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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-25 · 38 (25.9.1891) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
38 (25.9.1891)
Date
1891-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Seite 697 das geringste rauben, noch stehlen darf. Hat dir ein Nicht jude eine Gnade oder eine Gefälligkeit erwiesen, so beeile dich, es ihm zu vergelten. Thust du es nicht so vergilt es ihm Gott in dieser oder jener Welt und zieht dir an deinem Lohne ab, was du dem Nichtjuden an Entgelt vorenthalten." „Oder aus den „Amuds Schesch" des R. Salomo Ephraim aus Lenczye in Prag (16. Jahrh.): ..Täglich sollen die Lehrer ihre Schüler zur Sittlichkeit anhalten, nicht wie jetzt die Lehrer thun. Deswegen lärmen die meisten Kinder, trenn sie nach dem Unterricht nach Hause gehen derart aus der Gasse, daß die Erde erbebt und haben vor Niemanden Achtung, sondern tummeln sich wie die Kälber auf offenen Straßen, ohne Zucht und Lebensart. Deswegen wird auch die Gewohnheit bei Manchem zur zweiten Natur, daß sie selbst w^nn sie größer geworden, Niemanden achten. Das ist unter uns eine unaufhörliche Plage, welche der größte Theil des Voltes nicht beachtet, wenn sie s ch auch darüber wundern, daß solche Erscheinungen bei den jüdischen Knaben mehr als bei denen aller Völker sich .-eigen." Derselbe rügt ferner die Klatschsucht und Zanksucht, die unter uns mehr als bei allen Völkern heimisch seien. Dieselbe tolerante Anerkennung der guten Eigenschaften des Gegners zollt r.nter Anderem auch R. Jair Chaim Bacharach. Rabbiner in Worms (gest. 1703): „Wir sollten mit Rahe und Vernunft pilpu.'isiren, so daß der Eine zuvor hört, was der Andere sagt, und ihm nicht in die Rede fällt. So streiten ihre (der Christen) Gelehrte mit einander." Die zweite Abtheilnng umfaßt' 9 Mittheilungen aus städtischen und jüdischen Gemeindeakten, welche die Organisation der bezüglichen Schulen betressen. Die erste dieser Mittheklungen ist eine Rathsverordnung wegen der Judenschule zu Nürnberg vom 31. August 1406. E' ist dizses Buch, in welchem der Autor eine immense Belesenheit in dem unendlichen Gebiete der jüdischen Literatur bekundet und einen Sammeleifer zeigt, der gar keine Mühe und Kosten scheute, eine wahre That sür's Judenthiim in seinem Kampfe gegen die modemen Angriffe ans seine ^chulfreundlichkeit und sollte in keiner Hausbibliothek eines Juden fehlen. Wir können bei dieser Gelegenheit die Klage nicht unterdrücken, daß unsere Reichen eher jede andere als die jüdische Literatur unterstützen. Wir lesen sehr gerne derlei Bücher, wenn der Autor sie uns — schenkt oder wcn'gstens leihweise überläßt. Dadurch nmß die jüdische Literatur immer mehr verkümmern. Der Verleger des vorliegenden Werkes, der demselben mit Aufwand großer Kosten eine herrliche Ausstattung gegeben und sich darum schon einen Dank verdient, wird gewiß kein zweites Mal ein jüdisches We.k verlegen, wenn er an diesem aus Mangel an Absatz Einbuße erleidet. Alle anderen Völker setzen ihren Stolz in ihre Literatur und suchen sie zu heben; wir aber üben darin eine Selbstbeherrschung, daß es gar nicht Wunder nehlnen kann, wenn wir die Achtung der Außenwelt verlieren. Möge auch eine neue, bessere Zeit für unsere Literatur beginnen! - Meyrrbrer's Anstchkrn Wer SynagogalmuM. Aus Anlaß der Meyerbeer-Centennarfeier veröffentlichte L. A. Frankl in der „Neuen Freien Presse" unter dem Titel: „Erinnerungen an Meyerbeer" ein Feuilleton, welches einige Bemerkungen des Meisters in Betreff des israelitischen Gottesdienstes enthält, die wenn sie nicht etwa auf ein Mißverständniß seitens des hochgeschätzten Dichters zurückzuführen sind, wie dies ja bei der Wiedergabe fachlicher Urtheile durch Laien, namentlich auf musikalischen: Gebiete, vorzukommen pflegt, wobei oft ein überhörtes oder (wenn auch bona fide) aus eigenem hinzugefügtes Wort beträchtlichen Schaden verursachen kann, geeignet wären, Meister Giacomo, im strikten Gegensätze zu den Biographien und den persönlichen Erinnerungen noch lebender Zeitgenossen Meyerbeer's, als enragirten Anhänger der orthodoxen Richtung erscheinen zu lasten. In diesem Falle wäre die Abneigung Meyerbeer's gegen die Einführung der Orgel in der Synagoge allerdings erklärlich. Nun ist aber Folgendes in Betracht zu ziehen. Meyerbeer bezeichnet die Orgel als eminent christliches Instrument und meint, daß, wenn überhaupt von einer Instrumentalmusik im Tempel die Rede sein könne, allenfalls, wie im Salomonischen Tempel, nur Harfen, Flöten und Posaunen verwendet werden sollten. Nrrn, wenn die Orgel als ein christliches Instrument bezeichnet wird, so gilt dies in nicht geringerem Maße von Harfen, Flöten re., die ja bekanntlich ebenfalls in der Kirche Verwendung ffnden; daß die Orgel im Salomonischen Tempel nicht ertönte, ist begreiflich, denn — sie existirte damal) noch nicht. Es ist wohl nicht daran zu zu zweifeln, daß Meyerbeer, dergeistreiche, denkende Künstler sich auch zu dieser Anschauung bekannte. Wenn wir also dennoch, und zwar gegen unsere Ueberzeugung, gelten lassen wollten, der Meister habe gegen die Orgel religiöse Bedenken gehegt — der Musiker in Meyerbeer hatte dieselben unbedingt zum Schweigen bringen müssen schon durch die Erkenntniß des hohen Werthes, den die Orgel als Stütze des Ehores besitzt. Unser Hofopernchor ist längst als ein vortrefflicher rühmlichst bekannt; dennoch wird er, wo dies auch nur halbwegs angeht, durch die Orgel unterstützt. Im weit höherem Maße muß ein solcher Behelf für Synagogenchöre bkgehrenswerth erscheinen, bei welchen die Mitwirkung weiblicher Stimmen verpönt ist und mit einem in guter Oualitäl bekanntlich schwer zu beschaffendem Materiale an Knabenstimmen vvrlieb genommen werden muß. Nicht die Orgel ist es, die vom israeliiischen Gottesdienste fern bleiben soll, sondern ihre an die Kirche erinnernde Behandlungsweise. Gerade M ey erbe er hat uns — seltsamer Weise in der Domscene des „Propheten^ — bewiesen, daß der Orgelklang keineswegs an die Kirche erinnern muß, wiewohl dies an jener Stelle vollkommen am Platze wäre. Ein weiterer Ausspiuch Meyerbeer's lautet dem Frankl'schen Feuilleton zufolge: „Der treffliche Sänger Sulz er hat, von seiner genialen Kraft verleitet, die althebräischen, polnischen und sephardischen Melodien veropert und ihnen Schaden zugefügt". Dieser Aeußerung nach, hätte Meyerb e e r an dem Vorhandensein eines Melodienschatzes von unzweifelhaft althebräischer, polnischer und sephardischer Provenienz geglaubt. Leider förderten emsige Forscherarbeiten ein negatives Resultat zu Tage. Alles, was wir besitzen, beschränkt sich — die diversen Singweisen kommen hier nicht in Betracht — auf einige melodische Sätze, die in Ermangelung von Ausschreibungen, durch die mündliche oder vielmehr mundgerechte Ueberliefer ung fortwährende Veränderungen erlitten. Salomon S u l; e r erkannte kraft seiner Begabung die Verunstaltung der Melodien und beseitigte sie. Wenn dies „veropern" heißt —dann sei dem angeblichen Meyerbe er'schen Ausspruche die tiestte Referenz dargebracht. Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß Meyer beer, der seine colostalcn Erfolge einzig und allein der Oper verdankte, gerade jene Kunstrichtung, die sein ganzes Denken und Fühlen in 'Anspruch nahm, als Ausdrucksmittel zur Herabminderung des Werthes der reformatorischen Thätigkeit eines Mannes gewählt haben soll, dem er, wie folgende Episode beweist, gleich seinen berühmten Zeitgenossen, Schubert, Schumann, Lenau, Liszt u. A. Verehrung und volle Werthschätzung entgegen brachte.

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