Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 38 (25.9.1891)
- Date
- 1891-09-25
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite- 764 OxsterLeichisrhe Wochenschrift. w'eder der autffeinitischen Partei Verdurste zugesprochen hätte, d e anderen Parteien zukämen. Redner berührte dann kurz die Thätigkeit der entschieden freisinnigen Parteien auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens, den freisinnigen Antrag auf Herabminderuug der Gerichtskosten und bemerkte, schließlich, er habe sicherlich nichts dagegen einzuwenden, wenn die Bauern Vereine gründen, wenn sie dabei die Juden davon ansschlößcn, so sei. das allerdings nach seiner Ansicht weder schön noch klug, aber .es sei das eben ihre eigene Sache. Zum Schluffe kam Redner dann noch auf die antisemitische Hetze im Allgemeinen zu sprechen und indem er die gegenwärtig nicht gerade erfreuliche arib beruhigende internationale Lage st eiste, schloß er uugefähr mit den Worten:. Wenn früher oder später das Unglück eines Krieges uns treffen sollte, so würde sicher mancher der heute in diesem Saale Anwesenden Schulter an Schulter mit jüdischen Mitbürgern dem Feinde entgcgcntreten müssen. Dann, in der Stunde der Noch und Gefahr, wenn er vielleicht ans die Hilfe des jüdischen K a m eraden angewiesen sei, würde ihm sicher.'ich die Rothe der Scham auf die Stirne treten, wenn er daran dächte, daß er sih einstm.ils an der scaudalösen Hetze gegen diesen Mulampser und Freund in der Roth betheiligt habe. Um sich dieses demüthigendc Gefühl zu ersparen, solle inan sich von der Judenhetzc fern halten und d.n Hetzern die. Thur weisen. Während zu Beginn, der Schrcibcr'schen Aussicht ungen aus den Reihen der Antisemiten, hier und da Zwischenrufe laut geworden waren, wurden dieselben im weiteren Verlause vrn der Versammümg sehr auftnerksam angehört. und an manchen Stellen von Beifall unterbrochen, der sich nach den. Schltrßrvortcn äußerst lebhaft gestaltete. Desgleichen wurde e it voll Herrn Com. Linn-Gedern verfaßtes und mit Schwung vorgetragenes Gedicht gegen den Antisemitismus von einem groben The il der Versammlung lebhaft acclamirt. Als nach einer Böckel'schen Erwiderung Redaetcur Schreiber, der in derselben wiederholt angegriffen worden war, sich nochmals zum Wort meldete,'^ erklärte der Vorsitzende, ein Maler Bindemald, Herr- Schreiber habe einmal das Wort gehabt, man wisse jetzt, daß er nicht zur antisemitischen Partei gehöre, sondern Demokrat sei, und es könne ihm daher „in dem Saal, den wir gemieihet haben," das Wort nicht nochmals rrtheilt werden Als sich gegen diese Mundtodtmachung lauter und lebhafter Protest erhob, richtete der Vorsitzende an die Versammlung die Frage, ob sie Herrn Schreiber noch hören wolle und erklärte dann, offenbar auf Winke vom.Vorstaudstischc aus, trotzdem der Nus: „Schreiber soll reden" ganz überwiegend laut wurde, die Versammlung in aller Eile für geschloffen. Einem Hoch auf Vöckel, das aus den Reihen der Getreuen desselben auö^ ob. acht wurde, antworteten in ausgiebiger Weise kräftige Hochs ouf Herrn Schreiber, die sich noch wicdtrholten, als dieser den Saal bereits verlassen hatte. Dieser plötzliche Abschluß der Versammlung, dessen wahrer Beweggrund selbstverständlich auch" dem einfachsten Verstände klar war, diese ..muthige" Verhängung der Mundsperre über einen angegriffenen Gegner halte auf die Versaminlung sichtlich einen nichts weniger als günstigen Eindruck gemacht und gerade noch gefchlt, um den eigenartigen „Triumph", den Herr Böckel heute davongetrage», zu vervollsländigen. So ist's dem Amisemiteuführcr Dr. Böckel ergangen, als er in Gedern „dem Treibeu-der Juden steuern" wollte. Ueber seine Erfolge als Nr. 38 „Steuermann" wird er sich wohl selbst keinen Illusionen hingeben. Alexandrien, 7. September. Wie Ihnen bereits bekannt ist verweigert die türkische Regierung aus gewissen Gründen den russischen Emigranten die Niederlassung in Palästina. Vor 5 Wochen sind 250 russische Familien in Jaffa zu landen gehindert wo»dm, welche mi tellos und zum Theile krank hieher nach Alexandrien kamen. Um diesen unglücklichen Glaubensgenossen gleich hilfreich unter die Arme greifen zu köniten. hat sich sofort auf Initiative des hiesigen Rabbiners und des wackeren Handwerker-Vereines ,,Iad Charuzim“ ein Hilfscomite gebildet. „Comite Egyptien de Secours anx Emigrants israelites fusses d’Alexandrie“ Ehrenpräsident Sr. Ehrw. Elia B. Hazzau Rabbiner Mappiore, Präsident: Victor Aghion, Secrelär: Victor Samama, die anderen Functionen übernah.nen die Herren: Jaques Margosches, Jsaac Bronstein, Jacob Schildreich, Peter Rudolf Josef Salama, und Samuel Hornstein. Dank der Thätigkeit sowohl dieses als auch eines constituirten Damen-Comite's war in den ersten Wochen für Nahrung Wohnung und Kleidung im reichlichsten Maaße vorgeforgt. Der Verein '„lad Charuzim“ hat 50 Personen bei der Me AdouLir Company Limited als Tagarbeiter placirt und verdienen ein'ge Handtverker 4—5 Shillings pro Tag, hingegen die Erdarbeiter bloß 1 Pfund Sterling pro Monat . diesen letzteren spend t das Comite täglich Zucker, Thee und ein Brod. Die' Mittel w lche bis heute unserem Comite zu Gebote stehen sind von Sammlungen unserer Glaubensgenossen. Eine . größere Unterstützung haben wir leider von der hiesigen Ge- : meinde noch nicht erhalten. Diese Letztere projectirt in der hiesigen! Umgebung eine Colonie für 100 Personen zu gründen und , zwar mittelst Actien bis 10.000 Pfund Sterling — gewiß eine j lobenswerte Idee da der hiesige Boden viel besser sich zum I bearbeiten eignet als der palästinensische.! Jaques M—s. VmmMes. Wien. (Ku ndmachung.) Die Einschreibung für die hebräische Sprach- und Bibelschule beginnt: Sonntag, den 27. September d. I um 11 Uhr Vormittags für die untere Abtheilung im kleinen Betsaale (Tempelgaffe Nr. 3); für die obere Abtheilung im Gemeindehause I. Bezirk (Seitenstettengassc 4, III. Stock.) Wien, 22. September 1691. Se. M. der Kaiser Dom Pedro hat der Curstadt Cannes, vo er vorigen Winter weilte und wohin er sich wieder im October d. I. begeben wird, für die Bibliothek ein werthv'lles Buch (von Bichy aus) zugeschickt. Das Buch hat folgenden Titel: „Poösies Hbreico provengales du rituel israelite, traduites et transcrites par Se. M. Dom Pedro II." Das Buch enthält hebräische