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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-09-18 · 37 (18.9.1891) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
37 (18.9.1891)
Date
1891-09-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 666 Oestrrrrichifchr beigesetzt wurde. Prediger Dr. Jelliüek hielt dem Verblichenen die Denkrede und pries seine Tugenden und seinen frommen Charakter in beredten Worten. Wie». Am 6. d. wurde Herr Hermann Ratzersdorfer im Alter von 76 Jahren bestattet. Er hatte sehr große Verdienste auf dem Gebiete der Kunstindustrie sich erworben wofür er durch das Ritterkreuz des Franz Josefs-Ordens ausgezeichnet wurde, war Juwelier und ein bedeutender Antiquitätenhändler. Seine Firma war im In- und Auslande sehr geachtet und er gehörte zu den trefflichsten Mitgliedern der Cultuegemeinde. Zu seiner Bestattung hatte sich ein zahlreiches Publikum auf den, Central-Friedhofe eingefunden. Wie«, 15. September. (Gedenkfeier an das Gefecht bei Doboj.) Der Kriegerverband des 8 Infanterie- Regiments feierte gestern die Erinnerung an das siegreiche Gefecht bei Doboj im Jahre 1878. Die Mitglieder zogen, im Festkleide mtt schwarz-gelben Bandschleisen im Knopsttche, unter Führung des Obmannes Marschalik zur Votivkirche, wo um 10 Uhr ein Hochamt abgehalten wurde. Um halb 12 Uhr gingen die Krieger in corpore in den israelitischen Tempel in der Settenstetten gaffe, wo sich dem Traucrgottesdienste die Mitglieder des Cultusvorstandes, viele Reserve - Officiere und ein sehr zahlreiches Publicum eingefunden hatte. Vor der mit schwarzem Tuche verhüllten Bundeslade brannte das Seelcnlicht. Nachdem Obercanlor Singer, einen Trauerchor executirt hatte, hiett Prediger Dr. Jellinek die Gedenkrede, gedachte des ruhmvollen Tages von Doboj und sagte unter Anderen, daß iu der österreichisch-ungarischen Armee kein Nationalitäten-Vorurtheil und keine Confessions - Begangenheit existire und alle, die tapfer sind, einander gleichstchen; Men voran steht unser glorreicher Monarch und über alle seine Krieger breitet der Adler seine Fittige. Nach dem Gebete für die Abgeschiedenen und einem deutschen Trauerliede wurde die Bundeslade geöffnet, und die Volkshymnc gesungen, wobei alle Anwesenden sich von den Sitzen erhoben. — Nachmittags folgte der gottesdienstlichen Feier des Tages eine Unterhaltung mit Vorträgen und Tanz in den Drei-Engelsälen auf der Wiedel'. Wie«.' Der Verein „Livias Chen* gibt bekannt, daß im Vereinsbechause, Wien, II. Ob. Donaustr. 89 der Verkauf der Betsitze bereits begonnen hat. Wie«. 15. September. Ein Opfer der russischen Judenverfolgungen ein 60 Jahre alter Mann, hat heute Nachts in Wien aus Verzweiflung über seine traurige Lage seinem Lebm ein Ende gemacht. Der Selbstmörder war der bis vor einigen Monaten iu Odessa ansässig gewesene Handelsmann Ascher Ornstein. Er wußte gleich vielen seiner Glaubensgenossen, als die Allsweisung der Juden in Rußland dekretirt wurde, die Stadt, in welcher er seit vielen Jahren seinen Erwerb hatte, verlassen Die geringen Ersparnisse, die Ornstein hatte, waren bald aufgezehrt. Mittellos und planlos reiste der Ausgewiesene in das Ausland. Große Strecken legte er oft zu Fuß zurück. Die Betrüge, welche er von einzelnen Unterstützungscomites in den Städten, die er-bei seiner Wanderung berührte, erhielt, reichten immer nur auf kurze Zeit zur Fristung seines Lebens hin. Vorgestern langte O r n st e i n in Wien an. Er hatte mit großer Mühe Unterstand iu der Kleinen Schiffgasse Nr. 32 gefunden. Kinder Ornstein's, welche aus Nischni-Nowgorod ausgewiesen wurden, haben in Paris Aufenthalt genommen, Wochenschrift. Skr 37 ihr Vater hoffte hier nun die Mittel zu bekommen, um zu ihnen nach Paris zu reisen. Er richtete vergebens eine Anzahl Gesuche an verschiedene bekannte Wohlthäter in Wim und in seiner Verzweiflung faßte er den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. Heute Nachts verließ er heimlich sein dürftiges Lager, begab sich auf den Gang des zweiten Stockwerkes und erhenkte sich dort an einem Fensterkreuz. Man fand bei ihm einen Betrag von zwölf Kreuzer vor. Wien. Gründlichen Unterricht in der französischen oder englischen Sprache finden Zöglinge an der seit 1871 bestehenden Lehranstalt des Professor A. Pese. Die Anstalt, welche eine Reihe von französischen und englischen Sprachcursen umfaßt, ist mit einer Bildungsanstalt für Lehramts-Candidatinnen der französischen oder englischen Sprache verbunden, in welcher außer der französischen und englischen Sprache « Grammatik und Conversation) und Literatur auch deutsche Sprache (Grammatik, Stillehre niit Aufsatzübungen und Geschichte der deutschen Literatur), sowie Pädagogik, Erziehungslehre, Unterrichtslehre, Geschichte der Pädagogik von durchaus renommirten Lehrkräften, Pro essoren, gelehrt wird. Außer dem Vorstand wirken an dieser Anstalt unter Anderen Professor Dr. C. T u m l i r z, (deutsche Sprache, Literatur, Pädagogik), Professor A. Rey, Fräulein S. Lotheissen, Tochter des weiland Dr. Ferd. Lotheissen, Professor der französischen Literatur an der k' k. Universität Wien u. s. w. Die Anstalt hat bisher über 500 Sprach tehrerinnen, aus dem In- und Auslands ausgebildet, welche insgesammt die Lehrbefähigungsprüsnng für Lehrerbildungsanstalten oder Bürgerschulen mit dem besten Erfolge bestanden und genießt deshalb in dieser Beziehung eines wohlbegründeten Rufes. Anmeldungen werden im Laufe des Monates September in der Anstalt, II. Circusgasse 20, 1. Stock, entgegengenommen, woselbst auch Programme gratis zur Verfügung stehen. Wir können diese altrenommirten Unterrichtsanslalt unseren Lesern nur wärmstens empfehlen. Wien. (Zwischenfall im Tempel.) In dem Tempel II., Schiffgasse kam es bei dem Freitag Abends den 11. d. M. siattgefundenen Gottesdienste zu einem aufregenden Zwischenfall. In einer der vorderen Bänke machte sich plötzlich eine lebhafte Bewegung bemerkbar und Rufe: „Wasser, Wasser!" wurden laut. Unter dem Publikum entstand eine Panik, da die meisten Leute anfangs glaubten, es handle sich um einen Brand, der im Gotteshause ausgebrochen sei. Zum Glücke klärte sich der Sachverhalt in kürzester Zeit auf und das Publikum beruhigte sich. Ein kleiner Knabe, der mit seinem Bruder dem Gottesdienste angewohnt hatte, war unwohl geworden. Der Knabe verlor das Bewußtsein und mußte für ihn Wasser geholt werden. Nachdem sich der Sachverhalt aufgeklärt hatte und der Knabe entfernt worden war, ging der Gottesdienst ohne weitere Störung von Statten. Budapest. (Der Kaiser in Ungarn.) Die Galgoczer Kaifertage haben, wie man dem „P. Ll." nachttäglich schreibt, eine Menge kleiner Episoden gebracht, welche erst jetzt bekannt werden. Bei den Ausfahrten zum Manöver war der Kaiser stets Gegenstand begeisterter Ovationen. In Gellenfalu fuhr, der Kaiser in den Hof des israelitischen Landwirthes Jellinek, wo die Erzherzoge Albrecht, Friedrich und Josef August den Monarchen erwarteten. Die Hoheiten unterhielten sich in leutseligster Weise mit dem Hausherrn, den sie seines leidenden Aussehens wegen auch um seine Krankheit befragten und Erzherzog Josef August, der Appettt hatte, ließ sich hier Butterbrot streichen. Budapest, 2. September. Der Sekretär der Baron von H irsch'schen Wohlthätigkeitsinstitute, Herr- Michael Singer, läßt vom 20. d. Mts. an unter dem Titel „Az emberbarat“ (der Menschenfreund) eine ungarische, philanttopische Zeitschrift erscheinen, welche sich die Vereinigung aller Kräfte, hie bisher in dem Kampfe gegen den Pauperismus gesondert vorgingen, zum Ziele gesetzt hat. — Auf Anregung der Redaktion, des „Egyenlöseg" wird hier ein aus Schriftstellern gebildetes Comtte zusammentreten, welches die Herausgabe eines Gedenkhuches zu Gunsten der russischen Juden sich zur Aufgabe stellen wird. Das Comite wird ohne Rücksicht auf die Confession gebildet werden und auch das Buch von allen hervorragenden Blattern mtt Betträgen bedacht werden. — An den Unterrichts-

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