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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-18 · 37 (18.9.1891) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
37 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Säte 688 Orstrrrrichifchr Wochenschrift. Nr. 37 Ballarat. Der Bischof von Ballarat bescheinigte den Empfang einer ihm von Rev. S. GoLdreich zugesandten Broschüre über „die Verfolgung der Juden in Rußland" mit folgenden Begleitworten: „Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, daß das Lesen derselben mich mit Unwillen und Mitleid erfüllt hat. Die Leiden Ihrer Mitisraeliten sind schrecklich und nicht zu rechtfertigen. Wenn Sie die Bürgermeister unserer Städte für die Sache interessiren wollen, so will ich Sie gern mit allen nur zu Gebote stehenden Mitteln unterstützen. Wie w nig kann aber leider gethan werden, ein so ungeheuer großes Unglück zu beseitigen! Podbiedonostzew ist ein wahrhafter Haman." Cmeirmati, 19. August. Vier junge jüd. Maler, Emil Bloch, Georg Salomon, Laura Nürnberger und Clara Fechheimer, fuhren gestern in einem Kahn auf dem Ohio, um landschaftliche Skizzen aufzunehmen. Der Kahn schlug um und drei der Insassen ertranken. Nur Salomon konnte sich durch Schwimmen an's Ufer retten. Wochenkalrnder. Wochen- September 1891 Elul 5651 Kalender Freitag 18 15 Samstag 19 16 kan '2 Sonntag 20 17 Montag 21 18 Dienstag 22 19 Mitlwoch 23 20 Donnerstag 24 21 Freitag I 25 22 Feuilleton. Typen aus der Pretzburger Jndengasse. Bon Hermann Löwinger. (Nachdruck verbot<■«.] I. 5ch sehe sie noch, als wäre es erst heute, die beiden noch übrig gebliebenen Spezialitäten d:s einstigen Prcßburger Judenghellos, den „General Flederwische und „meschnge Sorele" wie sie am Samstag Nachmittag auf den längs dem Folc Lensches'schen Hauses laufenden breiten Stufen, neben einander sitzen. Beide die Rücken gegen einander gelehrt und trotz dieser zum Gespräche nicht cin'adenden Situation, im stillen von großen Gedanke »pausen unterbrochenen Discurse über die Schlechtigkeit der „jetzigen Well" die nur Unheil bringenden Neuerungen. Ter „General Flederwisch' mit seinem schielenden Blicke und immerfort iächc'nder Visage, ist natürlich im Feiertagscostüm mit schweren, tellerartigen Sabbathelin, stahlgrnnen Leibrock und weißen Leinwandhosen und Sorele mit ihrem dummen, aufgedunsenen Gesichte, ihren kleinen in einer Flcischhülle verborgenen Aeuglein und ungemein niederer Stirne, den so reizenden Kopf umrahmt von einem gro'-geblümten Kopftuche und einem Körperumfange, der durch die Bekleidung von nicht weniger als sechs bis sieben Unterro hn noch gesteigert wurde. Ueber die Juden gassi ist eine weihevolle Sabbathruhe gebreitet. Die Geschäftsläden sind geschlossen, die Gasse menschenleer, die Bewohner derselben haben sich zur Ruhe begeben und halten ihr Mittagsschläfchen. Nur einzelne spielende Kindergruppen bringen etwas Leben in die stille Jndengasse. Wer das Glück gehabt seine Jugendzeit in einer so streng religiösen, von wahren Gotteszlauben durchwunzenen Gemeinde wie es z. B. Preßburg ist, zu verleben, dem wird die feierliche und weihevolle Stille, die an Sabbath- und Feiertagen dem Judenviertcl ein eigenes Gepräge verleihen, unvergeßlich bleiben. Diese beschauliche Ruhe nimmt erst ihr Ende, wenn gegen 4 Uhr Nachmittags der „Schulklopfer" „in die Schul" ruft und die zahlreichen andächtigen Beter in die verschiedenen „Schulen" zum Minchagebet sich begeben. Bis zu dieser Zeit herrscht am Samstag Nachmittag „über allen Wipfeln Ruhe." So ruhen denn auch „General Flederwisch" und „meschnge Sorele" von den Arbeiten und Plackereien der Woche. Daß der „General Flederwisch" kein veritablcr General und daher seine Ruhe nicht den Mühen der in der Woche mitgemachten Manövern galt, brauchen wir wohl nicht unseren Lesern erst zu sagen; dies werden sie schon so auch gemerkt haben, daß diese Titulatur nur ein Spottname ist, wie sie noch immer in den alten Gemeinden ungerechterweise, den von der Natur an Geist und Körper vernachlässigten armen Menschenkindern von den Spottvögeln der Jndengasse beigelegt werden. Es ist eine Eigenthümlichkeit unserer Glaubensgenossen dieser Sarkasmus, diese Spottsucht, und es scheint, daß wir uns für den Spott, den wir selbst von anderen Völkern zu erdulden haben, bei unseren eigenen Glaubensbrüdern schadlos zu halten suchen. Unsere Leser werden aber schon aus dem Grunde den Generaltitel nicht für Ernst genommen haben, da wir Juden trotz der Emanzipation es bei uns noch nicht so weit gebracht haben, daß ein Jude und wäre er noch so tapfer und noch so ausgezeichnet, diesen hohen militärischen Rang erklimmen könnte. Wäre auch dieses Unwahrscheinliche der Fall, so würde ein Solcher schwerlich seine Siesta oder sein Plauderstündchen in der Preßburge.' Judengasse mit „meschnge Sorele" abhalten. General Flederwisch ist also nichts weniger als ein General, sondern ein „Träger" doch nicht eines großen Namens, sondern von nicht besonders schweren Lasten, die aber doch wegen seiner schwächlichen Constitution und seiner krummen linken Hand manchmal seine Kräfte zu übersteigen drohen. Gewöhnlich wird er zum Holz- und Scholcttragen und zu kleineren Fuhren mit Schiebkarren verwendet. Wieso er zu diesem hohen Range, zum Generalstitel gekommen, dies hat er seiner krummen Hand zu verdanken. Die Spötter behaupten, daß er Soldat gewesen und rin Kriege verwundet wurde. Zum Lohne dafür habe ihn die Preßburger Straßenjugend den Ehrentitel „General Flederwisch" beigelegt. In Wrhrheit aber verdankt er diesen hohen Titel seiner alten Gepflogenheit sich am Pnrimfeste als General zu maskiren und weil er auf seinem Generalshute, anstatt des obligaten grünen Federbusch einen Fliederwisch (Gänseflügel) angesteckt hatte. Doch sei es' aus welchem Grund immer, von den Gassenjungen wurde er als General behandelt. Kaum hat er Samstag Nachmittags Sorele verlassen, und geht durch die Jndengasse, so salutiren die in derselben Gasse spielenden Kinder und in echt militärischer Weise wird er beim Borbeipassieren mit dem Rufe: „Gewehrheraus" und „Habt Acht' begrüßt welchen Gruß er gewöhnlich mit „tausend Kries" und ähnliche Verwünschungen beantwortet. Es ist aber auch hochkomisch zu sehen, wie die Gassenjungen beim Erscheinen des Generals plötzlich ehrbietig Front machen und während der Größte unter ihnen „Gewehrheraus" schreit, die ande.en Burschen in Reih und Glied aufgestellt, ehrbietig salutiren, wie der General wüthend die Fäuste ballt, den Kindern nachrennt, diese aber nie erwischen kann. Diese Chrkanen und Staturen die er in der Gasse zu erdulden, vermochten es nicht, seinen angeborenen Humor und seine Selbstzufriedenheit zu verscheuchen. Wenn er an Wochentagen „gute Geschäfte" gemacht, so singt und jodelt er lustig beim Führen seines Schiebkarrens und am Samstag ist er immer bei guter Laune, wenn er neben Sorele auf den bewußten Stiegen sitzt und wenn er sie über die Achseln ansieht und bespötteln kann. Ja es ist eben bei uns der Hang zum Bespötteln so eingebürgert, daß sich ein Genera! Flederwisch der gewiß das Pulver nicht erfunden, für klüger als Sorele hält und die Spöttereien, die er immerwährend zu erdulden hat, an Sorele weitergibt. Und doch scheint Sorele einen Anziehungspunkt für unseren (Fortsetzung in nächster Nummer.) Briefkasten. Für die aus Rußland vertriebenen unglücklichen Glaubensbrüder sind uns zugekommen: Von I. A. fi. 4.—

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