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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-25 · 38 (25.9.1891) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
38 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 700 Oesterrrichifchr Wochenschrift. Nr. 38 wir Sie in nächster Nummer Ihres Blattes und zwar an gleicher Stelle um Aufnahme folgender Berichtigung Ihrer „Correspondcnz" aus Wien auf Seite 630 : Es ist unwahr, daß bei unserer Firma ein Arbeiter seines Glaubens wegen nicht aufgenommen wurde unv oaß ihm vls Grund der Nichtaufnaöme gesagt wurde: „Juden dürfen wir nicht aufnehmen." Es ist im Gegentheilc wahr, daß wir, seitdem wir die Firma führen, immer auch Israeliten beschäftigten und so auch jetzt solche in unserer Fabrik als Arbeiter dienen. Achtungsvoll I. C. Klinkosch. Nachschrift der Redaction: Wir haben bei Publication des hier erwähnten Berichtes ausdrücklich angegeben, daß derselbe der „Arbeiter-Zeitung" entnommen ist und wir wundern uns, daß die Firma Kl in ko sch mit ihrer „Berichtigung" sich nicht an die Adresse der „Arbeit w-Zeitung" gewendet hat. Wien. (Man schreibt uns aus dem Waldviertel.) Wenn es je einm Punkt auf Erden gibt, wo Gerechtigkeit, B'ederkeit und Ehrlichkeit heimisch sein sollten ist es der obere Theil des Wrldviertels das Feld der Kaisermanöver. Dort thront der Wodan von Zwettel in seiner Walhalla und singen seine Walküren schon jahrelang das hohe Lied von der Corruption und Ausbeutung durch das Semitenthum. Nun traten anläßlich der Manöver wunderbare Dinge zu Tage: Die Soldaten wurden von vielen Wirtsleuten und von einem großen Theile der bäuerlichen Bevölkerung förmlich ausgeplündert. „Wasser" wurde verkauft, für ein „Ei" 10 kr. verlangt, für zwei Zwiebel 24 kr., für einen Liter Milch 40 kr. und ein miserabler gewässerter Wein wurde a 60 kr. per Liter verabreicht; ist daß auch himmlisch? „Himmelschreiend" wohl! Doch in der Walhalla soll der Wein sehr billig sein, und dort dürfte es kauin Vorkommen daß Wirth und Wirthin wie es im Dorfe M. geschehen von den ergrimmten Kriegern geprügelt wurden. Ritter Georg und seine Schildknappen sind wahrhaftig nicht schuld daran, daß es auch im Waldviertel ehrliche Leute und gute Patrioten in Menge gibt, eher dürfte ihr Treiben Ursache sein, daß so viele von der Corruption und Ausbeutungssucht ergriffen, jeden Splitter anderwärts bemerken und den Balken vor den Augen nicht sehen. Die bosnischen Soldaten haben kein Stückchen Obst von der Erde aufgehoben, ohne vorher den Eigenthümer zu fragen, das sind Leute mit Türkenköpfen und Judennasen ihrem ganzen Wesen nach Semiten; diejenigen die das Militär geplündert, sind größtencheils Wähler des Herrn Dötz und selbstverständlich Urgermanen. Wien. (Antisemische Früchtel.) Es ist 11 Uhr Schluß der Vorbörse. Von dem Porticus des Börsengebäudes am Schottenring steigen die Herren in dichten Gruppen auf die breite Straße hinab. Da taucht zwischen einer solchen Gruppe plötzlich ein Lehrbursch mit einem Bündel auf dem Rücken um den Hals geschlungen webklagend auf: „Aner von da hat mir mei Brieftaschel aus dem Rock zogen. Mei Master bringt mi um, wenn i 's Geld net z'haus bring. Mei Brieftaschel will i! Mei Brieftaschel her!" Die Herren blieben stehen und sahen den heulenden Burschen an, in den Meisten stieg der Verdacht auf, daß er den Diebstahl nur simulirt und sie wollten weiter gehen. Da trat Einer von ihnen an den Jungeil heran und sagte: „Wie viel ist Dir denn gestohlen worden, Bürschcrl?" „Vier Gulden " sagte der Junge weinerlich und wischte sich mit dem R)kwmel die Augen roth „Vier Gulden! Wart* einen Augenblick, Du sollst Dein Geld gleich haben." Der Bursch' flätschte vor Freude die Zahne. Und der Herr wendete sich zu den anderen Umstehenden und flüsterte ihnen etwas zu und man sah, wie Jeder s in Portemonnaie öffnete und dem Herrn etwas gab, worauf dieser sich wieder zu dem Knaben kehrte und sagte: „Dein gestohlenes Geld ist wieder da. Damit xes Dir aber nicht wieder gestohlen wird, wird Jemand mit Dir gehen und es dem Meister übergeben. Und der Herr schritt quer die Straße hinüber, dem Polizeigebäude zu. Einige Schritte ging der Bursche an seiner Seite, auf einmal nahm er jedoch einen Anlauf und rannte davon, die Wipplingerstraße hinein, wo er verschwand. Die Notiz: „Börseaner haben einen armen Lehrburschen bestohlen", war' für daS „Deutsche Volksblatt" gar zu schön gewesen, es hat nicht sollen sein. ■ Wien. Der Rechtsanwalt der Tramway-Bediensteten, Dr. Lueger, hat in einer Versammlung bei de« „Engeln" über die Erfolge berichtet, die er bisher nich t erzielt hat: Die Tramway-Gesellschaft hat die Rekurse gegen die Entlassung der Condukteure Schönbrunn und Meisl und des Kutschers Doftal abschlägig bcschieden; dasselbe Schicksal widerfuhr dem Rekurs des Condukteurs Hamberge r. Dr Lueger hat ferner die Forderungen der Bediensteten in einer Eingabe an die Behörde zusammengefaßt und dabei — wie wir aus dem „Deutschen Volksblatt" ersehen — daß von den Sozialdemokraten verfaßte „II. Memorandum" stellenweise wörtlich, im Uebrigen aber dem Inhalt nach, ab geschrieben. Für diese Kunst ist das Sechserl welches jeder Bedienstete allwöchentlich an Expensen zahlen soll, entschieden zu viel Geld! . . . Wie Lueger selbst berichtet, hat ihn die Direction nicht als Vertreter der Bediensteten anerkannt, bei den Behörden dürfte er dieselbe unangenehme Erfahrung machen. — Wo wird er dann die auf den Leim gegangenen Bediensteten „vertreten"? Wir geben ihm noch sechs Monate Zeit sich zu blamiren — die Galgenfrist dürfte genügen! Wien. (Hieronymus Lorm über Grillparzer.) Für den Glückwunsch der Grillparzer-Gesellschaft zu seinen 70. Geburtstage hat H. Lorm in einem ausführlichen Schreiben an den Vorstand derselben Dank gesagt, in welchem er auch seine Erinnerungen an Grillparzer wiedergibt. Er meint Grillparzer habe in die Entwicklung aller geistig strebenden Oesterreicher seiner Zeit, „und zwar nicht blos seine Werke, vielmehr vor Allem der Ruhm eines großartigen Eharakters seinen Namen wie ein Nimbus umschwebend, mächtig leitend eingegriffen". Besonders interessant ist es, daß L o r m schreibt, das geistig bewegte Wien.von 1838, welches allerdings sehr klein an Zahl gewesen sei, habe als entscheidendes Motiv, um den Fall des Stückes zu erklären, die herben Wahrheiten angesehen, welche in „Weh' dem, der lügt" dem Adel gesagt wurden Bei den Worten Gregor's im 5. Act: Gib nicht für einen Ahn, so alt er ist, Ten äit'sten ans, den ersten aller Ahnen" u. s. w. hätten sich „die Zuhörer des ersten Ranges zischend ans den Logen gebogen". Die Jugend des Vormärz aber habe in Grillparzer „einen Tröster in der Nacht und einen Herold des Lichtes" erblickt. „Kann sich die Jugend von heule überhaupt.

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