefühl für Kaiser und Vaterland zu kämpfen, und auf dem Felde der Ehre den ruhmvollen Heldentod zu finden, oder als Sieger lorberbekränzt heimzukehren. Ein beträchtlicher Theil dieser jungen Krieger sind unsere Glaubensgenossen. Freudig ziehen sie in Gemeinschaft mit ihren andersgläubigen Kameraden, zur treuen Erfüllung ihrer schwersten Bürg N'pslicht, mit dem festen Vorsatze sich nicht im Geringsten von den Andern zu unterscheiden. Neidlos blicken sie auf die muhamedanischen Kameraden in der Heumarkt-Kaserne, welchen durch die Munifieenz des obersten Kriegsherrn eine rituelle Küche eingerichtet wurde, ohne sich zu fragen, warum nicht auch den jüdischen Speisegesetzen Rechnung getragen wird, da sie eifrig bestrebt sind, in allem und jedem den anderen Soldaten gleichgestellt zu sein. — Beklommenen Herzeno betreten sie den Exercierplatz, iuo sie sofort erfahren, daß ihr Geburtsfehler nicht unentdeckt geblieben ist. Wenn auch manchem, Vor- und Zunamen nicht zum Berräther der verpönten Abstammung werden, so steht aber im Grundbuchsblatte schwarz aus weiß die Religion bezeichnet, und dieses genügt um den Mann zu einem Gegenstände besonderer Beachtungswürdigkeit zu stempeln, und ihn schon durch den „Abrichter" in den Rang eines Prügelknaben zu erheben. — Wenn im Mannschastszimmer irgend etwas nicht in Ordnung ist, so heißt es gleich: „Der Jud hat es angestcllt". Wenn bei den Uebungen etwas nicht „klappt", so trägt selbstverständlich wieder der „Jud" die Schuld. Wie überall ergeht es einem noch viel schlimmer, dessen Vorname semitisch klingt und dessen Familiennamen mit „les, stock, zweig, bäum" :c. endigen. Dieser wird zum Stichblatt aller mehr oder weniger guten Witze und bleibt das Stiefkind der Compagnie. Trotzdem, oder eben deshalb, bleibt jeder willig und gehorsam nn besten Bestreben, den „Abrichter" zu befriedigen. — Oft wird mancher befähigte, noch bevor er alle Süßigkeiten des Exercierfeldes durchgekostet hat, in der Zeit, wo die Anderen von den Anstrengungen des „Drills" etwas ausschnausen können, zu Schreiberdiensten in den Kanzeleien eommandirt — so, daß er ^allerdings in einem minder poesievollem als von Theodor Körner besungenem Sinne) abwechselnd zur Feder und zum Gewehr greifen muß, manchmal ohne sich zum Verzehren der Menage Zeit zu gönnen, denn wenn der Hornist zum „Antreten" bläst — da gi bt es kein Zurückbleiben- Daß diese „Juden" keinesfalls schlechte Soldaten sind, beweist schon der Umstand, daß diese, zum weitaus größeren Theile, das Materiale für den wichtigsten Factor im Heereskörper, den Unteroffizier, als unmittelbaren Führer des Mannes stets liefern. — Man sollte doch meinen, daß diesen Armen in Anbetracht ihrer höheren Intelligenz, des großen Pflichteifers und guter Verwendbarkeit, eine halbwegs entsprechende Behandlung zu Theil wird — leider hat wegen der Consession der Mann seitens

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