Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 38 (25.9.1891)
- Date
- 1891-09-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 38 Oeyerr-richifche Wochenschrift. Seite 699 gelangenden Verordnung erflehen. In vem,e.Lcu S'nne batte sich I Baron Hirsch an die russische Negierung gewendet-, er hatte ihr nahegelegt, an Stelle der sorcirten Ausweisungen ein gewisses Answanderungssystem zu schassen und dasselbe nach einer bestimmten Seal« ans Jahre hinaus auszudehnen, so das; jedes mit der Colonisirung der ausgewiesenen Juden beschäftigte Comitß in die Lage käme, unter Controle der russischen Regierung die zur Ausweisung verurtheilteu Juden zu colonisiren. Die einnge Absicht des Baron Hirsch in dieser Angelegenheit war, einer Ueberhastung vorzubeugen, welche das größte Elend für die Betrossenen zur Folge haben müßte. Mr. White war nicht im Stande, die erbetene Audienz beim Ezaren zu erlangen, cs war ihm also nicht möglich, dem Ezaren nahe, znlegen, wie grausam und unmenschlich die Ausführung der antisemitischen Verfügungen sei. Es scheint sogar, daß man in Rußland Werth daraus lege, bei der Ausführung der erwähnten Maßregeln noch unmenschlicher vorzugehen. Angesichts des nahenden Winters und der Hungersnoth, die in Ausland herrscht, ist die Verzweiflung und die R'oth der ausgewiesenen Inden bis au,'s Aeußerste gestiegen. Indessen hat Herr White noch nicht die Hoffnung ausgegeben, daß, wenn es gelingen sollte, dem Ezaren ein Bild des Jammers zu geben, den die drakonischen Gesetze herausbeschworen, es doch erreichbar wäre, das unsäglich traurige Loos der Ausgewiesenen zu mildern. Zu diesem Zwecke gedenkt Herr White abermals nach Petersburg zu gehen und neuerdings den Versuch zu machen, mit der Regierung in Verbindung zu treten und sie für den menschensreundlichen Plan des Baron Hirsch zu gewinnen, da auf andere Weise eine rationelle Hilfe gegen die Nothlage der Inden undenkbar erscheint. Interessant ist, daß auch die nichts weniger als judenfreundliche „Kreutzzeitung" in Berlin zugibt, daß die Art der Ausweisungen, speciell in Moskau, grausam sei und daß „mit unglaublicher, sinnloser Brutalität verfahren worden ist." Wien. (Zum antisemitischen Haberfeldtreiben gegen die „Oesterr. Wochenschrift.) An leitender Stelle besprechen wir die Vorgänge in der antisemitischen Volksversammlung des katholischen politischen Vereines Margarethen vom 31. September. Die Resolution welche in dieser Versammlung in derselben Angelegenheit beschlossen wurde, lautet: „Das vom Rabbiner Dr. Bloch herausgegebene Wochenblatt „Oesterreichische Wochenschrift" bringt in den Nummern 34 und 35 eine Serie von Artikeln, in denen der Nachweis zu erbringen versucht wird, daß die wider die Juden erhobene Beschuldigung der Verwendung von Menschenblut zu rituellen Zwecken, ein Gebrauch der christlichen Kirche sei, daß zahlreiche Reliquien, welche von den Gläubigen der katholischen Kirche verehrt werden, Fälschungen seien, die ihren Ursprung ritualen Blutmorden verdanken, daß viele Wunder die seitens dieser Reliquien gewirkt wurden, ein schamloser Betrug seien, znm Zwecke der Erhöhung der kirchlichen (Einnahmen u. s. w. Gegen alle diese unqualificirbaren Beschimpfungen und Bespöttelungen unserer gesetzlich anerkannten Kirche, hat Rabbiner Bloch nicht einen Beweis für die Richtigkeit seiner Beschuldigungen erbracht. Angesichts der befremdenden Thatsache, daß außer einem einzigen christlichen Wochenblatte, der „Jllustr. Wr. Volkszeitung", das in der anerkennenswerthesten Weise unaufgefordert die Initiative zu einer energischen Abwehr dieser schamlosen Verdächtigung unseres Glaubens ergreift, kein einziges der zahlreichen, ausschließlich die Interessen der katholischen Kirche vertretenden Tages- und Wochenblätter diesen Pauschalverdächtigungen des Rabbiners Bloch entgegentrat, in Erwägung, daß die durch das genannte jüdische Wochenblatt in die Welt hinausgetragenen Beschuldigungen in den weitesten Kreisen der Bevölkerung besprochen wurden und allenthalben in katholischen Kreisen großcs Aergcrniß Hervorriesen uuö in Erwägung, ba« diese seüens der hiezu berufenen kirchlichen Behörden bis jetzt nicht widerlegten Beschuldigungen geeignet sind, das Ansehen der Kirche im Volke zu untergraben, geben sich die Unterzeichneten der sicheren (Erwartung hin, daß durch ein erzbischöfliches D.rdinariat die energischesten Vorkehrungen getrosten werden, um unserenr liefverletzten religiösen Gefühle jene Genugthuung zu geben, wie ste die schwere, wider die gcsammte Ehristenheit erhobene Beschuldigung erfordert." Das Laterland vom 23. September bringt folgende Zuschrift: Wien, 22. September. Herrn Peter Da hm, verantwortlichen Redacteur des ..Vaterland" Wien. In Rümmer 260 vom 22. September 1691 aus Seite 4 bringen Sie unter Ueberschrisl: „Abgeordneter Pr. Lueger über die Parteien", den Bericht über eine Rede des genannten Abgeordneten, in welchem mir „unqualisizirbare Auslassungen", welche die ..Gefühle der katholischen Welt beleidigen", vorgeworsen werden. Im Grunde des 19 des Preßgesetzes ersuche ich mit Bezug auf diesen Theil Ihres Berichtes um Ausnahme nachstehender Berichtigung: Es ist unwahr, daß in der von mir herausgegebenen „Sesterr. Wochenschrift" behauptet worden, „daß die katholische xirche dem Blutritnale huldige." Wahr ist vielmehr, daß in den letzten Nummern der von mir herausgegebenen „Desterr. Wochenschrift" wissenschaftliche t>rcerpte aus Werken arisch-christlicher Schriftsteller enthalten tvaren, welche bewiesen, daß der arisch-heidnische Blutglaude als Aberglaube noch derzeit in weiten Kreisen der niederen arischen Bevölkerung vorherrsche. Es ist unwahr, daß je in irgend einer Nummer der „Rabbiner- Wochenschrift" Auslassungen enthalten waren, welche die „Gefühle der katholischen Welt" beleidigen. Wahr ist vielmehr, daß der Nachweis erbracht worden, daß die chinesischen Christenmörder in der Aufwiegelung des Volkes gegen die unschuldigen Katholiken nach Art der Wiener Antisemiten verfahren und diesen das Handwerk abgeiernr haben.' Ergebenst Dr. I. S. Bloch, Reichsrathsabgeordneter, Herausgeber und ^verantwortlicher Redacteur der „Oesterreichischen Wochenschrift." Das „Deutsche Volksblatt" enthält eine Berichtigung ähnlichen Inhaltes. Die liberalen Tagesblättcr publiciren nachstehende Erklärung: Geehrter Herr Redakteur! Aus antisemitischen Blättern erfahre ich, daß Herr Dr. Karl Lueger es wieder für gut fand, [in einer in der Plenarversammlung des katholisch-politischen Vereins Margarethen gehaltenen Rede am 21. September in der bei ihm beliebten Weise verleumderische und verdächtigende Angriffe gegen mich zu richten und seinen Zuhörern zu erzählen, das ich unerhörte Schmähungen gegen das Christenthum schleudere. Selbstverständlich ist es bei der Qualität dieses Herrn daß er die Staatsanwaltschaft und die Kirchcnbehörden zum Schutze des angeblich angegriffenen Christenthums ausrust. Gewohnt, den Auslassungen des Herrn Dr. Lueger mit jener Achtung;u begegnen, auf welche die Persönlichkeit dieses Herrn Anspruch erheben kann, würde ich es auch unterlassen haben, den neuerlichen Anwurf zu beantworten. Allein der Umstand, daß derselbe einen entschieden hetzerischen Charakter gegen meine Glaubensgenossen trägt, veranlasst mich zu der Bitte, mir die Erklärung zu gestatten: Alles, was Herr Tr. Karl Lueger über meine angeblichen Angriffe gegen das Christenthum in seiner gestrigen Rede gesagt hat, ist unverfrorenste Unwahrheit. Wien, am 22. September 1891. Dr. I. S. Bloch, Reichsrat hsabgeordneler. Wien, 21. Septembers 1891. Von der Firma I. C. Klinkosch erhalten wir nachstehende Berichtigung: „Bezugnehmend auf dm § 19 des Preßgesetzes ersuchen