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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-10-02 · 39 (2.10.1891) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
39 (2.10.1891)
Date
1891-10-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 712 Oesterreich tfchr Wochenschrift. Nr. 39 thums durch die Stürme seiner Zeit siegreich uut* u«verkümmert I getragen hat, ohne daß ifjm der. Engel einer wonnigen und | beseligenden Ueberzengung so stark wie den Ahnen zur Seite gestanden hätte. Vollends aber wie eine Offenbarung des i religiösen Geistes in unserer Mitte, w'e der höchste Nnhmecanspruch Israels wird unser neues Dulbcrthuni erstrahlen, wenn mau dabei e: wägen wird, daß es in einer Zeit hervortr-t, in der ein unerhörter Kamps um's Dasein, Philosophie und schöne Littcratur, die Natursorschurig und if)ie Entdeckungen, die fortschreitende Bequemlichkeit und die nüt ihr zunehmende Gedankenlosigkeit am Sarge der Religionen zu zimmern scheinen und die ewige Wahrheit anslöschen möchten, daß es ein Herz im Menschen gibt, das nach Gott verlangt, wie der Hirsch nach Wasser lechzt oder wie unsere Lunge der Lust bedarf. Aber nicht in Leiden schwelgen, an unserem Martyrium uns zu berauschen, ist der Mahnruf unseres Festes. Es gil', nicht die Ueberraschungen einer ungeahnten Liebe, die Wunder einer eben noch ungläubig belächelten Treue anzitsiaunen' sondern zu bewußten Thaten uns zu erheben, zum Gefühle unseres großen Besitzlhumes uns zu ermannen. Vermessen und sürwitzig wäre es, heute schon in den Rathschlnß der Vorsehung eindringen zu wollen, die ihr Ang sicht uns verhüllt und nur ihre vorübcrgezogene Erscheinung im Rücken gleichsam uns erkennen läßt, aber so viel können wir uns auch jetzt bereits erahnen, daß die rauhen Fröste, die über uns hereingcbrochen sind, eine segensreiche Bedeutung für unser Wachsthum hatten und daß in den Stürmen, die uns umtosen, dereinst der Wecknnd Liebesrus vernommen werden wird: Komm', mein Volk, geh' wieder ein in Deine Kammern, verbirg Dich einen Augenblick, bis der Ungestüm vviüber ist. Selbstbesinnung, ein Zurückgehcn aus uns selbst, das mar es, was Roth that und den iheucrsten Kaufpreis werlh war. Alle Anfänge verlieren sich im Unsichtbaren, nur das Gewordene, nicht das erste Werden wird dem menschlichen Auge offenbar, aber die Spuren der großen Segnungen, denen wir entgegenreisen sollen, die ersten Anzeichen einer Umkehr und Besserung sind gleichwohl auch jetzt bereits unverkennbar und offenliegend. Die Tage der Selbstpreisgebung sind dahin; die Wegwersung an das Fremde hat uns keinen Nutzen gebracht. Wie Mancher, der im blinden Zcrstörnngseiser Bewährtes und Angestammtes wie Schutt und Moder hinwegznränmen sich nicht ersättigcn konnte, mag spater reuig ob der zu spät erkannten Thorheit sich an die Brust geschlagen haben. Eines ist es vor Allem, aus das es sich wieder zu besinnen gilt und das wir in unseliger Verblendung fast von uns geworfen haben, die Muttersprache unseres Glaubens, unsere Trösterin und Lehrerin, unser Stolz und unser Schutz. Mögen Alle, deren Ohr für ihren süßen Wohllaut, für diese Stimme aller Offenbarung alles Heiligen und Hohen in der Menschheit taub geworden ist' eine Anklage erheben gegen die Zärtlichkeit übelberathener Eltern, die ihre Kinder berauben und arm machen, indem sie von Schonung zu überfließen glauben, gegen die dünkelhasle Willkür der Vorsteher und die sündige Gleichgültigkeit, und Liebedienerei von Lehrern und Führern in Israel. . Wie eine. schwere Verschuldung lag besonders auf dem Iudenthugie unserer Länder die sträfliche Mißhandlung der hebräischen Sprache, die man als ein Stück gelehrten Alterthnms aus den Schulen verbannen, wie unnützen Ballast vor Allem über Bord werfen zu dürfen glaubte, um das Schiff unserer Genteinschast j wieder munter vom Segel des Ze.tgeistes treiben zu lassen. In unverständiger Nachahmungssucht, die das Fremde vorzieht, weil sie das Eigene nicht zu würdigen weiß, meinte man für j unseren Glauben Wunder was gethan zu haben, wenn man „Religion" vortrng und Hebräisch verschwürzte und denuncirte, das eben keine Religion sei, Katechismen aufschieß.-n ließe, wie Pilze nach einer warmen Regennacht, und die li be Jugend mit den abgezogenen Hülsen von Begriffen und unverdaulichen Philosophcmen fütterte. Das sollte den Kleinen Blut geben und sie ausstatten mit der Verachtung gegen. die Verächier. mit der Kraft für den Kampf und mit der Festigkeit gegen die Versuchung. Ilnd es ist ein Geschlecht erwachsen, das wahrlich nicht seinen Lehrern es zu verdanken hat, wenn es noch im Judenthume gebli den ist, von dem es Nichts gelernt und Nichts gesehen hat und Nichts erfährt, als daß es ein Hindciniß ist in allem Bewerb und eine Onelle zahlloser Opfer auf dem Markte und im öffentlichen Leben. Es stirbt mein Volk aus Mangel an Erkenntniß, das war immer jüdische Ueberzeugung. De Unwissenheit lobtet, Leben leiht das Wissen allein. Mit tausend Nerven bindet die heilige Sprache das Herz des Kindes an sein Volk und jedes ihrer Worte wird eine Stimme, die zur Treue mahnt, ein Liebeslaut, der zum Ausharren ernnuhigt, ein llnterpsand der Zukunft, eine Gewähr des Zusammenhanges.'Noch schlummert wie ein geheimer Segen, wie ein Gotteslohn für so v'el durch Jahrtausende geübte Treue und hingebungsvolle Pflege, die Empfänglichkeit für diese Sprache, Etwas von der entgegenkommenden Vertrautheit der Muttersprache in unserer Jugend, noch ist es Zeit, die Sünde der Vernachlässigung zu sühnen, die Enteilende zurnckzurufen und wieder an uns zu ketten, ans daß sie mit uns bete früh und spät, die Arbeit von Geschlechtern, das heiße Bemühen der Ahnen uns erschließe und forterbe und geistige Gesundheit, quellende Gemüthcr und ewig junge Herzen uns schaffe und erhalle. Zur Selbstbesinnung gehört aber auch die Vereinigung. Wie waren die Lehrmeister, die Urheber des in unserer Zeit erst zur Blüthe gelangten und in seiner segensreichen Wirksamkeit immer mehr erkannten Vereinswesens. Aber wir habcn uns überflügeln lassen und das Werkzeug weggeworfen, das so viel Gutes unter uns gestiftet hat. Es war eine unselige Selbsttäuschung, die uns gefangen hielt. Noch waren wir von den Uebrigen nicht ausgenommen, als wir mit allen eigenen Verbänden wie mitetwasGehässigem undSelbstausschließendem auftäumen zu müssen glaubten. Was half es, das einzelne hochsinnige Männer unter uns, ihrer Zeit mit Adlerblicken voranseilend, die Nothwend'gkeit eines Zusammenschlusses erkannten, sie waren Führer ohne Heer und ihre Gedanken begeisterte Ideale für ein frommes Häuflein, dem die große Masse der Uebrigen in geschlossener Stumpfheit, wenn nicht gar mit ablehnender Schroffheit gegenüberstaud. Die Macht her Alliance, von der die Feinde fabeln schrumpft bei chrlcher Betrachtung zu einem Jammer zusammen der eine Anklage gegen uns erhebt, berechtigter und trauriger als alle die Lügen und Wahnvorstellungen, mit denen man vor uns schrecken will. Ueber den Ocean hinüber wie ein kräftiges Samenkorn, das der Wind aufgehoben und ans fruchtbaren Boden getragen hat, ist dieser Gedanke der Vereinigung nach Deutschland gedrungen, wo seine segensreichen Wirkungen für Jeden, der Augen hat zu sehen, sich bereits deutlich offenbaren. Nicht die

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