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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-25 · 38 (25.9.1891) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
38 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr 3Ö Oefkrrreichifchr Mochrnschnft. ^cilc 70? wird, erhellt aus der Gegenüberstellung, daß gelegentlich der 25jährigen Regierungsfeicr des Königs auch die israelitische Gemeinde in Bacau mit großen Kesten für Dekoration und Musik einen Gottesdienst veranstaltete, dem aber (obwohl sonst von altersher üblich) kein einziger Regierungsvertreter beiwohnte und bei dem Empfang durch den Präfekten die israelitsche Deputation eisig kalt ausgenommen wurde. Diese Ablehnung einer patriotischen und dynastischen Acußerung, die am allerwenigsten angebracht, kennzeichnet die offene Zurückweisung, die uns in Regierungskreisen widerfährt am besten, und daß wir aus eine Besserung unserer Lage gleichgilt g durch wen, freiwillig und für immer verzichien, kann man eben nicht verlangen. Algier^ Die Damps-Aacht „Israel", welche vom Baron Hirsch zur Ausführung seiner Colonisationspläne angekauft wurde, legte am 7. September auf der Fahrt nach Alexandrien im hiesigen Hafen an. Der Capitän, Mr. Sbutega, wurde vom österr. ung. Generalconsnl Grafen Wimpfsen zu Tisch geladen; bei welchem Anlässe Graf Wimpfsen folgenden Toast sprach: „Während wir hier in brüderlicher Eintracht bei gemüthlichem Male vereint sind werden wir an dem Ernst des Lebens erinnert durch die Anwesenheit des Capitäns eines Schiffes, welcher die östliche Flagge durch seinen Dienst im Jnt'.resse der Humanität zu Ehren bringt. Dieses Schiff wurde vom Baron Hirsch bestimmt zur Durchführung sein großes Werk, die verfolgten Mitglieder derjüdischen Glaubensgemeinschaft zu schirmen und zu unterstützen. Ich trinke auf das Wohl des edlmüthigen Philantropen Baron Hirsch." Dieser Toast wurde mit Enthusiasmus ausgenommen. Marokko. Die Juden in Tang.r, besonders die armen Juden haben in Folge des Todes von M. I o s e f T o l e d a n o einen großen Verlust zu beklagen. Derselbe war Dragoman der italienischen Gesandtschaft und Eticenpräsident der jüdischen Gemeindevorstehung. M. Toledano war in hohem Maße wohlthätig und stand seinen Glaubensgenossen in ihrer Bedränguiß als treuer Freund zur Sette. Feuilleton. Typen aus der Pretzburger Iudengasse. Von Hermann Löwinger. ^Nachdruck verboten.; (Fortsetzung.) Und doch scheint Sorele einen Anziehungspunkt für unseren „General" zu bilden. Sieht man Sorele, so sieht man gewiß den General Flederwisch neben ihr. Das menschliche Herz ist eben nicht zu ergründen. Trotz seiner Spötteleien unb der Gleichgültigkeit, die er ihr gegenüber an den Tag zu legen scheint, hat der Gencral Interesse für Sorele und so wie seine Generalsunisorm am Purim nur eine Maske, so ist sein Benehmen gegen sie auch nur Verstellung. Gr hat zu tiel in Sorele's Aeuglein gesehen und seine Neckereien scheinen das alte Sprichwort: „Was sich liebt, das neckt sich" zu Ehren zu bringen. UebrigenS scheint die liebe nicht gar so blind gewesen zu sein. Bride sind keine so ungleiche Partie. Der General, zu dieser Zeit ein alter Junggeselle von beinahe 50 Jahren, dem bisher es nicht gelungen, aus dem Felde der Liebe Eroberungen zu machen, Sorele eine noch ältere Jungfer, mit demvon uns geschilderten, nichts weniger als reizetiden Exterieur.- Beide, theilen sie ein Schicksal, sie sind die Zielscheibe des Spottes in der Iudengasse. Was Wunder dann, nenn der General im Geheimen an eine Verbindung nir's L den mit Sorele denkt. Ueberhaupt ist Sorele keine schlechte Partie. So dumm und blöde sie auch aussieht und auch sein mag. so ist sie doch ein nothwendiger und nützlicher Factor in der Iudengasse. Sowenig itzr Aeußeres.. ne auch dazu prädisti nir t, ist sie doch di e H eb e der Preßburger'J-ndengasre. die wohl keinen 'Wein d.ch aber srisches Wasser deren jüdischen Ben'obnern kredenzt. Sorele's Hauptbe'chäitiguiig it nämlich:35*ai!ertragen, ihre NOenbeschämgung Holzhacken. Zu der Zeit, von welcher unsere Skizze dalirl, gab eS in Preßburg twch keine WasieNsiuing und es war in der ganzen Judengasse nur ein Brunnen, der wegen seiner Lage neben der Apothele -er „Apochoke'.brnnneiE genannt wurde dieser' bot: ein schlechtes, ungenießbares Wasser, Ta war es die Mission Sorele's in den heißen Sommerlagen die durstigen Keb-'en der ärmeren und mittleren Klassen der jüdischen Bevölkerung, die nicht im Stande waren > ch einen Dienstboten zu halten, zu beleuchten, indem sie ihnen gutes 'risches Wasser von dem Brunnen in der Gaiügaise. welcher nabe dem Gebirge gelegen :» bringen. Als «sittgelt da üc erbielt sie außer dem Honorar von 2 KreU'.crn per Buire noch alte übriggebtiebenen Speisereste, altgebackenes acht Sage altes Brod und Barchesstücke. ungenießbares, übelriechendes Fleisch. Es war aber auch spaßig anznseben. mir welchem Appetit, als wären es die feinsten Leckerbissen. sie diese Speistresie verschlang. 'Was Sorele nicht verzehren konnte, das steckte sie in einen, hinter ihren an Wochentagen r>or Sch nutz starrenden Rocke angebrachten Sack, welcher vollgepropft von den rerschiedenen l'ßmarerialien sozusagen eine 'örmliche Vorrat!slammer für Sorele bildete. So glich ne mit Uucn zalsi. eichen Unterkleidern und dem hinter denselben verbo.genen Sacke einer wandelnden Tonne. Trotz diesem unappetitlichen Äußeren, war sie doch in den meisten jüdischen Häusern ein gerne gesehener Gast, und es gab keinen Feiertag und kein Familienfest wie z. B. Hochzeiten, wo Sorele nicht für ilre Gratulationen an die ,.gnädige Frau und den gnädigen Heirnleben" iaren Theil an Geld und Backereien erhielt. Bei dieser ^'elegenreir ließ s.e.es ' ch nicht nehmen den gnädigen Herrschaften die Hände zu tüsien, welcher Huldigung aber düse gewöhnlich sich zu ent sieben such cu, um nur nicht mit Sorele's reizenden Lippen in Berührung zu '.ommen. Wie der liebe Leser also sieht, war Sore e eine gute , Parnsie'. So kam es denn, daß der .General Flederwisch" mir rer Licbcserela ung und Werbung zu Sorele an einem Samstag Nachmittag herauorsiare und mit 'vlgenden Worten seine Werbung begründete: Sorele, »sir senu 2 einschichtige Slöü', jung senn mer ach nit » ehr, mir konnten mit einander wirthschasren, natürlich ohne „Ehuppe und ziiduschiu nii. r och wer der Meinung ist. daß' Sorele diesen Antrag des Genera.s mir Freuden'angenommen, -ist aus dem Holzwege. Zlir Überraschung des Generals wies Sorele ohne lange zu überlegen seine Hand zurück mit den Worten: '..Ich nehm mir kan Träoler mit e krumpe Hand und ich will nit in der Gassen Generalin Flederwisch haßen.' So hatte Sorele dem General einen Korb gegeben ' und sie waren von nun an geschiedene Leute. Ten Samstag darauf saßen sie wohl noch aus derselben Stiege ater ein Jeder aus einer anderen Ecke derselben. Die gute alte Zeit ließ solche Individuen wie Sorele und „General Flederwisch' gedeihen. Doch die Neuzeit der alles Alte und Morsche weichen muß, sollte auch für Sorele eine Umwälzung hervorbringen und von üblen Folgen begleitet sein. Knapp nach der Abweisung des Generals ereignete sich etwas, das für Sorele üble Folgen haben sollte. In der Stadt Preßburg wurde plötzlich die Wasserleitung eingesührt- Auch mit der Iudengasse wurde feine Ausnahme gemacht und so erhielt jedes Haus mit gutes . srisches Wasser. Mir dieser Einführung wurde natürlich die Haupterwerbsquelle Sorele's verstopft. Nach dem frischen Wasser des Gaiß - Gassen - Brunnens war keine Nachfrage mehr und „Sorele Wasserträgerin" war gewesen. Im Beginn dieser Katastrophe war Sorele gänzlich verzweifelt und stieß die schwersten Flüche auf die Urheber dieser Neuerung aus. Da diese Verwünschungen nichts halfen, begann sie allmätig resignirt zu werden. Die Zeit heilt alle Wunden und Sorele conzentrirt jetzt ihre Thätigkeit aus ihre frühere Nebenbeschä'ttgung, das „Holzhacken" und versorgte von nun an die Judengaste mit Kleinholz. „Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ewiger Bund zu siechten". Es dauerte nicht lange und es drohete ihr eine neue Concurrenz in der Erhndung der Holzverkleinerungsmaschine. Die Spottvögel der Iudengasse sagt ihren

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