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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-25 · 38 (25.9.1891) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
38 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 38 OeMrrrichifchr Wochenschrift. Seite 701 vo. stellen, wie wir empfinden mußten, die wir unter Metternich ' jung waren?" fragt der greise Poet. Auch eine^ Besuches I Grillparzer's in den Vierziger-Jahren bei dem Bankier Wertbeimer wird unter Anderen gedacht; mit wie kindlicher Herzlichkeit Grillparzer da über einen von L o r m verfaßten humoristischen Vortrag gelacht habe, dessen ernste Schlußwendung lautete: Daß im geistigen Leben Oesterreichs die Poesie nur ein verschwommener Traum war, bis Grillparzer erschien; durch ihn ward „der Traum ein Leben". Innsbruck, den 18. September, k. In Innsbruck vor dem Schwurgerichte standen sich dieser Tage zwei clericale Journalisten als Kläger und Geklagter gegenüber. Der Eine behauptete, der Andere habe ihm seine Ehre beleidigt, und das vorläufige Ende der Verhandlung bestand in -der Vertagung, denn der Gerichtshof erkannte, man müsse doch noch vor der Entscheidung der Sache den Hofrath Lienbacher und Herrn v. Zallinger als Zeugen darüber hören, ob der ehrenbeleidigende „Stimmen"-Redacteur die Wahrheit über den Mann der Linzer „Österreichischen Correspond.'nz" geschrieben habe, oder eine unverdiente Unwahrheit. Interessant 'aber ist dieser Prozeß besonders durch seine Enthüllung über die persönlichen Eigenschaften gewisser clericaler Journalisten. Die Veruntreuung, welche dem Manne durch das Zeugniß seines früheren Chefs und durch eigenes schriftliches Geständniß bereits so gut wie nachgewiescn erschünt, ist kein Hinderniß, daß er hinterher eine Rolle, in d:r Oeffentlicksteit der clericalen Darteibestrebungen spielt."Aber auch abgesehen davon, er vertritt eine politische Richtung und Tonart, so lange er dafür bezahlt ist, und ändert dieselbe, sobald er sich in der Erwartung, weiter bezahlt zu werden, getäuscht sieht. Man weiß, mit welcher Gehässigkeit in den clericalen Blättern stets über den persönlichen .Charakter Liberaler Journalisten förmlich gattungswcise der Stab gebrochen wird. Die Herren Pharisäer mögen gefälligst an Exemplare nicht vergessen, wie sie aus den zu Innsbruck enthüllten Geheimnissen des Preßbureaus zu erkennen sind. Der Held dieses Prozeßes ist ein sicherer Alfred Regner welcher in Speyer einkassirte Rechnungen von 232 Mark nicht abgeführt hat, daraufhin in Oesterreich einen clerikalen Antisemitismus verschleißte. Czernowitz. Bei Gelegenheit des Besuches, mit welchen Sr. Excellenz der Herr Instizniinister unsere Stadt beehrte, erschien derselbe aucb im hiesigen isr. Tempel. Sr. Excellenz wurde am Portale dieses Gotteshauses durch den Präsidenten- Stellvertreter der Gemeinde Herrn Baltinester, den Mitgliedern des Cultusvorstandes und des Tempelcomitös empfangen und namens der Gemeinde in kurzer Ansprache begriißt, woraus die Vorstellung der Herrn Amster, Leibuka Barber, Dr. Heinrich Kiesler, C. Luttinger und Carl Rosenzweig erfolgte und Sr. Excellenz ersucht wurde das Gotteshaus zu betreten und in Augenschein zu nehmen, wobei Herr Baltinester den Führer machte und über die Entstehungsgeschichte des Tempels und der in demselben bestehenden Gebräuche und religiösen Gepflogenheiten sowie über alle sonstigen mittheilungswerthen Einrichtungen Aufklärungen ertheilte. Hiebei lenkte Herr Baltinestcr die Aufmerksamkeit des hohen Gastes auf jene Stelle int Tempel, wo Sr. Majestät der Kaiser während seines Allerhöchsten Besuches im Tempel weilte und die durch eine . Gedenktafel verewigt wurde. Sichtlich befriedigt vom Gesehenen und Vernominenen dankte der Minister für den ihm darge- ' brachten warmen Empfang und äußerte wiederholt seine Bel wunderung über den herrlichen Bau dieses Gotteshauses und seiner schönen Ausstattung. Beim Verlassen dieses, in allen Räumen gefüllten Gotteshauses ergriff Herr Baltinester das Wort zu folgender Ansprache: „Gestatten, daß ich Euere Excellenz im Namen unserer 17.000 Seelen zählenden hiesigen israelitischen Cultusgemeinde für den uns so auszeichnenden hohen Besuch den tiefgefühlten Dank abstat:e und bitte, die Ueberzeugung entgegennehmen zu wollen, daß die hiesigen jüdischen Bürger in ihrer Liebe und Treue zu unserem erhabenen Monarchen und in Erfüllung ihrer staatsbürgerlich:n Pflichten allen anderen Staatsbürgern anderer Confeffion gleichwerthig sind Ich bitte bei diesem feierlichen Anlasse auch zu gestatten, daß wir unsere Freude auch darüber ausdrücken, daß im Geleite Euerer Excellenz sich zwei Männer, näinlich Sr. Excellenz der Herr Oberlandesgerichts-Präsideut Freiher v. Szymonowicz und Herr Landesgerichtsprästdent Martyuowicz befinden, welche als unsere Landeskinder, llals Söhne dieser Stadt zum erstenmale zu so hohen richterlichen Functionen berufen wurden. Es ist uns eine Herzensfreude dies vor Eurer Excellenz frei und unumwunden aussprechen zu können." Se. Excellenz entgegnete hierauf, dem Herrn Baltinester, der mit den militärischen Ehrenzeichen jdecorirt war, die Hand reichend, daß es ihn ungemein freue, die Vertretung der Cultusgemeinde in Händen eines Mannes zu wissen, bei dem er die sichtbarsten Zeichen der Loyalität und Tapferkeit vor Augen habe, worauf der Minister, von den Anwesenden ehrfuhrchtsvollst begrüßt, seine Rundfahrt fortsetzte. Temesvar. Bei den am 16. September von Sr. Majestät dem Kaiser stattgehabten Audienzen erschienen die drei israelitischen Gemeinden Temesvar unter Führung des Präses Jg. S. Eisenstädter in großer Anzahl und fungirte als Sprecher Se. Ehrwürden Oberrabbiner Dr. Moriz Löwy Nachdem derselbe bedeckten Hauptes in hebräischer Sprache einen Segensspruch sprach, hielt er folgende mit Pathos vorgetragene Ansprache: Kaiserliche und Apostolisch königliche Majestät! Allergnädigster Herr und König! Im Namen der Temesvarer isr. Religionsgemeinden sollten wir heute des hohen Glückes theilhaft werden, Ew. Majestät von Angesicht zu Angesicht allerunterthänigst begrüßen und den schuldigen Tribut tiefster homogialer Huldigung Ew. Majestät zu Füßen legen zu können. Bete für das Wohl des Königs, denn nur Kampf und grauenvolle Zwietracht walten dort, wo die Ehrfurcht vor dem Könige geschwunden ist" — also spricht zu uns Israeliten, von altersgrauer Zeit her, ein Wort hochheiliger Lehre, ein Gebot unserer Religion. Doch noch gab es kaum ein Zeitalter und noch gab und gibt es wohl kaum ein Land, dessen jüdische Einwohner ihren Herrschern gegenüber von so grenzenloser Ehrfurcht, von so unendlicher an Anbetung grenzender Liebe und Verehrung beseelt und erfüllt gewesen mären, wie wir Ew. Majestät gegenüber. Denn unter der glorreichen Regierung Ew. Majestät wurden wir aus bloßen jüdischen Einwohnern dieses Landes, zu Söhnen und gleichberechtigten jüdischen Bürgern dieses unseres heißgeliebten ungarischen V a t e r l a n d e s und unter dem . Schatten des milden Scepters und königlichen und väterlichen Schutzes Ew. Majestät genießen wir fort und fort unserer Rechte, und ist und bleibt es uns stets vergönnt, unsere

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