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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-25 · 38 (25.9.1891) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
38 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 701 Oesterreichifche Wochenschrift. Nr. 38 gewonnenen Obercantor Herm Holpern unter Begleitung des Chokes vorgetragenen. entsprechenden Psalmes geleitete den Rabbiner ans seinen Platz. Die weihevolle Stimmung, die allgemeine Befriedigung wurde durch die treffliche Rede womöglich noch gehoben. — Formvollendet mit wohlthuender W^rrne und ungekünstelter Begeisterung entwickelte Dr. Caro sein Programm. Er betonte, daß kein Widerspruch zwischen Wmk und That zu verzeichnen sein wird. — Heute, wo die Atmosphäre durch den Gisthauch des Antisemitismus verpestet niuß jeder, welcher sich von der jüdischen Gemeinschaft nicht loszählt, Las heilige Erbe Hochhalten; — heute in der so traurigen Drangperiode muß die jüdische Solidarität zu neuem treten enyachen. — Heute muß jeder den Frieden im Innern wünschen, momentan auf manche berechtigte Forderung des Fortschrittes. verzichten und sich damit begnügen, daß demselben durch grundlegende sichere Mittel die Zukunft erhalten werde Eine schwere Arbeit hant unseres neu gewonnenen und mit großer Herzlichkeit aufgenommenen Rabbiners. — Mögen seine und unsere Wünsche, welche beide die gleichen sind, in Erfüllung gehen. .— Möge ihm vor Allem gelingen unsere Gemeinde aus der Letargie zu wecken, die Gleichgiltigkeit zu bannen, das Bestehende zu erhalten, in Frieden mit den Waffen der Liebe Dauerndes im Interesse des Judenthums, der Civilisation und Humanität zu schaffen, ei,re Generation von Juden und treuen Staats- und Landeskindern zu erziehen. — In dieser Hofsnunng rufen wir unserem neuen Rabbiner Dr. Caro ein herzliches „Glück auf" zu!' — Krakau. In unserer israelitischen Gemeinde findet derzeit eine heftige Agitation statt gegen den Cultnspräses Albert Mendelsburg und dem Vicepräscs Hirsch Landau, über w.'lche die „Nowa Reforma“ einige Notizen und der in Berlin erscheinende „Hamagid“ spaltenlange Berichte. bringt. Albert Mendelsburg hat seine Söhne taufen lasse-, und es ist ein Absonderlichkeit einen solchen Mann an der Spitze der israelitischen Eultusverwaltung zu sehen. Berli». Die in Hamburg ersch einende antisemitische Zeitung, „Die Abwehr'' theilt mit, daß den Antis emiten in Hamburg für die Zukunft alle öffentlichen Versammlungen verboten seien. —In dieser Form wird die Nachricht schwerlich richtig sein. „Die Kreuzzeitung" die bekanntlich für alle möglichen Freiheiten schwärmt, wenn sie ihren Leuten zu Gute kommen, schlägt bereits Lärm. Berlin. Dem geheimen Sanitätsrath Dr. S. Guttmann ift vom Kaiser von China die erste Stufe der 3 Kl. des doppelten Drachenordens verliehen worden. München, 10. September. Ueber das Ableben des Professor Dr. Heinrich Graetz gehen uns noch die folgenden Nach,achten aus der bayerischen Hauptstadt zu: Vergangene Woche begab sich der nunmehr Dahingeschiedene mit seiner Gattin von Karlsbad, wo er zur Stärkung seiner Gesundheit auch dieses Jahr während der Sommerferien weilte, hierher, um di? Familie seines Sohnes, des Privatdozenten Herrn Dr. Leo Graetz, zu besuchen. Doch sollte die Freude ihm nicht mehr lange Geschieden sein, denn in der Nacht vom Sonntag auf Montag verschied der greise Gelehrte. Wie sein Leben überhaupt nur dem Studium der Erforschung aller Gebiete der jüdischen Wissenschaft galt, so arbeitete er auch während seines hiesigen Aufenthalts, obwohl er schon etwas leidend aus Karlsbad kam an dem letzten Werk, der Herausgabe der Bibel mit allen Varianten, und sein Wunsch war es, wie er sich äußerte, dieses Werk noch vollenden zu können. Es war ihm nicht vergönnt Heute morgen wurde seine Leiche nach dem Central - Bahnhof gebracht, um nach Breslau zur Ruhestätte überführt zu werden. Um dem theuren Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen, erschienen am Bahnhof die Beamten und Vorsteher der hiesigen israelitischen Culturgemeinde: Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Perl es, einer der ersten Schüler des Verstorbenen am Breslauer Seminar, Herr Obercantor Ki rschner, die Vorsteher, Herr Dr. Merzbacher, Rabbinatskandidat Dr. Levi Der Kaisertage wegen nahm man von einer größeren Trauerfeier wie sie trotz der Kürze der Zeit beabsichtigt war, Abstand. Paris. Das Programm der für den 29. Septembe angesctzten feierlichenHJnstallation des neuen OberrabbincrS M. Dreh fuß wird voraussichtlich dasselbe sein, welches im vorigen Jahre bei der Installation des , Oberrabbiners von Frankreich eingehakten wurde, mit dem Unterschiede, daß diesmal beide geistliche Würdenträger Predigten halten werdent Dreve. Bukarest, 13. September. Es giebt schon auch in Runlänien christliche Leute, die zwischen Konfessionen keinen Unterschied machen und blos den Menschen als Mensch ansehend, auch den Israeliten als solchen behandeln und ihn in ihrer Mitte aufnehu'en. Leider kann ich nur mit der politischen Richtung der erwähnten, uns geneigten christlichen Kreise nicht einverstanden sein, denn es sind die sozialistischen und radikalen Elemente. Wenn auch der Grund ihres Entgegenkommens wohl darin zu suchen ist, daß sie die Verstärkung ihrer Parteibestünde, gteichgiltig durch wen, anstreben, so bleibt immer noch als grefbares Endresultat ersichtlich, daß die anderen Parteien und die R.gierungen durch ihr Verhalten gegen die Israeliten diese in die Arme solcher Fractionen stoßen, die den elfteren und den Israeliten selbst nicht lieb sein können. Und dann wundert mau sich — z. B. die russische Regierung — daß es auch israel. Nihilisten giebt! Nach der Ursache, daß die Israeliten von Regierung und Regierungspartei' verfolgt, dagegen aber von den Oppositionen in Schutz genommen werden, danach forscht und fragt Niemand. Auch bei uns hat z. B. der Verein der Druckerei-Arbeiter „^Usina" in Jassy die israelit. Berussgenoffen gern bei sich aufgetwmmen unkst drei derselben, einen in der Vertraueusstelle als Kassier in's Comite gewählt. In Bukarest giebt es ebenfalls einer „internationalen" (richtiger: interkofessionellen!) Verein der Buchbinder- und rerw. Arbeiter: derselbe feierte vor einiger Zeit sein erstes Stiftungsfest in voller Eintracht mit den israel. Kollegen. Von dm ols politische Kötper konstitu rten Parteien aber stellte bei den diesjährigen Gemeinderathswahlen in Jassy die vereinigte konservative und national-„liberate" Opposition einen isr. Advokaten und die radikale einen isr. Arzt (beide naturalisirt) als Kandidaten auf, und da ereignete es sich, daß die erstere von Agitationswegen den ihrigen von der Liste strich, während die Radikalen ihre isr. Kandidatur bis zuletzt, allerdings ohne Erfolg, aufrecht erhielten! Man sieht daher das „ubi bene“ durchaus klar und es wäre eine st überbaue Zumuthung an den Israeliten, es von sich zu weisen und das ewige Geschlagenwerden als sein Ideal anzusehen. Wie man von der Regierung und ihren Leuten bei uns behandelt

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