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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-25 · 38 (25.9.1891) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
38 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Orsterrrichifchr Wochenschrift. Nr. 36 schrn das Ende dieses ihres einzigen Erwerbszweiges voraus und malten ihr das Gespenst dieser Teuselsmaschine in den düstersten Farben. Diese traurigen Prophezeiungen sollten sich jedoch nicht bewahrheiten. Zum Glücke SoreleS besteht das Gros der Bewohner der Iudengafse aus zumeist armen und mittleren Klassen der Iudenschast, welche nicht im Stande sind ihren Holzbedarsiper Klafter aus den Meierhösen zu beziehen, wo diese Verkleiuötmgsmaschinen elngesührt waren. Dieser Theil der jüdischen Bevölkerung "kennen die Teuselsmaschine noch nicht. Co kann dann Corele weiter ihren Berus ausüben. Doch ist mit Sorele «ne große Veränderung vorgegangen. D er Frohsinn und die Zufriedenheit, die sich früher auf ihrem dummen Gesichte ausgeprägt, sind seit der Einfttl rung der Wasserleitung ron ihr gewichen und die Erfindung der neuen Holzverkleinerungsmaschine trug gewiß nicht dazu bei, ihren Mißmuth zu bannen. Cie war immer in sich gekehrt und sagte oft wenn sie sich allein glaubte: „Meine Ehatoim '*) sind an dem Schuld, weil ich den- General eso mewaisch **) gewesen Nur wenn hie und da in einem Hause die Wasserleitung verdorben und einmal nicht sunktionirte, so konnte sie ihr schadenfrohes Lccheln nicht verbergen und grinsend stößt die Worte hervor: „Es gescheht schon Recht, alle neue Sachen werden so Sof —) kinnehmen". Ihre einzige Zerstreuung war das samstägige Rendezvous mit dem „General" auf den Stiegen deS Fole LenscheS'schch Hauses. Der Groll des Generals wegen seines letzten Rencontres gegen Corele war langsam gewichen. Die Zeit heilt alle Wunden und so rückten sie aus den Stiegen immer näher einander inb di Spöttereien des Generals begannen vom Neuen. Besonders ist es die Teu'elsmaschin.', die wie er bestimmt gehört, jetzt in jedem Hause eingeführt werden wird, gibt ihm genügende Stofs um Sorele aus dem Häuschen zu bringen. Doch nicht lange mehr sollte Corele die Späße des Generals und ihres einstigen Freiers erdulden. EineS SamstagS erschien er nicht mehr auf den Stiegen. Der General begann zu kränkeln, so daß er arbeitsunfähig wurde und pflegte kleine Rundreisen in der Umgegend Preßburg zu unternehmen, um sich seinen Lebensbedarf zu erringen. Auf einer solchen Reise wurde er einmal plötzlich sehr krank und sagte der Welt Yalet. Der arme General mußte in der Fremde sterben und ein unrühmliches Ende nehmen. In Preßburg wäre er vielleicht mit militärischen Ehren begraben worden. Ob Sorele nicht, wenn sie einmal stirbt, sein Schicksal theilen oder in Preßburg ihre letzten Tage verbringen wird, wissen wir nicht, denn sie ist nicht nach Preßburg zuständig, sondern aus Verbo. Dort wohnte ihr Bruder, ein Fleischhauer, und man erzählt noch heute, daß sie einmal an ihren Bruder einen Brief schreiben ließ, und dem Schreiber folgende Adresse dictirte: „An mein Bruder ^-okew Flaschhacker in Verbau, um die Eck heruni". Ob unsere findigen Briefträger in Wien einen solchen Brief an die richtige Adresse befördern könnten, ist sehr fraglich. Die Verbcker Post hat dieses Kunststück zu Stande gebracht. Freilich ist Verbü ein wenig kleiner als Wien. — Schreiber dieses war seit 2 Jahren nicht in seiner Vaterstadt Preßburg. Wie er aber hört lebt Screle noch immer (100 Jahre soll sie leben) und verkleinert das Holz der Judengassebewohner. Die Prophezeiungen des Generals betreffs der Einführung der Holzverkleinerungsmaschine sind zur Freude Coreles bis jetzt nicht in Erfüllung gegangen. Ob Sorele ihrem einstigen Stiegengenossen und Freier eine Thräae nachgeweint und ob ein Anderer ihr auf den Stiegen des Fole Lensches'schen Hauses jetzt am Samstag Gesellschaft leistet, wissen wir nicht, doch einen „General" alS Genossen dürste sie schwerlich mehr bekommen. '*) Sünden. **J beschämt. •*) Ende. Literatur. U«idersal-Uge«de für jüdische CultuSbeamte. Handbuch für de» Gebrauch in Synagogen, Schule und HauS. Von Prediger Lion Wobff. Zweite, vollständig umgearbeitete und vermehrte Auflage. Berlin 6., Verlag von E. Boas R«chf. 1801. Kpnchendtmu zur Un^prsal-Ageude. Handbuch für den praktisch«« Gebrauch i» >et Synagoge U4ib für Kapualie« von Prediger Lion Wolfs. Berlin 6., Verlag von E. Boas Rachf. 1891. Die Universal-Ageude, in zweiter Ausgabe bedeutend vermehrt, uinfaßt 674 Seiten und wird wegen ihrer Vollständigkeit ein unentbehrliches Handbuch für jeden Cultusbe.unten werden. Für alle Fälle seiner Amtirung, sür jede nur denkbare Gelegenheit sind dem Cultusbeamten in diesem Hilfsbuche ansreichende Information, Rathschläge und Winke geboten, ob er im Tempel, oder bei Fainilieufeierlichkeiten, ob er beim Gottesdienst, oder als Religionslehrer in der Schule wirkt, ob er bei Hochzeiten fungirt, oder an der Bahre eines Todten Trost zu spenden hat, für Alles findet er hier Belehrung und Rathschläge. Ein voll, ständiger Lehrplan, eine Cchnlordmuig mit Probelectionen, wie ein reichhaltiger Briefsteller für das Neujahrsfest stehen ncchbarlich neben ausführ.ichen Vorschriften für Beschneidung und Bauniz wab, für Kadischsagen, Schofar blasen, für Trauungen, Scheidungen und Ehaliza, nebst allen nöthigen Formularen, sowie Programme für Schulpriifungen und hebräische Grabinschriften. Mit einem Worte: Ein Hilssbuch von solchem Umfange und solcher Selbständigkeit ist den jüdischen Cultusbeamten bis heute noch nicht geboten worden. Neue Bücher. Das jüdische Weib von Nahida Remy. Mit einer Vorrede ron Pros. Dr. M. Lazarus, Leipzig. Verlag v. G. Lau dien, 1692. Die Moseslehre. Unterichtsbuch für die Israelitische Religionsschule und zur Vorbereitung sür die Confirmation von Prediger Dr. Dav. Leimdörfer, Hamburg. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Preis 1.25 Mk. Hamburg 1890: G. F.r i t s ch e's Buchhandlung Gcrsthossstraße 5, Hamburg. Briefkasten. Für die unglücklichen aus Rußland vertriebenen Glaubensbrüder sind uns zugekommen: Von einer Abonnentin, Wien, fl. 2.—, von Sam. B ö h m in Daruvar, fl. 2.— M. Friedmann, Horazdowltz: Derlei Diskussionen eignen sich nicht zur Publikation in der „Oesterr. Wochenschrift." Wochenkalender. Wochen- ^eptember- October 1891 Elul 5651 Kalender Freitag 25 22 Samstag 26 23 ■p'l 0 *3JU Sonntag 27 24 1 Selichoth Montag 28 25 2 Dimstag 29 26 3 Mittwoch 30 27 4 Donnerstag 1 28 Freitag 2 29 Vorabend d. Nrujahr-FesteS. Bestens empfohlen wird Josef Saphir, Gaviersthmner in Wien seit 1879, III. Radetzkystrasse Nr. 7.

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