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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-18 · 37 (18.9.1891) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
37 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 37 Orsterrrichifche Wochenschrift. Seite 687 minister ist dieser Tage eine Petition der Großwardeiner Israelitischen Gemeinde gelangt, aus deren Erledigung man gespannt sein darf. Der neue, dortige Oberdirektor Alexius, Kuncz hat nämlich die durch ministerielle Versagung gewährleistete Begünstigung, daß an Samstagen in der Realschule kein Unterricht stattfinden solle, ohne Angabe von Gründen eingestellt. Da in der Realschule zahlreiche jüdische Schüler sind, so hat dieses Vorgehen begreiflicherweise großes Aufsehen erregt und zu dem erwähnten Schritte Anlaß gegeben. Podgorze, 15. Ssptember 1891. In unserer neu sich zu constituirenden jüdischen Cultus - Gemeinde, wurden die Herren: Dr. S. Aronsohn, Simon Dunkelblum und Isak Meksandrovicz als provisorische Cultus-Vorsteher gewählt. Roth-Janowih. In dem eine halbe Stunde entfernt gelegenen Dorfe Anjezdec hat vor einigen Wochen ein Weib einen erwachsenen, etwa achtjährigen jüdischen Knaben aus der Wiener Findelanstalt übernommen. Der Knabe mußte bisher bei sehr anständigen israelitischen Leuten gewesen sein, denn er spricht ein sehr schönes Deutsch und weiß viele Zeremonien, die auf eine religiöse Erziehung schließen lassen. Jetzt muß er Gänse weiden und wird bald Alles vergessen, was er gelernt hat und wie er erzogen worden ist. Der hiesige Dechant, Se. Hochwürden Herr Franz Josleni ist ein toleranter Priester und es ist nicht zu befürchten, daß er aus Proselytenmacherei den Knaben für das Christenthum zu gewinnen suchen werde; aber der Knabe wird ohne jeden religiösen Unteericht und ohne religiöse Erziehung bei den Bauersleuten aufwachsen. Nimmt denn die Verwaltung der Wiener Findelanstalt gar keine Rücksicht auf die Individualität der Kinder und sind ihr diese blos Nummern? Vielleicht nimmt sich ein Menschenfreund dieses Knaben an, in diesem Falle wolle man sich an Gottfried Lengsfelder in Roth - Janowitz, Station Kuttenberg Stadt wenden. Lemberg, 11. September. An der galizischen Grenze wurde 40 mittellosen russischen Juden der Einlaß nach Oesterreich nicht gestattet. Die russischen Gendarmen wollten die Rückkehr dieser Emigranten nach Rußland verhindern, die österreichische Behörde schloß aber die Grenze ab, so daß die Auswanderer auf russischem Territorium znrückblieben. Die russischen Gendarmen drohten, daß man die Auswanderer mit dem nächsten Zuge nach Podwoloczyska a b s ch i e b e n werde. Lemberg. (Die Baron Hirsch'sche Stiftung in Galizien.) Angesichts des empfindlichen Mangels an israelitischem Lehrpersonal in Galizien, hat sich die Verwaltung der Baron Hirsch'schen Sttftung veranlaßt gesehen, Stipendien für israelitische Schüler der Lehrerseminare in Galizien auszuschreiben. Für's erste wurden, wie uns mitgetheilt wird, 15 Stipendien zu je 150 Gulden jährlich ausgeschrieben. Die Stipendisten sind verpflichtet, nach Beendigung des Studiums mindestens 3 Jahre lang an einer der Stiftungsschulen gegen etatsmäßige Besoldung thätig zu sein. Berlin, 1. September. In einer Verhandlung vor dem Schöffengericht am Sonnabend, wurde auch eine jüdische Frau Oppenheimer vernommen, welche dabei wörtlich äußerte: „Anständige Juden leisten keine Meineide, das thun nur Antisemiten " Der Vertheidiger Rechtsanwalt Lattermann stellte infolge dieses Vorganges den Anttag, die Zeugin wegen Ungebühr in eine Ordnungsstrafe zu nehmen; doch wurde dieser Antrag vom Gerichte abgelehnt. Leipzig, 5. September. Dem kgl. sächs. Sanitätsrath und Privatdozenten an der hiesigen Universität, Herrn Dr. Livius Fürst ist von dem Kaiser der Kgl. Preußische rotheAdlerorden IV. Classe verliehen worden. Herr Dr. Fürst ist auch mehrfach mit jüdisch-wissenschafllichen Arbeiten namentlich in den Philippson'schen Jahrbüchern hervorgetteten. Leipzig» 6. September. Gestern starb hier Herr Louis Bernays, ein Abkömmling der bekannten Hamburger Gelehrtenfamilie. Der Verstorbene war ein außerordentlich weitherziger Philantrop, dessen Schwelle kein Hilfesuchender ohne Unterstützung gefunden zu haben, verließ. Kempen, (Posen) 5. Sept. Dem Beigeordneten unserer S:adt, Kaufmann W i e r u s z o w s k i, ist der Kronenorden IV. Cl. verliehen und heute durch den Landrath v. Scheede überreicht worden. Breslau, 6. September. Der hiesigen „Gerichtszeitung" zufolge hat Amtsrichter Wiedemann, welcher in den letzten Jahren verschiedenen Zeitungen und Privatpersonen unter falschem Namen Briefe und Postkarten antisemitischen Inhaltes zusandte, beim Justizministerium seine Entlassung aus dem Justizdienste nachgesucht und And sich der Rechtsanwaltslaufbahn zuwenden. Im Interesse des Ansehens des Richterstandes kann es nur mit Befriedigung begrüßt werde», daß dieser Mann, dem offenbar die Oualificationen eines Richters abgingen, freiwillig aus einer Stellung ausscheidet, welche die absolute Unparteilichkeit des Inhabers voraussetzen muß Doch auch aus Anwaltskreisen sind bereits Stimmen laut geworden, die gegen die Zulaffung dieses Mannes, der so lange Ermittlungsrichter gewesen, den wohlberecht gten Protest erheben. Hamburg, 28. August. Hier eingegangenen Nachrichten zufolge, erstand Baron Hirsch neuerdings 5900 Acres Land zwischen Woodbine und Mont Pleasens-Newjersey zwecks Colonisirung durch russische Ausgewiesene. Die sehr fruchtbare Strecke liegt an zwei Eisenbahnen. Hamburg. Von glaubwürdiger Seite geht uns die Nachricht zu, daß die Sterblichkeit unter den kleinen Kindern unserer russischen Brüder in Argentinien eine enorme sein soll. Ein Grund mehr, um unsere ruffischen Brüder solange es nur irgend möglich, in ihrem Vaterlande zurückzuhallen und sie zu veranlassen, ohne zwingende Gründe ihre Heimat ja nicht zu verlassen. Halle, 11. September. Die „Saale-Zeitung" meldet aus Berlin, einer 'Anregung des Banquiers Bleichröder Folge gebend, habe Reichskanzler Caprivi das auswäriige Amt angewiesen, auf diplomatischem Wege beider brasilianischen Regierung die im großen Maßstabe geplante Einwanderung russischer Israeliten zu befürworten. Dem deutschen Gesandten in Rio de Janeiro se'en in diesem Sinne bereits Instructionen ertheilt. Karlsruhe. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben dem außerordentlichen Professor Dr. Moos an der Universität Heidelberg den Charakter als Honorarprofeffor verliehen. Brüffel. Der berühmte belgische Bildhauer Charles Wiener (Ist.) hat eine Denkmünze zur Erinnerung an das jüngste Beyreuthfeft verfertigt. Eine Seite enthält das Porttait Wagner's, die andere die Hauptcharaktere des großen Coinponisten, als: die Tochter des Rheins aus „Rheingold"; Siegfried aus der gleichnamigen Oper; Tannhäuser; Tristan aus „Tristan und Isolde" und andere. Die Zusammenstellung dieser Gruppe bot enorme Schwierigkeiten, welche der talentvolle Künstler aber glücklich überwunden hat. Die geschmackvolle Medaille hat einen Kunstwerth. (Ist es nicht merkwürdig, daß ein Jude zur Verherrlichung Wagners sein Talent verwendet, man sieht die Liebe zur Kunst achtet der confessionellen Schranke nicht. — Wagner selbst stand nicht auf dieser Höhe religiöser Borurtheilslosigkeit! Red.) London. Madame Brewer, die bekannte Schriftstellerin über sociale Fragen veröffentlicht in „Suday at Home" eine Artikelserie über „die Juden in London". In der Septembernummer dieses Blattes gewährt sie den Lesern einen Einblick in die Sitten und Gebräuche der Juden, welche sie hauptsächlich durch ihre Besuche bei verschiedenen armen jüdischen Familien kennen gelernt hat.

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